Fleischkonsum und Regenwald ©OroVerde

Fleischkonsum und Regenwald

Was Fleisch, Soja und Regenwald miteinander zu tun haben

Regenwald im Einkaufskorb? Mit jedem Schnitzel, Steak oder Schinken, das wir kaufen, treffen wir eine Entscheidung, die nicht nur uns selbst betrifft, sondern auch weitgreifende Auswirkungen auf die Umwelt und vor allem den tropischen Regenwald hat. Denn Nutztiere, wie Hühner, Schweine und Rinder werden, neben anderen Futterbestandteilen, auch mit eiweißreichem Sojaschrot gemästet. Das bringt fatale Folgen mit sich: Für den Anbau von Soja wird Regenwald großflächig gerodet, Kleinbauern und Indigene werden vertrieben.

Schon gewusst?
  • Industrielle Landwirtschaft und Landnutzungsänderungen, unter anderem für den Anbau von Soja, zählen zu den größten Treibern der Entwaldung weltweit.
  • Von der Menge an Getreide und Soja, die benötigt wird, um ein Steak zu produzieren, könnten 2 Menschen einen ganzen Tag satt werden.
  • In deutschen Schlachthäusern werden jährlich ca. 753 Mio. Tiere (Rinder, Schafe, Enten, Puten, Schweine, Hühner) geschlachtet. Davon sind 20% für den ausländischen Markt bestimmt.   

Die immensen Importe von Sojaschrot ermöglichen erst die industrielle Massenproduktion von Fleisch, besonders in Europa und Deutschland. Soja ist das landwirtschaftliche Produkt, dessen Anbaufläche seit den 1970er-Jahren weltweit am rasantesten angewachsen ist. Lag die globale Produktion im Jahr 1961 noch bei 26 Millionen Tonnen waren es 2014 bereits 308 Millionen Tonnen,  die auf rund sechs Prozent der weltweiten Ackerfläche angebaut wurden.  Dies spiegelt sich auch im Zuwachs des globalen Handels mit Soja wieder: von 80 Millionen Tonnen im Jahr 2007 auf rund 180 Millionen Tonnen in 2014. Wie es zu dem Boom kam, wo Soja vorwiegend angebaut wird und weitere Fragen beantworten wir in diesem Beitrag.

Woher kommt das Soja für unser Fleisch? - Regenwald im Futtertrog

Das Futtermittel Soja muss importiert werden. Die Sojabohnen werden auf riesigen Feldern angebaut - u.a. in Brasilien. Deutschland importiert ca. jede zweite Bohne aus Brasilien. Die riesigen Felder für Soja werden dort angelegt, wo früher oftmals artenreicher Regenwald stand. So verschwindet immer mehr Regenwald für artenarme Soja-Monokulturen.

Soja statt Regenwald

Häufig ist eine bestimmte Abfolge bei der Regenwaldvernichtung zu beobachten. Zunächst schlagen Holzfäller wertvolle Bäume und schaffen so einen einfacheren Zugang zum Wald. Es folgen Viehzüchter, die mit Brandrodung größere  Flächen in Rinderweiden umwandeln. Da der Boden sehr arm an Nährstoffen ist, ist die Rinderhaltung nicht lange profitabel. Die Flächen werden aufgekauft und für die Sojaproduktion, unter massivem Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden genutzt. Die Viehhalter ziehen wiederum tiefer in den Regenwald. So dringen Weiden und Äcker immer tiefer in Regenwald-Gebiete vor. Mehr zu weiteren Folgen des Soja-Anbaus für die Umwelt erfahren Sie hier.

Fragen und Antworten zum Thema "Fleischkonsum und Regenwald"

Warum wird so viel Soja als Futtermittel eingesetzt?

Soja ist im Vergleich zu anderen Bohnenarten besonders eiweißhaltig. Die ausgereiften, getrockneten Bohnen enthalten ca. 38 Prozent Eiweiß (Proteine) und 18 Prozent Öl. Das macht Soja als nahrhaftes Futtermittel in der Massentiehaltung besonders attraktiv. Der Soja-Boom in Europa wurde durch zwei Ereignisse gefördert. Zum einen ist die einsetzende industrielle Massentierhaltung ein Auslöser des Booms und zum anderen brach in den 1990er/2000er Jahren die Rinderseuche BSE aus, die zu einem Verbot tierischer Proteine im Masttierfutter führte. Dieses galt als Auslöser der Seuche. Da die Eiweißstruktur von Soja dem tierischen Eiweiß am meisten ähnelt, wurde in Soja ein guter Ersatz für Masttierfutter auf der Basis von Tiermehl gefunden.

Quellen

Wo wird Soja überwiegend angebaut?

In Brasilien und den USA wird das meiste Soja produziert - 2/3 des Welthandels! Beide Länder erzeugten 2014 jeweils knapp ein Drittel der globalen Soja-Produktionsmenge. Rund ein Fünftel der weltweiten Soja-Produktion liegt in Argentinien. Damit werden in diesen drei Ländern - USA, Brasilien und Argentinien -  80% des weltweiten Sojas angebaut.  Aber auch in Paraguay und China werden Sojabohnen im großen Stil angepflanzt. Innerhalb der Europäischen Union ist Deutschland der größte Importeur von Soja, wo das eingeführte Soja beinahe vollständig in der Tierfuttermittelindustrie verwendet wird. Jede zweite Sojabohne, die Deutschland im Jahr 2015 importierte, kam aus Brasilien.


Wieviel Soja wird angebaut?

Am Beispiel Brasiliens ist das rasante Wachstum der Sojaproduktion gut nachzuvollziehen. Der Anbau dort begann in den 1970er Jahren. Ab den 1990er Jahren setzte ein  rasantes Wachstum der brasilianischen Sojaproduktion ein. 1970 wurden auf einer guten Million Hektar Soja angepflanzt. 1990 war die Fläche bereits auf 11,5 Mio. ha angestiegen. Heute hat sich diese Fläche nochmals fast verdreifacht. 2014 betrug die Sojaanbaufläche Brasiliens knapp 30 Mio. ha, was etwa der Fläche Italiens entspricht. Somit wurde der Anbau von Soja - neben der Rinderhaltung auf Weiden - zu einem der Haupttreiber der Entwaldung Brasiliens.


Warum wird Soja in Regenwald-Gebieten angebaut?

Die klimatischen Bedingungen in Regenwald-Gebieten sind für Soja extrem gut. Die immerfeuchten Subtropen haben die besten Standortbedingungen, was Wärme, Feuchtigkeit und Tageslichtdauer betrifft. Darüber hinaus sind die Anbaugebiete zumeist bereits vorhanden. Die Fläche, die für den Anbau von Soja benötigt wird, entsteht durch Verdrängung anderer ackerbaulicher Kulturen, Umwandlung von Viehweiden in Ackerland oder Rodung der tropischen Wälder. Die Entwaldungsproblematik des Sojaanbaus in Brasilien kann nicht ohne den Bezug zur Viehzucht betrachtet werden, denn als direkter Treiber der Entwaldung in Brasilien ist die Viehzucht mit etwa 80 Prozent der Hauptakteur.

Schon gewusst?

Nachdem in der Verarbeitung der Bohnen zunächst durch Pressen das Öl gewonnen wurde, bleiben etwa 80 Prozent der Bohne als Sojaschrot zurück. Aufgrund seines hohen Eiweißgehalts (38%) wird es als Tierfutter in der Massentierhaltung verwendet, denn Proteine spielen für den Muskelaufbau eine bedeutende Rolle.

Dass meiste Soja gelangt also über den Konsum tierischer Produkte zu uns. Was passiert mit den restlichen 20%? Nur zwei Prozent aller Sojabohnen werden direkt als Lebensmittel vom Menschen verzehrt, ob als frische Bohnen oder verarbeitet als Sojasauce, Tofu oder Sojamilch. Sojaöl, dessen Anteil etwa 18% ausmacht, taucht als Speiseöl oder als chemisch veränderter Zusatzstoff in Fertigprodukten in unseren Küchen auf. Aber auch in weiteren Bereichen im Alltag wie der Körperpflege, in der Werkstatt oder beim Autofahren, ist Sojaöl – meist unbemerkt – mit dabei.


Warum ist weniger Fleisch essen sinnvoll?

Unsere Expertin

OroVerde-Mitarbeiterin Elisa Rödl ist Expertin für die Zusammenhänge zwischen Soja & Fleisch insbesondere für Schüler. Sie erläutert dem jungen Publikum, welche Folgen der Fleischverzehr mit sich bringt. „Es gibt viele gute Gründe, weniger Fleisch zu essen“, sagt sie. „Unser Fleischkonsum hat Auswirkungen auf unsere Gesundheit, auf das Klima, auf unsere Umwelt aber auch auf die weltweite Bevölkerung." In Anbetracht der globalen Bevölkerungsentwicklung (In den 2050er Jahren werden voraussichtlich 10 Mrd. Menschen auf der Erde leben) betont sie, dass Möglichkeiten gefunden werden müssen, all diese Menschen zu ernähren. Weniger Fleisch zu essen, damit landwirtschaftlich nutzbare Flächen für den direkten menschlichen Konsum genutzt werden können, sei ein wichtiger Baustein, um dies zu erreichen, so Elisa Rödl.

Brasilien ist in absoluten Zahlen bis heute das Land mit der höchsten Entwaldungsrate weltweit. Das hat auch Auswirkungen auf das Klima. So wird zum Beispiel immens viel Kohlenstoff freigesetzt, wenn Regenwälder vernichtet werden. Der zusätzliche Ausstoß von Methan durch Rinder und die Bildung von Lachgas durch die Überdüngung der Felder sind zwei weitere Faktoren, die unsere Erde aufheizen. Die kommerzielle Fleischproduktion bringt zudem eine Verkettung von Problemen mit sich, die sogar eine Gefahr für unsere Gesundheit darstellen können.

Das Gute: Sie können im Alltag ganz einfach zum Schutz der Regenwälder und der Umwelt beitragen! Wie Sie das erreichen, erfahren Sie in den OroVerde-Handlungempfehlungen.

 

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