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Virolín - Im Tal des schwarzen Kolibris

Das im Jahr 2004 abgeschlossene OroVerde-Projekt Virolín in Kolumbien schreibt weiterhin Erfolgsgeschichte. Der illegale Holzeinschlag wurde gestoppt, der Regenwald großflächig dauerhaft gesichert. Das Schutzprojekt wird von dem Partner vor Ort eigenständig weiter getragen und lebt fort.

Der Humboldt-Eichenwald – ein außergewöhnliches Ökosystem

Die Bergnebelwälder der kolumbianischen Anden gehören zu den artenreichsten und gleichzeitig bedrohtesten Ökosystemen der Erde. Bereits über 90% der ursprünglichen Waldbedeckung wurden zerstört.

Das Projektgebiet befindet sich im Regierungsbezirk Santander, ca. 200 km nördlich von Bogota, und ist dort im Munizip Encino gelegen. Das Reservat Cachalu erstreckt sich zwischen 1600 und 4200 m ü.NN in den Tälern der Region Macizo de la Cordillera Oriental und grenzt westlich an das staatliche Schutzgebiet Guanentá – Alto Río Fonce.

Das Reservat Cachalu, das insgesamt 1300 Hektar umfasst, beherbergt die letzten größeren Bestände der Humboldt-Eiche (Quercus humboldtii) sowie viele endemische Tier- und Pflanzenarten. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass im Projektgebiet über 70 Säugetierarten und ca. 225 Vogelarten vorkommen. Darunter befinden sich auch sehr seltene Arten, wie der Brillenbär (Tremarctos ornatus) oder der Anden-Tapir (Tapirus pinchaque). Eine weitere Besonderheit ist der für diese Andenregion endemische Schwarze Kolibri (Coeligena prunellei), auch Inka-Kolibri oder Virolín genannt, der dem Projekt seinen Namen gab. Zudem wurde in dem Gebiet auch eine Zahnwachtelart (Odontophorus strophium) wiederentdeckt, die in der Cordillera Oriental bereits als ausgestorben galt.

Bedrohung der Bergnebelwälder

Die Abgeschiedenheit der letzten größeren Bergnebelwälder der Region bewarten sie zunächst vor der Zerstörung. Doch illegaler Holzeinschlag und der zunehmende Landnutzungsdruck durch die Landbevölkerung wurden eine immer größere Gefahr für dieses besondere Ökosystem.

Um den einzigartigen Humboldt-Eichenwald zu retten, hat OroVerde zusammen mit der kolumbianischen Naturschutzorganisation Fundacion Natura das Projekt „Virolín“ ins Leben gerufen. Im Vordergrund standen die Ausweitung des Schutzgebietes sowie die Beteiligung der lokalen Bevölkerung am Projekt.

Ausweitung des Schutzgebietes und Aufbau eines Forschungszentrums

Um dem illegalen Holzeinschlag entgegenzutreten und um ein weiteres artenreiches Gebiet zu erhalten, wurden zuletzt im Jahr 2000 aus Spendengeldern 140 Hektar Waldfläche hinzugekauft. Das erworbene Land gehört zu der ehemaligen Hacienda Cachalu und liegt strategisch günstig am Eingang des Parks in direkter Nachbarschaft der anderen Schutzgebiete. Deshalb wird es als Kontroll- und Beobachtungsposten genutzt, um den Zugang zu den anderen geschützten Flächen zu überwachen.

Das ehemalige Bauernhaus der Hacienda wurde zu einem Besucher- und Forschungszentrum umgebaut, wodurch heute Touristen, Wissenschaftler und Studierende vieler Universitäten Zugang zum „Tal des Kolibri“ haben. Dies hat im Wesentlichen dazu beigetragen, dass die Biodiversität und ökologische Aspekte des Reservates wissenschaftlich untersucht werden können. Die bisher veröffentlichten Forschungsergebnisse bilden wichtige Grundlagen für den weiteren Erhalt des Reservats.

Beteiligung der lokalen Bevölkerung

Um die langfristige Wirkung des Projektes zu sichern, wurde auch die lokale Bevölkerung an den Schutzmaßnahmen beteiligt. Da sie nicht über das notwendige Wissen verfügten, ihr Land nachhaltig zu bewirtschaften, wurden ihnen durch Workshops naturverträgliche Landnutzungsmethoden nähergebracht.

Damit die Bevölkerung über die Aktivitäten im Reservat Bescheid weiß, wurde ein Informationszentrum in Encino errichtet, das Bücher, Filmmaterial und andere Medien über das Projekt zur Verfügung stellt. Auch die Schulen der Region wurden in die Umweltbildungsmaßnahmen miteinbezogen. Zum Beispiel unternahmen die Schulkindern Exkursionen in den Park, um ihnen die Schönheit und den Reichtum der einheimischen Flora und Fauna zu zeigen. Darüber hinaus wurden die Kinder am Bau einer Baumschule beteiligt, bei der sie mithalfen, Samen seltener Pflanzen zunächst im Park zu sammeln um sie später einzusäen.

Diese Projekte sowie weitere Aktivitäten zur Umweltbildung und zur Nachhaltigkeit sollen auch in Zukunft weitergeführt werden, um das Reservat Cachalu langfristig zu bewahren.

Projektgebiet

Junge bei einer Baumpflanzaktion.