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Erfolge im Tropenwaldschutz auf Kuba - Ein Reisebericht

Im Frühjahr 2007 führte mich meine Arbeit als internationale Projektkoordinatorin zum zweiten Mal in unser Projekt nach Kuba. Meine Aufgabe besteht darin, einen reibungslosen Ablauf des Projektes vor Ort zu gewährleisten, die lokalen Partner beratend zu unterstützen, die Finanzierung zu kontrollieren und die weitere Zusammenarbeit zu planen. Überwiegend finde ich mich auf den Projektreisen daher in den Büros der Partnerorganisationen wieder: es gibt Vieles zu besprechen, Akten zu wälzen und Kontakte (vom Parkranger bis zum Minister) zu pflegen.

Von Dr. Elke Mannigel
Internationale Projektkoordination, OroVerde – Die Tropenwaldstiftung

Dieses Mal allerdings hatte ich auch etwas Zeit, den Regenwald zu erkunden und auch die Genehmigung der kubanischen Behörden in abgelegene Teile des Nationalparks zu gehen, die normalerweise nicht einfach zugänglich sind. Es hat mich stark beeindruckt zu sehen, wie kompliziert die Logistik in den abgelegenen Regionen ist, wie engagiert unsere Partner dort arbeiten und wie atemberaubend einzigartig die Natur dort ist. Der Nationalpark ist in 4 Sektoren aufgeteilt: La Melba, Ojito de Agua, Cupeyal del Norte und Baracoa. Letzterer ist auch ohne besondere Genehmigungen zu besuchen, deshalb noch ein Tipp: Sollten Sie einmal nach Kuba reisen, klopfen Sie in der Bibliothek von Baracoa an die Tür. Dies ist sozusagen das Tor in den Nationalpark „Alexander von Humboldt“ auf Kuba. Auch von im touristisch zugänglichen Teil kann man schon viele seltene Arten beobachten.

Der abenteuerliche Zugang zum Park in den nicht touristischen Zonen

Sektor Ojito de Agua 
Obwohl die Entfernung zwischen Guantánamo und Ojito de Agua nicht so groß ist (ca. 50 km), ist es kompliziert gewesen, diesen Sektor zu erreichen. Die Straßen sind in sehr schlechtem Zustand und der Jeep mit Allradantrieb war gerade zur Reparatur. Mit dem Pick-up sind wir also von Guantánamo eine Stunde nach Norden gefahren – schließlich auf Schotterpisten bis in die Berge. In einem Ort in der Nähe des Parkeingangs warteten schon zwei der Parkranger vom Sektor Ojito de Agua mit Mauleseln – der Versuch, noch etwas weiter mit dem Auto zu kommen, scheiterte schließlich an einer schlammigen Stelle mit dicken Steinen – also wurden Gepäck und Essen für die Arbeiter in der Station auf die Maulesel gepackt und die beiden Ranger haben sich den Kühlkasten mit dem weiteren Essen aufgeladen. Bei leichtem Regen gingen wir zu Fuß weiter den Berg hinauf. Nach dem steilsten Stück kamen uns weitere Mitarbeiter der Station mit dem Ochsenschlitten entgegen und die Kühlkiste wurde darauf geladen. Inzwischen waren wir nicht nur alle nass, sondern auch von oben bis unten mit Schlamm bedeckt. Nach zwei Stunden Fußmarsch, vorbei an der kleinen Gemeinde Riite (50 Einwohner) sind wir an der Parkgrenze angekommen. Noch mal eine gute halbe Stunde weiter standen wir schließlich in Piedra de La Veja – dem Ort mit dem Stützpunkt für den Sektor Ojito de Agua. Nass und etwas müde tut der heiße Kaffee richtig gut.

Den Nachmittag verbringen wir damit die Arbeit im Sektor zu kennenzulernen und zu diskutieren. Die Ranger zeigen mir ihre Anpflanzungen, auf denen sie dabei sind, Flächen, die der Mensch einmal verändert hat, wieder mit einheimischen und oft seltenen Baumarten aufzuforsten. Sie erklären mir auch, welche nicht einheimischen Arten sie zurzeit besonders im Auge haben, um deren Ausbreitung mit negativen Folgen für den Park zu verhindern. Abends sitzen wir dann nach dem Essen noch zusammen und überlegen, wie OroVerde die Arbeit der Ranger in den nächsten Jahren am Besten weiter unterstützen kann. Notwendig ist vor allem gute Ausrüstung für die Parkmitarbeiter, denn Schuhe und Kleidungstücke müssen den schlechten Wegen und dem häufigen Regen gewachsen sein. 

Erfolge der bisherigen Arbeit im Park
Einige Tage später in Arroyo Bueno, einem kleinen Ort im Sektor La Melba, erzählt mir Jorge Luis, der Parkchef von La Melba, dass er vor neun Jahren zum ersten Mal in das kleine Dorf kam. Er war angestellt, um für den Schutz der Natur zu arbeiten, aber das Umweltbewusstsein der Dorfbewohner war sehr gering. Arroyo bueno liegt „weit“ entfernt von der nächsten Stadt. Forst- oder Naturschutzgesetzte waren nicht bekannt. Wald wurde ohne Bedenken für Ackerflächen, Straßenbau, Forstwirtschaft und Bergbau gerodet. Oft wurden durch Abbrennen die wertvollen Mineralien möglichst schnell freigesetzt und dann vom nächsten Regen weggeschwemmt, so dass die Felder schnell unfruchtbar wurden und bald das nächste Stück gerodet werden musste. Gerade in der ersten Zeit des Nationalparks waren Konflikte mit der Dorfbevölkerung häufig, weil sie für den Schutz der natürlichen Ressourcen ihre Lebensweise verändern mussten.

Heute - 9 Jahre später – zeigt mir eine Kulturveranstaltung, die jeden dritten Sonntag für alle stattfindet („Domingo para todos“ – der Sonntag für alle!), dass sich inzwischen vieles geändert hat. An diesem Abend (zufällig der Abend meines Besuches) ist jeder aus dem Dorf aufgerufen, etwas vorzuführen (Lieder, Theater etc.). Es gibt zudem auch immer einen Teil, in dem ernste Themen diskutiert werden. An dem Sonntag meines Besuchs war der „Tag der Erde“, so dass besonders Umweltthemen diskutiert wurden. Die Anwesenden wurden in zwei Gruppen aufgeteilt, die abwechselnd Fragen beantworten mussten. Viele handelten von den endemischen Arten, den Vegetationsformen (Welche gibt es in unserem Sektor?) und dem Naturschutz (Wie können wir dazu beitragen die Arten zu erhalten, Feuer zu vermeiden usw.?). Ich war erstaunt über das Detailwissen der Dorfbewohner, ihr Interesse an dem Thema und der Bedeutung, die sie der Einzigartigkeit ihrer Region gaben. Ein schöner Erfolg für die Arbeit der Parkmitarbeiter in dieser Gemeinde in den letzten Jahren! Besonders wichtig war dabei auch immer die Unterstützung von OroVerde, die besonders die Integration von Parkverwaltung und der lokalen Bevölkerung gefordert und gefördert hat.  

Erfolge auch beim Artenschutz – dennoch gibt es noch viel zu tun!
Die Kuba Amazone ist eine bedrohte Art, die nur in Zentral- und Ostkuba vorkommt. Unterarten kommen außerdem in Westkuba, auf der Isla de Pinos, den Bahamas und den Cayman- Inseln vor, jedoch ist sie inzwischen in nahezu allen Verbreitungsgebieten selten geworden. Im Park ist die Kuba-Amazone allerdings inzwischen wieder recht häufig anzutreffen. Parkmitarbeiter und Ranger kümmern sich besonders zur Brutzeit intensiv um diese Art. Die Kuba-Amazone benutzt als Nistplätze verlassene Spechthöhlen oder andere natürliche Löcher. Besonders Spechthöhlen sind knapp, weil viele Baumarten im Park sehr hartes Holz haben und auch nach dem Absterben noch sehr lange nicht von Spechten genutzt werden können. Bäume mit weichem Holz (z.B. die Kubakiefer) hingegen haben oft auch flache Wurzeln und/oder verrotten schnell, so dass sie bald nachdem Absterben umfallen. Natürliche Löcher in den Bäumen haben oft den Nachteil, dass sie bei den in der Region üblichen starken Regenfällen oft voll Wasser laufen und die Jungvögel so vom Ertrinken bedroht sind. Die Parkmitarbeiter beobachten die bekannten Regionen, in denen die Kubaamazone brütet, nicht nur um wenn notwendig künstliche Brutplätze zur Verfügung zu stellen, sondern auch um Wilderei zu verhindern. Wilderer kommen oft in der Brutzeit von weit her und dringen dann mit Hilfe von einheimischen Begleitern in den Park vor. Letztes Jahr konnten drei Wilderer im Park gefasst werden. Beschlagnahmte Jungvögel werden in einer Zuchtstation in Guantánamo gepflegt. Oft können sie nicht wieder ausgewildert werden, aber in der Station gibt es inzwischen schon mehrere Paare, die brüten und deren Jungen dann wieder in dem Park freigesetzt werden können. Eine junge Kuba-Amazone bringt in der Region ca. 800 U$, ein Vielfaches des normalen Einkommens. Auf dem internationalen Markt ist der Preis wesentlich höher. Ein wichtiger Aspekt beim Schutz der Kuba Amazone ist auch die Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung, die inzwischen weiß, dass dieser Vogel etwas ganz besonderes ist und stolz darauf ist, beim Schutz helfen zu können. Wilderer finden so immer weniger Helfer und die Parkmitarbeiter haben wichtige Verbündete.

Mehr zum OroVerde-Schutzprojekt "Nationalpark Alexander von Humboldt auf Kuba" erfahren Sie hier.