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Kenia: Nachhaltige Milchviehproduktion - das Livelihood Mount Elgon Project

Viehhaltung ist einer der größten Treibhausgas-Emittenten in der Landwirtschaft und ein häufiger Treiber der Entwaldung. Daher besteht weltweit großer Bedarf an Nachhaltigkeit in der Milcherzeugung bei effizientem Ressourceneinsatz und bei geringer Umweltbelastung. Ein Projekt in Kenia setzt auf Anwendung von nachhaltigen landwirtschaftlichen Praktiken, integriert Agroforstwirtschaft in die Weideflächen und will langfristig die Ernährungssicherheit von 30 000 lokalen Kleinbauern verbessern.

Auflockerung der ehemaligen kahlen, baumlosen Landschaft: Bauer mit zwei Kühen neben Baumreihe. ©Michael Schwarz

Hintergrund

Im Rahmen des vom BMU/BfN geförderten Projektes „Analyse von Forest Landscape Restoration Initiativen und der ökologischen und sozialen Wirkung umgesetzter Projekte“ (FLR-Projekte) wurde im November/Dezember 2018 eine Fallstudie zum Livelihood Mount Elgon Project in Kenia durchgeführt. OroVerde und der Global Nature Fund schauen sich dieses Projekt einmal genauer an. Ziel der Fallstudie war es, typische Herausforderungen eines Wald- und Landschaftswiederaufbauprojektes und die im Projekt angewandten spezifischen Lösungsansätze zu überprüfen, zu bewerten und Empfehlungen in Hinsicht auf seine Anwendbarkeit für andere FLR Projekte zu formulieren.

Die Umwelt in der von Subsistenzlandwirtschaft und extensiver Viehwirtschaft geprägten Region im Westen Kenias leidet unter großräumiger Entwaldung, Überweidung und der Übernutzung von Anbauflächen und Weideland bei gleichzeitig hohem Bevölkerungsdruck, weitverbreiteter Ernährungsunsicherheit und ländlicher Armut. Übrigens: Als Agroforstwirtschaft wird die Kombination von Gehölzen, Acker und/oder Tieren auf einer Fläche bezeichnet.

Was wurde gemacht?

Das im Jahre 2016 von der schwedischen Entwicklungsorganisation VI Agroforestry, dem französischen Livelihood Funds und dem kenianischen Milchverarbeiter Brookside Dairy Ltd. gegründete Livelihood Mount Elgon Projekt verfolgt daher einen integrierten Ansatz, welcher Maßnahmen zur Verbesserung der Einkommenssituation und Ernährungssicherheit lokaler Kleinfarmer mit Umwelt- und Klimaschutz kombiniert. Ein wesentlicher Bestandteil des Projektes ist die Unterweisung von 30 000 lokalen Kleinbauern in der Anwendung von nachhaltigen landwirtschaftlichen Praktiken (Sustainable Agriculture Land Management/SALM), unter anderem in Agroforstwirtschaft, biologischer Bodenverbesserung und integriertem Bewässerungsmanagement. Dies wird mit Maßnahmen zur Erhöhung der Milchproduktion von Kühen kombiniert, unter anderem durch den Anbau und die Konservierung von Viehfutter, Stallhaltung und die Einführung produktiver Viehrassen. Gleichzeitig zu den Maßnahmen auf Farmebene wurden 15 lokale Milchkooperativen in ihrer Rolle als Zwischenhändler sowie Brookside Dairy Ltd. als kommerzieller Aufkäufer von Rohmilch in das Projekt integriert. Unter Mitwirkung einer externen Beraterfirma konnten die Kooperativen neue Kapazitäten aufbauen und ihre Geschäftspraktiken verbessern, was wiederum die Wirtschaftlichkeit der gesamten Lieferkette auf eine Weise erhöhte, dass sich Brookside Dairy als privater Projektpartner gewinnen ließ. Im Zuge der Projektbeteiligung verpflichtete sich die Firma zum Aufkauf des gesamten Milchvolumens der Kooperativen zu einem verbindlichen und fairen Preis und über die gesamte Projektlaufzeit.

 Die soziale Wirkung des Projektes entfaltet sich durch gesteigerte Einkommen der Farmer durch die Erhöhung der Milchproduktion in Kombination mit dem garantierten Absatz der Milch, während die verbesserten Anbautechniken die Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln stärken. Die positive Umweltwirkung des Projektes besteht im Wesentlichen aus der Erhöhung des Baumbestandes, der Rehabilitation geschädigter Böden und dem Schutz natürlicher Vegetation vor exzessiver Beweidung. Durch die Bindung von Kohlenstoff in Biomasse und Böden trägt das Projekt außerdem zum Klimaschutz bei. Es wird erwartet, dass innerhalb der Projektlaufzeit von 10 Jahren 1 Millionen Tonnen Kohlenstoff aus der Atmosphäre entfernt werden. Die Klimaschutzwirkung soll im Projektverlauf durch die Gold Standard Foundation zertifiziert und die daraus generierten Kohlenstoffzertifikate zur Emissionskompensierung der am LHF beteiligten Unternehmen verwendet werden.

Somit zeigt das Projekt einen bisher erfolgreichen Ansatz zum Wald- und Landschaftswiederaufbau in viehhaltungsgeprägten Regionen und könnte in ein paar Jahren als Best Practice für andere Länder übernommen werden.

Mitte des Jahres wird die Fallstudie im Rahmen des Projektes publiziert. Bei Rückfragen steht Ihnen Anique Hillbrand zur Verfügung

 

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