Ökosystembasierte Anpassungen

Natürliche Antworten auf die Folgen der Klimakrise

Gesunde Ökosysteme sind essentiell für das menschliche Wohlergehen. So bilden sie zum Beispiel die Grundlage für fruchtbaren Boden, die Produktion von Nahrungsmitteln, die Produktion von sauberem Wasser, Klimaregulierung und das Abpuffern extremer Wetterereignisse. Bei der ökosystembasierten Anpassung an die Klimakrise (Ecosystem-based Adaptation, EbA) geht es darum, die für die Menschen notwendigen Leistungen der Ökosysteme trotz Klimawandels langfristig zu erhalten und dessen fatale Folgen abzumildern.

Die Klimakrise und die Folgen

Die Menschen verändern das Klima auf der Welt, nicht erst in hundert Jahren, sondern schon heute. In vielen Regionen der Welt sind die heftigen Folgen des Klimawandels bereits spürbar; zum einen werden extreme Wetterereignisse wie Starkregen oder Hitzewellen immer häufiger und intensiver, zum anderen gibt es graduelle Veränderungen wie Zunahme der Temperatur, Meeresspiegelanstieg und Artensterben. Weltweit, auch bereits in Deutschland, bedrohen beispielsweise Wasserknappheit, Ernteverluste, Überschwemmungen und Waldbrände die Existenz von Millionen Menschen. Besonders hart trifft es Entwicklungsländer, denn die dort lebenden Menschen sind oftmals in hohem Maße von ihrer natürlichen Umwelt abhängig und verfügen am wenigsten über die zur Bewältigung der klimatischen Veränderungen nötigen Ressourcen. Auch wenn nicht jedes einzelne Extremwetterereignis direkt dem Klimawandel zuzuschreiben ist, prognostizieren Klimawissenschaftler*innen eine deutliche Zunahme der Häufigkeit und Dauer von Extremwetterereignissen.

Der Mensch muss sich anpassen

Das Klima hat schon immer die Lebensweise von Menschen beeinflusst. Es bestimmt beispielsweise, wie man sich kleidet, wie Häuser gebaut werden und welche Nahrungsmittel genutzt werden können. Auf verschiedenste Art und Weise passt sich der Mensch schon immer an die klimatischen Bedingungen an. Doch um mit den aktuellen, von Menschen verursachten klimatischen Veränderungen umgehen zu können, sind neue, schnelle Wege der Anpassung notwendig. Die katastrophalen Folgen erfordern zügiges und konkretes Handeln beim Klimaschutz und bei der Anpassung an den Klimawandel. Also müssen weltweit innovative Strategien entwickelt werden, die einfach übertragen, angepasst und angewendet werden können, um mit den Folgen des Klimawandels leben zu können. Gemessen an Größe, Komplexität, Unvorhersehbarkeit und Zeitdruck, scheint diese Aufgabe fast unlösbar. Doch eine mögliche Antwort ist viel einfacher als gedacht, unser stärkster Verbündeter in der Klimakrise ist die Natur selbst. Wir müssen für und mit der Natur arbeiten anstatt gegen sie. Dieser naturverbundene Ansatz, der auf eine Anpassung des Menschen an den Klimawandel gerichtet ist, nennt sich in der Fachwelt „Ökosystembasierte Anpassungen“. Das Ziel ist es, durch die Nutzung von Biodiversität und Ökosystemdienstleistungen als Teil einer umfassenden Anpassungsstrategie, den Menschen zu helfen, sich an die aktuellen und zukünftigen negativen Auswirkungen des Klimawandels anzupassen.

… und Regenwald nachhaltig schützen.


Es ist kein Luxus, sich um die Natur zu kümmern, sondern eine absolute Notwendigkeit für unser Überleben im Angesicht des rasant fortschreitenden globalen Wandels auf dem Planeten Erde.

OroVerde-Mitarbeiterin Annelie Fincke

 

Die vielfältigen Maßnahmen umfassen den Erhalt, die Wiederherstellung und die nachhaltige Nutzung von Ökosystemen, um die Widerstandsfähigkeit gegenüber den Folgen des Klimawandels zu erhöhen. Konkret können das beispielsweise

  • Aufforstung,
  • Bodenverbesserung,
  • Agroforstsysteme oder
  • landwirtschaftlich angepasste Produktionstechniken sein.

 

Langfristig mindern intakte Ökosysteme die Auswirkungen von Extremwetterereignissen und ermöglichen den Erhalt der vielfältigen Dienstleistungen der Natur, wie beispielsweise Wasser- und Klimaregulierung, Luftreinhaltung und der Produktion von Nahrungsmitteln.

Von grau zu bunt

Bisher wird vor allem mit herkömmlichen Maßnahmen, die auch auch graue Infrastruktur genannt werden, gegen die Auswirkungen des Klimawandels gearbeitet. Zur grauen Infrastruktur zählen etwa Wellenbrecher und Dämme gegen Hochwasser, oder Klimaanlagen gegen Hitzewellen. Im Gegensatz zu grauen Maßnahmen sind die meisten ökosystembasierten Anpassungen kosteneffizienter, langlebiger und haben vielfältige Zusatznutzen. Infrastrukturmaßnahmen, wie beispielsweise Aufforstung, Begrünung in Städten und Vernetzung von Ökosystemen, schützen das Klima, fungieren als Kohlenstoffspeicher und tragen zum Erhalt der Biodiversität bei. Außerdem haben sie einen hohen ästhetischen Wert, dienen als Erholungsräume und fördern somit Gesundheit und Wohlbefinden der Bevölkerung.

Folgen des Klimawandels und Beispiele für ökosystembasierte Anpassungen

  1. Starkniederschlag, Überschwemmungen im Inland
    Bewohnte oder landwirtschaftliche Flächen werden häufig entwaldet und intensiv genutzt. Intensive Flächennutzung ist oft mit der Versiegelung des Untergrunds, einer Begradigung, oft sogar mit einer Betonierung verbunden. Niederschlag, vor allem Starkregen kann auf versiegelten oder sehr trockenen Böden kaum gespeichert werden und fließt daher sehr schnell ab. Das überschüssige Regenwasser überschwemmt Landschaften, Flüsse, erodiert den Boden und kann Schlammlawinen auslösen.

    Intakte Binnenökosysteme, wie Wälder und Feuchtgebiete, können die Auswirkungen von Starkregen und Überschwemmungen verringern, indem sie Regenwasser aufnehmen und speichern. Nachhaltige Bewirtschaftung und Wiederherstellung von verschiedensten Ökosystemen schützt vor Überschwemmungen, Erosion und Schlammlawinen. Eine intakte Vegetation stabilisiert Hänge und erhält die Bodenfruchtbarkeit für die Landwirtschaft langfristig. Auch die Renaturierung von Flüssen und das Einrichten von Überschwemmungsgebieten schützt die Menschen und fördert die Biodiversität.
     
  2. Temperaturanstieg, Hitzewellen 
    Extreme Hitzeereignisse sind beispielsweise in Städten besorgniserregend. Der Wärmeinseleffekt, bei dem die Temperaturen in der Stadt höher sind als in den umliegenden ländlichen Gebieten, führt zu einem Anstieg der hitzebedingten Morbidität und Mortalität. Erhaltung von natürlichen Systemen und städtischen Grünflächen wie Parks und Gärten, können Kühlungsvorteile bieten. Begrünung von Fassaden und Dächern helfen ebenfalls extreme Temperaturen abzufedern. Diese grüne Infrastruktur in Städten verbessern die Luftqualität, tragen zum Klimaschutz bei und fördern die lokale Biodiversität. Klimaanlagen und Ventilatoren - viele herkömmliche Maßnahmen verstärken durch ihren Energieverbrauch langfristig den Klimawandel und seine Folgen.
     
  3. Dürre, Trockenheit
    Durch den Klimawandel ausgeprägte Dürreperioden verursachen beispielsweise Wasserknappheit, Ernteausfälle und Waldbrände. Intakte Ökosysteme können Wasserquellen schützen und die fatalen Folgen von lang anhaltenden Trockenzeiten mindern. Gesunde Wälder funktionieren wie Schwämme, sie absorbieren Wasser und speichern Grundwasservorräte, auf die Menschen und Tiere zugreifen können. Neben Zugang zu Wasser bieten intakte Wälder auch die Möglichkeit für Agroforstsysteme und Waldgärten. Diese können, trotz Ernteausfällen in der kommerziellen Landwirtschaft, die lokale Bevölkerung mit Lebensmitteln versorgen. Sie bieten auch eine Reihe weiterer Vorteile, wie Wasserfilterung, Bereitstellung von Rohstoffen sowie Kohlenstoffbindung. Künstliche Bewässerung aus Grundwasser von Flüssen oder Seen ist hngegen energieaufwändig und kann zu Wasserengpässe führen.
     
  4. Überschwemmungen und Sturmfluten an der Küste
    Der ansteigende Meeresspiegel, Überschwemmungen und Sturmfluten können ganze Landstriche zerstören, wenn sie ungebremst auf das Festland treffen. Gesunde Küstenökosysteme wie Mangrovenwälder, Korallenriffe und Küstenmarschland fungieren als physische Puffer, die überschüssiges Wasser zurückhalten, Wellenenergie ableiten und Küstenlinien stabilisieren. Ihre Artenvielfalt sichert das Überleben von Milliarden von Menschen, die auf Fisch als Hauptproteinquelle angewiesen sind. Salzwiesen, Mangroven und Seegräser sind darüber hinaus für ihre Rolle als Kohlendioxidsenken anerkannt. Besonders Küstenfeuchtgebiete speichern erhebliche Mengen Kohlendioxid aus der Atmosphäre. Graue Infrastrukturen wie Mauern, Deiche und Wellenbrecher hingegen sind extrem kostspielig, wartungsbedürftig und arm an Fischen sowie anderen Lebewesen.

Weltweit gibt es schon zahlreiche Projekte, die auf unterschiedlichste Art und Weise maßgeblich zur Verbesserung der Widerstandsfähigkeit von Lebensräumen beitragen. Eines davon ist das WasserWald-Projekt, das seit 2018 von OroVerde in Zusammenarbeit mit lokalen Partnerorganisationen entwickelt und geleitet wird. Mit einem integrativen und sektorübergreifenden Ansatz werden ökosystembasierte Anpassungsmaßnahmen und innovative Finanzierungsmechanismen in Wassereinzugsgebieten entwickelt. Das Projekt wird in vier Schutzgebieten in Kuba, Mexiko, Guatemala und der Dominikanischen Republik umgesetzt und leistet so einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Wälder und der einzigartigen Biodiversität.

 

Im Jahr 2019 startete ein zweites Projekt namens

KlimaWald

, das auf dem Ansatz der ökosystembasierten Anpassungen beruht. In dem Projekt in Zusammenarbeit mit der Welthungerhilfe (WHH) und Partnern vor Ort werden ökosystembasierte Lösungen entwickelt, um dazu beizutragen, dass der karibische Biologische Korridor zu einem regionalen Model für die Verbesserung der Anpassung an den Klimawandel und die Erhaltung der biologischen Vielfalt wird. Aufbauend auf einer strategischen Planung, werden Maßnahmen mit der Natur als Lösung in den Bereichen integriertes Wassermanagement und Landwirtschaft umgesetzt.

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Fotonachweis: Oroverde, Torsten Klimpel (Header),  OroVerde / A.Fischer,  Illu: Özi`s Comix Studio // CC BY-ND (Grafik)

Noch Fragen zu EbA?
Annelie Fincke
Team Internationale Projekte
Telefon: 0228 24290-40
E-Mail: afincke@oroverde.de