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In den Tropen wachsen viele vermarktungsfähige Tropenholzarten, die das Holzfällen zu einem lukrativen Geschäft machen – mit verheerenden Folgen für das Ökosystem Regenwald. Der Kahlschlag von Wäldern ist keine Seltenheit. Für die Bevölkerung vor Ort ist aber die Nutzung der Tropenwälder unerlässlich. Gibt es eine Lösung, die unkontrollierte Abholzung tropischer Regenwälder einzudämmen und die Lebensgrundlage der Menschen zu erhalten? 

 

Kahlschlag und andere Formen der Holzgewinnung

Häufig stammt Tropenholz aus sogenannten Umwandlungsflächen. Das heißt, es werden Waldflächen abgeholzt, um diese Fläche später für Monokultur-Plantagen von Zuckerrohr, Ölpalmen oder Soja zu nutzen. Es wird in drei Arten der Holzgewinnung unterschieden: Der Kahlschlag, der selektive Einschlag und auch der Tropenholz-Anbau in Form von Plantagen. Alle drei haben gravierende Folgen für den Regenwald. 

Der Kahlschlag einer Regenwaldfläche hat von allen Bewirtschaftungsformen die verheerendsten Auswirkungen, zum Beispiel werden enorme Mengen des Treibhausgases Kohlenstoffdioxid (CO2) freigesetzt. Auf den kahlgeschlagenen Flächen werden später oft Plantagen mit Eukalyptus, Ölpalmen oder Soja angelegt. 

Beim selektiven Holzeinschlag, der mindestens 20 Prozent aller tropischen Regenwälder betrifft, werden einzelne Bäume bestimmter Arten oder Bäume eines bestimmten Umfangs oder Alters gefällt. Das Gleichgewicht des Ökosystems kann auch durch die selektive Fällung von Bäumen stark ins Wanken gebracht werden. 

Ein weiterer Teil der Tropenhölzer stammt von angelegten Plantagen, häufig als Monokultur mit nur einer Baumart wie etwa Teak bestückt. Sie werden nach relativ kurzen Intervallen zeitgleich geerntet, was einem Kahlschlag sehr nahe kommt. Die Plantagen sind in der Regel artenarme Monokulturen und werden unter anderem dort angelegt, wo zuvor artenreicher Regenwald stand. 

Was spricht gegen Tropenholz?

Tropenwälder beheimaten eine Vielzahl einzigartiger Pflanzen und Tieren. Ihr Lebensraum wird bei Kahlschlag vollständig vernichtet. Das Entfernen der gesamten Vegetation setzt zudem viel CO2 frei, denn Büsche und dünne Bäume werden häufig nach der Verwertung der großen Bäume abgebrannt. Der zurückbleibende Boden ist anfällig für Erosion durch Wasser und Wind, wodurch die wertvolle Humusschicht unwiederbringlich abgetragen wird und neue Vegetation nur schwierig gedeihen kann. Zudem wachsen Regenwälder häufig auf torfigen Böden, vor allem in Asien. Diese Torfböden gehören zu den größten Kohlenstoffspeichern der Erde. Doch nach einem Kahlschlag vertrocknen die Böden sehr schnell und die Biomasse wird zersetzt. Hierdurch kommt es zu einer massiven Freisetzung von CO2 und einer Verstärkung des Klimawandels.  

Holzgewinnung durch selektive Entnahme statt Kahlschlag?

Wenn die Entnahme einzelner Bäume so erfolgt, dass der restliche Wald in seiner Struktur und Funktion erhalten bleibt, kann der selektive Holzeinschlag theoretisch ein gutes Einkommen für die lokale Bevölkerung sein und dabei die Artenvielfalt erhalten. Diverse Studien kommen jedoch zu dem Ergebnis, dass die gängige Praxis des selektiven Einschlags keine Nachhaltigkeit gewährleistet. Das liegt daran, dass die Einschlagsmengen häufig zu groß sind. Zudem sind die Pausen, die in der konventionellen Holzwirtschaft zwischen zwei selektiven Einschlägen auf derselben Fläche eingehalten werden, mit 30 bis 35 Jahren deutlich zu kurz. In dieser Zeit kann eine Regeneration des Waldes nicht gewährleistet werden. Untersuchungen zufolge kam es auf einem Viertel der amazonischen Waldflächen, auf denen unter anderem selektive Entnahme einzelner Bäume stattfand, in den Folgejahren zu einer vollständigen Entwaldung.

Auch wenn die sorgfältig geplante Entnahme einzelner Bäume die Waldstruktur nicht so stark wie ein Kahlschlag, kann der selektive Holzeinschlag trotzdem negative Auswirkungen auf den Wald haben. Häufig kommt es durch die Fällung zu Schäden an anderen Bäumen, was wiederum ein Auslöser für weitere Entwaldung darstellt. Da für den Abtransport außerdem Straßenschneiden geschlagen werden, werden oft sehr viel mehr Bäume beschädigt, als tatsächlich geerntet werden. Weil durch die Entnahme große Lücken im Blätterdach entstehen, kommt es darüber hinaus zu einer vermehrten Austrocknung des Waldbodenbelags. Hierdurch wächst die Gefahr von Wandbränden erheblich. 

Artenarme Monokulturen sind keine Alternative

Die ökologische Bilanz von Tropenholz-Plantagen ist ebenfalls häufig negativ, vor allem dann, wenn für ihre Anlage Naturwälder gerodet werden oder wenn sie indirekt zu weiterer Waldvernichtung führen. Letzteres ist besonders dann der Fall, wenn die Tropenholz-Plantagen auf Flächen angelegt werden, die zuvor landwirtschaftlich genutzt wurden. Dies führt in der Regel dazu, dass für die landwirtschaftlichen Flächen wieder tropischer Regenwald gerodet wird. Zusätzlich sind Tropenholz-Plantagen häufig sehr artenarm und werden mit Dünger und Pestiziden behandelt. Durch Monokulturen steigt die Gefahr von Waldbränden außerdem weiter an, da sich hier das Feuer schneller ausbreiten kann als im Mischwald. Besonders gefährlich sind in diesem Sinne zum Beispiel Eukalyptus-Plantagen, welche häufig in tropischen Gebieten gepflanzt werden. Denn das in Eukalyptus-Bäumen enthaltene Öl facht das Feuer weiter an, sodass es beinahe unmöglich ist, den Brand unter Kontrolle zu bekommen.  

Ist eine nachhaltige Nutzung von Tropenholz möglich?

Um eine nachhaltigere Holzwirtschaft zu erzielen, kann der selektive Holzeinschlag statt Kahlschlag ein Schritt in die richtige Richtung sein – sofern er bedacht betrieben wird. Wichtig ist, dass die Tropenholzmenge, die entnommen wird, so bemessen ist, dass die biologische Vielfalt, Produktivität, Regenerationsfähigkeit und Vitalität des Waldes jetzt und in Zukunft nicht negativ beeinflusst werden. Unter bestimmten Voraussetzungen und durch die Umsetzung konkreter Bewirtschaftungsmethoden wie Reduced Impact Logging ist auf diese Weise eine nachhalitge Waldnutzung möglich. Dazu gehört unter anderem das Ausweisen von Pufferzonen rund um Wasserläufe, Wildnisflächen und Biokorridore, sowie der Verbleib von Gebüsch und Totholz zwischen den Bäumen und geringer bis kein Pestizideinsatz. Bestimmte Maßnahmen können außerdem den Schaden an benachbarten Bäumen reduzieren und die Beschaffenheit des Waldes weniger beeintrachten. Ebenso reduziert sich die Bodenverdichtung durch das geplante Anlegen von schmalen Schneisen und Rückegassen. So ist es möglich, recht bald wieder ein hohes Maß an Biomasse vorzufinden.

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Findet ein selektiver Tropenholzeinschlag unter klaren Kriterien für Wald-, Boden-, Wasser- und Artenschutz statt, kann der Verkauf des Holzes zur Finanzierung des Waldschutzes genutzt werden. Wichtig ist dabei, dass nur extrem wenig Bäume entnommen und lange Ruhephasen eingehalten werden. So wird z.B. nur alle 40 bis 60 Jahre ein Baum pro Hektar gefällt. Der Wald hat so genügend Zeit, sich wieder zu erholen.

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Ulrich Malessa, Bereichsleitung Internationale Projekte bei OroVerde

Welche Bedeutung hat Tropenholz für die Bevölkerung vor Ort?

Tropenholz spielt für die Bevölkerung vor Ort eine wichtige Rolle. Viele Familien decken damit ihren Brennholz-Bedarf zum Kochen oder verwenden es zum Bau von Häusern oder Ställen für ihre Kleintierhaltung. Es ist also ein es­sen­zi­eller Rohstoff für die Menschen vor Ort. Für die Holzgewinnung zur Deckung dieses lokalen Holzbedarfs in den Tropen können kleine, nachhaltig gestaltete Holzplantagen durchaus sinnvoll sein; denn durch sie kann der Nutzungsdruck auf die ursprünglichen Naturwälder reduziert werden. So kann zum Beispiel eine Gemeinde eine kleine Tropenholz-Plantage mit schnellwachsenden Baumarten anlegen, um dadurch Holz für ihren Bedarf zu gewinnen und die Naturwälder wiederum unberührt zu lassen. Wichtig ist hierbei, dass die kleinflächigen Tropenholz-Plantagen mit mehreren Baumarten bepflanzt werden. So bewirtschaftet wird der Boden geschont und eine gewisse Artenvielfalt bleibt erhalten.

Holznutzung in Guatemala

Schon seit 2003 arbeitet OroVerde im Rahmen verschiedener Projekte in den Regenwäldern im Nationalpark Sierra del Lacandón im Norden Guatemalas und engagiert sich hier für den Tropenwaldschutz. Die Zusammenarbeit mit den lokalen Gemeinden vor Ort ist dabei ein wichtiger Fokus der Projekte. Aktuell legt OroVerde im Projekt Waldgewinn gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen besonderes Augenmerk auf die Stärkung der Organisationsstrukturen in den Gemeinden. Es gilt außerdem, alternative Finanzierungsquellen zu erschließen, damit das Projekt mittelfristig auf eigenen Beinen steht. Das WaldGewinn-Team vor Ort tritt zudem aktiv in den Dialog mit politischen Entscheidungsträger*innen in Guatemala ein. Denn nur, wenn Gemeinden, Zivilgesellschaft und die Politik an einen Stang ziehen, können die artenreichen Wälder Guatemalas gerettet werden. Mehr zu dem Projekt erfahren Sie auf unserer Seite zu „WaldGewinn“

Wiederaufforstung und Klimaschutz fördern

Mit Ihrer Spende unterstützen Sie konkrete Projekte zum Schutz des Regenwalds. Damit leisten Sie einen wichtigen Beitrag zum Arten- und Klimaschutz und helfen den Menschen vor Ort. Vielen Dank!

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FSC-Siegel und Tropenholz – Sinnvoll oder nicht?

Das derzeit anspruchsvollste und umfassendste Nachhaltigkeitssiegel für Holz und Holzprodukte ist das Siegel des Forest Stewardship Council, kurz FSC®. Generell empfiehlt OroVerde Verbraucher*innen in Deutschland, heimische Holzarten zu bevorzugen und Tropenholz nur in Ausnahmefällen zu nutzen. 

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Fotonachweis: Center for National Forestry Research (Titelbild, Bulldozer), OroVerde (Teakholzplantage), OroVerde - N. Gawol (Kahlschlag), Heifer Guatemala (Mann mit Feuerholz).

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