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Historisches und indigene Innovationen im Amazonasregenwald

Vor dem Hintergrund ihres friedlichen Kampfes zum Schutz indigener Territorien und Regenwälder haben OroVerdes indigene Partner von Sarayaku in Ecuador ein einzigartiges internationales Event mitten im Wald organisiert. Bei der dreitägigen Veranstaltung standen gleich mehrere große Anlässe im Mittelpunkt: die Jubiläen zweier international wegweisender Erfolge, die Sarayku bereits erzielte, ein Treffen zum Wissensaustausch zwischen verschiedenen indigenen Völkern, die Verabschiedung einer internationalen Vereinbarung, die Einführung eines eigenen autonomen Gesetzes für die Ausübung des Selbstbestimmungsrechts in Sarayaku und zwei neue Dokumentarfilme mit jugendlichen Protagonisten aus Sarayaku. Mittendrin und sehr aktiv beteiligt waren die Jugendlichen aus OroVerdes aktuellem Projekt.

Ein junger Indigener erläutert wichtige Persönlichkeiten und  den historischen Prozess von Sarayaku.

Ein junger Indigener erläutert wichtige Persönlichkeiten und den historischen Prozess von Sarayaku.

Mitten im Amazonaswald und gleichzeitig mit der Welt vernetzt. Sarayakus Veranstaltung „Kawsari I“ war etwas ganz Besonderes: Im Hintergrund Regenwald und Vogelgezwitscher, im Vordergrund der Dorfplatz mit traditionellen Häusern und vielen bunt geschmückte Menschen. Und dazu die Vorstellung und Diskussion von vor Ort entwickelten bahnbrechenden Ansätzen der Indigenen, die gleichzeitig auch von internationaler Relevanz sind. Dies konnte teilweise direkt über das Internet verfolgt werden.

Indigener Wissensaustausch und internationale Vereinbarung

Ein zentrales Element der Veranstaltung galt dem Austausch von Wissen und Erfahrungen zwischen den verschiedenen indigenen Teilnehmenden. Diese reisten teilweise von weither an. So waren auch Vertreter*innen anderer indigener Völker aus Ecuador, Peru, Kolumbien und sogar von den Philippinen vor Ort. Sarayaku organisierte dabei erstmals in dieser Art einen Austausch zu Wissen, Initiativen und Visionen aus den Perspektiven verschiedener indigener Völker zum Erhalt ihrer Territorien und lebendigen Wälder.

Am Ende der Veranstaltung verabschiedeten sie zudem eine wegweisende gemeinsame internationale Vereinbarung mit dem Ziel, eigene Strategien indigener Völker zur Verteidigung ihrer Territorien und „lebendigen Wälder“ im Rahmen der Rechte der Natur und der Selbstbestimmung der indigenen Völker zu stärken.

Wegweisende Jubiläen feiern

OroVerdes indigene Partner der kichwa von Sarayaku haben bereits äußerst beeindruckende Erfolge in ihrem friedlichen Kampf um den Schutz indigener Territorien und Regenwälder zu verzeichnen. Vor nunmehr zehn Jahren gewann Sarayaku einen jahrelangen Rechtsstreit gegen den ecuadorianischen Staat vor dem Interamerikanischen Gerichtshof für Menschenrechte (IACHR), in dem dieser zugunsten Sarayakus Selbstbestimmungsrechte urteilte. Denn die Regierung hatte einem Erdölunternehmen Konzessionsrechte auf dem Territorium von Sarayaku eingeräumt, ohne Sarayaku vorher zu konsultieren. So hatte die Erdölfirma begonnen, gewaltsam ohne die Zustimmung des indigen Volkes auf das Territorrium von Sarayaku vorzudringen und mit vorbereitenden Arbeiten zur Ölförderung zu starten. Sarayaku leistete jedoch effektiv mit friedlichen Mitteln Widerstand. Mit dem historischen Gerichtsurteil verhinderten die Kichwa von Sarayaku nicht nur die Erdölförderung und Zerstörung des Waldes auf ihrem Territorium, sondern sie schufen gleichzeitig einen wegweisenden internationalen Präzedenzfall.

Zugleich jährte sich der vierte Jahrestag seit Sarayaku die Deklaration zu „Kawsak Sacha“ - „Lebender Wald“ auf die Beine stellte. Auch diese Pionierarbeit wurde unter anderem durch ein Projekt von OroVerde unterstützt. Dabei geht es den kichwa von Sarayaku darum, indigene Territorien zu schützen und nachhaltig zu erhalten, inklusive der materiellen und spirituellen Beziehungen des „Lebenden Waldes“ mit den indigenen Völkern und allen weiteren Wesen des Waldes. Dazu sollen die indigenen Territorien frei von extraktiven Aktivitäten (wie durch Öl-, Bergbau- und Holzindustrie) bleiben und die Rechte der Indigenen und von Kawsak Sacha anerkannt werden.  Der Präsident Tupac Amaru von Sarayaku erklärte: „Der Wald ist keine Ressource, die  unkontrolliert genutzt werden darf. In unserer Philosophie, Kosmovision und dem Wissen der Ahnen gibt es Schutzwesen, die das Gleichgewicht der Erde regulieren. Sie haben die gleichen Rechte wie jedes andere Wesen.“

Gebührende Anlässe, um diese ins kollektive Gedächtnis zu rufen und zu feiern! Bei dem Event kam auch die kulturelle Komponente  mit Tanz und Musik nicht zu kurz. Hierbei brachten sich auch zuvor durch OroVerdes Projekte unterstütze Jugendliche aktiv  mit der Aufführung traditioneller Tänze und Musikstücke ein.

Neue Dokumentarfilme aus Sarayaku mit jugendlichen Protagonisten

Ein weiteres Highlight war die Vorstellung von zwei neuen Dokumentarfilmen mit Jugendlichen Protagonisten aus Sarayaku. Der Film „Kasnami kawsani – así vivo“ wurde von einem Team von Jugendlichen aus OroVerdes Projekten erarbeitet. Der Film wurde in der eigenen Sprache der kichwa von Sarayaku produziert. Zudem werden gerade noch spanische Untertitel erarbeitet. Es ist geplant, dass der Film anschließend auch auf Filmfestials vorgestellt wird.   

Sarayaku führt neues autonomes Gesetz ein

Passend zu den vorangegangenen Themen nutzte Sarayaku die Veranstaltung für die Einführung einer weiteren Innovation: So verkündete Sarayaku, dass das Volk ein eigenes autonomes Gesetz für die Ausübung des Rechts auf  freie, vorherige und informierte Zustimmung des Volks der Kichwa von Sarayaku beschlossen hat. In einem eineinhalb jährigen Prozess hat Sarayaku dafür selbst erarbeitet, wie sie dieses internationale Recht als Instrument bei sich umsetzen wollen.  

Zentrales Element: die Partizipation junger Indigene

Nicht nur bei der Vorstellung des Dokumentarfilms, sondern auch bei vielen weiteren Aktivitäten brachten sich die jungen Menschen aus OroVerdes aktuellem Projekt „Juntos adelante“ aktiv auf allen Ebenen ein. Sei es bei der Vorbereitung des Kawsari I- Events, dem Empfang wichtiger Gäste, Erstellung digitaler und analoger Kommunikationsprodukte oder eigenen öffentlichen Beiträgen vor internationalem Publikum: In verschiedensten Rollen haben die Jugendlichen aus dem Projekt das Event mitgestaltet.

Auch haben die jungen Kichwa selbst eine Ausstellung mit Fotos zum historischen Prozess des Volkes von Sarayaku im Kampf um die Verteidigung ihres Territoriums. Dafür haben sich die Jugendlichen vorab intensiv damit auseinandergesetzt und ihr Wissen dem Publikum aus allen Generationen erläutert.

Grundpfeiler für die Zukunft: Förderung junger Indigener durch Projektarbeit

„Die Projekte von OroVerde haben die Jugendlichen sehr gestärkt. Dadurch haben die jungen Menschen mehr  Selbstvertrauen, Kreativität und Wissen entwickeln können. Diese Fähigkeiten und Kenntnisse haben die jungen Menschen direkt aktiv in die Veranstaltung eingebracht und diese dadurch erheblich bereichert.“

Yaku Viteri, Koordinator des Projekts bei den Partnern in Sarayaku

 

So hat die Arbeit aus dem Projekt zur Stärkung der Jugendlichen nicht nur positive Wirkungen für die Jugendlichen selbst, sondern für die ganze Gemeinschaft.  „Genau das ist auch das Ziel von unserem Projekt ‚Juntos adelante‘“, so Projektleiterin Annelie Fincke von OroVerde. Sie ist begeistert: „Ich bin immer wieder schwer beeindruckt von der großartigen Arbeit und den neuen Ideen in Sarayaku. Auch wenn wir diesmal nicht selbst mit vor Ort sein konnten, war es klasse, dass Teile der Veranstaltung sogar direkt online übertragen wurden und wir es so miterleben konnten. Auch hieran waren die Jugendlichen aktiv beteiligt und haben sehr gute Arbeit geleistet.“ Und besonders freut es sie, dass schon jetzt so viele Früchte des Projekts „Juntos adelante“ zu sehen sind und von den jungen Indigenen bei vielfältigen Gelegenheiten im Alltag angewandt werden. „Wir sind gespannt, was die Jugendlichen im Projekt noch alles auf die Beine stellen werden“, so Annelie Fincke.

Das Projekt „Juntos adelante  -  Gemeinsam stärker in die Zukunft“ wird gleichzeitig mit indigenen Partnern in Ecuador und Peru durchgeführt. Es stellt insbesondere die Stärkung Jugendlicher in den Mittelpunkt. Dies geschieht einerseits über Aktivitäten in beiden Ländern vor Ort, die Förderung von Räumen und Fortbildungen für die Jugendlichen selbst und intergenerationellem Dialog; zum anderen durch Austausch über Landesgrenzen hinweg.

Förderer des Projekts „Juntos adelante“

Das Projekt wird mit 75 Prozent gefördert durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Für den Eigenanteil von 25 Prozent sind wir auf Spenden und Zuwendungen angewiesen.

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