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Im Kampf gegen die Folgen von Überflutung und Corona

In Folge von starken Regenfällen waren der Rio Bobonaza und seine Nebenarme im Frühjahr gleich viermal über ihre Ufer getreten. Ein großer Teil der Siedlungen und Felder der hier ansässigen Kichwa-Indigenen wurde dabei zerstört. Seit dem frühen Sommer wird die Gemeinde zudem vom Corona-Virus heimgesucht, was den aktuell notwendigen Wiederaufbau der Siedlungen massiv erschwert. Im Frühjahr dieses Jahres hatten wir von OroVerde bereits über die katastrophalen Überschwemmungen in unserer Projektgemeinde Sarayaku in Ecuador berichtet. Sarayaku befindet sich seither im Notstand.

Die Kichwa im Kampf gegen Corona und die Folgen einer schweren Überflutung im Frühjahr. © Sarayaku

Für ein Volk wie die Kichwa, deren Leben sich hauptsächlich an den Flussufern abspielt, sind Überschwemmungen fatal. Durch die Corona-Pandemie sind die Menschen obendrein weitestgehend von der Außenwelt abgeschnitten. Die nächste Stadt Puyo liegt sieben Stunden Bootsfahrt von Sarayaku entfernt. Wir von OroVerde unterstützen Sarayaku beim Wiederaufbau, denn vieles muss jetzt geschehen, um weitere Folgeschäden zu verhindern. Bei Stichprobentestungen wurde eine Vielzahl der Erwachsenen positiv auf das Virus getestet. Die durch die Überschwemmungen zerstörte Infrastruktur sowie der Verlust ihrer Ernte erschweren die Lage massiv. 

Was jetzt geschehen muss

Da das traditionelle Gesundheitszentrum überschwemmt wurde, benötigen die lokalen Mediziner*innen neue Geräte und Werkzeuge, um Heilkräuter zu ernten und zu verarbeiten. Auch in den überfluteten Schulgebäuden türmen sich Schlamm und Unrat. Die zerstörten Gebäude müssen komplett gereinigt, repariert und neu eingerichtet werden, damit die Kinder und Jugendlichen wieder zur Schule gehen und auch das aktuelle Bildungsprojekt von OroVerde wie gewohnt fortgesetzt werden können. Da die Felder jedoch zerstört sind und die diesjährige Ernte als Folge verloren ist, müssen die Helfenden für den Wiederaufbau mit Essen versorgt werden.

 

Die Technik für die Internetverbindung und die Photovoltaikanlage von Sarayaku sind schon länger wartungsbedürftig. Doch gerade jetzt wäre es wichtig, dass die Menschen sich schnell informieren um Maßnahmen abzustimmen. Die Anlagen müssen daher dringend von externen Fachleuten repariert werden. Zudem soll ein Informationsblatt erarbeitet werden, auf dem alle nötigen Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen zur Eindämmung des Virus aufgeführt sind. Alle Haushalten sollen es erhalten. Mit dem Boot fahren die Teams von Haus zu Haus, um erkrankte Menschen zu behandeln und schwer Erkrankte ins Gesundheitszentrum zu transportieren. Für diese Krankenfahrten benötigen sie Treibstoff, Schutzkleidung und Hygieneartikel.

Indigene sind der beste Schutz für den Regenwald

Die Kichwa-Indigenen von Sarayaku sind beim Regenwaldschutz ein wahres Vorbild. Seit 2002 arbeitet OroVerde bereits mit ihnen zusammen. Damals hatte der ecuadorianische Staat einem Konzern die Erlaubnis erteilt, im Regenwald von Sarayaku Erdöl zu fördern. Ohne die Kichwa wäre das Gebiet heute eine einzige tote Wüste. Sie wehrten sich öffentlichkeitswirksam gegen die Ausbeutung der Natur und gewannen 2012 einen wegweisenden Prozess vor dem interamerikanischen Gerichtshof für Menschenrechte. Ihr Territorium Sarayaku verwalten sie inzwischen eigenständig. Heute unterstützen sie andere indigene Gemeinden im Kampf gegen die Erdölförderung und die Umweltzerstörung. Ihr Schutzkonzept „Kawsak Sacha – Lebende Wälder“ wird von weiteren indigenen Gemeinden im Amazonastiefland übernommen. Für die Rechte Indigener ist es wichtig, dass das starke Volk der Kichwa von Sarayaku die aktuellen Krisen übersteht – als Vorbild und Vorreiter im Kampf um den Erhalt des Regenwalds. 

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