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Über 25 Jahre verhandelten die Europäische Union und der südamerikanische Staatenbund Mercosur über ein Freihandelsabkommen. Am 17.01.2026 wurde das Abkommen von Mercosur und EU schließlich trotz Protesten unterzeichnet. Abgeschlossen ist der Deal damit allerdings noch nicht: Er muss noch von verschiedenen Instanzen abgenommen und geprüft werden. Expert*innen zufolge wird der neue Deal neben den wirtschaftlichen auch soziale und ökologische Auswirkungen haben. Was genau bewirkt das Abkommen?

Was bisher geschah: Recap des Mercosur-EU-Abkommens

Der Grundstein für das Freihandelsabkommen zwischen den beiden Staatenbünden wurde bereits 1999 gelegt; doch eine Grundsatzeinigung zwischen Mercosur und EU wurde erst im Jahr 2019 erreicht. Aufgrund politischer Turbulenzen durch den rechtspopulistischen ehemaligen brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro wurde das Abkommen allerdings auf Eis gelegt. Nachdem Luiz Inácio Lula da Silva, kurz Lula, Bolsonaro 2023 an der Macht ablöste, bemühten sich beide Seiten verstärkt darum, das Abkommen schnellstmöglich zum Abschluss zu bringen. Am 9. Januar 2026 billigten die EU-Staaten mehrheitlich das Abkommen – obwohl Frankreich, Polen, Ungarn, Österreich und Irland dagegen stimmten. Möglich wurde das durch die Zustimmung von Italien, nachdem es weitere Zugeständnisse für den europäischen Landwirtschaftssektor gab. Am 17. Januar wurde der umstrittene Deal von Ursula von der Leyen für die EU in der paraguayanischen Hauptstadt Asunción unterzeichnet. Wenig später, am 21. Januar, beschloss das EU-Parlament allerdings, dass das Abkommen noch vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) geprüft werden muss. Es soll kontrolliert werden, ob grundlegende EU-Verträge mit dem neuen Abkommen überhaupt vereinbar wären. 

Wie geht es weiter mit dem Freihandelsabkommen?

Nach der Unterzeichnung durch die EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen und Ratspräsident António Costa in Paraguay wurde im Europäischen Parlament mit einer knappen Mehrheit abgestimmt, dass das Abkommen vom Europäischen Gerichtshof geprüft werden soll. Denn bislang ist unklar, ob der Deal mit grundlegenden europäischen Gesetzen und Standards vereinbar ist. Zum Beispiel besteht Sorge, dass das Abkommen gegen europäische Umweltstandards verstoßen würde. Gleichzeitig könnten laut Abkommen die Mercosur-Staaten unter bestimmten Umständen Entschädigungen von der EU verlangen. Die Prüfung durch den EuGH könnte die Ratifizierung des Abkommens um Monate oder sogar Jahre verzögern. 

Allerdings wäre theoretisch auch vor der Prüfung ein vorläufiges Inkrafttreten des neuen Freihandelsdeals möglich. Ob dies eintreten kann, entscheidet die EU-Kommission. 

Widerstand bis zuletzt aus der Landwirtschaft und von Umweltorganisationen

Die Debatten um das Freihandelsabkommen mit dem Mercosur sind und waren extrem konfliktgeladen. Vornehmlich Frankreich kritisiert den Deal wegen unzureichender Schutzmaßnahmen von Biodiversität und Klima. Besonders Frankreich und Italien drängten noch im Dezember 2025 nach einem erneuten Aufschub, insbesondere wegen fehlender Schutzmaßnahmen für die Landwirtschaft. Brasiliens Präsident Lula, drohte nach der angekündigten Verzögerung mit dem Ausstieg Brasiliens, sollte das Abkommen nicht zeitnah unterschrieben werden. Und auch die Landwirt*innen in der EU protestieren gegen das Abkommen, da sie befürchten, dass heimische Produkte auf dem EU-Markt durch günstige Importe aus den Mercosur-Staaten mit niedrigeren Standards verdrängt werden. Im Dezember 2025 fanden in Brüssel daher große Proteste statt.

Was ist der Mercosur?

Der Mercosur (Portugiesisch: Mercosul) – kurz für Mercado Común del Sur (Gemeinsamer südamerikanischer Markt) – ist ein südamerikanischer Staatenbund, der sich aus Brasilien, Argentinien, Paraguay, Bolivien und Uruguay zusammensetzt. Venezuela ist ebenfalls ein volles Mitglied der Wirtschaftsgemeinschaft, wurde jedoch 2016 aufgrund von Verletzungen der Mitgliedsbedingungen von den übrigen Mitgliedstaaten suspendiert. Assoziierte, aber keine Mitgliedstaaten sind Chile, Peru, Kolumbien, Ecuador, Guyana und Suriname.

Mit Venezuela erstreckt sich das Gebiet der Mercosur-Mitgliedsstaaten über ganze 14.869.775 Quadratkilometer. In dieses Gebiet würde die EU mit ihrer Fläche von knapp über 4 Millionen Quadratkilometern etwa dreieinhalb Mal hineinpassen. Obwohl die EU flächenmäßig so viel kleiner ist als der Mercosur, wohnen hier mit 448 Millionen Menschen etwa anderthalb Mal so viele Personen wie in den Mercosur-Staaten. Dort leben zusammengerechnet etwa 295 Millionen Menschen.

Gegründet wurde der Mercosur 1991 mit dem Vertrag von Asunción, 1995 trat die Wirtschaftsgemeinschaft dann in Kraft. Der Zusammenschluss soll die Entwicklung des südamerikanischen Kontinents durch politische, soziale und wirtschaftliche Zusammenarbeit fördern. Konkrete Ziele bei der Gründung des Mercosur waren zum Beispiel der Abbau von Zöllen untereinander, die Schaffung einer Zollunion und der Aufbau eines gemeinsamen Außenzollsystems sowie die Handelsliberalisierung mit Drittstaaten und die Koordinierung der Wirtschaftspolitik. 

Was ist das EU-Mercosur-Freihandelsabkommen und was würde es bewirken?

Die EU und die Mercosur-Staaten sind wichtige Handelspartner. Schon seit 2000 versuchen daher beide Seiten, ein Abkommen abzuschließen, das den Handel miteinander begünstigt. Nach mehr als 20 Jahren politischer Verhandlungen zwischen dem Mercosur und der EU wurde 2019 eine Grundsatzeinigung erreicht. Mit dem Abkommen wird eine der weltweit größten Freihandelszonen geschaffen werden. Freihandelszonen sind Gebiete, in denen es kein Einfuhrzölle oder Hindernisse für den Handel und den Transport von Waren gibt. Insbesondere umfasst das Handelsabkommen die Einfuhr von südamerikanischen Agrarprodukten wie Futtersoja und Rindfleisch sowie mineralische Rohstoffe, aber auch Fahrzeugteile in die EU und umgekehrt den Vertrieb von in der EU-produzierten Maschinen, Autos, pharmazeutischen und chemischen Produkten wie zum Beispiel Pestiziden in Mercosur-Staaten. Die EU-Kommission schätzt, dass dadurch die Exporte nach Südamerika um bis zu 39 Prozent steigen könnten. Das würde mehr als 440.000 Arbeitsplätze in ganz Europa unterstützen, insbesondere in der Pharma-, Maschinenbau- und Autobranche. Doch gegen das Abkommen gibt es schwere ökologische, humanitäre und auch wirtschaftliche Bedenken. 

Umstrittenes Abkommen zwischen Mercosur und EU – Was spricht dafür, was dagegen?

Befürworter*innen gehen davon aus, dass das Abkommen nicht nur den bestehenden Handel zwischen der EU und den Mercosur-Staaten erleichtern, sondern auch neuen Handel generieren würde. Gerade für die Mercosur-Staaten könnte diese Veränderung im internationalen Handel eine wirtschaftliche Chance darstellen. Außerdem würde das Freihandelsabkommen für beide Parteien eine größere Unabhängigkeit von anderen Märkten, wie etwa dem chinesischen, bedeuten. 

Mangelnder Klima- und Umweltschutz

Doch das Abkommen ist stark umstritten: Grund für Kritik ist zum einen der mangelnde Umwelt- und Klimaschutz. Die Produktion von Agrarprodukten wie Rindfleisch, Soja und Zucker in den Mercosur-Staaten wird durch eine erleichterte Einfuhr der Waren nach Europa intensiviert – mit fatalen Folgen für ohnehin bereits bedrohte Ökosysteme und das Klima. Denn die industrielle Landwirtschaft ist bereits ohne das Mercosur-Abkommen der größte Entwaldungstreiber weltweit. Eine Ausweitung der bereits bestehenden umwelt- und klimaschädlichen Produktionsmodelle wirc aus diesem Grunde die Zerstörung von artenreichen Ökosystemen wie dem Amazonas-Regenwald, der Feuchtsavanne Cerrado und dem Gran Chaco weiter vorantreiben.

Da das Freihandelsabkommen auch den erleichterten Handel mit mineralischen Rohstoffen vorsieht, ist anzunehmen, dass die Förderung von fossilen Brennstoffen und seltene Erden ebenfalls angekurbelt wird. Dies würde wiederum mit einer Erschließung noch unberührter Ökosysteme, vermehrter Entwaldung und zusätzlichen Mengen an Treibhausgasemissionen einhergehen, welche die Erderwärmung befeuern. Auch die neokolonialistische Haltung der EU gegenüber den südamerikanischen Mitgliedsstaaten wird durch dieses extraktivistische Verhalten zementiert.

Ebenso hat der Handel mit in der EU hergestellten Pestiziden und anderen chemischen Substanzen verheerende ökologische und gesundheitliche Konsequenzen für die Bevölkerung. Einige Pestizide, die an Mercosur-Staaten verkauft werden, sind aufgrund ihrer toxischen Wirkung auf Umwelt und Gesundheit in der EU nicht zugelassen.

Menschenrechtsverletzungen und die Benachteiligung von Frauen

Auch aus humanitärer Perspektive wird das Abkommen immer wieder stark kritisiert. In den Verhandlungsprozessen sind die ohnehin marginalisierten Gruppen, die am stärksten von den Auswirkungen des Abkommens betroffen wären, nicht ausreichend involviert. Intensivierte Agrarwirtschaft und Minenarbeiten führen zu Landschaftseingriffen ohne vorherige Zustimmung von indigenen Gruppen und sogar zur Vertreibung von indigenen Völkern und traditionellen Gemeinden. Entlang der bereits bestehenden Produktions- und Lieferketten in Mercosur-Ländern kommt es immer wieder zu Menschenrechtsverletzungen, unter anderem sogar zu Kinderarbeit. Abzusehen ist außerdem, dass das Abkommen sowohl auf südamerikanischer als auch auf europäischer Seite zum Verschwinden von kleinbäuerlichen und Familienbetrieben und somit zum Verlust von Lebensgrundlagen führen könnte.  

Besonders für Frauen in den Mercosur-Staaten ist das Abkommen in seiner jetzigen Form benachteiligend: Durch reduzierte Zolleinnahmen könnte es zu Verlusten von Arbeitsplätzen in Sektoren kommen, in denen vorwiegend Frauen beschäftigt sind, so zum Beispiel im Textil- und Sozialsektor. Gerade von den Leistungen des Sozialsektors sind Frauen wiederum häufig abhängig.

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Ganz gleich, welche Zusatzdokumente dem Abkommen beigefügt werden: Der Kern des Abkommens bleibt vollkommen ungeeignet, um den Schutz der Regenwälder, Klimaschutz und gerechten Welthandel miteinander zu vereinen. Aus diesem Grunde muss das EU-Mercosur-Abkommen neu und in Einklang mit internationalen Vereinbarungen wie den Nachhaltigkeits-Entwicklungszielen, den SDGs, verhandelt werden.

 

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Christian Cray, Bereichsleiter Internationales Programm

Rechtswidrig? EU-Parlament stimmt für rechtliche Prüfung des Abkommens

Um die Gegenstimmen zum Handelsabkommen zu besänftigen, die insbesondere auf die Gefahren für die Wälder der Mercosur-Staaten hinweisen, wurde ein Zusatzdokument verfasst, das dem Abkommen hinzugefügt werden soll. Dieses sogenannte Waldschutzinstrument beinhaltet jedoch keine konkreten zusätzlichen Verbindlichkeiten, schützt bedrohte Ökosysteme wie Savannen und Feuchtgebiete nicht und bleibt auch hinsichtlich Sanktionen und Durchsetzung vage. Die Mercosur-Staaten lehnen zusätzliche Umweltauflagen außerdem bislang entschieden ab.

Eine juristische Analyse des Handelsvertrags zeigt, dass das Freihandelsabkommen zwischen EU und Mercosur gleich gegen mehrere EU-Auflagen verstößt. Zum einen missachtet es die Ziele der nachhaltigen Entwicklung, wie sie im Vertrag über die Europäische Union festgelegt sind. Auch mit dem EU-Klimagesetz ist das Abkommen unvereinbar. Denn laut eigener Angaben der EU-Kommission würde das Freihandelsabkommen die globalen Treibhausgasemissionen nicht nur nicht verringern, sondern sogar ankurbeln. Kritisiert werden außerdem ein Mangel an Kontrollen auf Pestizidrückständen bei Importen und die generelle Vorgehensweise der EU-Kommission bei Abschluss des Abkommens. Aus diesen Gründen stimmte das EU-Parlament am 21. Januar 2026 dafür, dass das Freihandelsabkommen von der EU-Kommission geprüft werden muss, bevor es verabschiedet werden kann. 

Freihandel umdenken: Wie könnte ein fairer Handel zwischen Mercosur und EU aussehen?

Handel kann auch positive Auswirkungen auf Mensch und Natur haben: Wichtig ist, dass wir unsere Handelskonzepte umdenken und nachhaltig und gerecht gestalten. Maßgeblich ist dabei der angekurbelte Handel von Waren, die nicht nur entwaldungsfrei hergestellt werden, sondern sogar zum Wiederaufbau von Wäldern beitragen. Ebenso müssen der Austausch von Forschungsinstitutionen mit Wirtschaftsakteuren gefördert werden, um eine nachhaltige Produktion nicht nur zu integrieren, sondern vorauszusetzen. Der Profit von großen Konzernen darf nicht weiter im Mittelpunkt stehen – stattdessen müssen kleinbäuerliche Strukturen mit Vorrang gefördert werden. Zu guter Letzt müssen in einem gerechten Handel außerdem derzeit benachteiligte Gruppen wie zum Beispiel indigene Völker, traditionelle Gemeinschaften und Frauen nicht nur in der Ausgestaltung von Handelsabkommen mitbestimmen dürfen; ihre Positionen in der Gesellschaft müssen allgemein gestärkt werden.

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Christian Cray
Bereichsleiter
Internationales Programm
+49 228 24290-12
ccray[at]oroverde[dot]de

Fotonachweis: Pexels (Titelbild Containerhafen, Flaggen im Parlament), Mapscharts (Karten in den Infografiken), OroVerde - E. Bakker (Infografik zu Mercosur Staatenbund und Mercosur-EU-Freihandelsabkommen), Martin Harvey via Wildscreen Exchange (Umweltzerstörung durch Goldmine), pxhere (Frauenhände schälen Bohnen). 

Zuletzt aktualisiert am 22. Januar 2026

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