Soja Fleisch Grillgut ©Pixabay

Wir schneiden uns ins eigene Fleisch

Negative Folgen hier und dort

Die Massenproduktion von Fleisch bringt eine komplexe Verflechtung von Problemen mit sich. Man könnte fast sagen: Mit jedem Stück Fleisch, das wir essen, schneiden wir uns ins eigene Fleisch. Alle, sowohl Regierungen als Wirtschaft und Bevölkerung, sind zum Handeln aufgerufen. Auf öffentlicher Ebene gibt es bereits vielversprechende Lösungsansätze. Vielversprechend sind auch die Beiträge, die jeder Einzelne durch das eigene Konsumverhalten zum Schutz der Regenwälder, des Klimas und der eigenen Gesundheit leistet! Seien Sie mit dabei!

Schon gewusst?
  • Die Produktion von einem Kilogramm Steak verursacht die selbe Menge Treibhausgase wie eine Autofahrt von Hannover nach Potsdam (250 Km).
  • Verursacher dieser Treibhausgasemissionen sind mit 25,4% die Tiere, die in Deutschland überwiegend in Massentierhaltung gehalten werden. 35,2% entstehen durch Brandrodung von Regenwald für Sojaanbau; 33,2% verursacht der Dünger für die Produktion von Futtermitteln, 1,4% durch Transport und 4,3% sonstige Verursacher.
  • Die Nutztierhaltung pustet rund 18% der weltweiten Klimagase in die Atmosphäre. Alle Autos, Laster, Flugzeuge und Schiffe hingegen haben einen Anteil von 14%.
  • Nur etwa 10% der Proteine und Kalorien, die an das Tier verfüttert werden, nehmen Menschen in Form von Fleisch oder anderen tierischen Produkten wieder auf.

Noch heute wird wertvoller Regenwald für Sojaplantagen vernichtet. Dadurch geht ein besonders artenreicher Lebensraum verloren. Zurück bleiben großflächige Monokulturen, auf denen nur noch Soja wächst. Für die Ernte, Weiterverarbeitung und den Abtransport der riesigen Sojamengen wurde eine komplexe Infrastruktur geschaffen. Auch hierfür musste Regenwald weichen. Welche Folgen hat das auf die Einwohner der ehemaligen Regenwaldgebiete vor Ort? Welche negativen Folgen hat Massentierhaltung? Hier erhalten Sie Antworten auf diese Fragen.

Überdüngung verunreinigt Grundwasser

Brandrodung vernichtet effizient

Spritzmittel gefährden Gesundheit

Regenwald weicht Ackerflächen

Häfen und Straßen treiben die Regenwaldvernichtung voran

Beispiel Brasilien: Die Expansion des Sojaanbaus im brasilianischen Amazonasgebiet führte zu verstärkten Investitionen in große Infrastrukturprojekte. So wurde 2001 der Hafen von Santarém in großem Stil ausgebaut, um von dort aus Sojabohnen in alle Welt zu verschiffen. Im Amazonas-Regenwald wurden und werden Straßen asphaltiert oder neu angelegt, um die Sojabohnen zu den Flusshäfen transportieren zu können. Diese Straßen ermöglichen es, immer tiefer in den Wald vorzudringen und reduzieren gleichzeitig die Transportkosten für Sojabohnen. Deshalb wird wertvoller Wald für neue Soja-Monokulturen vor allem entlang neuer Straßen gerodet.
 

Kurz und bitter

Mehr Sojaanbau führt zu mehr und besser ausgebauter Infrastruktur, die wiederum noch mehr – und günstigere – Sojaproduktion und auch andere zerstörerische Aktivitäten ermöglicht. Eine sich gegenseitig hochschaukelnde Spirale zu Lasten des tropischen Regenwaldes, der biologischen Tier- und Pflanzen-Vielfalt und traditioneller Lebensformen.

Vertreibung auf dem Land

Der Sojaanbau ist lukrativ, wenn er industriell, also im großen Stil erfolgt. Kleinbauern profitieren ökonomisch nicht davon. Vielmehr hat die Anlage der großflächigen Monokulturen zum Teil die Abwanderung von Kleinbauern zur Folge, da sie ihr Land verkaufen und sich in Folge auf billigerem, bewaldeten Land tiefer im Amazonasgebiet neu ansiedeln und dieses roden.

Die Ausbreitung des Sojaanbaus führt zu Vertreibungen indigener Bevölkerungsgruppen, vor allem dort, wo Landrechte ungeklärt sind.

Die riesigen Monokulturen, die völlig mechanisch bearbeitet werden, benötigen zudem sehr wenige Arbeitskräfte. Viel weniger als in der kleinbäuerlich strukturierten Anbauweise, die vorher auf denselben Flächen praktiziert wurde. Auf 500 ha kommt nur ein Angestellter in der Sojaproduktion.

 Arbeitsplätze entstehen jedoch in der weiteren Sojaproduktions- und Lieferkette, beim Transport und in den Ölmühlen in den nahegelegenen Städten, was den Sojaanbau zu einem positiven Faktor für die Wirtschaft macht.

Soziale Probleme - Maßlos auf Kosten anderer

Wird Soja für den Export angebaut, fehlen die dafür genutzten Ackerflächen den Menschen vor Ort, so etwa für den Anbau eigener Lebensmittel. Die Ernten, die in der Region zur Sicherung der Lebensmittelversorgung angebaut werden könnten, landen also nicht auf dem Teller der einheimischen Bevölkerung – stattdessen landet das auf den Flächen angebaute Soja im Futtertrog unserer Massentierhaltung.

Würden wir unseren Bedarf an Soja für die Massentierhaltung innerhalb unserer Landesgrenzen decken wollen, müssten wir eine zusätzliche Fläche ausschließlich für den Anbau von Soja als Tierfutter nutzen, die halb so groß ist wie Rheinland-Pfalz.

Fragen und Antworten zum Thema "Folgen des Sojaanbaus"

Welche Auswirkungen hat der Fleischkonsum auf den Klimawandel?

Durch Anbauflächen für Soja als Tierfutter und Rinderweiden, die immer tiefer in die tropischen Regenwälder vordringen, wird das Klima stark beeinflusst. Denn in der Biomasse der Regenwälder sind enorme Mengen Kohlenstoff gebunden. Werden die Regenwälder vernichtet, wird der Kohlenstoff freigesetzt und wandelt sich in Verbindung mit Sauerstoff zum Klimagas CO2 um. Der Ausstoß von Methan (CH4) durch Rinder und die Bildung von Lachgas (Distickstoffmonoxid, N2O) durch die Überdüngung der Felder sind zwei weitere Faktoren, die unsere Erde aufheizen. Die Viehwirtschaft verursacht insgesamt 14,5 Prozent der weltweiten Treibhausgase. Methan ist übrigens 25 Mal schädlicher für unser Klima als CO2 und Lachgas sogar 298 Mal! Zudem bleibt Lachgas über 110 Jahre in der Atmosphäre. Lange Transportwege und -zeiten zu den Schlachthäusern führen zu noch mehr Abgasen und mehr Belastung der Infrastruktur. Alleine für Schweineschlachtungen sind mehr als 390.000 LKWs pro Jahr auf deutschen Straßen unterwegs.


Welche Folgen hat die Massentierhaltung hier in Europa?

Unsere Expertin

OroVerde-Mitarbeiterin Elisa Rödl, Expertin für Verbrauchertipps rund um Soja und Fleischkonsum, weist auch hier in Europa schnell auf eine der Folgen der Massentierhaltung für den Menschen hin: „Wo viele Nutztiere auf engstem Raum gehalten werden, herrscht oft eine hohe Anfälligkeit für Krankheiten. Die Resistenzbildung von Bakterien und Keimen aufgrund des massiven Antibiotika-Einsatzes in der Massentierhaltung sorgt für Probleme in der Humanmedizin,“ stellt sie fest. Wenn gängige Antibiotika zur Behandlung von schweren bakteriellen Erkrankungen nicht mehr wirkten, seien viele Patienten in Gefahr.


Wohin mit der Gülle?

Zudem steigen die Nitratgehalte im Grundwasser durch Gülleeintrag und Überdüngung der Böden. Dies ist vor allem für Haushalte mit eigener Trinkwasserversorgung, wie sie in ländlichen Gebieten noch vorkommt, riskant: Hohe Nitratwerte im Trinkwasser können bei Säuglingen zur Blausucht und im schlimmsten Fall zum Tod führen. Laut dem Nitratbericht der Bundesregierung 2016 ist in fast einem Drittel der gemessenen Fälle zu viel Nitrat im Grundwasser.  Auch beim Ammoniak hält Deutschland die Grenzwerte nicht ein. Dieser Luftschadstoff gefährdet die menschliche Gesundheit und sorgt für die Versauerung von Wäldern und Gewässern. 95 Prozent des Ammoniaks stammt aus der Landwirtschaft. 


Ist Soja als Futtermittel genmanipuliert? Gentechnik durch die Hintertür direkt auf unsere Teller

Beim Anbau von Soja in Brasilien wird nahezu ausschließlich gentechnisch verändertes Saatgut eingesetzt. Dadurch sind die Sojapflanzen resistent gegen das umstrittene Spritzmittel Glyphosat, das großflächig mit Kleinflugzeugen über Sojafeldern versprüht wird und alle anderen Pflanzen vernichtet. Dabei belegen viele Studien die gesundheitsschädliche Wirkung des Totalherbizides für Tiere und Menschen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnt sogar vor der „wahrscheinlich krebserregenden“ und erbgutverändernden Wirkung von Glyphosat.

Quellen

Umfragen zufolge lehnen die meisten Menschen in Deutschland Gentechnik in ihren Lebensmitteln (GV-Lebensmittel) ab.  Deshalb ist es gut, dass auf der Zutatenliste von Produkten in der EU der Einsatz von gentechnisch veränderten Zutaten, wie etwa Maisstärke oder Sojalecithin, gekennzeichnet sein muss.

Bedenklich ist hingegen, dass tierische Produkte wie Fleisch, Eier oder Milch und Milchprodukte davon ausgenommen sind. Da der Großteil des an Hühner, Schweine oder Rinder verfütterten Sojaschrots gentechnisch verändert ist, konsumieren die Verbraucherinnen und Verbraucher Lebensmittel, die mit Hilfe von gentechnisch veränderten Produkten hergestellt wurden, ohne es zu wissen. Um das zu vermeiden ist es eine Möglichkeit beim Lebensmitteleinkauf darauf zu achten, ob auf der Verpackung das Zeichen „Ohne Gentechnik“ angebracht ist oder das Produkt Bio-Qualität hat.

Siegel  "Ohne Gentechnik"  ist eines von zahlreichen Siegeln, die Sie interessieren könnten. Wir haben für Sie eine Zusammenfassung erstellt.


Was passiert, wenn sich bezüglich unseres Fleischkonsums nichts ändert?

Ändern wir unseren Kosum nicht, wird weiter Regenwald vernichtet und der Klimawandel angeheizt. Zudem werden Antibiotika-Resistenzen zunehmen, ebenso wie Nitrat im Trinkwasser. Keine guten Aussichten!

Welternährung

Laut der UN-ESA wird die Weltbevölkerung in den 2050er Jahren die 10 Milliardenmarke knacken.  Diese Menschen alle zu ernähren ist mit unseren derzeitigen Ernährungsgewohnheiten nicht machbar. Doch wir könnten viel mehr Menschen mit Gemüse- und Getreideerzeugnissen ernähren, würden wir diese nicht massenhaft an die Tiere verfüttern, die wir essen. Aktuell benötigt rein rechnerisch jeder Deutsche 1.800 qm Ackerfläche. Um die Weltbevölkerung zu ernähren, stünden 2050 jedem Erdenbürger rund 1.400 qm zur Verfügung. Allein 40% der 1800 qm brauchen wir, um Tiere zu ernähren, deren Fleisch wir essen. 

Natur-Katastrophen aufgrund der Klimaerwärmung

Der Klimawandel hat verheerende Folgen, derer wir uns bewusst werden müssen: Denn wenn wir nicht lernen im Einklang mit der Natur zu leben, schlägt die Natur zurück. Klimakatastrophen, wie Hurrikans, Erdbeben und Überschwemmungen werden sich häufen und uns vor neue Herausforderungen wie etwa „Klimaflüchtinge“ stellen.

 


Wie kann ich die Klimakatastrophe und andere Folgen meines Fleischkonsums verhindern?

Der Einfluss jedes Einzelnen ist nicht zu unterschätzen: Mit einem bewussten Konsum im Alltag wirken wir der konventionellen Massentierhaltung entgegen und tragen zum Schutz der Regenwälder bei! Wenn Sie sich fragen, was Sie täglich tun können, woran Sie sich orientieren können oder wie Sie darüber hinaus bewusst unterstützen können, dann helfen Ihnen unsere Alltagstipps dabei, Antworten auf Ihre Fragen zu finden. Hier sind ein paar Handlungsempfehlungen zusammengefasst. Zeichen und Siegel helfen Ihnen dabei, eine umweltbewusste Kaufentscheidung zu treffen.

Projektförderung

Das Erstellen der Online-Verbrauchertipps wird gefördert durch ENGAGEMENT GLOBAL mit den Mitteln des BMZ.

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Fotonachweis: Pixabay (Titelbild, Glyphosat); NASA (Regenwald aus Weltraum); von Pedro Biondi/ABr [CC BY 3.0 br, via Wikimedia Commons] (Mato Grosso); BBC (Sojafeld)

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OroVerde - Die Tropenwaldstiftung
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