Ölpalmen Palmöl ©Konrad Wothe

Palmölproduktion

Folgen für Regenwald, Umwelt und Menschen

Palmöl begegnet uns größtenteils als Bestandteil in Kraftstoffen und darüber hinaus sogar in jedem zweiten Produkt! Der hohe weltweite Palmölverbrauch hat allerdings alarmierende Folgen - auf den Fortbestand von Regenwäldern und auf unsere Umwelt und nicht zuletzt auf das Klima. Auch die Bevölkerung in den Anbaugebieten ist direkt von negativen Auswirkungen betroffen. Klar ist: Es muss sich von Grund auf etwas ändern! So haben sich zwar verschiedene erste Initiativen gebildet, bis zu einer deutlichen Verbesserung ist es aber wahrscheinlich noch ein langer Weg.

Schon gewusst?
  • Die fortschreitende Entwaldung für Ölpalmen-Plantagen führt zu Verlust der biologischen Vielfalt und beschleunigt den Klimawandel.
  • Indonesien gilt durch die (Brand-)Rodungen von Tropenwald für Palmölplantagen als drittgrößter Klimasünder weltweit.
  • Beachtet man sämtliche Aspekte, wird bei der Herstellung einer Tonne rohen Palmöls so viel Co2 produziert, wie bei der Verbrennung von 370 Litern Erdöl. 

Die Politik kann sich nicht länger auf dem Rücken von Nicht-Regierungsorganisationen und Vorreitern ausruhen, die ihr Bestes geben, um die „Symptome“ der massiven Palmölproduktion zu behandeln. Gerade deshalb ist auch die Tatkraft jedes Einzelnen (Handeln) gefragt!  Denn eine verringerte Nachfrage nach konventionell produziertem Palmöl, bedeutet gleichzeitig weniger Bedarf an riesigen Monokulturen aus Ölpalmen – und davon profitieren wir alle!

Fragen & Antworten zu "Palmölproduktion und Folgen"

Wie zerstört Palmöl den Regenwald?

Die stetig wachsende Nachfrage nach Palmöl führt zu einem immer neuen Bedarf an Anbaufläche. Dies sind zum Teil ungenutzte Brach- und Weideflächen, aber in den Produzentenländern wird auch Tropenwald zur Anlage neuer Palmölplantagen gerodet. Es wird hier von einer indirekten Landnutzungsänderung gesprochen. Studien zeigen, dass die Palmölproduktion einer der Haupttreiber für die Zerstörung der tropischen Regenwälder ist. In Südostasien ist Palmöl neben der Holzgewinnung sogar der Haupttreiber für die Entwaldung. 

Quellen
Indirekte Landnutzungsänderung  

Die Fläche für die Produktion von Palmöl steht häufig in direkter Konkurrenz mit Flächen für den Lebensmittel­anbau oder dem industriellen Anbau weiterer Export-Agrarprodukte wie Zellstoff/Holz oder Kautschuk. Werden die landwirtschaftlichen Flächen für den Anbau von Ölpalmen genutzt, fehlt wiederum Fläche für den Anbau von anderen Produkten.
Dies führt dazu, dass immer mehr Regenwald abgeholzt wird und die damit einhergehenden Auswirkungen wie etwa die Freisetzung von Treibhaus­gasen, Bodenerosion und Biodiversitätsverlust – verstärkt werden.

Expertin zum Klimaschutzaspekt

„Die Regenwaldabholzung ist unter dem Klimaschutzaspekt höchst relevant. Die Treibhaus­gas­­emissionen, die mit Palmöl in Verbindung gebracht werden, setzen sich aus zwei Haupt­bestandteilen zusammen: Zum einen die Emissionen, die durch die Entwaldung der für den Anbau vorgesehenen Flächen entstehen, und zum anderen jene Emissionen, die bei der Produktion und Verarbeitung des Palmöls entstehen,“ so Dr. Elke Mannigel.


Wie schadet Palmöl der Umwelt?

Wird für gigantische Ölpalmen-Plantagen Tropenwald gerodet, leidet die Artenvielfalt. Nicht nur der Orang-Utan verliert seinen Lebensraum, sondern auch viele andere Tiere und Pflanzen. Nur 23% der Wirbeltierarten (Säugetiere, Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische) und 31% der wirbellosen Tierarten, die im Wald leben, finden auch auf Palmölplantagen einen Lebensraum. Ähnliches gilt für Pflanzen: In Palmöl-Monokulturen wachsen nur wenige Pflanzen, die normalerweise in Tropenwäldern vorkommen. Die fortschreitende Entwaldung für das enorme Wachstum von Palmölplantagen wirkt sich nicht nur negativ auf die biologische Vielfalt aus, sondern schadet auch der Erde und dem Klima.


Wussten Sie schon, dass die Produktion von Palmöl gleich dreifach klimaschädlich ist? Warum das so ist, zeigt Ihnen OroVerde im Zusammenhang mit "Palmöl in Biodiesel".

Die schlechte Klimabilanz von Palmöl lässt auch die Frage aufkommen, welche Bedeutung diese Begebenheit für Kraftstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen, und somit auch Biodiesel, hat. Weshalb „Bio“ nicht zwangsläufig nachhaltig ist, erläutern wir in unserer Klimabilanz-Rechnung in Bezug zu Biodiesel!


Wie beeinflussen Palmölplantagen das Leben der Menschen vor Ort?

Wie bei vielen Themen gibt es auch hier unterschiedliche Meinungen: Einerseits wird die Anlage von Palmölplantagen von den Menschen vor Ort zum Teil bereits von Anfang an als Gefährdung ihrer Kultur und Lebensgrundlage eingeschätzt, v.a. von der indigenen Bevölkerung. Für andere ist sie jedoch auch mit großen Hoffnungen auf ein gesichertes Einkommen und eine verbesserte Lebensqualität verbunden. Doch diese Hoffnungen erfüllen sich in der Regel nicht.

Am Beispiel Indonesien werden die sozialen Probleme deutlich, die durch die Produktion von Palmöl ausgelöst werden. Die Eigentums- und Nutzungsrechte für viele Landflächen, die der indonesische Staat für die Anlage von Plantagen freigibt, sind ungeklärt. Das traditionelle Gewohnheitsrecht der lokalen, zum Großteil indigenen Bevölkerung wird vom Staat nicht anerkannt. Häufig kommt es daher zu Konflikten und zu Vertreibungen der ansässigen Landbevölkerung. 

Das Argument neu geschaffener Arbeitsplätze erweist sich bei genauerer Betrachtung ebenfalls als schwach. Viele dieser Arbeitsplätze sind nur saisonal und die Löhne gering, so dass die Familien nicht über das ganze Jahr abgesichert sind. Zudem sind die Arbeitsbedingungen gefährlich – körperlich schwere Arbeit und hoher Pestizideinsatz ohne adäquate Schutzkleidung verursachen Verletzungen und Krankheiten. Gesundheitliche Risiken für mehrere Millionen Menschen entstehen zudem durch großflächige Waldbrände, die auch durch Brandrodung und Trockenlegung der Torfböden für die Palmölplantagen hervorgerufen werden. 

Auch Guatemala erlebte in den letzten 10-15 Jahren ein enormes Wachstum von Palmölplantagen. So auch rund um das OroVerde-Projektgebiet am Izabal-See. Dort hat die Nachfrage nach Land für die Palmölplantagen dazu geführt, dass die lokale Bevölkerung aus den flachen Gegenden in die Berge ausweichen musste. Dort, wo sie früher ihre Felder für die Selbstversorgung bestellten, fahren nun LKW durch die kilometerlangen schnurgeraden Reihen von Ölpalmen. Die Menschen mussten ihre Häuser und Felder teilweise hoch oben in den Bergen neu anlegen, wo die Infrastruktur und Grundversorgung sehr schlecht ist. Die Böden sind weniger fruchtbar als im Flachland und durch die Hanglage stark erosionsgefährdet.

So hat sich die Versorgung mit Nahrungsmitteln so sehr verschlechtert, dass es sogar zu Fällen von starker Unterernährung kommt – vor allem bei Kindern. Der Zugang zu Trinkwasser ist begrenzt und durch die extreme Abgeschiedenheit der Gemeinden und die schlechten Zufahrtswege, sind auch eine medizinische Versorgung und schulische Infrastruktur kaum vorhanden. Einige Bewohner haben in den Plantagen Arbeit gefunden, allerdings unter schwierigen Bedingungen.


Wie geht es weiter?

Das OroVerde-Projekt am Izabal-See besteht neben Wiederaufforstungen vor allem darin, die Menschen zu unterstützen, ihre Ernährungssituation mit ökologischen Hausgärten zu verbessern, die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten sowie die negativen Auswirkungen von Naturkatastrophen zu reduzieren.

Helfen auch Sie mit einer Spende!!!

Initiativen gegen die Palmöl-Problematik

Kurzfristig können Projekte wie jenes von OroVerde regional helfen; langfristig jedoch kann eine umfassende und überregionale Lösung der durch Palmöl verursachten klimatischen und sozialen Probleme nur mit politischen Maßnahmen erreicht werden. Erste Ansätze existieren bereits! In der Legauer Erklärung wurden bereits 2016 im Anschluss an das Palmöl-Forum bei Rapunzel Naturkost in Legau (Allgäu) klare Forderungen festgehalten. Zudem wurde im Jahr 2004 der RSPO (Round Table for Sustainable Palm Oil) gegründet. Auf freiwilliger Basis  vereint  er weltweit Akteure aus der gesamten Wertschöpfungskette des Palmöls und ist das weltweit meistgenutzte Zertifizierungssystem für Palmöl. Allerdings kritisieren  viele NGOs aus den Bereichen Umwelt und Soziales das Zertifizierungssystem erheblich. Mehr Hintergrundinformationen und OroVerdes Position zum RSPO .

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  • Sie möchten auch wissen, wie Regenwaldschutz in den Projektgebieten von OroVerde aussieht? Hier finden Sie unsere Dokumentationen.
  • Helfen Sie OroVerde mit einer Spende dabei, den Regenwald zu schützen! 
Noch Fragen zu Palmöl?

Dr. Elke Mannigel
Teamleitung Internationale Projekte
Telefon: 0228 24290-12
E-Mail: emannigel@oroverde.de