Bäume pflanzen als Mittel gegen den Klimawandel?

So finden Spender sinnvolle Baumpflanzprojekte

Weltweit werden seit dem Hitzesommer und den Waldbränden 2019 Wiederaufforstungsprogramme ins Leben gerufen. Mit klingenden Namen wie „Trillion Tree Act“ oder „Billion Tree Campaign“ wird fürs Bäume pflanzen geworben. Auf den ersten Blick sieht das nach Aufbruch aus und stimmt hoffnungsvoll. Doch auf was sollte man bei aller Begeisterung bei Baumpflanzprojekten unbedingt achten?

Zunächst einmal sollte man im Kopf behalten, dass es sich beim Bäume pflanzen nur um eine ergänzende Klimaschutzmaßnahme handeln sollte, denn das Einsparen von Emissionen ist der wichtigste Schritt. Dann jedoch gilt: Ja, Bäume entziehen der Atmosphäre CO2 und binden dieses in Ästen, Stämmen, Blättern und Wurzeln. Wie viel Kohlenstoff gebunden wird, ist je nach Baumart, Boden, Standort, Wachstum, Alter, Gesundheit und Nährstoffversorgung unterschiedlich. Das ist einfach nachzuvollziehen: Je mehr Biomasse ein Baum gerade bildet, desto mehr Kohlenstoff baut er ein, indem er CO2 aus der Luft zieht.

Ein kleiner Baum hat noch relativ wenig Biomasse und bindet weniger Kohlenstoff als ein großer Baum im vollen Wachstum. Ein sehr alter Baum wiederum verliert am Ende irgendwann Äste und Wurzeln, so dass hier die Biomasseproduktion geringer wird. Ein Baum auf nährstoffreichem, frischem Boden wächst wiederum in der Regel stärker, als einer auf kargem, trockenen Boden. Eine allgemeine Aussage, wie viel CO2 ein Baum speichert, ist also nicht möglich. Aus diesem Grund geben wir nur Durchschnittswerte an. So zeigen Studien, dass ein Hektar tropischer Wald in den Stämmen, Ästen und Blättern der Bäume bis zu 200 Tonnen Kohlenstoff speichert. Dies entspricht bis zu 734 Tonnen CO2.

Warum Bäume pflanzen in den Tropen?

Das Besondere in den tropischen Tieflandregenwäldern: Dadurch, dass kein Winter die Wachstumsphase durchbricht, wachsen die Bäume ganzjährig. Gerade Pionierbaumarten nehmen dadurch besonders schnell an Biomasse zu.Schon nach wenigen Jahren steht man in einem kleinen Wald, der in der Biomasse der Bäume deutlich mehr Kohlenstoff gespeichert hat, als ein gleich alter Wald in unseren Breitengraden. Das macht Wiederaufforstung auch aus Klimaschutzgründen in den Tropen besonders attraktiv – sofern andere Risiken wie z.B. ungeklärte Land- und Nutzungsrechte, Korruption und schwache Kontrollorgane minimiert werden. Erfolgt diese Klärung nicht, ist allerdings der langfristige Erhalt der Pflanzungen und die Zukunftsperspektiven für die Menschen vor Ort ungewiss. Doch dazu unten mehr.

Zugleich lassen sich durch Baumpflanzungen, wenn sie richtig gemacht werden, viele andere Vorteile erschließen: Von der Steigerung der Artenvielfalt, der Vernetzung von Biotopen bis zum Schutz vor Bodenerosion. Und so pflanzt auch die Tropenwaldstiftung OroVerde in ausgewählten Projekten Bäume.

Doch was sollte man wissen, wenn man Förderprojekte sucht und mit einer Spende etwas Gutes tun will?

den Regenwald schützen.

Wo ergibt Bäume pflanzen Sinn?

Als Tropenwaldstiftung hat sich OroVerde darauf spezialisiert, Regenwaldschutz und Wiederaufforstung miteinander zu kombinieren und zugleich mit der Bevölkerung vor Ort Wege für eine nachhaltige Entwicklung zu finden. Entstanden ist ein umfangreiches Konzept, bei dem genau abgestimmt wird, wo welche Bäume gepflanzt werden. Die wichtigsten Ziele:

  • Langfristige Absicherung, dass die Bäume erhalten bleiben und nicht bereits nach wenigen Jahren wieder verloren gehen (Raubbau, Rodung, Nutzungsumwandlung)
  • Steigerung der Artenvielfalt der Region und Schutz von noch intakten Regenwäldern
  • Entwicklung einer nachhaltigen Landwirtschaft
  • Verbesserung der Ernährungssicherheit der lokalen Bevölkerung und Anpassung an die bereits spürbaren Folgen des Klimawandels
  • Effizienter Mitteleinsatz und hohe Beteiligung der Gemeinden vor Ort, Weiterbildung der lokalen Bevölkerung

8 effiziente Wege Bäume in Regenwaldregionen zu pflanzen

  1. Bei frischen Kahlschlag- und Brandrodungsflächen empfiehlt es sich, eng mit der Natur zusammen zu arbeiten und die im Boden schlummernden Samen zu nutzen und groß zu ziehen. Nachgepflanzt werden hier v.a. seltene Arten, um einen besonders artenreichen Wald zu erzeugen. Alle Arbeitsenergie kann ansonsten auf die Pflege der keimenden Bäume gerichtet werden. Auch Brandschutz spielt eine wichtige Rolle.
  2. Auf Bergkuppen und Hängen, die besonders anfällig für Erosion sind, hilft das Pflanzen von Bäumen, um Erdrutsche und ein Wegspülen des fruchtbaren Bodens zu verhindern.
  3. Waldstreifen anstelle von Feldern direkt am Flussufer sind hilfreich, um die Erosion von wertvollem Ackerboden zu bremsen. Daher macht es Sinn, sogenannte Galeriewälder am Ufer zu pflanzen.
  4. Eine besonders wichtige Rolle spielen Bäume in Wassereinzugsgebieten, denn Wälder sind wie Schwämme: Sie nehmen große Mengen von Wasser auf und geben es langsam wieder in das Grundwasser ab. Wassereinzugsgebiete mit naturnahen Wäldern wieder aufzuforsten ist daher entscheidend, um den Wasserhaushalt ganzer Regionen zu stabilisieren und die Gemeinden stromab mit Wasser zu versorgen.
  5. Baumpflanzungen in Form von Agroforstsystemen („Waldgärten“) sind gleich in mehrerer Hinsicht nützlich: Sie binden nicht nur CO2, sondern helfen außerdem bei dem Aufbau einer nachhaltigen Landwirtschaft und der Bekämpfung von Armut und Hunger. Die Besonderheiten:
    • Die Bäume liefern den unter dem Kronendach angebauten Nutzpflanzen Schatten und schützen vor Dürre. Zudem wird der Boden vor Erosion bewahrt und Wasser besser gespeichert. Ernteausfälle können so reduziert werden.
    • Der artenreiche Anbau verschiedenster Feldfrüchte, Obstsorten und anderer Nutzpflanzen unter den Schattenbäumen ermöglicht eine vielfältige Ernte. Das Risiko von Ernteeinbußen durch Schädlinge sinkt. Hunger und Mangelernährung nehmen ab.
    • Während Monokulturen auf den Einsatz von Spritzmitteln und Kunstdünger angewiesen sind, kann in Agroforstsystemen auf Chemie verzichtet werden. Zudem binden gesunde Böden vielfach so viel CO2 wie degradierte Ackerböden.
    • Der Waldgarten bietet Insekten, Reptilien, Vögeln und kleinen Säugetieren einen Lebensraum und stärkt so zudem die Artenvielfalt der Region.
  6. Anreicherungspflanzungen erhöhen die Biodiversität und die Wirtschaftlichkeit bestehender Nutzwälder.
  7. Sogenannte Energiewälder dienen dazu, den Brennholzbedarf der lokal ansässigen Familien zu bedienen. Dies, kombiniert mit effizienten & holzsparenden Öfen, senkt den Nutzungsdruck auf die Naturwälder und hilft beim Aufbau einer CO2-neutralen Energieversorgung.
  8. Baumstreifen zwischen landwirtschaftlichen Flächen schaffen Biokorridore, die Waldflächen untereinander verbinden und vielen Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum bieten. Zudem bremsen sie den Wind und helfen so, das Verwehen der wertvollen Ackerkrume zu verringern.

Welche Fehler müssen Baumpflanz-Projekte vermeiden?

Es gibt drei Faktoren, auf die Bäumpflanzprojekte besonders achten sollten. Der Ort muss für Wiederaufforstung geeignet sein, die Anbauweise sollte dem Ziel entsprechen, dass man verfolgt und es muss geklärt sein, wie und ob die Flächen genutzt werden sollen.

Es gibt gute und schlechte Orte zum Bäume pflanzen

Bei der Ortswahl spielen immer eine ganze Reihe Gesichtspunkte eine Rolle und sollten klar kommuniziert werden

Wem gehören die Flächen? Wer kümmert sich um sie?

Fragen Sie nach, ob die Besitzverhältnisse geklärt sind. Wem gehört das Land, auf dem die Bäume gepflanzt werden? Hat derjenige ein begründetes Interesse, den neu gepflanzten Wald zu schützen? Häufig sind lokale Naturschutzorganisationen gute Partner vor Ort. Oder aber auch Gemeinden, mit denen man langfristige Verträge schließt.
Mit zu diesem Punkt gehört auch die Frage nach der Vorgeschichte der Fläche. Bestehen kulturelle, indigene Ansprüche an die Flächen? Unter welchen Umständen kam der Erwerb der Flächen zustande?  Ist z.B. abgesichert, dass die Vorbesitzer nicht über den Tisch gezogen oder ausgetrickst wurden?  Oder war die Fläche möglicherweise kurz vorher noch bewaldet und wurde extra für den Verkauf gerodet, um jetzt das große Geld zu machen?  Wir als Tropenwaldstiftung OroVerde nehmen diese Fragen sehr ernst und besprechen sie ausführlich mit den Partnern vor Ort.

 

Worauf sollten Spender achten

  • Die Ortswahl der Wiederaufforstung und die rund um den Ort zu klärenden Fragen.
  • Die Anbauweisen und deren Auswirkungen und Chancen.
  • Die geplante Nutzung der wiederaufgeforsteten Flächen.

Was wächst derzeit auf den Flächen? Handelt es sich bei den Flächen um wertvolle Ökosysteme oder um degradierte Felder oder landwirtschaftlich genutzte, artenarme Flächen?

Achten Sie darauf, dass bei der Wahl der Flächen Rücksicht auf bestehende Ökosysteme und deren Artenvielfalt genommen wird. Degradierte Acker,- Weide- und Waldflächen durch Wiederaufforstung wieder zu renaturieren ist natürlich ein lohnendes Ziel. Zumindest wenn die folgende Frage geklärt ist:

Wie groß ist die Gefahr, dass an dieser Stelle Bäume gepflanzt, dafür aber woanders Bäume gefällt werden?

Wenn die Flächen vorher landwirtschaftlich genutzt wurden, besteht immer auch das Risiko,  dass die landwirtschaftliche Fläche einfach ein Stück weiter wandert und an anderer Stelle angelegt wird, wofür möglicherweise sogar bestehender (Regen-)Wald neu gerodet werden muss. In diesem Fall wäre die CO2-Bilanz negativ, da durch die Rodung sehr viel CO2 freigesetzt würde.
Baumpflanzaktionen sollten daher in eine größer angelegte nachhaltige Landnutzungsplanung integriert sein, um Verlagerungseffekte zu vermeiden. Dabei ist die Diskussion, wie nachhaltige Einkommensquellen den Nutzungsdruck auf die Wälder reduzieren können, zwingend zu führen. Fragen Sie also zum Beispiel nach, inwieweit ein Landnutzungsplan für die Region und die Entwicklung nachhaltiger Einkommensmöglichkeiten fester Bestandteil des Wiederaufforstungsprojektes sind. Welche Auswege werden gemeinsam mit den Menschen vor Ort entwickelt?

Ermöglicht die Ortswahl weitere Zusatznutzen?


Baumstreifen und Wäldchen können zum Beispiel helfen, Biotope miteinander zu verbinden, so dass die Tiere größere Lebensräume gewinnen. Zudem bremsen sie die Luftbewegungen und mildern so die Bodenerosion durch Wind. Galeriewälder an Flüssen schützen wiederum bei Überschwemmungen. Werden Hänge wieder bewaldet, kann Schlammlawinen vorgebeugt werden.

Es gibt gute und schlechte Anbauweisen, um Bäume zu pflanzen

Wer bei Baumpflanzungen nach Effektivität und Schnelligkeit geht, neigt dazu, kilometerweite Baum-Plantagen mit nur ein oder zwei Baumarten anzulegen. Schnellwachsende Monokulturen haben jedoch viele Nachteile: sie sind anfälliger gegen Schädlingsplagen, Pilzerkrankungen oder Extremereignissen wie Stürme oder Hitzeperioden. Sie bieten nur sehr wenigen weiteren Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum. Und – gerade Baumarten wie der Eukalyptus – können den Grundwasserspiegel ganzer Regionen senken. Schnell wachsende Bäume binden das CO2 zwar schneller als andere Baumarten, jedoch erreichen sie nicht die Kohlenstoffspeichermengen, wie ein bestehender natürlicher oder naturnah wiederaufgeforsteter Wald. Fragen Sie also nach:

Handelt es sich um heimische Baumarten? 

Heimische und standortangepasste Baumarten sind ein Muss! Sie kommen am besten mit den natürlichen Gegebenheiten zurecht und sind dadurch widerstandsfähiger. Und auch die übrige Tier- und Pflanzenwelt ist angepasst. Fremde, v.a. invasive, Arten hingegen können das ökologische Gleichgewicht massiv stören.

Wie viele unterschiedliche Baumarten werden gepflanzt? In welchen Mengenverhältnissen?

Je artenreicher die Baumpflanzungen, desto stabiler wird das ganze System. Schädlinge breiten sich weniger aus und die unterschiedlichsten Tier- und Pflanzenarten können den neuen Lebensraum besiedeln. So können diese neuen Wälder nicht nur einen nachhaltigen Beitrag zum Klimaschutz leisten, sondern sie dienen auch dem Erhalt der Biodiversität unseres Planeten. Zudem ermöglichen sie der lokalen Bevölkerung das Nutzen von unterschiedlichen Walderzeugnissen (Früchte, Nüsse, Arzneipflanzen, …) , was bei Monokulturplantagen nicht gegeben wäre.

Werden die Baumarten naturnah gemischt oder in Reihe gepflanzt?  Wird sogar die Struktur natürlicher Wälder nachgeahmt?

In naturnahen tropischen Wäldern wechseln sich die unterschiedlichsten Baumarten in unterschiedlichen Altersstufen recht kleinräumig ab. Zudem setzen sie sich aus verschiedenen Schichten zusammen: Es gibt große Überständer, die eine Höhe von 60 Metern erreichen können. Darunter finden sich gleich mehrere sogenannte „Stockwerke des Regenwaldes“, von der obersten Kronenschicht bis zum Boden. Jedes Stockwerk des Regenwaldes hat Einfluss auf die anderen Stockwerke und jede Tier- und Pflanzenart hat sich optimal an ihr Stockwerk angepasst. Auch dies führt zu der enormen Biodiversität des Regenwaldes. Zudem wurde inzwischen nachgewiesen, dass divers strukturierte Wälder Wasser besser speichern und Regionen vor Erosion und Erdrutschen besser schützen, als Plantagen.

 

Es gibt gute und weniger gute Nutzungskonzepte für Wiederaufforstungen

Im Gegensatz zu den Einsparungen von Emissionen aus fossilen Brennstoffen besteht bei (Wieder-) Aufforstungsmaßnahmen das Risiko, dass zuvor aufgenommenes CO2 durch die Abholzung der gepflanzten Bäume oder durch Waldbrände wieder in die Atmosphäre gelangt. Eine langfristige Klimaschutzwirkung kann also nur erreicht werden, wenn die Wiederaufforstungsflächen dauerhaft geschützt und/oder nachhaltig genutzt werden. Das funktioniert am besten, wenn die lokale Bevölkerung von den Maßnahmen langfristig profitiert. Und wenn Schutzmaßnahmen gegen bestehende Risiken wie Waldbrände direkt berücksichtigt werden. Fragen Sie also:

 

Wie wird mit Risiken wie Waldbränden umgegangen?

Werden die Gemeinden in Bezug auf Brandschutz geschult? Werden sie mit Feuerbrigaden ausgestattet oder werden Brandschneisen angelegt?  Wie wird abgesichert, dass die Gemeinden ein Interesse am Walderhalt haben, so dass sie immer ein Auge auf die Vorkommnisse vor Ort haben?

Das Interesse der Gemeinden, den Wald zu schützen, wird umso größer, je mehr die Gemeindemitglieder vom Wald und seinen Ökosystemleistungen profitieren. Wird ihnen z.B. bewusst, dass der Wald ihre Ländereien vor Dürren oder auch vor Bodenerosion und Hangrutschen schützt, gewinnt er eine (überlebens-)wichtige Bedeutung.  Bildungskomponenten in Projekten können dieses Verständnis stärken. Aber es gibt noch weitere Ansätze, wie die lokale Bevölkerung von den Anpflanzungen profitieren kann. Ob diese mitbedacht wurden, bekommen Sie über folgende Fragen heraus:

Können die neu gepflanzten Flächen die Lebensbedingungen der Bevölkerung verbessern? Gibt es z.B. ein Nutzungskonzept für die Flächen?

Die Nutzungsmöglichkeiten können dabei vielfältig sein und vom Sammeln und Verkauf von Früchten und Samen, über die Honigproduktion bis zum vorsichtigen, selektiven Holzeinschlag inkl. regelmäßigen Nachpflanzungen reichen. Aus bestimmten Lianen lassen sich z.B. Möbel fertigen, aus anderen Pflanzen Medizin gewinnen und vieles mehr. Wichtig ist:

In einem Nutzungskonzept sollte bereits vor Beginn festgelegt werden, ob, von wem und wie viel Nutzung erlaubt ist – und wie überwacht wird, dass die Nutzung das Ökosystem nicht schädigt.

Wir von OroVerde verfolgen noch einen weiteren Ansatz: Eine nachhaltige Weiterentwicklung der Land- und Forstwirtschaft in den Projektregionen. Denn Wiederaufforstungen können einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass eine gesicherte Versorgung mit Nahrungsmitteln auch in Zukunft trotz Klimawandel noch möglich sind. Dabei setzen wir auf den Aufbau von Agroforstsystemen. Agroforstsysteme orientieren sich am Stockwerkbau und der Vielfalt des ursprünglichen tropischen Regenwaldes. Unter großen Schattenbäumen werden dabei unterschiedliche Nutzpflanzen angepflanzt. Dieses Vorgehen schützt die Nutzpflanzen vor zu hoher Sonneneinstrahlung und Dürre, sorgt für eine bessere Verfügbarkeit von Wasser und verbessert durch die vielfältigen Erntemöglichkeiten den Speiseplan der lokalen Bevölkerung. Hunger und Mangelernährung nehmen ab. Durch den Verkauf von Überschüssen entstehen alternative Einkommensquellen.

Je biodiverser, also abwechslungsreicher, die Fläche bepflanzt beziehungsweise aufgeforstet und gestaltet ist, desto stärker ähnelt das Agroforstsystem einem artenreichen Wald. Immer wieder berichten unsere Partner vor Ort, dass mit der Agroforstwirtschaft auch die Artenvielfalt der Regenwälder wieder Einzug in die genutzten Flächen hält. Sogar der Jaguar, der auf sehr große Reviere angewiesen ist, wird immer wieder gesichtet! 

 

Wird ein Augenmerk auf die Böden gelegt?

Wer von Wäldern spricht, sollte auch immer von ihren Böden sprechen. Generell gelten nicht nur die Bäume selbst, sondern auch intakte Waldböden als CO2-Speicher, denn in der Biomasse der Böden wird ebenfalls Kohlenstoff gebunden. Wie viel gespeichert wird, hängt stark vom Bodenprofil ab. Karge Böden (in den Tropen oft vertreten) speichern weniger als reiche, Moorböden sind wiederum enorme Kohlenstoff-Speicher, da sie besonders große Mengen Kohlenstoff eingelagert haben. Viele Tropenwälder Asiens und Afrikas stehen übrigens auf Moorböden!

Das Risiko: Werden Wälder und landwirtschaftliche Flächen intensiv bewirtschaftet, leiden auch die Böden, was zu einem Freisetzen des eigentlich im Boden gebundenen CO2 führt – eine schlummernde Gefahr, die man nicht aus den Augen verlieren darf. Diese Erkenntnis spricht für eine möglichst zurückhaltende, sanfte und nachhaltige Bewirtschaftung der neuen Wälder.

Bei den derzeit landwirtschaftlich intensiv genutzten Flächen sieht die Lage noch dramatischer aus: Viele der Böden haben das in ihnen gespeicherte CO2 bereits verloren und ähneln nährstoff- und kohlenstoffarmen Wüsten. Agroforstsysteme können hier einen Ausweg bilden und nach und nach den Humusgehalt des Bodens wieder erhöhen, so dass die Böden fruchtbarerer und Kohlenstoff-reicher werden. Dass dies funktionieren kann, zeigen die als Terra preta bekannt gewordenen Böden Amazoniens. Diese bereits vor Jahrhunderten von den Indigenen angereicherten Böden enthalten eine Mischung von Holz- und Pflanzenkohle, menschlichen Fäkalien, Dung und Kompost, durchsetzt mit Tonscherben und gelegentlich auch Knochen sowie Fischgräten. Der so gebundene Kohlenstoff rückt derzeit zunehmend in das Interesse von Wissenschaftlern, da er chemisch und biologisch relativ stabil ist, und daher als dauerhafter Kohlenstoffspeicher angesehen wird, der zusätzlichen Kohlenstoff aus der Atmosphäre binden kann.

Wichtig ist also, dass bei Baumpflanzungen und bei Bewirtschaftungen immer ein Augenmerk auf den Humusgehalt des Bodens gelegt wird. Im besten Fall wird ein Humuszuwachs angestrebt.

Emissionen reduzieren muss immer Schritt 1 sein!

Im Gegensatz zur Reduzierung von Emissionen aus fossilen Brennstoffen und dem Schutz von bestehenden natürlichen Wäldern, haben Wiederaufforstungen keine große sofortige Klimaschutzwirkung. Abhängig von den gepflanzten Baumarten ist in den ersten Jahren des Wachstums die CO2 Aufnahmekapazität nicht so hoch. Bis die gleichen Mengen Kohlenstoff gebunden sind, wie in einem bestehenden Wald, dauert es entsprechend lang.  Wichtig ist, dass Wiederaufforstung nicht als Kompensation für die Nutzung fossiler Energieträger erfolgt. Bäume pflanzen muss eine zusätzliche Klimaschutzmaßnahme sein, die Emissionen aus bereits stattgefundener Entwaldung wiedereinfängt. Nur dann kann eine dauerhafte Klimaschutzwirkung erreicht werden.

Fazit: Bäume pflanzen, aber richtig!

Bäume zu pflanzen ist eine Möglichkeit unter mehreren Optionen, einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Um die richtigen Projekte zu finden, hilft es, gute Fragen zu stellen, die in diesem Artikel ausführlich beleuchtet wurden. Dennoch gilt: Der wichtigste und erste Schritt ist die Reduzierung von Emissionen aus fossilen Brennstoffen, um die Erderwärmung zu bremsen. Denn nur dieser hat eine langfristige und vor allem permanente Klimaschutzwirkung. Bäume pflanzen darf keine Ausflucht sein, an diesem Punkt nur zaghaft anzusetzen. Vielmehr braucht es Mut und Entschlusskraft, die fossilen Emissionen auf Null zu fahren.

Parallel dazu muss der Schutz bestehender Wälder stattfinden, denn dies hat neben der direkten Klimaschutzwirkung eine Vielzahl an weiteren positiven Nebeneffekten.

Wenn dann noch zusätzlich Bäume an der richtigen Stelle und auf die richtige Art und Weise gepflanzt werden, um Wälder naturnah wiederaufzubauen und die durch Entwaldung bereits entstandene Emissionen wiedereingefangen werden, kann die Klimakrise verhindert werden. Packen wir es an – auf allen drei Ebenen!

Was können Sie tun?

  • Reduzieren Sie fossile Emissionen durch bewusste Konsumentscheidungen
  • Sprechen Sie Politik und Wirtschaft an, um einen Wandel zu beschleunigen
  • Fördern Sie die OroVerde-Schutzprojekte mit einer Spende!
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Projektförderung

Grafik und Webseite entstanden im Rahmen des von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und der Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW geförderten Projektes „Keine Angst vor Komplexität“.
© OroVerde - Die Tropenwaldstiftung / B. Hesebeck; Illu: Özi`s Comix Studio

Fotonachweis: Header (Oroverde, Anna Hömberg),  Grafik: OroVerde / B. Hesebeck,  Illu: Özi`s Comix Studio // CC BY-ND

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OroVerde - Die Tropenwaldstiftung
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