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Keine Entwarnung bei Waldbränden

Seit Wochen hat es kaum geregnet, der Wind pfeift kräftig durch das Geäst und der Boden ist trocken wie Zunder. Für alle Lebewesen sind das harte Bedingungen, von denen zusätzlich eine enorme Brandgefahr ausgeht.

Waldbrände in Guatemala ©OroVerde/ Elke Mannigel

Es ist Mitte April als die Bewohner*innen einer Gemeinde in der Nähe des Alexander-von-Humboldt-Nationalparks in Kuba heftige Rauchwolken über dem Wald entdeckten und die Feuerwehr alarmierten. Die dazu gerufenen Einsatzkräfte ahnten nicht, dass sie in den kommenden zwei Wochen das größte Feuer in der Geschichte des Naturparks löschen müssen.

Das zerklüfte Gelände aus Schluchten und Bergen machte es den Löschtrupps schwer, zum Feuer vorzudringen. Erst mit Hilfe aus der Luft bekamen die 250 Einsatzkräfte, darunter auch die Mitarbeitenden unserer Partnerorganisation UPSA, die Flammen unter Kontrolle.

Am Ende berichten kubanische Medien, dass eine Fläche bis zu 1.800 Hektar Wald zerstört wurden. Das entspricht in Etwa einer Fläche von 2.500 Fußballfeldern. Der Humboldt-Park ist ein Gebiet, dass seit mehr als 30 Jahren unter Naturschutz steht. Die Zerstörung des Waldes ist ein harter Schlag für den artenreichen Naturpark.

Die häufigste Brandursache ist der Mensch

252 Waldbrände registrierten die Behörden von Januar bis Mai auf Kuba – so viele wie selten zu vor. Die häufigsten Gründe für die Brände sind illegale Brandrodungen für die Landwirtschaft oder den Bergbau, brennende Zigaretten oder andere menschengemachte Ursachen wie dem Klimawandel. Als Brandursache im Humboldt-Park wird vermutet, dass campierende, illegale Goldschürfer*innen den Großbrand verursacht haben könnten.

Wenn die Klimakrise in die Karten spielt

Während die Waldbrände auf Kuba ungekannt heftig ausgefallen sind, hatten die OroVerde-Projektregionen in Guatemala Glück im Unglück: Hier ist die Trockenzeit ins Wasser gefallen. Ungewöhnlich viel Regen hielt die Böden feucht; so gab es vergleichsweise wenige Feuer. Was der viele Regen aber für die Ernten bedeutet, ist noch nicht klar. Die Waldbrandsaison in Guatemala ist offiziell noch nicht beendet. Ein Monitoring-Team unserer Partnerorganisation beobachtet die Regenfälle, Wetterveränderungen und die Feuchtigkeit der Böden genau. Erst wenn alle Zeichen auf Regenzeit stehen gibt es Entwarnung. Im Moment geht das Team vor Ort von zwei weiteren Wochen bis zum Beginn der Regenzeit aus.

Was tun, wenns brennt

Wenn tropische Wälder brennen, dauert es oftmals sehr lang bis die Feuerwehr zu den betroffenen Waldgebieten vordringen kann. Bis die Löscharbeiten dann richtig losgehen, haben die Flammen meist schon viele Hektar Wald, Pflanzen und Tiere vernichtet. Deshalb sind lokale Feuerbrigaden wichtig, die im Brandfall sofort vor Ort aktiv werden können. OroVerde bildet gemeinsam mit Partnerorganisationen Bewohner*innen zu Ersthelfer*innen aus. Sie halten das Feuer in Schach, bis die Feuerwehr mit größerem Löschgerät anrückt.

In regelmäßigen Workshops lernen die freiwilligen Helfer*innen der lokalen Feuerbrigade, was zu tun ist, wenn es brennt. Dabei lernen sie, Erste Hilfe zu leisten und wie sie sich selbst vor den Flammen schützen. Denn im Brandfall kann der Einsatz an der Feuerfront lebensgefährlich werden.  

Vorsorge ist der beste Brandschutz

Um zu verhindern, dass im Falle eines Waldbrandes die Flammen auf weitere Gebiete übergreifen, werden in den Wäldern systematisch sogenannte Brandschneisen angelegt. Die Feuerbrigaden entfernen auf einem mindestens drei Meter breiten Streifen kontinuierlich trockene Gräser, Sträucher im Unterholz und kleine Bäume, damit entlang der Schneisen die Ausbreitung der Flammen bekämpft werden kann.

Die Feuerbrigaden erarbeiten auch ein Frühwarnsystem, damit Brände schnell entdeckt werden. Das System besteht unter anderem aus einem Notfallplan, der in den Gemeinden bekannt ist. So weiß jede*r, was zu tun ist, wenn es schnell gehen muss.

Keine Atempause: Nach den Bränden kommen die Stürme

In unseren Partnerregionen ist die offizielle Waldbrandsaison seit Ende Mai eigentlich beendet. Jedoch gönnen die durch den Klimawandel verstärkten Extremwetterereignisse der Natur und den Bewohner*innen kaum eine Atempause, denn Anfang Juni hat bereits die atlantische Hurrikan-Saison begonnen. Erste Prognosen sagen eine überdurchschnittlich aktive Hurrikan-Saison voraus. Wir müssen jetzt handeln, um die zunehmende Häufung von Wetterextremen zu stoppen und den Regenwald zu schützen.

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Fotohinweis: FDN (Bild mit Waldbrandbekämpfern), Dr. Elke Mannigel (Waldbrandbild)