Nebel im Regenwald in Lateinamerika

Tropenwaldtypen

Verschieden und doch gleich?

Tropenwälder liegen - wie der Name schon sagt - in den Tropen. Nach einer gängigen Definition für "Tropen" liegt diese Klimazone zwischen dem nördlichen und dem südlichen Wendekreis. Doch aufgepasst: Hält man sich an diese Einteilung liegen auch Gebirgszüge mit mehreren tausend Metern Höhe (v.a. in Südamerika und Afrika) in den Tropen. Der Gipfel des Kilimandscharos z. B. ist mit Schnee bedeckt, obwohl er in den Tropen liegt. Wälder sucht man auf solchen Höhen natürlich vergebens. Daher bedeutet das Wort "Tropen" allein also nicht automatisch Hitze, hohe Luftfeuchtigkeit und undurchdringliche Wälder. In anderen Gebieten der Tropen findet man jedoch noch ganz unterschiedliche Wälder. Von den Tieflandregenwäldern bis hin zu den Mangrovenwäldern: Sie alle zählen zu den Tropenwäldern! Einige stellen wir Ihnen auf dieser Seite vor.

Schon gewusst?
  • Mehr als 25% aller Bäume weltweit wachsen in tropischen Regenwäldern.
  • Es wird geschätzt, dass es weltweit noch etwa 1,77 Mrd. ha Tropenwald gibt.
  • Das größte noch zusammenhängende Tropenwaldgebiet der Erde ist das Amazonasgebiet in Südamerika – es ist in etwa so groß wie die Fläche der Europäischen Union.  

In den verschiedenen Regionen der Tropen weltweit findet man ganz unterschiedliche Wälder. Tropenwaldtypen sind also fast so vielfältig wie die Lebensgemeinschaften, die in ihnen leben. So bieten die Mangroven z. B. eine gute Kinderstube für Jungfische und der Bergnebelwald in einem der OroVerde-Projektgebiete in der Sierra de las Minas in Guatemala zeichnet sich durch verschiedenste Moosarten sowie Baumfarne aus. Entdecken Sie die Merkmale der unterschiedlichsten Wälder und erfahren Sie, welche Besonderheiten diese Wälder von unseren heimischen unterscheiden.

Fragen und Antworten zu Tropenwaldtypen

Was zeichnet die Wälder der Tropen aus?

In den Wäldern der Tropen funktioniert der Jahreszyklus in der Regel nicht über große Temperaturschwankungen der Durchschnittstemperatur (wie hier bei uns mit Sommer und Winter), sondern über die Niederschlagsmenge pro Monat. In den tropischen Bergnebelwäldern z. B. ist es etwas kühler und es regnet etwas mehr als in tropischen Tieflandregenwäldern, wo es über den gesamten Jahresverlauf hinweg selten zu hohen Temperaturschwankungen kommt. 


Welche Tropenwaldtypen gibt es?

Immergrüne tropische Tieflandregenwälder

  • Lage: Tiefland bis zu etwa 1.200 m über dem Meeresspiegel
  • Klima:
    - perhumides Klima
    - heißfeuchte Zone
    - keine lange ausgeprägte Trockenzeit, jährlich gleichbleibend hohe Niederschläge (1.600 mm und mehr)
    - Durchschnittstemperatur des "kältesten" Monats liegt bei mind. 18° C; Jahresdurchschnittstemperatur i. d. R. über 24° C
  • Pflanzenwelt: 
    - Bäume verlieren nie zur gleichen Zeit ihr Laub
    - üppige und artenreiche Vegetationsform, Pflanzen mit fiedrigen Blättern kommen häufiger vor
    - Überständer
    - häufig Stockwerkbau mit unterschiedlichen Lebensgemeinschaften auf den unterschiedlichen Ebenen

Tropische halbimmergrüne Regenwälder

  • Lage: häufig im Übergangsbereich zwischen den immergrünen tropischen Regenwäldern und den Monsunwäldern, bzw. Trockenwäldern vor
  • Klima: Niederschlag von mind. 1.200 mm und einer Trockenzeit von 3-4 Monaten 
  • Pflanzenwelt:  
    - geschlossener, hochwüchsiger Wald
    - höchste Einzelbäume bis 45 m hoch (Emergenten gibt es nur vereinzelt oder selten)
    - laubabwerfende Arten machen bis zu 2/3 der kleineren Baumarten aus, aber es verlieren nie alle gleichzeitig ihre Blätter
    - Borke oft dicker
    - weniger kompakt im Vergleich zum immergrünen Regenwald 
    - sehr häufig: große, holzige Kletterpflanzen

Tropische Trockenwälder

  • Lage: Tropengebiete, in denen die Niederschläge im Jahresverlauf stark schwanken
  • Klima: Trockenzeiten von bis zu 5-8 Monaten möglich
  • Pflanzenwelt:
    - Anpassungen an die lange Trockenzeit, wie beispielsweise Blatt- oder Stammsukkulenz (Ausbildung von Wasserspeichergewebe im Stamm oder den Blättern)
    - viele Baumarten werfen ihre Blätter ab und bilden diese zu Beginn der Regenzeit neu

→ Je länger und niederschlagsärmer die Trockenperiode ist, umso schwieriger wird es für das Wachstum der Bäume. Die Trockenwälder werden immer lichter und gehen dann allmählich über in Savannen, welche von Gräsern mit kurzen Vegetationsperioden dominiert werden.

Tropische Bergnebelwälder

Bergregenwald:

  • Lage: ab etwa 1.200m bis etwa 2.500/3.000 m (z. B. die - Sierra de las Minas in Guatemala auf 2.650 m- Projektgebiet von OroVerde)
  • Pflanzenwelt:
    - Bäume beladen mit Moosen und Kleinfarnen
    - Überständer selten (diese finden in den Hanglagen der höher gelegenen tropischen Bergregenwälder meist keinen Halt mehr)
    - Stützwurzeln sind wenig verbreitet

Mangrovenwälder

  • Lage: Küsten tropischer Regionen
  • Klima: i. d. R. zweimal am Tag Überflutung durch die Gezeiten 
  • Pflanzenwelt:
    - Waldformation an allen tropischen Weichbodenküsten
    - auffällige Stelzwurzeln 
    - Auskeimen der Samen auf der Mutterpflanze; Was die Pflanzenwelt angeht sind Mangrovenwälder erheblich artenärmer als andere Waldformationen.
    - stellen die Kinderstube für viele Meerestiere 

Ist Regenwald gleich Regenwald?

Überständer mit schwindelerregender Höhe, viele Lücken und kaum Unterwuchs und dennoch eine hohe Artenvielfalt - dies zeichnet besonders die tropischen Tieflandregenwälder aus. Oder: nebelverhangene Baumriesen mit viel Moos und ein Unterwuchs wie ein "Dschungel" , durch den man sich erst durchkämpfen muss - Charakteristika der tropischen Bergnebelwälder. Eines dieser beiden Bilder hatte sicher jeder schon mal bei dem Wort "Regenwald" im Kopf. 

Wir haben diese beiden Tropenwaldtypen miteinander verglichen, die sich in vielen Punkten unterscheiden. 

TieflandregenwaldBergnebelwälder
 
  • Überständer
  • weniger Unterwuchs
  • große Bäume können länger wachsen; weniger Dynamik in der
    Pflanzengemeinschaft als in Bergnebelwäldern
  • Beispiele sind: Sumpf-/Moorwälder oder Torfwälder in Südostasien
  • Aber auch: Der Nationalpark "Sierra del Lacandón" im Norden Guatemalas
 
 
  • kaum Überständer (zu wenig Halt in den höheren Lagen)
  • dichter im Unterwuchs
  • mehr Dynamik in der Pflanzenzusammensetzung 
  • mehr Regen und kühler
  • wesentlich mehr Epiphyten
  • Anpassungen der Pflanzen, um den Nebel als Wasserquelle zu nutzen: Neben Trichtern gibt es beispielsweise auch Saugschuppen
  • mehr Relief
  • nährstoffärmer
  • Beispiel: Das Schutzgebiet Sierra de las Minas im Südosten Guatemalas
 

Welche Tropenwaldtypen gehören zu den tropischen Regenwäldern?

  • Tieflandregenwald
  • Halbimmergrüner Regenwald
  • Bergregen- und Nebelwald
Kiefern in den Tropen?

Tropenwälder können vielfältige Vegetationsformen aufweisen. So kommen beispielsweise auch Kiefernarten in den Tropen vor. Ein gutes Beispiel hierfür sind Kiefernwälder in den OroVerde-Projektgebieten der Dominikanischen Republik und auf Kuba. So wächst dort im Alexander von Humboldt-Nationalpark die Kuba-Kiefer, die im Osten Kubas endemisch ist, das heißt, sie kommt nur dort und nirgendwo sonst auf der Welt vor. Aber auch in dem Biosphärenreservat der Sierra de las Minas in Guatemala gibt es natürliche Kiefern-Eichen-Wälder in denen unterschiedliche lokale Kiefernarten vorkommen.


Worin besteht der Unterschied zwischen tropischen Regenwäldern und einheimischen Wäldern?

Leider haben wir in Deutschland keine echten Urwälder mehr, und selbst die Wälder in unseren Nationalparks sind im Laufe unserer Geschichte stark von uns Menschen verändert worden. Einige Tier- und Pflanzenarten sind sehr selten geworden in unseren Wäldern. Die Unterschiede zwischen heimischen und tropischen Wäldern basieren also nicht immer auf Unterschieden in Klima und Bodenbeschaffenheit, sondern machen auch deutlich, wie sehr wir unsere eigenen Wälder schon verändert haben und wie wichtig es ist, die letzten Urwälder dieser Welt zu schützen.

 Tropische RegenwälderHeimische Mischwälder
Jahreszeitenwenn, dann Regen- und Trockenzeiten; keine 4 Jahreszeiten

in der Regel 4 Jahreszeiten mit Frühling, Sommer, Herbst und Winter 

Temperaturkein Frost hohe Temperaturunterschiede möglich: von mehr als 25° C im Sommer bis zu Minusgraden im Winter ist alles möglich 
Biodiversität

- hohe Biodiversität an Tieren und Pflanzen

- bis zu 280 Baumarten auf einem 1 ha

- hohe Artenvielfalt auf wenig Fläche bewirkt besseren Schutz gegen Ausbreitung von Schädlingen

- geringere Biodiversität


- in ganz Deutschland nur 90 Baumarten

- höhere Gefahr, dass sich Schädlinge schnell verbreiten (Bsp.: Borkenkäfer)

Abwurf der Blätternur alte oder beschädigte Blätter werden abgeworfen; ansonsten in der Regel immergrünBlätter werden in der kalten Jahreszeit abgeworfen als Schutz vor Erfrieren des Zellgewebes und vor Vertrocknung
(Ausnahme Nadelbäume)
Beheimatete Raubtiereverschiedene Raubtiere wie Jaguare, Pumasderzeit sind Raubtiere wie Wolf und Bär selten und somit Häufung bestimmter Tierarten wie Rehe, Hirsche  
Verteilung der WaldflächeEs gibt noch viele große, zusammenhängende Waldgebiete.Durch viele Besiedlungen gibt es kaum große, zusammenhängende Waldflächen, sondern meist kleinere Waldstücke. Eine Ausnahme bilden der Nationalpark "Bayerischer Wald" (24.221,8 ha) und der tschechische Nationalpark "Šumava" (68.064 ha), die gemeinsam das größte Waldgebiet Mitteleuropas bilden. 
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  • Spenden Sie jetzt für den Tropenwaldschutz
  • Informieren Sie sich über die nationale Bildungsarbeit von OroVerde
  • Finden Sie heraus, in welchen Ländern OroVerde gemeinsam mit Partnern Arbeit vor Ort leistet
  • Lesen Sie in den Quellen zu dieser Seite noch mehr über die verschiedenen Tropenwaldtypen.

Fotonachweis: K. Wothe (Titelbild, 4er Galerie,); Fundacion Defensores de la Naturaleza (See im Tieflandregenwald)

Sie haben noch Fragen zum Thema Regenwald?

Wir helfen Ihnen gerne weiter!
OroVerde - Die Tropenwaldstiftung
Telefon: 0228 24290-0
E-Mail: info@oroverde.de