Hausgarten

Gartentipps: Artenvielfalt im eigenen Garten und weltweit erhalten

Endlich kommt der Frühling! Blumen und Blätter sprießen – und die Hände von allen leidenschaftlichen Garten- und Balkonfans wollen endlich in der Erde graben! Wir haben die wichtigsten 4 Tipps zusammengestellt, mit denen Sie in Ihrem Garten richtig was für die Artenvielfalt tun können:

Knallig bunt gilt nicht nur für den Regenwald! Lesen Sie, wie Sie selbst mehr Diversität in Ihren Garten bringen und damit noch etwas zur weltweiten Artenvielfalt beisteuern. ©Philipp Gondecki

1. Blumenerde ohne Torf kaufen

Achten Sie auf die Label „torffrei“ oder „ohne Torf“. Achtung! „Bio“ ist nicht gleich torffrei. Hier ist der Blick ins Kleingedruckte wichtig. "Torfreduziert" heißt, dass trotz allem noch Torf drin ist - und manchmal sogar 50% oder mehr. Mit diesem Aufdruck scheinen Firmen auf den Ökozug aufspringen zu wollen, ohne wirklich etwas zu verändern. Auch in Anzuchttöpfen von Billig-Blumen befindet sich häufig viel Torf. Wer kann, sollte Kompost aus dem eigenen Garten verwenden. Oder sich bei den Wertstoffhöfen in der Umgebung erkundigen, denn hier gibt es oft garantiert torffreie Erde, die aus den Bioabfällen der Region entsteht. 

Warum ist das wichtig? Torf soll Pflanzen schneller wachsen lassen. Doch für die Torfgewinnung werden auch heute noch Moore trockengelegt. Dadurch werden einzigartige Lebensräume zerstört und viele Tonnen CO2 freigesetzt. Denn Moore sind die Kohlenstoff-Speicher schlechthin – sie machen nur 3% der weltweiten Landfläche aus, speichern aber doppelt so viel Kohlenstoff wie in der Biomasse aller Wälder der Erde enthalten ist. Werden sie für die landwirtschaftliche Nutzung oder die Produktion von Torf trockengelegt, entweicht das CO2 in die Atmosphäre und heizt dort den Klimawandel an. In den Regenwaldgebieten der Erde finden sich Torfmoorböden übrigens v.a. in Indonesien, was diese Regenwälder für den Klimaschutz besonders wertvoll macht!

2. Ein bisschen „Unordnung“ wirkt Wunder für Bienen und Co. 

Perfekt gestutzte Hecken, der perfekte grüne Rasen , aufgeräumte Beete und kein Ästchen mehr im Unterholz – in diesem Garten ist kaum Lebensraum für heimische Arten. Mehr Leben kommt in den Garten, wenn ein Laub- oder Reisighaufen auch mal liegen bleiben dürfen. Die bieten verschiedenen Tieren wie z.B. Igeln im Winter einen Unterschlupf. Brennnesseln sind Kinderstube für zahlreiche Schmetterlingsarten und heimische Staufen, Sträucher und bienenfreundliche Blumenmischungen bieten Insekten und Vögeln Nahrung. Ein bisschen „Unordnung“ wird mit vielen kleinen Gästen belohnt. 

3. Auf Pestizide und Kunstdünger verzichten

Kunstdünger (mineralische Dünger, Stickstoffdünger) und Spritzmittel (Herbizide, Insektizide) haben im Garten nichts verloren. Kunstdünger verbrauchen bei der Herstellung enorm viel Energie, die Dünger schädigen längerfristig die Böden und unter Umständen enthalten sie sogar giftige Schwermetalle, die in die Früchte übergehen können. Genauso gut funktionieren auch Dünger wie Kompost (kann man im eigenen Garten herstellen), Hornspäne, Gesteinsmehl, Mist oder Regenwurmhumus.

Viele Spritzmittel sind bedenklich für Gärtners Gesundheut und für die Tier- und Pflanzenwelt. Reste gelangen in den Boden, ins Grundwasser, schädigen Bienen und andere Nützlinge und können sich auch in Früchten und Pflanzen wiederfinden. Was hilft also gegen ungeliebte Gäste im Garten? Unkraut jäten anstatt chemisch vernichten, Schädlinge absammeln, Nützlinge pflanzen, Mulch einsetzen oder natürliche Pflanzenschutzmittel verwenden. 

4. Das System "Agroforst"  - auch in Ihrem Garten

Besonders wenn es um Waldwirtschaft in den Tropen geht, findet man häufig den Begriff Agroforst. Doch was genau ist damit gemeint und was hat Agroforst mit Ihrem heimischen Garten zu tun? Ganz einfach: Das Prinzip könnte man auch stark vereinfacht als Waldgarten bezeichnen, bei dem es darum geht, Nutzhölzer gemeinsam mit vielen weiteren Arten auf der gleichen Fläche zu pflanzen. Das erhöht nicht nur die Artenvielfalt der Pflanzen, sondern auch die der Tiere. In den OroVerde-Projekten vor Ort heißt das konkret: Die Kleinbauern pflanzen neben Kakao, Bananen und Avocados auch einheimische Baumarten wie Mahagoni oder Santa Maria. So hilft die eine Pflanze der anderen (z.B. durch den Schatten, den sie spendet) und Schädlinge können sich nicht so schnell ausbreiten. Auch in Europa wird dieses Konzept schon praktiziert. Wie wäre es also für Ihren heimischen Garten mit einer spannenden Mischung an Obst- und Gemüsesorten à la Agroforstsystem?

  • Mehr Tipps für einen richtig grünen Garten gibt’s hier.
  • Wenn der Garten dann schön ist, kann die Grill-Party kommen - und zwar ohne Grillkohle aus Tropenholz, ist doch klar!