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Mikrokredite als Chance für den Waldwiederaufbau?

Mikrokredite können eine Chance für Kleinbäuer*innen sein, sich mit ihren Produkten auf dem Markt zu etablieren und gleichzeitig den Regenwald zu schützen. Unsere Partnerorganisation Heifer Guatemala hat nun mit dem Innovationsprogramm der Interamerikanischen Entwicklungsbank (BIDLAB) eine Mikrokreditlinie aufgelegt, von der auch Bäuer*innen im OroVerde Projekt WaldGewinn profitieren. Die Kredite werden speziell für die Wertschöpfungsketten Kakao, Honig und Kardamom eingesetzt.

Kleinbauern in Guatemala bei der Kakaoweiterverarbeitung. ©OroVerde/Michael Metz

Viele Kleinbäuer*innen für Produkte wie Kakao stehen vor der großen Herausforderung, dass unregelmäßige Ernten oder fehlende Kaufgarantien kein verlässliches Einkommen bieten, um Arbeitskraft und Sachkapital für den Anbau und die Weiterverarbeitung vorzufinanzieren. Allein für die Bodenbearbeitung, Aussaat, Pflege und Ernte auch in biodiversen Agroforstsystemen ist ein hoher Aufwand nötig, gerade wenn naturverträgliche Anbaumethoden genutzt werden. Auch die Wertschöpfung und Vermarktung des Produktes, um es nicht als Rohprodukt verkaufen zu müssen, erfordert Kapital in Form von Verarbeitungs- oder Trocknungsmaschinen, aber auch Arbeitskraft und Know-How. Das ist der Grund, warum viele Kleinbäuer*innen den Sprung in die Kommerzialisierung ihrer Produkte nicht schaffen und darauf angewiesen sind, z.B. den Kakao als rohe Frucht an Zwischenhändler weiterzuverkaufen und nicht Fermentierung, Trocknung und Zerkleinerung selbst vornehmen können.

Neue Mikrokreditlinie für mehr Profit

Unsere Partnerorganisation Heifer Guatemala hat nun mit dem Innovationsprogramm der Banco Interamericano de Desarrollo (BIDLAB) eine Mikrokreditlinie aufgelegt, von der auch Bäuerinnen und Bauern im OroVerde WaldGewinn-Projekt profitieren. Die Kredite werden speziell für die Wertschöpfungsketten eingesetzt mit dem Ziel, die klimafreundliche Landwirtschaft in Guatemala zu fördern und Kleinbäuer*innen eine sichere Perspektive zu bieten. Mikrokredite sind eine gute Möglichkeit, um Kleinbäuer*innen das nötige Kapital bereitzustellen und sie dabei zu unterstützen, auf naturverträgliche Weise den Erntezyklus ihrer Produkte zu planen und auf den nationalen oder internationalen Markt zu bringen. Wichtig ist, dass die Vergabe der Kredite gut durchdacht und begleitet wird.

Das Programm umfasst im ersten Aufschlag einen Betrag von 1 Mio. Dollar für verschiedene Projekte, unter anderem dem WaldGewinn-Projekt, und richtet sich an Kooperativen oder individuelle Bäuer*innen in Guatemala. Es bietet Zugang zu Finanzkapital und Kapazitätenaufbau. Für jede*n Antragssteller*in wird dabei individuell der Finanzbedarf für Agrarfläche, Maschinen und Arbeitskapital berechnet. Bäuer*innen werden auch beraten, das passende Kreditvolumen zu errechnen, damit sie sich nicht durch zu hohe Kredite verschulden. Gleichzeitig wird erfasst, wie viel Wissen zu Finanzverwaltung, Vermarktung und nachhaltigen Anbaumethoden vorhanden ist und durch Workshops der individuelle Kapazitätenaufbau gefördert. So wird sichergestellt, dass die Teilnehmenden das nötige Know-How besitzen, um den Kredit eigenständig zu verwalten und gezielt einzusetzen. Über drei Jahre werden die Fachkräfte von Heifer Guatemala vor Ort die Kreditnehmer*innen begleiten und eine sichere Strategie der Rückzahlung gemeinsam entwickeln. Je nach Einsatzzweck der Mittel kann diese nach einigen Monaten oder bei größeren Investitionen nach 3-5 Jahren erfolgen.

Bedeutung für die Bäuerinnen und Bauern vor Ort

Mikrokredite allein sind aber auch keine Wunderwaffe gegen Armut, wie es zu Beginn vom Friedens-Nobelpreisträger Muhammad Yunus (Wirtschaftswissenschaftler aus Bangladesch) angepriesen wurde. Insgesamt sollten Mikrokredite bedacht und in einem holistischen und entwicklungsfördernden Projekt eingebettet vergeben werden, in dem neben dem Investment durch Mikrokredite auch Bildung und Kapazitäten-ausbau der Produzentenorganisationen gestärkt wird. 

Für die Bäuer*innen in Guatemala bedeutet der Zugang zu Finanzmitteln einen wichtigen Meilenstein. Durch die Kredite verfügen sie über notwendige Finanzmittel für die Agrarproduktion, bevor sie das Einkommen durch die Ernte erhalten. Durch Kapazitätenaufbau wird der Aufbau von Wertschöpfungsketten gefördert, sodass sie auch langfristig höhere Preise erzielen können. Und auch der Wald profitiert: Durch den Einsatz von natürlichen Produktionsmethoden in den Agroforstsystemen wird der Wald ökologisch nachhaltig bewirtschaftet und durch bessere Einkommen sinkt der Nutzungsdruck für umliegende Wälder. 

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