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Recyclingpapier ist besser als sein Ruf

Die Vorteile von Recyclingpapier

Wenn wir Recyclingpapier statt Frischfasern zur Papierproduktion nutzen, leisten wir einen beachtlichen Beitrag zum Ressourcenschutz, Waldschutz  und Klimaschutz. Denn für die Aufbereitung des Altpapiers für Recyclingpapier werden weniger Chemikalien benötigt und weniger Wasser verbraucht. Es werden zudem weniger Bäume gefällt und weniger Abfall produziert – jede Faser kann bis zu siebenmal benutzt werden. Voraussetzung dafür ist allerdings eine vorherige sortenreine Sammlung. Wie der tropische Regenwald mittels der Nutzung von Altpapier für Recyclingpapier erhalten werden kann, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Schon gewusst?

  • Das früher gängige Vorurteil, Recyclingpapier sei grau und hässlich, ist längst widerlegt. Die Qualität steht der von Frischfaser in nichts nach und erfüllt alle relevanten Normen zum Drucken, Kopieren und Archivieren.
  • Zur Herstellung von 1 kg Frischfaserpapier werden 50 l Wasser benötigt – das ist mehr als 3 Mal so viel wie für 1 kg Recyclingpapier. Der Energieverbrauch für Frischfaserpapier ist 2,5 Mal so hoch wie für Recyclingpapier. 

Die Nutzung der Fasern sollte kaskadisch angelegt sein: d.h. von hochwertigen Papierprodukten wie Hochglanzmagazinen oder Zeitschriften über mehrere qualitative Abstufungen bis zu kurzfaserigen Kartonagen und Toilettenpapier. Weltweit muss noch viel mehr getan werden, um das volle Potential von Altpapier zum Schutz des Regenwaldes auszuschöpfen, etwa durch eine höhere und bessere Sammelquote und einen effizienteren Rücklauf in die Produktion. Mit den OroVerde-Verbraucher-Tipps erhalten Sie Hinweise, was Sie persönlich leisten können.

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An erster Stelle Papier vermeiden und dann Recyclingpapier kaufen! – Sie haben es in der Hand.

Ein geringer Einsatz von Papierprodukten ist effektiver Tropenwaldschutz. Verbraucherinnen und Verbraucher spielen eine wesentliche Rolle bei der Papiereinsparung und zum Schutz der vorhandenen Holz-/Papierressourcen. Hier ein paar Anregungen, die Jede und Jeder von uns umsetzen kann. Für die Papiereinsparung gibt es viele Möglichkeiten:

  • Benutzen Sie Recyclingpapier statt Frischfaserpapier, egal ob bei Taschentüchern, Toilettenpapier, Kopierpapier oder Schreibheften.
  • Unterbinden Sie Briefkastenwerbung. Ein Eintrag in die sogenannte „Robinson-Liste“ hilft unerwünschte Werbebriefe im Briefkasten zu unterbinden (mehr dazu unter www.ichhabediewahl.de). Bitte keine Werbung!“-Aufkleber bestellen und am Briefkasten anbringen.
  • Trennen Sie Papier richtig. Papiermüll in der Altpapiertonne sammeln und vom Restmüll trennen.
  • Achten Sie auf den „Blauen Engel“. Beim Kauf von Papierprodukten immer auf den „Blauen Engel“ achten – nutzen Sie Ihre Macht als Verbraucherin und Verbraucher. Fragen Sie daher bei Verlagen oder Zeitungsdruckereien nach, ob (oder warum nicht) Recyclingpapier eingesetzt wird.
  • Gehen Sie sparsam mit Druckerpapier um. Nur wirklich notwendige Dinge ausdrucken – natürlich beidseitig. Einseitig bedruckte Blätter als Notizzettel verwenden.
  • Teilen Sie Zeitschriften oder Bücher mit Freunden oder Nachbarn. 
  • Reduzieren Sie die Anzahl von Katalogen. Alle überflüssigen und ungewollten Kataloge abbestellen oder mit den Nachbarn teilen.
  • Verursachen Sie so wenig Versandverpackungen wie möglich. Lokal einkaufen und auf Onlinehandel mit viel Verpackungsmaterial verzichten.
  • Entwickeln Sie Kreativität mit ungenutzten Druckerzeugnissen. Papier kreativ „zweckentfremden“, z.B. als Geschenkverpackungen oder selbstgemachte Briefumschläge.

Fragen und Antworten zum Thema "Recyclingpapier"

Wieviel Altpapier wird recycelt?

In Deutschland war im Jahr 2014 Altpapier mit 16,6 Mio Tonnen der wichtigste Rohstoff für die Papierproduktion. Der größte Teil der „Rohstoffe“ für die nationale Papierproduktion bestand aus  Altpapier – immerhin 71%. Darin waren wiederum größtenteils Verpackungsmaterialien enthalten. Da Deutschland jedoch neben Frischfaserzellstoff für die eigene Papierproduktion auch Papiere und Papierprodukte aus anderen Ländern mit geringerer Altpapiereinsatzquote importierte, waren es rechnerisch nur 56% Altpapier, die Verbraucher in Deutschland nutzten.

Von unserem Pro-Kopf-Verbrauch in Höhe von 251 kg Papier, sind 140 kg Altpapier. Technisch möglich wäre jedoch der Einsatz von bis zu 200 kg, denn Frischfasern werden nur benötigt, um den Verlust von rund 20% der Altpapierfasern zu kompensieren,  die nach mehrfacher Nutzung zu kurz oder zu stark verschmutzt sind. Und gerade in den Bereichen, auf die der einzelne Konsument Einfluss hat, nämlich auf die Bereiche Hygienepapier, Schreibpapier, Druckpapier, Schulhefte, Geschenkpapier, Briefumschläge, ist es leicht, auf Recyclingprodukte zurückzugreifen!

 


Wieviel Altpapier steckt in Recyclingpapier?

Der Altpapieranteil unterscheidet sich zwischen den Papiersorten teils erheblich: So werden Verpackungspapiere und Zeitungspapier zu nahezu 100%  aus Altpapier hergestellt, grafische Papiere und Hygienepapiere jedoch nur zu 36% bzw. 51%. Im Jahr 2000 betrug der Recyclingpapieranteil im Hygienepapier noch 74%. Der Jahresverbrauch bei den Hygienepapiere stieg im Zeitraum 2002 bis 2012 von 13 auf über 18 kg pro Kopf. Er lässt sich zu Teilen mit der demographischen Entwicklung erklären. So werden etwa vermehrt Inkontinenzprodukte wie Windeln und Einlagen gebraucht. Für die übrige Verbrauchssteigerung dürften jedoch nicht gesteigerte Hygienebedürfnisse verantwortlich sein, sondern vielmehr ein verändertes Verbrauchsverhalten, wenn Verbraucher zu Toilettenpapier mit höheren Lagenzahlen greifen. Diese Entwicklung müsste sich auch wieder umkehren lassen. Darüber hinaus ist der Altpapieranteil wieder deutlich zu erhöhen.

 


Warum ist Recyclingpapier umweltfreundlich?

Die Herstellung von Recyclingpapier verbraucht deutlich weniger Energie als die von Frischfaserpapier. Bei nur 1 kg Papier wird so viel Energie eingespart, dass man damit 210 Tassen Kaffee kochen könnte. Auch wird nur etwa ein Drittel der Wassermenge benötigt, die für die Herstellung von Frischfaserpapier gebraucht wird. Zudem leistet Recyclingpapier einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz, denn der Import von Zellstoff zur Papierherstellung aus entfernten Ländern wie etwa aus den Tropen oder Kanada bedeutet sehr lange Transportwege und führt zu einem hohen CO2-Ausstoß. Bei 1000 DIN A4-Blättern Recyclingpapier statt Frischfaserpapier wird so viel CO2 gespart, wie ein Auto auf 5 km ausstößt.

 

 

pro Kilo
Recyclingpapier

pro Kilo
Primärfaserpapier

Wasser

15 Liter

50 Liter

Energie

2 kWh

5kWh

Chemischer Sauerstoffbedarf
(schwer biologisch abbaubar)

3 Gramm

15 Gramm

Angegeben sind Durchschnittswerte, da jede Fabrik und jede Papiersorte unterschiedliche Produktionsstandards aufweisen. Quelle: FÖP (2013): Kritischer Papierbericht, S. 71.


Was spricht gegen Recyclingpapier?

Es spricht immer weniger gegen Recyclingpapier. Viele Druckereien steigen mehr und mehr auf Farben auf Pflanzenölbasis um. Häufig ist die Qualität der Recyclingsfasern dann so gut, dass aus ihnen sogar Brötchentüten aus 100 Prozent Recyclingpapier hergestellt werden und zum Einsatz kommen. Der Grund dafür ist, dass viele Druckereien heute besonders umweltfreundliche Druckerzeugnisse anbieten. Diese bestehen nicht nur aus 100% Recyclingpapier, sondern werden auch mit schadstoffarmen Farben und Lacken sowie emissionsarmen Klebstoffe produziert. Dadurch wird die Schadstoffbelastung des Altpapiers bereits an der Quelle reduziert. Davon abgesehen ist die Nutzung von Recyclingpapier sowohl von der Qualität als auch von dem Weißegrad heute so unbedenklich wie nie zuvor. Selbst bei Hygienepapieren sind keine Mängel zu finden. Das Einzige, wovon abzuraten ist, ist der Einsatz von Altpapier bei direktem Lebensmittelkontakt insbesondere dann, wenn die Recyclingfasern noch mit unerwünschten Stoffen belastet sind und Druckerfarben als Basisstoff Erdöl enthalten. Die Farben auf Erdölbasis lassen sich, ähnlich wie Kleber oder Weichmacher, im gesammelten Altpapier nicht zu 100 % auswaschen und sollten daher nicht von Lebensmitteln aufgenommen werden.

Quellen

Warum ist Recyclingpapier grau?

Recyclingpapier muss nicht notwendigerweise grau sein. Ökologisch betrachtet gilt für Recyclingpapier allerdings die Devise: Nur so weiß wie nötig! Für eine höhere Weiße ist eine aufwändigere Faserreinigung mit zum Teil höheren Energie- und Wassereinsätzen nötig. Doch auch mit diesem erhöhten Energie- und Wassereinsatz ist die Ökobilanz immer noch besser als bei Frischfaserpapier! Für viele Anwendungen ist eine 60er Weiße (nach ISO) völlig ausreichend, zumal mittlere Kontraste die Augen entlasten. Will man nicht auf hohe Weiße verzichten, sind 70er und 80er Weiße empfehlenswerte Alternativen, die für die Augen angenehm sind. Inzwischen gibt es sogar Recyclingpapiere der 100er Weiße (nach ISO) mit Blauem Engel .

 


Wird alles, was in der blauen Tonne ist, recycelt?

Für das Recycling kann nur der Inhalt der blauen Tonne verwertet werden, der zuvor richtig getrennt wurde. Daher ist es unbedingt wichtig, richtig zu trennen. Voraussetzung für eine intensive Nutzung des Altpapiers ist eine vorherige sortenreine Sammlung. In dem Bereich muss weltweit noch mehr geschehen, um das volle Potential von Altpapier auszuschöpfen z. B. durch eine höhere und bessere Sammelquote und Rücklauf in die Produktion. Denn unser Papierverbrauch steht in direktem Zusammenhang mit der Vernichtung der Regenwälder. Warum das so ist, erfahren Sie hier.

 

Ist Recyclingpapier teurer?

Ob Recyclingpapier teurer ist als Frischfaserpapier hängt u.a. vom Weiße-Grad des produzierten Produktes ab. In der Regel ist eine niedrigere Weiße bei Recyclingpapieren mit dem Blauen Engel 5% bis 10% günstiger als vergleichbares Primärfaserpapier. Teurer sind lediglich Recycling-Produkte mit einer 100er Weiße (nach ISO) und höher. Sie können bis zu 10% mehr kosten.

 

Die Nachfrage nach Recyclingpapier steigt

Recyclingpapier wird mehr und mehr nachgefragt. Vor allem in den aufsteigenden Industrien in China, Indien, Indonesien, dem Mittleren Osten und der Arabische Halbinsel entsteht allmählich ein Bewusstsein für Recycling. Das ist zunächst eine gute Nachricht. Aktuell ist jedoch das verfügbare Angebot nicht ausreichend, da die Sammelkapazitäten von Altpapier in vielen Ländern noch stark ausgebaut werden müssten. Zusätzlich wird das Altpapier zunehmend nachgefragt, da Papier als Energieträger in (Müll-)Verbrennungsanlagen zur Strom- und Wärmeerzeugung sehr begehrt ist. So energetisch genutzt steht es dann als Rohstoff dem Recycling nicht mehr zur Verfügung. Die weltweit steigende energetische Nutzung von Holz und Papier verstärkt den Druck auf den Rohstoff Holz bzw. Zellstoff.   

Daher gilt es umso mehr: Wer Recyclingpapier kauft, trägt zur Rettung der Welt bei!

Um einen Wandel hin zum Umwelt-, Klima- und Ressourcenschutz zu erreichen, muss man kein Superheld sein. Jeder kann etwas beitragen und selbst kleine Änderungen im Verhalten und in unserem Alltag vornehmen und so die Welt Stück für Stück verändern! Siegel und Umweltzeichen helfen Ihnen dabei, die richtige Entscheidung zu treffen.

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    OroVerde - Die Tropenwaldstiftung
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