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Menschen der Regenwälder

Menschen der Regenwälder: Indigene Völker

Den "unberührten Urwald" gibt es nicht, denn seit Jahrtausenden leben Menschen in den Tropenwäldern. Allerdings sind die Gemeinschaften weit verstreut und haben Wege gefunden, im Einklang mit der Natur zu leben, ohne dieser zu schaden.

Auf einen Ureinwohner kommen ganze zwei Quadratkilometer Wald. Im amazonischen Tiefland Südamerikas zum Beispiel, das ungefähr so groß wie Europa ist, siedeln etwa eine Million Indigene. Zum Vergleich: Allein in Deutschland leben 82 Millionen Menschen. Jedes Volk des Waldes hat über die Zeit hinweg seine eigenen Überlebensstrategien entwickelt, die bis heute unübertroffen sind, die Bedürfnisse der Menschen zu decken und dabei das ökologische Gleichgewicht der Tropenwälder zu bewahren.

Der Wald - Vater und Mutter zugleich

Auch wenn die Kulturen der Regenwaldvölker sehr verschieden sind, haben sie doch eins gemeinsam: dass sich die Menschen als Teile des Waldes verstehen. So erblüht die Kultur der Regenwaldmenschen aus ihrer Haltung dem Wald gegenüber heraus. Der Mensch ist nicht der Beherrscher seiner Umwelt, er ist mit ihr verbunden, ist ein Teil davon. Der Wald ist den Indigenen Vater und Mutter zugleich. In seinem Schoß fühlen sie sich wohl und sicher; seine Früchte nähren sie, Pflanzen und Tiere werden geachtet.

Mayadorf, © B. Hesebeck
Indianermädchen, © Ecotropica

Im Einklang mit der Natur

Um die ziemlich unfruchtbaren Böden zu nutzen haben die Regenwaldvölker spezielle landwirtschaftliche Anbauweisen, zum Beispiel den Wanderfeldbau, entwickelt. Dazu roden sie kleine Waldstücke während der Trockenzeit. Die Asche der gefällten Bäume düngt den nährstoffarmen Boden. In der Regenzeit bauen die Naturvölker zeitlich versetzt verschiedene niedrige, dann höhere Pflanzen auf dem kleinen Feld an. Es entsteht ein Mosaik aus Nutzpflanzen wie Mais, Reis, Bohnen, Kürbis, Papaya, Zuckerrohr, Baumwolle, Tabak und Heilpflanzen, welche die Grundversorgung sicherstellen. Nach zwei bis drei Jahren ist der Boden ausgelaugt und der Anbau nicht mehr lohnend. Dann überlassen die Indigenen die Fläche wieder ganz der Natur und roden ein neues Feld. Das alte Feld nutzen sie weiterhin als Jagdrevier und zum Ernten von Pflanz- und Saatgut für neue Felder. Die gerodeten Flächen bleiben immer recht klein, so dass sich der Wald innerhalb von 50 Jahren wieder erholt.

© Patuca (Honduras)
Kichwafrauen, © Sarayacu

Schamanen - Heiler aus dem Regenwald

Der Wald ist aber auch Sitz von Geistern, Göttern und Dämonen und hat daher eine spirituelle Bedeutung für die Menschen des Waldes. Das Verbindungsglied zu dieser Geisterwelt ist der Schamanismus. Der Schamane ist ein Bewusstseinskünstler, der durch seine mystischen Fähigkeiten als Vermittler zur übersinnlichen Welt auftritt und damit für seinen Stamm lebenswichtige Funktionen ausübt.

Der Schamane kennt die Wege, die in andere Welten, in andere Wirklichkeiten und in das Innerste der Dinge führen. Die Schamanen sind gleichzeitig die Medizinmänner der Waldvölker und bewahren das überlieferte Wissen über die medizinische Wirkung der Pflanzen des Regenwaldes und ihre Anwendung. Ein einziger Schamane kennt allein weit mehr als 100 verschiedene Heilpflanzen zur medizinischen Versorgung seines Stammes. Ein Wissen, dass über die Grenzen der Regenwälder hinaus von unschätzbarem Wert ist.  

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