Beim Einkauf im Supermarkt auf Siegel, Label und Zeichen für Fleisch achten. ©OroVerde

Siegel und Zeichen für Fleisch

Bedeutung und Empfehlung

Viele Verbraucher wollen Fleisch aus tiergerechter und umweltschonender Nutzierhaltung kaufen. Sie wollen auf industrielle Massenwaren bewusst verzichten. Der Genuss muss darunter ganz und gar nicht leiden. Eine Ernährung mit wenig, aber dafür gutem Fleisch, anderen pflanzlichen Eiweißlieferanten wie Hülsenfrüchten, viel Gemüse und regionalen Produkten tut der Umwelt, den Tieren und auch Ihrer Gesundheit gut. Werden Sie aktiv! Fragen Sie im Supermarkt oder bei Ihrem Metzger nach, woher das Fleisch kommt. Darüber hinaus helfen Siegel bei der Kaufentscheidung. Welche wichtigen Label gibt es und woran erkennen Verbraucher nachhaltiges Fleisch im Kühlregal?

Fakten zu Zeichen und Labeln
  • Begriffe wie „naturnah“, „kontrolliert“ und „integriert“ wollen den Verbraucher täuschen. Sie sind kein Hinweis auf Bioprodukte.
  • Die Bundesregierung plant für 2020 die Einführung eines staatlichen Siegels, das ein freiwilliges, unverbindliches Label sein wird. Haltung, Transport und Schlachtung von Schweinen werden künftig über ein freiwilliges Siegel gekennzeichnet. Die Erweiterung auf Geflügel und Rinder wird folgen. Tierschützer monieren, dass die Kriterien vor allem in der ersten Stufe nicht streng genug seien.

Billiges Fleisch steht für nicht-artgerechte Massentierhaltung. Unsere Lebensmittel sind heute oft billiger als Hundefutter! Aber der Preis ist nicht alles. Man sollte beim Kauf nicht vergessen, wo das Fleisch herkommt und unter welchen Verhältnissen es produziert wurde.

Wir von OroVerde empfehlen diese Siegel für Fleisch und Fleischprodukte

Welches Bio-Siegel ist gut für den Regenwald?

Die Anbauverbände Bioland, Naturland, demeter und biokreis garantieren, dass die Tiere artgerecht gehalten werden, Auslauf haben, kein gentechnisch verändertes oder konventionelles Mischfutter erhalten, das Futter nur unter bestimmten Voraussetzungen und zu einem bestimmten Anteil zugekauft werden darf und Tiertransporte zeitlich begrenzt sind. Zudem ist hier eine „flächengebundene Tierhaltung“ Voraussetzung. Eine Sojazufütterung ist nur bei eigenen Ernteausfällen erlaubt. Aber auch nur, wenn das angebaute Soja aus der Region stammt. Hier wird also kein Regenwald vernichtet, um das Viehfutter anzubauen!

Besser als kein Siegel

Das Bio-Siegel der Europäischen Gemeinschaf richtet sich nach den gesetzlichen Bestimmungen zum Tierwohl. Diese weisen jedoch erhebliche Mängel auf. So haben die Tiere zwar ebenso viel Platz wie bei den oben genannten Verbänden, stehen allerdings weiterhin teilweise auf umstrittenen Böden und dürfen mit konventionellem Mischfutter, welches Soja enthält, sowie Fischmehl und Silagefutter gefüttert werden. Zudem ist sowohl gleichzeitig eine ökologische als auch konventionelle Bewirtschaftung eines Betriebes gestattet.

NEULAND

Dieses Zeichen steht unter der Kontrolle des Deutschen Tierschutzbundes und darf sich als „besonders artgerecht“ bezeichnen. Die Fütterung darf auch hier nur aus einheimischem und gentechnikfreiem Anbau stammen, jedoch sind Dünge- und Pflanzenschutzmittel beim Futteranbau erlaubt. Beim Biolandbau ist dieser Einsatz hingegen verboten.

Fragen und Antworten zu Siegel und Label für Fleisch

Was ist artgerechte Tierhaltung?

Artgerechte Tierhaltung bezeichnet laut Wikipedia Formen der Tierhaltung, bei denen auf die ursprünglich natürlichen Lebensbedingungen der Tiere erinnert wird und auf bestimmte angeborenen Verhaltensweisen der Tiere Rücksicht genommen wird. So werden einige artspezifische Bedürfnisse der Tiere stärker berücksichtigt als bei der Massentierhaltung. Mehr Platz im Stall sowie frische Luft und Licht im Auslauf und auf der Weide tragen dazu bei, dass sich  die Tiere zurückziehen oder stressfrei zwischen ihren Artgenossen bewegen können. Gesetzlich definiert ist dieser Begriff nicht.
Neben der artgerechten Tierhaltung gibt es zudem den Begriff der „flächengebundene Tierhaltung“. Bei dieser hält der Landwirt nur noch so viele Tiere, wie er mit selbst angebautem Futter ernähren kann. Dadurch wird sichergestellt, dass er keine Futtermittel importieren muss – also auch kein Soja aus den Regenwald-Gebieten der Welt.
Bei einigen Landwirten hat ein Umdenken bereits eingesetzt. Sie sind zur „artgerechten, flächengebundene Tierhaltung“ übergegangen. Ein Bündnis quer durch die deutsche Gesellschaft macht sich für eine Agrarwende stark, um die Landwirtschaft in Deutschland und weltweit zukunftsfähig zu gestalten. Schließen Sie sich an und fordern Sie die Politik auf, aktiv zu werden.

Warum ist „normales“ Fleisch so viel billiger als Bio-Fleisch?

Biobauern verzichten auf Massentierhaltung. Ihre Tiere haben Platz, dürfen auf eine Weide, bekommen gesundes Futter, das der Bauer meist selbst anbaut, und werden nicht mit Medikamenten vollgepumpt. Die Tiere auf Biobauernhöfen haben ein besseres Leben. Sie leben gesünder und länger. Biobauern haben bei der biologischen Aufzucht der Tiere mehr Arbeit und mehr Kosten. Daher ist Bio-Fleisch teurer. Dafür sind die Folgeschäden geringer und "günstiger". Die Böden bleiben intakt und das Grundwasser wird nicht mit Medikamenten und Gülle verschmutzt. Letzteres reduziert die Kosten der Trinkwasseraufbereitung massiv, was sich bei der Wasserrechnung im Portemonnaie spiegelt. 

Wer vergibt die Siegel?

Augenblicklich gibt es kein eigenes staatliches Siegel für die Herkunft von Fleisch, auch wenn darüber viel diskutiert wird. Deswegen vergeben bislang Discounter oder Interessengemeinschaften beziehungsweise Vereine wie der Deutsche Tierschutzbund oder Vier Pfoten eigene Siegel. Auch Öko-Kontrollstellen, die Betriebe nach den Richtlinien der Öko-Verbände Bioland, Demeter oder Naturland bewerten, vergeben Siegel und Zeichen. Diese privaten Kontrollstellen für Öko-Produkte sind staatliche zugelassen und prüfen genau wie bei konventionellen Erzeugnissen die Vorschriften des Lebensmittel- und Futtermittelrechts. Für eine zusätzliche Öko-Zertifizierung muss das nach der EG-Öko-Verordnung vorgesehene Kontrollsystem und -verfahren durchgeführt werden.

Werden Sie aktiv mit diesen vier Tipps!

  1. Fragen Sie im Supermarkt oder bei Ihrem Metzger nach, woher das Fleisch kommt und womit das Tier gefüttert wurde.
  2. Setzen Sie sich für (mindestens) ein vegetarisches Gericht in der Kantine am Arbeitsplatz ein.
  3. Werfen Sie keine Lebensmittel weg, also auch kein Fleisch! 22 Prozent der gesamten Lebensmittelverluste in Deutschland sind Fleischund Milchprodukte und Eier.
  4. Zeigen Sie Ihre Ablehnung von Gentechnik und Massentierhaltung zum Beispiel durch Ihre Teilnahme an Demonstrationen wie der jährlich zur Grünen Woche in Berlin stattfindenden „Wir-haben-es-satt“-Demo oder durch Petitionen oder Anfragen an Bundestagsabgeordnete oder andere politische Mandatsträger.

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