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Tag der Tropenwälder – so steht es um die artenreichen Lebensräume

Seit 29 Jahren wird am 14.9. mit dem "Internationalen Tag der Tropenwälder" auf die Bedrohung der tropischen Wälder aufmerksam gemacht.

Leider ist es heute nötiger denn je. So ging erst vor Kurzem dieser alarmierender Rekord durch die Presse: 2017 war das Jahr mit dem zweitgrößten Verlust an Tropenwaldfläche. Die Vielfalt der Tropenwälder und ihre Stabilisierungsfunktion im Hinblick auf Klima und Wasserkreisläufe ist bedroht: Pro Jahr gehen brutto etwa 9 Millionen Hektar Tropenwald weltweit verloren – das entspricht der Fläche Portugals! Wie steht es aktuell um die tropischen Regenwälder dieser Erde? Wo liegen die negativen aber auch die positiven Rekorde? Was sind aktuell die größten Bedrohungen?

 

Was leistet der Regenwald?

Die tropischen Regenwälder sind der Lebensraum unzähliger seltener und einzigartiger Arten. Viele Rekordhalter aus der Tier- und Pflanzenwelt leben hier, zum Beispiel die größte Blüte, der kleinste Vogel und der kleinste Frosch der Welt. Insgesamt leben etwa 2/3 aller bekannten Tier- und Pflanzenarten in Tropenwäldern, obwohl diese gerade einmal 12% der Landfläche ausmachen.  Auf einem Hektar Tropenwald findet man zum Beispiel bis zu 280 verschiedene Baumarten. (Zum Vergleich: In ganz Deutschland gibt es gerade einmal 90 Baumarten.) Und auf der gleichen Fläche Regenwald kommen Schätzungen zu Folge insgesamt 18.000 Tier- und Pflanzenarten vor!  

Wälder bilden jedoch nicht nur den Lebensraum für eine Fülle von Arten, sie spielen auch eine Schlüsselrolle bei der Stabilisierung des Klimas, da sie große Mengen an CO2speichern. Wissenschaftler schätzen, dass bis zu 11 Prozent der globalen menschenverursachten CO2-Emissionen, die aktuell zum Klimawandel führen, durch die weltweite Zerstörung von Wäldern und durch andere Landnutzungsänderungen entstehen. Laut einer Studie aus dem Jahr 2015 stieg Indonesien zum weltweit drittgrößten Klimasünder auf, da dort nicht nur die Regenwälder gerodet, sondern auch die Torfböden, die besonders gut CO2 speichern, entwässert und verbrannt werden. Aus nur einem Hektar tief entwässertem Torfboden in den Tropen entweicht jährlich die gleiche Menge CO2 in die Atmosphäre, wie bei einer Autofahrt sieben Mal um die Erde! 

Hier noch drei weitere anschauliche Beispiele, die die Bedeutung der Tropenwälder für das Klima verdeutlichen:

  1. Eine Fläche Wald in den Tropen, die so groß ist wie ein Fußballfeld, speichert die Menge an CO2, die 59 Deutsche pro Jahr ausstoßen!
  2. Jeder geschützte Hektar Tropenwald verhindert, dass durchschnittlich 734 Tonnen CO2 in die Atmosphäre gelangen können!
  3. Über unbewaldeter Fläche werden Wolken nur bis circa 100 Kilometer weit vom Meer ins Landesinnere transportiert. Erst große, zusammenhängende Waldgebiete sind ausschlaggebend dafür, dass die Feuchtigkeit auch über viel größere Entfernungen landeinwärts getragen wird. Die Regenwälder sorgen so dafür, dass der Wasserkreislauf funktioniert, sie schützen vor Dürrekatastrophen und bringen die Regenmassen hervor, die anderswo auf der Welt zum Beispiel Landwirtschaft erst ermöglichen oder die Wasserversorgung von Metropolen wie Sao Paolo sichern. 
     

Was sind die größten Bedrohungen?

Rund 75 Prozent der weltweiten Entwaldung sind auf die Umwandlung von ursprünglichen Wäldern in landwirtschaftliche Nutzflächen zurückzuführen. Statt artenreichem tropischem Regenwald entstehen so Nutzflächen, auf denen in Monokulturplantagen Soja, Ölpalmen oder Zellstoff angebaut werden. Weitere wichtige Treiber für den Verlust von Regenwaldflächen sind der Abbau von Bodenschätzen wie Erdöl oder Edelmetalle, und - besonders in Brasilien - die Viehzucht.

Neben den industriellen Großflächen sind es auch die Kleinbauern, die mit ihrer Subsistenzwirtschaft immer weiter in den Wald vordringen. Die einheimische Bevölkerung kämpft häufig ums Überleben und erschließet sich nicht nachhaltige Einkommensquellen durch Wilderei und unkontrollierte Holzwirtschaft. Im Vergleich zu den Auswirkungen großflächiger kommerzieller Landwirtschaft sind die Menschen vor Ort allerdings zu einem viel geringerem Ausmaß dafür verantwortlich, dass der tropische Regenwald schwindet.

Ein großer Abnehmer vor allem für industriell hergestellte Agrarrohstoffe ist die Europäische Union. Rund 36 Prozent der global gehandelten Rohstoffe, für die Tropenwälder fallen mussten, werden in die EU geliefert. So landet irgendwann ein Stück tropischer Regenwald in unserem Einkaufswagen: in Form von Toilettenpapier aus Frischfasern, Schokoriegeln mit Palmöl oder dem Stück Wurst, das aus Massentierhaltung stammt und in dem etliche Mengen Soja stecken, die dem Tierfutter beigemischt werden.

Lösungen, die etwas bewegen

Dem Tropenwald kann nur helfen, wer gleich auf mehreren Ebenen Maßnahmen anstößt: angefangen bei den Kleinbauern vor Ort, über deren lokale Absatzmärkte, diverse Regionalregierungen bis hin zu den Gesetzgebern und der internationalen Handelspolitik. Wir Konsumenten in den reichen Industrienationen tragen dabei ein große Verantwortung. Unsere Nachfrage nach nachhaltigen Produkten und unsere Einflussnahme auf die Politik und Wirtschaft kann in den globalen Warenverkehr entscheidend eingreifen. Deshalb spielt die Aufklärung der Bevölkerung über die komplexen Zusammenhänge, die zwischen Konsumentscheidungen und der Zerstörung des Regenwaldes bestehen, eine wichtige Rolle. Nur wenn man alle Interessengruppen einbezieht, hat man eine Chance die Regenwälder zu retten:

  • Die internationale Handelspolitik muss die positiven und negativen Auswirkungen auf die Tropenwälder stärker berücksichtigen und einbeziehen. Globale Zusammenhänge und mögliche Auswirkungen jeder Handlung müssen von Anfang an verantwortungsvoll mitgedacht werden und dürfen nicht auf Kosten der Tropenwälder gehen. Durch entwaldungsfreie Lieferketten oder langfristige Partnerschaften mit Projekten, die Waldschutz vorantreiben, können sich Großkonzerne und Unternehmen für den Erhalt der Tropenwälder engagieren.
  • Die politischen Rahmenbedingungen für die nachhaltige Nutzung von Tropenwäldern und die strategische Landnutzungsplanung muss vorangebracht werden. Solange eine nachhaltige Nutzung nicht erleichtert wird, werden sich illegale Aktivitäten verstärken.
  • Lokale Initiativen um die Gemeinden von teils indigenen Völkern müssen stärker unterstützt und weitere lokale Akteure für den Schutz und die nachhaltige Nutzung der Wälder müssen gewonnen werden, so dass sie von und mit dem Wald leben können.
  • Jeder Konsument ist hier gefragt! Sei es durch den Kauf von Recyclingpapier, weniger Fleischverzehr oder den Umstieg auf klimafreundliche Verkehrsmittel. 

OroVerde setzt mit vielfältigen Projekten genau an diesen Lösungen an:

Mit Hilfe zur Selbsthilfe unterstützen wir lokale Partnerorganisationen in ihrer Region alternative Anbaumethoden zu entwickeln und zu fördern, und somit das weitere Vordringen in den Wald zu verhindern. Dabei bieten nachhaltige Waldwirtschaftspläne und nachhaltige Wertschöpfungsketten von Waldprodukten spannende Möglichkeiten, den Kleinbauern langfristig zu helfen. In unseren Projekten, wie derzeit zum Beispiel in Indonesien geht es OroVerde deshalb auch auf der politischen Ebene darum, auf lange Sicht ein besseres Schutzgebietsmanagement zu erstellen und mit den Behörden vor Ort auf Augenhöhe zu kommunizieren. So können wirkungsvolle Maßnahmen umgesetzt werden, die Artenvielfalt erhalten, Waldökosystemleistungen und Treibhausgase verringern.

In allen Bereichen zielt OroVerde auf den Multiplikationseffekt. Denn nicht nur in den internationalen Projektaktivitäten setzt OroVerde vor allem auf die Bildung der Bevölkerung selbst. Auch in Deutschland spielen Bildungsprojekte und Öffentlichkeitsarbeit eine große Rolle, denn jeder hat es in der Hand, seinen Beitrag zum Tropenwaldschutz zu leisten!

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