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Klimakrise und Biodiversitätsverlust gemeinsam angehen

Eine Premiere mit mahnenden Worten: Die Auswirkungen des Klimawandels und des Verlustes der biologischen Vielfalt sind zwei der wichtigsten Herausforderungen und Risiken für die menschliche Gesellschaft. Die Folgen beider Krisen sind nicht mehr nur in den Ländern des globalen Südens spürbar: Beide Krisen sind inzwischen auch in den Industrienationen angekommen. Die Begrenzung der globalen Erwärmung auf ein Maß, das die Erde als lebenswerten Planeten bewahrt und der Schutz der Biodiversität sind Ziele, die sich gegenseitig unterstützen. Experten des Weltklimarats (IPCC) und des Weltbiodiversitätsrats (IPBES) sind sich einig und veröffentlichten nun erstmals einen gemeinsam Workshop-Bericht mit einem dringenden Appell.

Die Experten sind sich einig: Klimawandel und Biodiversitätsverlust verstärken sich gegenseitig. Sie sind eng miteinander verknüpft und werden beide durch menschliche Aktivitäten vorangetrieben. Die vergangenen Jahre seit 2001 gehörten alle zu den wärmsten Jahren seit Beginn der instrumentellen Aufzeichnung der globalen Oberflächentemperatur der Erde im Jahr 1850. Besonders seit den 1980ern ist ein starker Anstieg der globalen Jahresmitteltemperatur zu verzeichnen. Gleichzeitig zeigen Studien: Bei einem Anstieg der globalen mittleren Temperatur um mehr als 2 - 3°C sind schätzungsweise 20 - 30 Prozent der Arten von einem erhöhten Aussterberisiko bedroht.
Klimawandel und Biodiversitätsverlust können daher nicht isoliert voneinander betrachtet werden, sondern müssen unter Berücksichtigung beider gelöst werden. Es ist also keine Zeit für Ohnmacht und Handlungsunfähigkeit, sondern Zeit, JETZT Synergien zu denken und Lösungen zu finden.

Notbremse ziehen und Synergien nutzen

Bisherige politische Strategien nehmen die Probleme des Klimawandels und der Biodiversität unabhängig voneinander in Angriff. Dabei ist es gerade jetzt wichtig auf Maßnahmen zu setzen, die auf Synergieeffekte zwischen Biodiversität und Klimaschutz abzielen und dabei auch deren gesellschaftliche Auswirkungen berücksichtigen. Die ungebremste menschengemachte Klimakrise wird die Anpassungsfähigkeit der meisten Ökosysteme übersteigen und selbst bei einer ambitionierter Reduktion von Emissionen werden erhebliche Anpassungskapazitäten für beide Krisen erforderlich sein, so die Experten.

Ein neues Modell für umfassenden Schutz muss nicht nur den Klimaschutz in den Fokus rücken, sondern auch den Schutz der Biodiversität und eine gute Lebensqualität für alle unbedingt beachten.

Mehr Effizienz im Kampf für Klima- und Biodiversitätsschutz

Die Experten des Weltklimarats und des Weltbiodiversitätsrats warnen davor, dass einseitig auf Klimawandel ausgelegte Maßnahmen direkte und indirekte negative Auswirkungen auf die Natur und ihre Leistungen für die Menschen haben können. Gleichzeitig heben sie hervor, dass es viele Schutzmaßnahmen für nachhaltiges Management und der Wiederherstellung von Land- und Meeresökosystemen gibt, die zum Schutz beider Bereiche (Klima und Biodiversität) beitragen können, so z.B.: 

  • Den Verlust und die Degradation von artenreichen Ökosystemen an Land und im Meer zu stoppen -  insbesondere die von Wäldern, Feuchtgebieten, Mooren, Graslandschaften, Savannen und Küstenökosystemen. Allein den Waldverlust zu stoppen birgt ein Einsparpotenzial von ca. 0,4 und 5,8 Gigatonnen CO2 - Äquivalente pro Jahr. Zum Vergleich: In 2015 betrugen in Deutschland  die CO2-Äquivalent - Emissionen pro Kopf 11,4 t. 
  • Renaturierung von kohlenstoff- und artenreichen Land- und Meeresökosysteme
  • Nachhaltige Land- und Forstwirtschaftsmethoden können die Anpassungsfähigkeit und die Biodiversität von Nutzflächen verbessern und zudem die Kohlenstoffspeicherung erhöhen
  • Keine Subventionen mehr für Aktivitäten, die den Biodiversitätsverlust vorantreiben (wie beispielsweise Entwaldung oder Überdüngung) - auf lokaler wie nationaler Ebene

Fürs Klima top - für die Biodiversität ein Flop

Doch es gibt auch Maßnahmen, die allein auf Minderung des Klimawandels sowie die Anpassung an denselbigen ausgerichtet sind. Sie werden "im Sinne des Klimaschutzes" bereits umgesetzt, sind aber schädlich für Biodiversität und die Leistungen, die die Natur für uns Menschen erbringt: 

  • Zum Einen ist dort der Anbau von Bioenergiepflanzen (einschließlich Bäumen) in Monokultur auf großen Landflächen zu erwähnen. Beispielsweise Palmöl aus Indonesien oder Malaysia, das als Bestandteil von Biodiesel in deutschen Autos landet.
  • Gut fürs Klima und schlecht für die Biodiversität: Aufforstungen, bei denen Bäume in Ökosysteme gepflanzt werden, die historisch gesehen keine Wälder waren und Wiederaufforstungen mit Monokulturen, insbesondere mit exotischen Baumarten. Diese werden zwar als möglicher Beitrag zum Klimaschutz gewertet, sind aber oft schädlich für die Biodiversität und es kann kein klarer Nutzen für Anpassung ausgemacht werden.
  • Außerdem gilt es weiterhin für aussagekräftige Vorhersagen mehr Informationen zu Faktoren wie natürlichem Waldwachstum, Wiederaufforstung mit Monokulturen und einer Aufforstung von bisher unbewaldeten Land und deren Einfluss auf Biodiversität zu sammeln. Außerdem werfen die Experten beider Räte die Frage auf: "Wo ergibt Bäume pflanzen Sinn?". Die Rufe nach mehr potentiellen Flächen, um Bäume zu pflanzen und somit CO2 zu sparen werden immer lauter, aber ist das auch im Sinne des Biodiversitätsschutzes? Sollten wir Ökosysteme bewalden, die nachweislich in ihrer Historie nie bewaldet waren und wichtige Funktionen erfüllen?
  • Eine weitere Maßnahme, die zu kurz greift: Technologiebasierte Lösungen, die wirksam zur Minderung des Klimawandels beitragen können, stellen unter Umständen ernsthafte Bedrohungen für die Biodiversität dar und können große negative Auswirkungen auf die Biodiversität und deren Ökosystemleistungen für den Menschen haben. Zum Teil können sie jedoch auch naturbasierte Lösungen ergänzen. Hier besteht dringend Handlungsbedarf, um die Auswirkungen besser zu verstehen und berücksichtigen sowie sie im Hinblick auf ihren Gesamtnutzen und ihre Risiken zu bewerten. Beispiele für Klimaschutz-Maßnahmen, bei denen noch Verbesserungsbedarf besteht, sind beispielsweise Batterien für Elektroautos oder Bauteile mit seltenen Erden von Windturbinen.

Die Zukunft mitdenken

Maßnahmen, die sich eng auf den Schutz und die Wiederherstellung von Biodiversität konzentrieren, haben im Allgemeinen einen wichtigen Nutzen für den Klimaschutz. Ihre Wirkungen können jedoch im Vergleich zu Maßnahmen, die sowohl Biodiversität als auch das Klima berücksichtigen, suboptimal sein.

Die Schlussfolgerung der Experten:
Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Politik ist es, Klima, Biodiversität und die menschliche Gesellschaft systemisch zu betrachten. Ein transformativer Wandel kann dazu beitragen, Entwicklungen einzuleiten, die die Resilienz von Klima und Biodiversität steigern, wobei sowohl Steuerung als auch Finanzierung der Prozesse noch große Herausforderungen darstellen.

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