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Neue Entwaldungszahlen für Brasilien

Bis zu einem Drittel weniger Entwaldung in Amazonien

In einer Pressekonferenz hat der brasilianische Umweltminister Carlos Minc die vorläufigen Zahlen für die Entwaldung Amazoniens im Zeitraum vom 1. August 2008 bis zum 31. Juli 2009 bekannt gegeben. Demnach wurden in diesem Zeitraum zwischen 8.500 km²und 9.000 km² Regenwald abgeholzt, das sind etwa 33% weniger als im Vorjahr (2008: 12.911 km², 2007: 11.532 km²). Dies wäre die geringste gemessene Entwaldung seit 21 Jahren.


Laut Minc ist dieser Erfolg zu 90% auf die erfolgreiche Bekämpfung des illegalen Holzeinschlags zurückzuführen. Er sieht damit die Regierungspolitik zur Reduzierung der Entwaldung bestätigt. Umweltschützer hingegen machen die im Rahmen der Wirtschaftskrise bestehende Kreditklemme und die gesunkenen Agrarpreise für die Entwicklung verantwortlich. So gab es im Herbst ungewöhnlich viele unvollständige Rodungen, weil den Ranchern wohl das Geld für neue Weiden auf Regenwaldgebiet ausgegangen war. Außerdem haben die starken Regenfälle von März bis Juli, die vielerorts in Amazonien zu Rekordüberschwemmungen geführt haben, die Brandrodung extrem erschwert.


Die jetzt bekannt gegebenen Zahlen beruhen auf dem schnellen, aber ungenaueren DETER-Satellitensystem. Genauere Zahlen werden frühestens im Dezember vorliegen. Da der Regierung bewusst ist, wie wichtig diese Zahlen für sein internationales Ansehen und Gewicht in Umweltfragen ist, wird sie die vorläufigen und endgültigen Entwaldungszahlen nicht zu einem festen, sondern immer zu einem für sie günstigen Zeitpunkt bekannt geben.


Präsident Lula hat letztes Jahr auf der UN-Klimakonferenz in Poznan einen „Nationalen Plan zum Klimawandel“ vorgestellt, laut dem die jährlichen Entwaldung bis zum Jahr 2018 um 70% auf 5.586 km² reduziert werden soll. Im Detail sind die Reduktionsziele 11.400 km² Entwaldung 2006-2009, 7.980 km² für 2010-2013 und 5.586 km² für 2014-2017. Konkrete Pläne, wie dies erreicht werden soll, wurden nicht mitgeteilt. Umweltschützer halten diese Pläne auch für unrealistisch, da die Regierung mit ihren geplanten oder angelaufenen Infrastrukturprojekten die Entwaldung eher fördern als verhindern wird. Vieles wird davon abhängen, wer im kommenden Jahr Präsident und Nachfolger Lulas wird. Zur Wahl stehen wohl u.a. Lulas Wunschkandidatin Dilma Roussef, die derzeitige Leiterin des Präsidialamts, sowie als Kandidatin der Grünen die ehemalige Umweltministerin Marina Silva. Roussef wird die kompromisslose Agrarexpansionspolitik Lulas weiterführen, Silva den Erhalt des Regenwaldes in den Vordergrund stellen.