Leiterplatte aus der Nachrichtentechnik ©Raimond Spekking, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons

Bodenschätze

Regenwald in Handy, Tank & Co

Smartphone, Tablet, Schmuck, Elektroauto, LEDs, Photovoltaikanlagen und sogar Häuserleitungen - sie alle enthalten Bodenschätze und sie alle sind heutzutage aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Aber was genau versteht man eigentlich unter dem Begriff "Bodenschätze"? Und was genau haben Bodenschätze mit der Zerstörung der Tropenwälder zu tun? Erfahren Sie hier, warum Bodenschätze so begehrt sind und warum die Gewinnung von Bodenschätzen dem Lebensraum Regenwald weit mehr schaden kann als gedacht.

Schon gewusst?
  • 76 Prozent der heute geförderten mineralischen Bodenschätze stammen aus 4 Ländern: Australien, China, Indien und Brasilien.
  • Fast ein Fünftel der Fläche des Amazonasgebiets (Gesamtfläche: ca. 7,8 Millionen Quadratkilometer) hat Potential zur Förderung von mineralischen Bodenschätzen: Das sind insgesamt etwa 1,6 Millionen Quadratkilometer! 
  • Der Goldpreis ist in den 2000er Jahren um 500 Prozent gestiegen, was zu einem enormen Anreiz für kleines, illegales Goldschürfen am Amazonas und seinen Zuflüssen gesorgt hat. 
  • 50 bis 60 Prozent des gesamten, weltweit verbrauchten Tantals fließt allein in die Elektroindustrie.
  • Für die Menge Gold, um einen Ring herzustellen (ca. 5 Gramm), entstehen 20 Tonnen Abfall-Gestein.

Die Geschichte der Ausbeutung mineralischer Bodenschätze beginnt im Amazonasgebiet in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Im Gegensatz nahm die Ausbeutung mineralischer Bodenschätze in den Anden schon in der Kolonialzeit ihren Anfang, also vor nunmehr rund 500 Jahren. Beständig steigende Preise sowie Funde von großen Vorkommen strategisch wichtiger Bodenschätze führen heutzutage zu einer attraktiven Wirtschaftlichkeit.

Fragen und Antworten rund um Bodenschätze

Was sind Bodenschätze?

Bodenschätze oder mineralische Ressourcen sind Oberbegriffe für Erze und Metalle, fossile Rohstoffe wie Kohle und Erdöl/-gas sowie Steine und Erden. Unter metallischen Ressourcen versteht man alle Metalle oder Erze, aus denen Metalle veredelt werden. Diese sind z.B.: Eisen(-erz), Bauxit, Kupfer, Nickel, Gold und Silber. Häufig werden die sogenannten Energierohstoffe aus den mineralischen Rohstoffen ausgeklammert. Zu diesen Energierohstoffen zählen die fossilen Energieträger Erdöl, Erdgas, Kohle, Kernbrennstoffe und die erneuerbaren Energien einschließlich der Tiefen Geothermie. Im OroVerde Positionspapier werden diese Energierohstoffe ebenfalls ausgeklammert – auf der Homepage hingegen nicht. Dort widmet sich OroVerde bald insbesondere dem Thema Erdöl.

 


Welche Bodenschätze gibt es?

Neben Erdöl, Erdgas und Kohle werden auch Erze und Metalle sowie Steine und Erden zu den Bodenschätzen gezählt. Dazu gehören: 

  • Kupfer
  • Bauxit (Aluminium)
  • Eisen (-erz)
  • Nickel
  • Gold
  • Silber
  • Coltan (Tantalerz)
  • Zinn
  • Zink
  • Blei
  • Platin
  • Kobalt

Zu den Bodenschätzen gehören auch Edelsteine wie Diamanten oder die sogenannten seltenen Erden. Die seltenen Erden, zu denen 17 Mineralien zählen, sind vor allem dadurch gekennzeichnet, dass sie nur in geringen Mengen in Lagerstätten vorkommen. Ihre Bedeutung nimmt mit der zunehmenden Nutzung von Elektronikartikel, Akkus, Leuchtmitteln und Displays stetig zu, die ohne sie nicht auskommen. Diese Metalle stammen vorwiegen aus China, aber auch aus Afrika.


Welche Bodenschätze gibt es im Regenwald?

Welche Bodenschätze in den Erdschichten unter tropischen Regenwälder lagern, ist je nach Region unterschiedlich. Neben Bauxit, Eisen, Zinn, Nickel, Kupfer, Gold und Tantal kommen auch Diamanten in tropischen Regenwaldgebieten vor.

Brasilien etwa ist weltweit drittgrößter Produzent von Eisen. Außerdem hält das Land mit etwa 260 Millionen Tonnen Bauxit 20 Prozent Anteil am Exportmarkt. Aus dem Aluminiumerz Bauxit wird dann Aluminium hergestellt. Auch der Goldabbau spielt in Brasilien eine Rolle. 2014 exportierte das Land 55,8 Tonnen Gold. 

Das Edelmetall Gold spielt in Indonesien ebenfalls eine wichtige Rolle. Daneben gehören jedoch auch Kupfer und Nickel zu den geförderten Bodenschätzen. Außerdem ist Indonesien der bedeutenste Zinn-Exporteur weltweit.

In der Demokratischen Republik Kongo etwa wird vor allem das Tantalerz Coltan abgebaut. Das Land ist besonders abhängig von dem Export mineralischer Bodenschätze. Sie machen immerhin 95 Prozent der gesamten Exporte aus.


Wie werden Bodenschätze abgebaut?

Man unterscheidet bei Bodenschätzen die Art und Weise ihres Abbaus: Es gibt den Tagebau und den Untertagebau. Beim Tagebau liegen die Rohstoffvorkommen nahe an der Erdoberfläche. Ein Erz, das auf diese Weise abgebaut wird, ist z.B. Bauxit. Beim Tagebau wird großflächig Boden abgetragen und dadurch die darauf vorhandene Waldfläche zerstört.

Werden Bodenschätze hingegen im Untertagebau gewonnen, dann liegen die Vorkommen tief unter der Erdoberfläche. Es werden Stollen tief in die Erde gegraben. 

Zusätzlich wird zwischen Kleinbergbau mit sehr einfachen mechanischen Methoden und industriellem Bergbau mit großen Maschinen und hoher technischer Unterstützung unterschieden.


Welche Bodenschätze gibt es in Deutschland?

Ein großer Teil der jährlich in Deutschland benötigten Rohstoffe, werden aus heimischen Lagerstätten gewonnen, insbesondere die Steine- und Erden-Rohstoffe. Damit ist die Eigenversorgung mit diesen Rohstoffen ganz oder zumindest anteilig sichergestellt. Da Deutschland eines der führenden Industrieländer der Erde ist, ist es auch ein Großverbraucher mineralischer Rohstoffe. Darüber hinaus gibt es Industriezweige wie zum Beispiel die Automobilindustrie oder die Elektronikbranche, die viele verarbeitete Güter produzieren und exportieren. Für deren Produktion sind Metalle und Industrieminerale notwendig, die in der EU und somit auch in Deutschland selbst kaum oder gar nicht vorkommen.  Zur Bedarfsdeckung ist Deutschland daher stark auf Importe bei Metallen und einzelnen Industriemineralen angewiesen. Aber es gibt auch neue Wege, um an die benötigten Ressourcen zu kommen. Es existieren inzwischen große und von Menschen gemachte Lagerstätten. Um dieses Potential zu nutzen, wird Recycling oder sogenanntes Urban Mining immer wichtiger.

Schon gewusst?

Deutschland gehört weltweit zu den Hauptimportländern von mineralischen Rohstoffen und ist somit ein Nettoimporteur. Im Jahr 2014 lag es auf Platz 4 der Nettoimporteure von Aluminium, Blei, Eisen, Kupfer, Nickel, Zinn, Zink, Silber und Gold. Unter den TOP 10 der Nettoimportländer weltweit befand sich als einziges europäisches Land nur noch Italien auf Rang acht.


Welche Bodenschätze stecken in Elektronikgeräten?

Neben Häusern, Gebäuden und Infrastrukturen sind die meisten metallischen Rohstoffe auch in Konsumgütern wie elektrischen Geräten und Unterhaltungselektronik verbaut. Bei den elektronischen Geräten ist die Verwendung von Edelmetallen und seltenen Erden am häufigsten. Obwohl pro Gerät nur geringe Mengen dieser Metalle verarbeitet werden, ist der Anteil der Elektronikindustrie an diesen Metallen am weltweiten Gesamtverbrauch relativ hoch. Wie bereits oben erwähnt wurde, fleißen  50 bis 60 Prozent des verbrauchten Tantals in die Elektronikindustrie. Bei Kobalt liegt diese Zahl bei 25 Prozent und bei Gold immerhin noch bei 9 Prozent. LED´s bestehen z.B. aus 10 verschiedenen Metallen wie Cer, Germanium, Indium und Gold. Auch die Produktion von Photovoltaikanlagen ist ohne diverse Technologiemetalle nicht machbar. 

Natürlich trägt auch die Welt der Smartphones einen großen Beitrag hierzu bei. In der Herstellung eines einzigen Mobiltelefons werden bis zu 60 unterschiedliche Rohstoffe verwendet. In den letzten 10 Jahren wurden in Deutschland ganze 180 Millionen. Smartphones verkauft. Allein in 2016 waren es über 24 Millionen. Neben Kunststoff und Glas sind auch viele Metalle wie Kupfer, Aluminium, Eisen, Silber, Gold, Platin, Kobalt, Lithium, Silizium, Tantal, Indium, Gallium und seltene Erden verbaut. 


Woher stammt Gold?

Der Weltexport von Gold lag 2014 bei ca. 2250 Tonnen. Die größten Esportmengen kamen aus Australien, Russland, Peru und Mexiko. Aus Brasilien wurden 2014 immerhin noch 55,8 Tonnen Gold exportiert. Seit dem Jahr 2000 ist ein Anstieg des Goldpreises um 500 Prozent zu verzeichnen. Das führte zu einem enormen Anstieg für kleines, illegales Goldschürfen am Amazonas und seinen Zuflüssen. Gerade in Brasilien ist der Goldabbau ein schwieriges Thema. Dort entsteht gerade die größte Tagebau-Goldmine in ganz Lateinamerika. Sie liegt direkt neben dem umstrittenen Baugebiet des Belo-Horizonte-Staudamms.

Aber auch in Indonesien und der Demokratischen Republik Kongo wird Gold abgebaut. Als wichtiger Handelspartner der EU exportiert Indonesien neben Kupfererzen auch Gold und andere Edelmetalle. Ein großes Problem stellt der Goldabbau in Guayana dar: Die Entwaldung hat sich aufgrund der Goldschürfung  zwischen 2001 und 2008 verdreifacht.

Für die Unternehmen ist es ein lukratives Geschäft: Insgesamt macht Gold 16 Prozent des Wertes der weltweiten Produktion mineralischer Rohstoffe aus. 2014 lag dieser Gesamtwert bei etwa 768 Milliarden US$ - das ist etwa so viel wie das gesamte Bruttoinlandsprodukt der Niederlande. Und das allein nur durch die Produktion von Bodenschätzen.

 

Wo gibt es Kupfer und wie wird es gewonnen?

Kupfer aus Brasilien spielt auf dem Weltmarkt eine Rolle. Kupfer erreicht uns aber auch aus Indonesien und Demokratischen Republik Kongo. 2011 wurden weltweit insgesamt über 16 Millionen Tonnen Kupfer gefördert – Hauptlieferant mit einer Abbaumenge von 5420 Millionen Tonnen war Chile. Chile und Peru sind Länder, in denen mehr Erdreich bewegt werden muss, um an das begehrte Kupfer zu gelangen, als in anderen Ländern. Hier ist die Konzentration des Kupfers oder sein Reinheitsgehalt weniger hoch, so dass mehr Gestein gefördert werden muss.
Bei der Gewinnung von einer Tonne Kupfer müssen insgesamt bis zu 200 Tonnen Erdreich bewegt werden, das nach der Entnahme der Rohstoffe nicht weiter genutzt wird. In West-Papua, Indonesien, baut der weltweit größte Kupferproduzent Freeport Indonesia in riesigen Minen die wertvollen Erze ab. Auf Platz drei der weltgrößten Kupferminen steht die Grasberg-Mine in Indonesien.

Warum ist Aluminium schlecht?

Aluminium ist ein beliebtes Metall und gilt als chic und modern. Die Gehäuse von Mobiltelefonen sind häufig aus diesem Material gefertig. Auch Lebensmittel werden z.B. in Alufolie eingepackt und Kosmetika mit Aluminium versehen. Das Metall ist leicht, stabil, ungiftig und gut zu recyceln. Aluminium wird aus Bauxit gewonnen. Weltweit an erster Stelle der Förderländer steht Australien gefolgt von China, Brasilien und Indien. Das Erz wird im Tagebau abgebaut, welcher sich über gigantische Flächen erstrecket. Um an den begehrten Rohstoff zu gelangen, wird die darüberliegende Erdschicht abgeräumt, das Bauxit abgebaut, vor Ort gewaschen und getrocknet. 

Die Gewinnung von Bauxit hat schwerwiegende Folgen: Große Mengen Energie und Chemikalien werden beim Abbau und der Förderung des Erzes benötigt, artenreicher Regenwald wird abgeholzt und einheimische Völker werden von ihrem Land vertrieben. Weltweit verbrauchen wir allein 7 Prozent der gesamten Energie zur Gewinnung, Aufbereitung und Verarbeitung von Aluminium. Schon oft kam es zu massiven Menschenrechtsverletzungen bei der Umsiedlung von betroffenen Völkern. Die Ureinwohner im Osten Indiens beispielsweise leben von den Reichtümern des Regenwaldes und wurden wegen der Erweiterung einer Mine ihrer Existenzgrundlage beraubt.

Die indische Presse verglich die Zustände mit denen, die im US-Film Avatar dargestellt wurden. Die ökologischen Schäden und die Kosten für Renaturierungsmaßnahmen und Wiederaufbau in den Abbaugebieten werden derzeit nicht in den Preis für Aluminium eingerechnet. Die Menschenrechtsverletzungen lassen sich noch schwer in Zahlen fassen. Ändert sich das einmal, wird der Preis für den Rohstoff enorm steigen. 


Was ist Urban Mining?

Die mineralische Rohstoffvorkommen der Erde sind endlich. Dabei sind Metalle keine Produkte, die aufgebraucht oder in die Luft emittiert werden. Sie werden langfristig in Gebäuden, in der Infrastruktur und zu haltbaren Produkten verarbeitet. Das bietet Potential für Recycling und den städtischen Bergbau, sogenanntes Urban Mining.

Was jeder tun kann:

Im Bereich Konsumgüter gibt es einige Tipps und Tricks, um metallische Ressourcen zu schonen und verantwortungsbewusster einzukaufen.

  • Nutzen Sie elektronische Geräte so lange sie funktionieren und achten Sie beim Kauf auf Langlebigkeit, hochwertige Verarbeitung, Reparierbarkeit und Austauschmöglichkeit.
  • Reparieren statt austauschen. Dabei helfen können sogenannte “Repair-Cafés”. Mittlerweile gibt es deutschlandweit mehr als 600 davon.
  • Recyceln Sie Ihre Elektronikgeräte richtig. Kommunale Sammelstellen nehmen alte Geräte entgegen.
  • Mit dem Kauf von fair gehandeltem Gold oder Goldschmuck unterstützen Sie die Einhaltung bestimmter Standards in Umweltschutz und sozialen Aspekten des Goldabbaus.
  • Entscheiden Sie sich für umweltfreundliche, wiederverwendbare Produkte.
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Fotonachweis: OroVerde (Kupfermine, Handys, Aluminium), By Jurii [CC BY 3.0 (creativecommons.org/licenses/by/3.0)] (Eisen), via Wikimedia Commons, By Christian Schröder (Own work) [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons (Kupfer), Von Geomartin - Eigenes Werk, CC-BY-SA 4.0 (Kupfermine Australien), Von © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons), CC-BY-SA 4.0 (Platine), By Usien (Own work) [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons (Abrisshaus), By Ilvy Njiokiktjien [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons  (Stichting Repair Café), By Heierlon (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons (Schrottplatz).

Noch Fragen zu Bodenschätze?

Dr. Elke Mannigel
Teamleitung Internationale Projekte
Telefon: 0228 24290-12
E-Mail: emannigel@oroverde.de