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Der Amazonas: Vom Regenwald zur Steppe?

Ein Großprojekt für die Klimaforschung: Über 100 Biologen untersuchten 30 Jahre lang 106 Parzellen im Regenwald der Amazonas-Region Brasiliens. Die Leiterin der Studie, Adriane Esquivel Muelbert, von der Universität Leeds zieht ein negatives Fazit: Der Wandel hat bereits begonnen! Die Trockenphasen werden trockener und die Regenzeiten nasser. Bereits drei schwere Dürreperioden hat es innerhalb von nur zehn Jahren gegeben. Im Süden der Region ist die Anzahl der Regenfälle schon um 25 % gesunken. Bislang versorgt der Amazonas-Regenwald als Regenspender rund die Hälfte des südamerikanischen Kontinents - so die Wissenschaftler. Doch genau dieser Wasserkreislauf droht zu kippen! Eine aktuelle Veröffentlichung im Science-Magazin zeigt: Allein eine Entwaldungsrate von 20 % kann das ganze System aus dem Gleichgewicht bringen.

Die Forscher kämpften sich jahrelang immer wieder durch den dichten Dschungel des Amazonas-Regenwaldes, um alle wichtigen Daten zu sammeln: Baum-Gattungen wurden identifiziert, Stammdurchmesser erfasst und Klimadaten notiert. Immer wieder stieß das Team rund um die Leiterin, Adriane Esquivel Muelbert, auf Parzellen, in denen Menschen bereits ihre Spuren hinterlassen hatten. Dann musste das Team unverrichteter Dinge wieder den Marsch zurück antreten und den Weg zur nächsten Parzelle planen, mit der Hoffnung, dass dort noch kein menschlicher Einfluss stattgefunden hatte. Die Daten dürften nicht verfälscht werden. Diese Langzeitstudie sollte allein die Auswirkungen des Klimawandels auf den Regenwald im Amazonas untersuchen.

Der Regenwald trocknet aus

In den Jahren 2005, 2010 und 2015/2016 hat das Amazonasgebiet bereits drei extreme Dürren erlebt. Dies ging auch an der Vegetation nicht spurlos vorbei: Das Team konnte Veränderungen in der Zusammensetzung der Flora vor Ort festhalten. Es gibt immer weniger feuchtigkeitsliebende Bäume in den untersuchten Gebieten. Sie können unter den Extrembedingungen nicht überleben. Die an Dürre angepassten Bäume schaffen es jedoch nicht, diese Lücken direkt zu füllen. So schnell wie der Klimwandel seine Auswirkungen zeigt, kann sich das System nicht anpassen. Es hinkt hinterher.
Und die Folgen? Das Ökosystem wird stark geschwächt und die Biodiversität nimmt ab. Den Wissenschaftlern zu Folge hat die Umwandlung hin zu einer trockeneren Amazonas-Region schon begonnen!

Alles droht zu kippen am Amazonas

Auch die beiden Wissenschaftler Lovejoy und Nobre berichteten im Fachmagazin Science darüber, dass der Regenwald des Amazonas an einer Schwelle steht: Bisher nahm man an, dass das System (und damit auch das des Wasserkreislaufs) erst bei Entwaldungsraten von 30 bis 40 Prozent zu kippen beginnt. Die Arbeit der beiden Forscher zeigt jedoch, dass bereits bei einer Entwaldung von 20 Prozent alles aus dem Gleichgewicht gerät! Mit schweren Folgen, nicht nur für die Amazonasregion selbst, sondern für weite Teile des südamerikanischen Kontinents: Die Regenfälle im Süden Brasiliens, Paraguays und des zentrale Osten Argentiniens sowie Uruguays stehen in direkter Abhängigkeit zum Wasserkreislauf des Amazonas. Der Regenwald dort ist es, der diese Regionen im Winter mit ausreichend Regen versorgt. Gerät das Ökosystem aus dem Gleichgewicht, wird sich das auch auf diese Gebiete auswirken! Eine Versteppung dieser großen Flächen wäre eine direkte Folge!
Eine Besserung der Entwaldung ist aktuell nicht in Sicht: Schon heute hat der brasilianische Regenwald etwa ein Fünftel seiner Waldfläche verloren

Eine Negativspirale, die es zu unterbrechen gilt

Die besondere Herausforderung: Negative Parameter wie Abholzung, Brandrodung und Klimwandelbeeinflussen sich gegenseitig und verstärken den Effekt auch noch. Je mehr zerklüftete Flächen es gibt, desto weniger können die restlichen, noch vorhandenen Bäume dem Klimawandel trotzen. Sie sind dann noch anfälliger gegenüber Dürren. 
Es gilt also möglichst schnell aus dieser Negativspirale auszubrechen und eine konsequente Aufforstung des Regenwaldes im Amazonas zu verfolgen. Die Situation muss sich wieder weg von der gefährlichen Schwelle von 20 Prozent Entwaldung bewegen. Doch hier ist auch die brasilianische Regierung gefragt, so die Forscher: Die Region um den Amazonas muss endlich als komplexes System gesehen werden, dessen Gleichgewicht auch für andere Regionen von immenser Bedeutung ist!

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