News und Erfolge der Tropenwaldstiftug OroVerde ©Özi’s Comix Studio

Guatemala: Erfolgsmodell für Regenwaldschutz weitergeben

EcoImpulso – die Verbreitung eines Modells zur nachhaltigen Entwicklung in ländlichen Gemeinden im Regenwald. OroVerde-Programmkoordinatorin Katrin Toepfer widmet sich der Frage „welche Impulse brauchen die Menschen in Tropenwaldregionen, um ihre Lebensbedingungen langfristig zu verbessern und dabei die Urwälder dauerhaft zu erhalten".

 

Das Projekt Ecoimpulso sieht die Versorgung der Bevölkerung mit energieeffizienten Kochherden vor.

Die Tropenwaldstiftung OroVerde hat im August die offizielle Bewilligung der BMZ-Förderung erhalten: Unsere neuen Partner in Guatemala Rainforest Alliance und die Defensores de la Naturaleza beginnen nun, mit den lokalen Gemeinden folgende Aktivitäten zu planen um Antworten auf drängende Fragen zu erhalten: Wie können sie Schutzgebiete besser vor Bedrohungen bewahren und wie können sich die Familien besser an die Klimawandelfolgen anpassen, um ihre Lebenssituation zu verbessern? Dazu wird das Team mit Gemeindevertretern aus der Region des Izabal-Sees eine Reihe an erfolgreich erprobten Erfahrungen als Modell aufarbeiten um sie auf die Bedingungen in der Peténregion angepasst anzuwenden.

CONAP, die nationale Schutzgebietsbehörde Guatemalas, mit denen die Defensores de la Naturaleza gemeinsam für die Administration von vier Schutzgebieten verantwortlich sind, haben bisher keine eigene Strategie wie sie die Menschen, die in und von den Schutzgebieten leben, in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung fördern können ohne dass dabei die natürlichen Ressourcen der Primärwälder dezimiert werden.

Wie können sich die Menschen, die in und von Schutzgebieten leben, wirtschaftlich entwickeln und ihren Lebensraum Wald besser schützen?

Einige indigene Dörfer rund um den Izabal See leben teils in extremer Armut. Um ihre Familie ausreichend zu versorgen gibt es nur wenige Möglichkeiten. Die wenigen Arbeitsplätze  in der umstrittenen Kupfermine oder in den weitreichenden Palmölplantagen sind unsicher und verstärken die Abhängigkeit der Bewohner. Die Böden werden immer ausgelaugter, die Regenfälle immer unberechenbarer. Die Subsistenz-Landwirtschaft reicht nicht aus um die Kinder mit den notwendigen Nährstoffen zu ernähren. Dabei ist das Land, das die indigenen Familien besitzen, oft das Einzige und Wertvollste was sie besitzen.

Nach sechs Jahren Projektintervention zum Schatz am Izabal See haben wir mit unseren Partnern viele Methoden und Ansätze erprobt, immer wieder verbessert und umgelenkt, und erkannt, dass das integrative Zusammenspiel von Maßnahmen, die auf die grundlegenden Bedürfnisse der Bevölkerung abzielen, sich als besonders erfolgreich erwiesen hat. Damit lassen sich bessere Lebensbedingungen für Familien in ländlichen Gebieten schaffen.

Diese Erfahrungen und Lerneffekte sollen nun in einem Praxishandbuch aufgeschrieben, als Modell systematisiert und in weiteren Gemeinden in anderen Regionen des Landes ausprobiert werden. In dem neuen Programm EcoImpulso werden deshalb effektive Beispiele sowie Multiplikatoren ausgewählt, die in einen dreijährigen Erfahrungsaustausch mit Gemeindebewohnern aus dem Biosphärenreservat Maya im Petén treten.

Die Programmgemeinden und die Vorgehensweise sind dabei sehr verschieden. Auch die Bedrohungen für den Regenwald im Petén und die Bedürfnisse der Bevölkerung im Vergleich zu der Region am Izabal See unterscheiden sich und müssen individuell angegangen werden.

Erfolgsmodell weitergeben!

Im einst so tief bewaldeten Norden haben sich beispielsweise große Flächen zur Viehhaltung ausgebreitet und fressen immer mehr ursprüngliche Regenwaldfläche. Durch die erhöhte Trockenheit breiten sich außerdem Waldbrände immer unkontrollierter aus. Deshalb werden mit den Viehzüchtern unter anderem Hofentwicklungspläne erarbeitet, um native Baumarten auf ihren Landflächen zu integrieren. Abgesehen von dem Schatten, den sie spenden, stärken sie den Bodenaufbau, erhöhen die Kronendachausbreitung, verbinden die Ökosysteme und bedeuten als Werthölzer eine gewinnbringende Zukunftsinvestition.

 

Mit Bienen- oder Fischzucht Nahrungsangebot erweitern

Auch in der Regenerationszone des Nationalpark Sierra de Lacandón an der mexikanischen Grenze gibt es Gemeinden, die von Strom- und Trinkwasserversorgung abgeschnitten sind. Diese Gemeinden haben das Programmteam gebeten, sie mit einem Regenwasserreservoir und Grundwasserbrunnen zu unterstützen. Auch die beliebten energieeffizienten Kochherde kommen wieder zum Einsatz. Die meisten Frauen kochen auf traditionellen offenen Feuerstellen, die einmal hohe Mengen an Brennholz verbrauchen und zusätzlich eine gesundheitsschädliche Rauchentwicklung auslösen. Mit der Installation von ökologischen Wasserfiltern bekommen die Familien Zugang zu sauberem Trinkwasser und über Kochkurse Rezepte und Ideen zu nährstoffreicher, gesunder Ernährung.

Lebensmittel für diese nährstoffreiche Ernährung können sie selbst in ihren eigenen Heimgärten anbauen. Das Nahrungsangebot erweritern sie zudem durch Fischzucht oder Bienenhaltung. Die Familien erhalten Unterstützung zur Etablierung von nachhaltigen Produktionswegen, mit denen sie sich ein zusätzliches Einkommen aufbauen können. Honig, Nelkenpfeffer, Kakao oder auch Zitrusfrüchte und Produkte aus der Brotnuss bieten einen guten Absatz auf dem lokalen Markt. Der Vorteil ist, dass diese direkt zusammen mit nutzbaren Bäumen in den Waldgebieten in multidiversen Agroforstsytemen angebaut werden können. Neben extra Flächen zur Renaturierung des Urwalds erhöht sich so die Waldfläche und stärkt das Ökosystem.

Damit der Wald dauerhaft intakt und erhalten bleibt und vor Waldbränden, Trockenheit oder Überschwemmungen besser vorgesorgt wird, werden sich die Gemeinden zu lokalen Einheiten des nationalen Katastrophenschutzes aufstellen und in der Desasterprävention ausgerüstet und ausgebildet. Dabei lernen sie wie sie Naturextreme besser bewältigen und sich gegen Notfälle besser wappnen können – auch im ihre eigene Risikoanfälligkeit gegenüber den Auswirkungen des  Klimawandels zu reduzieren.

Diese Maßnahmen kombiniert ergeben ein rundes Paket, wie die lokale Bevölkerung, wenn sie in ihrer nachhaltigen Entwicklung gefördert wird, selbst zu den wirksamsten Waldschützern werden!

Das könnte Sie auch interessieren:
  • Auch von zu Hause aus können Sie jeden tag im Alltag Regenwald retten. Wie? Das zeigen Ihnen die OroVerde Verbrauchertipps. Es ist ganz leicht.
  • Weitere Oro-Verde-Projekte, die sich für den Regenwaldschutz stark machen.