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14.06.2017

Wenn Brüllaffen auf ein Tête-à-Tête im Regenwald vorbeikommen

Ein Projekt in 3 ganz unterschiedlichen Projektgebieten durchführen? Ja, das funktioniert! Beim Großprojekt WaldGewinn geht es vor allem darum, für langfristigen Waldschutz nicht nur die Bevölkerung vor Ort mit ins Boot zu holen, sondern auch den privaten Sektor zu engagieren. Von Honig über die spannende Mayanuss bis hin zum Kakao - alle Produkte können vor Ort produziert und verkauft werden. Gemeinsam mit den Partnerorganisationen Defensores de la Naturaleza und Heifer International Guatemala geht es darum, diese Wertschöpfungsketten weiter zu entwickeln. Nun machten sich OroVerde-Mitarbeiterinnen vor Ort selbst ein Bild von den Fortschritten und der Vielfalt der Flora und Fauna.

Ökosysteme des Regenwaldes von Guatemala

Blick auf die Bergkette Sierra de las Minas vom Feuchtgebiet Bocas del Polochic. OroVerde arbeitet in den verschiedensten Regenwald-Gebieten Guatemalas.

3 Projektgebiete, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Die beiden OroVerde-Mitarbeiterinnen Linda Rohnstock und Anna Hömberg reisten sozusagen einmal quer durchs Land, um diese faszinierenden Regionen kennen zu lernen. Das hieß aber auch: Jeden Tag den Koffer neu packen und lange Autofahrten auf staubigen Pisten mit jeder Menge Schlaglöchern.

Grenzgang im Nationalpark

Als erstes ging es in die Kernzone des Nationalparks Sierra del Lacandón hoch oben an der Grenze zu Mexiko. Nur der Fluss Usumacinta trennt die beiden Länder voneinander. Auf dem Weg dorthin fuhr die Gruppe an vielen verbrannten Flächen vorbei. Rudy Bautista, Koordinator des WadGewinn-Projektes, erklärte, dass gerade Sommer ist und diese Brände bei der Hitze leider sehr häufig auftreten. Doch keiner der Brände ist natürlich! Hinter fast allen steckt außer Kontrolle geratene Brandrodung. Bei diesen heißen Temperaturen entzündet sich die Vegetation leider sehr schnell. Nach 3 Stunden Autofahrt folgte der Umstieg ins Boot und auf der Fahrt wurde schnell klar: Stromschnellen sind nichts für schwache Nerven und noch weniger für empfindliche Kameras! Je näher die Kernzone rückte, desto aufregender wurden die Fotomotive. Baumriesen reichen mit ihren Wurzeln hinunter bis zum unwegsamen Kalkgestein, das das gesamte Ufer säumte.

 

Eine Maya-Stätte im Regenwald

Angekommen in der Maya-Stätte "Piedras Negras" (dt. "Schwarze Steine") wurde eines schnell klar: Die Gruppe war in der Kernzone des Parks angekommen. Hunderte Kolibris schwirrten um einen Baum, der gerade in Blüte stand, Schmetterlinge flogen am Ufer umher und im Dickicht des Waldes entdeckte einer aus der Gruppe in der Ferne sogar einen Ozelot! Nach dieser aufregenden Fahrt in die Kernzone ging es auch in die Gemeinden des Nationalparks, die mit Hilfe des Projektes in der Honigernte und der Verarbeitung von Mayanüssen eine Alternative zum weit verbreiteten Maisanbau finden. Auch hier gab es spannende Einblicke in das Leben der Menschen vor Ort.

Rauchende Köpfe beim Workshop

Bei 35 °C und geschätzten 90% Luftfeuchtigkeit einen kühlen Kopf zu bewahren ist gar nicht so einfach! Nichts desto trotz war der dreitägige WaldGewinn-Workshop ein voller Erfolg! Zum ersten Mal kam das komplette Projektteam aus allen 3 Organisationen und allen Regionen zusammen. Insgesamt nahmen etwa 35 Personen am Workshop teil und stellten nicht nur ihre bisherigen Ergebnisse vor, sondern diskutierten vor allem über die Zukunft der verschiedenen Wertschöpfungsketten der 3 Produkte Honig, Kakao und Mayanuss. Wie viel Unterstützung brauchen die Kleinbauern bei der Verarbeitung? Sind Investitionen wie Trocknungsanlagen o.Ä. nötig? Wo genau könnte ein Investor finanzielle Unterstützung leisten? Und: Gibt es schon Kontakt zu allen wichtigen Akteuren, die sich mit diesem Produkt beschäftigen? Darüber hinaus ging es auch darum, wie das Projekt in der Öffentlichkeit dargestellt wird und welche Finanzierungsmodelle für den langfristigen Aufbau der Wertschöpfungsketten und somit den Erhalt des Regenwaldes vor Ort in Frage kommen könnten.

Ein See voller Leben

Nach dem Workshop ging es gleich in das nächste Projektgebiet: Bocas del Polochic am Izabal See im Süd-Osten des Landes. Den Tieflandregenwald in Lacandón noch vor Augen entdeckte die Gruppe nun auf einer Rundfahrt ein völlig anderes Ökosystem: Die Feuchtgebiete rund um den Izabal See, am Fuße der Bergkette Sierra de las Minas. Das Wildschutzgebiet hatte viel zu bieten. Vögel zogen knapp über dem Wasser am Boot vorbei. Hunderte von Insekten schwirrten in der Luft und dutzende Reiher standen am Ufer. 
Aber nicht nur am und im See war die Artenvielfalt allgegenwärtig. Auch in den Gemeinden merkte die Gruppe schnell, dass die Familien hier gerne von und mit dem Wald leben. Innerhalb weniger Jahre wachsen hier Parzellen mit verschiedensten Pflanzen heran: Bananen, Kakao, Mangos und Avocados sind nur einige der Früchte, die man hier findet.

 

Ein Kochkurs für den Regenwald

Besonders spannend war für die beiden OroVerde-Mitarbeiterinnen auch der Kochkurs der Frauen in der Gemeinde Santa Rosa Balandra. Die getrockneten Kakaosamen wurden zu verschiedensten Leckereien verarbeitet und die Gruppe war natürlich gerne bereit, die Kreationen zu probieren. Ob karamellisiert oder schon zum cremigen "Licor de Chocolate" verarbeitet - alles war sehr lecker und kam gut an. Kein Wunder also, dass die Kinder der Gemeinde jeden übrig gebliebenen Krümel bereitwillig vernichteten. 
Neben Kakao wurden auch Pflanzen wie Maniok und Ananas verarbeitet. So lernen die Frauen der Gemeinde kontinuierlich wie sie die verschiedenen Pflanzen aus ihren Parzellen noch besser zubereiten können. 

Wie der Schauplatz eines Drehbuchs

Als letzte Station ging es hoch in die Bergkette Sierra de las Minas. Nach 2 Wochen bei über 30°C und sehr hoher Luftfeuchtigkeit freute sich die Gruppe schon, in die Berge zu fahren und endlich im kühleren Klima unterwegs zu sein. Doch natürlich war auch diese Fahrt nicht ohne kleine Hindernisse und Hürden zu bewältigen. Mit Pick Ups ging es in das unwegsame Gelände der Bergkette. Dachte man zuerst, allein die Schotterpiste wäre schon holprig, wurde man von den steinigen "Kletterpfaden" weiter oben eines besseren belehrt! Sogar spezielle Ketten für die Räder kamen zum Einsatz! Oben angekommen konnte die Gruppe den Ausblick an der "Peña del Angel" (dt. "Engelsfelsen") genießen. Nun war allen klar: Die Mühe hatte sich gelohnt: Bergnebelwald soweit das Auge reicht. Mit Moos behangene Baumriesen, wie sie höher kaum sein könnten. Baumfarne und Riesenbambus. Ein mystischer Ort, wie er nicht besser in einem Drehbuch für große Hollywood-Blockbuster stehen könnte!

Auf der Jagd nach dem Quetzal

Um 5 Uhr ging es dann am nächsten Morgen auf die Suche nach dem Nationalvogel des Landes, dem Quetzal. Dieser ist nur in solchen Ökosystemen, wie sie die Naturwälder der Sierra de las Minas zu bieten haben, zu finden. Doch es ist mit viel Glück verbunden, den Vogel dann auch tatsächlich zu Gesicht zu bekommen. Zum Glück waren die beiden OroVerde-Mitarbeiterinnen mit 2 Experten unterwegs, die ein Quetzal-Männchen gleich nach wenigen Minuten sichteten. Der Körper wirkt klein im Vergleich zur riesigen Schwanzfeder, aber im dichten Grün des Waldes ist das Tier wirklich schwer zu entdecken! Doch seine Laute verraten ihn das ein oder andere Mal. Laien würden sagen, es hört sich mehr nach einem Truthahn an als nach einem tropischen Vogel.

Ende gut - Alles gut

Eine spannende Projektreise mit unendlich vielen Eindrücken, verschiedensten Ökosystemen und jeder Menge Biodiversität! Auch der Besuch der verschiedenen Gemeinden zeigte wieder: Es ist schon viel passiert, aber es gibt immer noch eine Menge zu tun!

Wenn auch Sie dem Regenwald in Guatemala helfen möchten:

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