News und Erfolge der Tropenwaldstiftug OroVerde ©Özi’s Comix Studio

Von der Klimakrise zur globalen Chance – Wie Regenwaldschutz, Landwirtschaft und gesunde Ernährung zusammenhängen

Das chinesische Schriftzeichen für Krise besteht aus zwei Teilen: Das eine Teil steht für Gefahr, das andere symbolisiert die Chance. Krisen sind also „gefährliche Chancen“. 

 „Überträgt man diesen Gedanken auf die Klimakrise, so sieht man, dass auch hier viel an der Sichtweise dran ist.“, meint Birthe Hesebeck, Teamleitung bei der Tropenwaldstiftung OroVerde. „Wir haben unglaublich viel zu verlieren. Doch wir haben auch eine nie dagewesene Chance eine neue Epoche der Weltgeschichte anzustoßen.“

Ein gutes Leben für alle, mehr soziale Gerechtigkeit, Schutz der Biodiversität und natürlichen Ressourcen als Basis unseres Lebens  –  es geht bei der Erderhitzung nicht nur um das Abwehren einer bedrohlichen Lage, sondern um die Umsetzung einer zivilisatorischen Vision. Im Zentrum stehen große Wenden: eine Wende in der Ernährung, eine Verkehrswende, eine Wende in der Landwirtschaft, eine Energiewende, …. Und alle diese Wenden sind mit positiven Visionen verknüpft. Anstatt weiter den Abhang hinunter zu rasen, können wir wenden und einen anderen Weg einschlagen. Und: Wir werden am Ende besser dastehen als heute – das ist das Ziel. Lesen Sie mehr zu der Grafik.

Wie konstruktiv und lösungsorientiert ist die klimapolitische Debatte in unserem Land?

Wenn man die schärfer werdenden Diskussionen verfolgt, stellt sich die Frage, mit welchem Blickwinkel die Beteiligten eigentlich auf die Klimakrise schauen. Und siehe da: Die meisten Debatten verlaufen problemorientiert. Es geht in ihnen darum, etwas zu vermeiden und dabei selber möglichst wenig zu verlieren. Es geht um Problemvermeidung und Problemreduzierung.

Wie anders wäre wohl die Dynamik, wenn statt des Problems eine Lösungsorientierung im Zentrum des Denkens stünde? Wenn wir uns von Visionen leiten lassen und auf dem Weg dahin die bestehenden Probleme angehen und die nötigen Lösungen fänden?

Die Tropenwaldstiftung OroVerde hat nun eine Grafik erstellt, die für den Bereich „Klimawandel und Landwirtschaft“ aufzeigt, welche Lösungswege möglich sind, um sowohl den Klimaschutz voran zu treiben, als auch viele weiter positive Effekte auszulösen.

Die Kernaussage: Im Kampf gegen die Erdüberhitzung muss es unser Ziel sein, 100% auf erneuerbare Energien zu setzen und zugleich mehr Kohlenstoff in den Ökosystemen und ihren Böden zu speichern.  Der Erhalt und Aufbau von Wäldern, eine Diversifizierung der Landwirtschaft (inklusive Agroforst-Systeme), Humusaufbau als Mittel der Bodenverbesserung, das uns zugleich vom massiven Einsatz von Kunstdünger unabhängig macht, die Einführung einer nachhaltigen Tierhaltung, ein wertschätzender Umgang mit Lebensmitteln und landwirtschaftlichen Erzeugnissen – all dies trägt langfristig zum Klimaschutz bei. Zugleich sind mit diesen Maßnahmen gleich weitere positive Effekte verknüpft: sauberes Wasser oder eine gesündere Ernährung sind nur zwei Beispiele dieser vorteilhaften Nebenwirkungen.

Ziel der Grafik ist es, der positiven Zielformulierung mehr Raum zu geben anstatt wie sonst üblich die Problembetrachtung in den Mittelpunkt zu rücken. Denn erst das Wissen darüber, wo wir eigentlich hinwollen, und das Ausmalen dieses Ziels, erzeugt die motivationale Kraft, die für die Veränderungen nötig sind, die vor uns liegen.

„Kein Unternehmen käme auf die Idee, als Ziel zu formulieren, ´Wir wollen nicht pleitegehen´“, erläutert Birthe Hesebeck. „Positive Zielformulierungen sind wichtig, um allen Beteiligten Orientierung zu geben. Im Prinzip ist es diese Orientierung, die es auch bei globalen Zielen benötigt. Und je konkreter wir uns das Ziel ausmalen können, desto eindeutiger werden wir uns darauf zu bewegen.“ 

Beispiele, die Mut machen

Ein bewusstes Umdenken „weg vom Problemfokus“ und „hin zur Lösungsorientierung“ ist dabei zunächst nicht leicht. Zumal die Probleme so gewaltig erscheinen, dass sie sowieso schnell das Gefühl von Ohnmacht erzeugen. Auch ist es selbstverständlich wichtig, Zusammenhänge und Ursachen von Problemen zu verstehen, um Ansatzpunkte zu gewinnen. Doch müssen wir uns bewusstmachen, dass damit eben auch nur die halbe Arbeit getan ist: Bleiben wir im Problemfokus, so wird eben dies zu einem neuen Problem, das uns blockieren kann.

Um mehr in Visionen und Lösungen zu denken, brauchen wir Beispiele, die Mut machen, denn wir lernen noch immer Großteils durch Nachahmen. Diese zu liefern sind Umweltorganisationen genauso herausgefordert wie Journalisten und Medienschaffende. Auch wenn es noch längst nicht zu allen Problemen Lösungen gibt, so gibt es Menschen, die bereits erste Lösungsideen entwickelt haben – und auch über die lohnt es sich konstruktiv zu berichten! Ein Beispiel:

Den Teufelskreis der Regenwaldvernichtung durchbrechen

Industrielle Landwirtschaft und Kleinbauern stehen bei Monokulturen vor der gleichen Herausforderung: Die Felder liefern schon nach wenigen Jahren kaum noch Ertrag, weil die Pflanzen schutzlos Extremwetter ausgesetzt sind. Für neue Felder muss Regenwald gerodet werden – ein Teufelskreis mit fatalen Auswirkungen für Wald und Weltklima.

Die Lösung: Gemeinsam mit den Bauern vor Ort legt OroVerde „Waldgärten“ nach dem Vorbild des Regenwaldes an. Diese sogenannten biodiversen, also arten- und strukturreichen, Agroforstsysteme sind besonders widerstandsfähig und liefern über Jahrzehnte verlässlich Ernte und Einkommen für die Familien. Die Bauern werden mit nachhaltiger Landwirtschaft zu Regenwaldschützern und Regenwald-Unternehmern in ihrer Heimat.

Durch das Pflanzen von Bäumen in Agroforstsystemen, werden gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Die Schattenbäume verbessern das Mikroklima und die Trockenheit trifft die Äcker nicht so hart, die Erde wird durch gezielten Humusaufbau fruchtbarer und zudem durch Bewuchs vor Erosion bewahrt, die Ernährung der Kleinbauernfamilien wird diverser und damit auch gesünder, die Artenvielfalt nimmt in den Wald-ähnlichen Agroforstsystemen wieder zu und mehr.

Gesunde und ertragreiche Böden erhalten, Wasser speichern und auch in Dürrezeiten besser verfügbar machen, Kohlenstoff binden, um den Klimawandel zu bremsen sowie die biologische Vielfalt stärken – mit Agroforstsystemen entsteht derzeit ein Zukunftskonzept für eine nachhaltige Landwirtschaft in den Tropen! Eine Entwicklung, die Mut macht und zum Nachahmen anregt.

 

 

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