together4forests

Kampagne zu einer EU-Konsultation erfolgreich abgeschlossen.

In einer beispiellosen Koalition von mehr als 160 Nichtregierungsorganisationen und Unterstützern konnte das Aktionsbündnis Together4Forests mehr als 1 Million Bürger*innen von einer strengen EU-Gesetzgebung überzeugen.

Ziel und Teilnehmende

#Together4Forests, eine Koalition aus mehr als 160 Nicht-Regierungs-Organisationen und Unterstützern, rief im Herbst 2020 alle EU-Bürger*innen auf, an der öffentlichen Befragung der Europäischer Kommission zum Thema Entwaldung teilzunehmen. Die Aktion drängt auf eine strenge EU-Gesetzgebung, um Produkte, die mit Entwaldung, Waldrodungen, Naturzerstörung und Verletzungen von Menschenrechten in Verbindung gebracht werden, vom europäischen Markt fern zu halten.

OroVerde – die Tropenwaldstiftung und die Initiatoren WWF, Greenpeace, ClientEarth, Conservation International, Environmental Investigation Agency und Wildlife Conservation Society wollte mit der Kampagne #Together4Forests dafür sorgen, dass die Bürger*innen die Chance wahrnehmen, ihre Meinung zum Thema Entwaldung im Rahmen der EU-Befragung zu äußern. Hierfür wurde ein Plug-In erstellt, über das Bürger*innen einfach und schnell an der Konsultation teilnehmen konnten. Alle Fragen und Antworten aus der EU-Konsultation wurden für dieses Plug-In übernommen, bewertet und im Sinn der Ziele von Together4Forest von Umweltexperten beantwortet. Dieses vorausgefüllte Formular machte die Teilnahme besonders leicht, auch für Laien. In der Ausfüllhilfe wurden nur die Antworten formuliert, die die Forderung einer regenwaldschützenden Gesetzgebung bekräftigen ‑ nicht jede Frage wurde daher beantwortet.

 

Mehr als 1 Million Unterzeichnende

Bei der digitalen symbolischen Übergabe der 1.193.652 Unterschriften an den Ersten Vizepräsidenten der EU-Kommission Frans Timmermans und an Virginijus Sinkevičius, den EU-Kommissar für Umwelt, Meere und Fischerei, zeigten sich beide EU-Politiker sichtlich beeindruckt von der Masse der Unterstützer*innen. Der EU-Umweltkommissar Sinkevičius sagte bei der Übergabe der Stimmen verpflichtende Maßnahmen zu, die Entwaldung durch Konsum stoppen sollen. EU-Vizepräsident und Klimaschutzkommissar Timmermans betonte: "Wir können unsere Augen nicht mehr vor der Tatsache verschließen, dass unser Verbrauch in Europa zu Zerstörung von Wäldern in anderen Teilen der Welt führt, und dass dies beängstigende Formen annimmt. Als Entscheidungsträger werde ich mich dafür einsetzen, dass unseren Beschlüssen energische Maßnahmen gegen die Entwaldung verankern."

Martina Schaub, Vorständin bei OroVerde bekräftigt:

Wir werden die beiden Kommissare beim Wort nehmen. Und wir werden genau hinsehen, ob und wie sie ihre Zusicherungen umsetzen. Dabei werden wir weiter alles dafür tun, dass es ein strenges Gesetz wird, um Produkte, die mit Entwaldung, Waldrodungen, Naturzerstörung und Verletzungen von Menschenrechten in Verbindung gebracht werden, vom europäischen Markt fernzuhalten.

Keine andere EU-Konsultation aus dem Umweltbereich hatte jemals eine so rege Beteiligung der Bürger*innen wie diese. Nur die Befragung zum Thema "Sommerzeit" konnte bisher mehr Menschen zum Mitmachen motivieren. 

Fotos, Grafiken und Kommunikation

Während der gesamten Kampagnen-Laufzeit wurde den teilnehmenden Organisationen vielfältiges Bild-, Video und Grafikmaterial zur Verfügung gestellt. Dieses durfte für die unterschiedlichsten Kommunikationskanäle aufbereitet und angepasst werden, solange es für das Kampagnenziel genutzt wurde. Hier ein paar Beispiele:

Together4forests - Was steht auf dem Spiel?

Wälder sind für unsere Gesundheit und die unseres Planeten unverzichtbar: Sie sind für uns Menschen sogar überlebenswichtig, denn sie produzieren die Luft, die wir atmen, filtern das Wasser, das wir trinken und sind das Zuhause für rund 2/3 aller bekannten Tier- und Pflanzenarten. Sie kühlen die Luft und absorbieren Kohlenstoff aus der Atmosphäre. Kurz: Wir brauchen die Wälder und die Wälder brauchen uns! Die EU ist einer der größten Importeure von Produkten, wie Fleisch, Soja und Palmöl, für die die Wälder nachweislich abgeholzt und zerstört werden.

Nicht-nachhaltige Landwirtschaft ist der häufigste Grund für Wald- und Lebensraumverlust. Ohne dass es den meisten Menschen wirklich bewusst ist, konsumieren wir täglich Produkte mit Inhaltsstoffen, die aus Regenwäldern stammen. Noch erlaubt die Europäische Union den Import und Verkauf von Waren für deren Produktion Lebensräume zerstört wurden. Die Europäische Kommission muss endlich handeln und unsere Wälder schützen.

Zahlreiche wissenschaftliche Studien zeigen, dass Lebensräume rasend schnell vernichtet werden und das Artensterben in alarmierendem Tempo voranschreitet. Allein zwischen 2000 und 2012 gingen etwa 9 Mio. Hektar Tropenwald weltweit verloren – das entspricht der Fläche Portugals – und das jedes Jahr! Rechnet man das um, verschwindet alle 2,5 Sekunden Tropenwald von der Größe eines Fußballfeldes! Wobei Landwirtschaft mit Abstand der größte Treiber des Waldverlustes in den Tropen ist. Wenn wir es nicht schaffen, Abholzung sowie das Wald- und Artensterben zu stoppen, werden wir den Kampf gegen den Klimawandel verlieren und unsere Umwelt wird kollabieren.

Die EU ist einer der größten Importeure nicht nachhaltig angebauter Rohstoffe wie Palmöl, Soja und Fleisch, aber auch Zellstoff, Kaffee und Kakao: 36 % der global gehandelten Rohstoffe, für die Tropenwald gefällt wird, werden in die EU geliefert. So ist es auch jeder einzelne von uns, der zur Abholzung beiträgt. Dies geschieht durch unseren täglichen Konsum, indem wir Produkte kaufen, verwenden und verbrauchen: Der Schokoriegel mit Palmöl in unserem Einkaufskorb, das Schnitzel vom Discounter oder das neue Smartphone - in all diesen Alltagsprodukten steckt ein Stück tropischer Regenwald. Mehr dazu erfahren Sie in unseren Verbrauchertipps.

 

So geht es weiter

Die öffentliche Konsultation der Europäischen Kommission ist seit dem 10. Dezember 2020 geschlossen. Im Jahr 2021 wird sich jedoch der politische Prozess fortsetzen. Vor allem die Initiatoren der Kampagne Together4Forest mit Büros in Brüssel werden mit den politischen Entscheidungsträgern im Austausch bleiben, und auf eine strenge gesetzliche Regelung drängen. 

Fotonachweis: Ulet Ifansasti / Greenpeace (Bagger im Regenwald, abgebrannter Regenwald), EU (EU-Emblem)