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Indonesien geht mit der höchsten Abholzungsrate weltweit ins „Guinessbuch der Rekorde“ ein

Nirgendwo werden die tropischen Regenwälder derzeit gnadenloser abgeholzt als in Indonesien. Seit 2001 wird jährlich eine Fläche von 1,8 Millionen Hektar Wald vernichtet – mehr als 5 Fußballfelder pro Minute. Damit geht ein einmaliges Ökosystem verloren – mit erschreckenden Folgen für die biologische Vielfalt und für das Klima weltweit. 

Kahlschlag für Kopierpapier und Tropenholz-Parkettböden
Der Regenwald Indonesiens, Lebensraum für viele vom Aussterben bedrohte Arten wie Orang-Utans, den Sumatra-Tiger oder die Paradiesvögel, landet als Billigprodukt in den Läden und Baumärkten Europas. So zum Beispiel in Form von Kopierpapier der Konzerne APP und APRIL im Schreibwarenhandel oder als billiges Parkettholz in den Baumärkten. Die enormen Investitionen in die Papier- und Zellstoffindustrie brachten Werke mit hohen Fixkosten hervor und den Zwang, die Anlagen bei voller Kapazitätsauslastung am Laufen zu halten, um die Kredite zu bedienen. Dies führte bereits bis zur Jahrtausendwende zur Abholzung von 50-70 % des Regenwaldes, insbesondere auf Sumatra.

Auch vor Nationalparks und Schutzgebieten macht der Raubbau nicht Halt. Denn bestehende Plantagen können den Rohstoffbedarf in Indonesien nicht annähernd decken. Sie liefern maximal 5 % des gesamten Holzverbrauchs. Der illegale Holzeinschlag wird in Indonesien hingegen auf 70 % geschätzt. Holzmafia und fehlende politische Kontrolle bestimmen das Geschäft. Die Berater der Weltbank sprechen von „anarchistischen Zuständen“ in der Holzwirtschaft. „Wälder werden zerstört, weil Indonesien eines der korruptesten Länder der Welt ist“. 

Nicht nur die Regenwälder, auch die Böden brennen
Neben der Holz- und Papierindustrie heizt zurzeit der Palmölboom die Waldzerstörung in Indonesien an. Es werden riesige Palmölplantagen angelegt – seit Neuestem für den Export von Palmöl, welches in Europa zu Biodiesel verarbeitet wird. Doch bevor eine Palmölplantage angelegt werden kann, brennt der Regenwald.

Und mit ihm der Boden, auf dem er steht. Denn ein großer Teil der asiatischen Regenwälder wächst auf bis zu 18 Meter mächtigen Moorböden. Diese werden zunächst trocken gelegt. Mit dramatischen Folgen für das Klima, denn Moorböden gehören zu den wichtigsten Kohlenstoffspeichern der Erde. Sie produzieren mehr Biomasse als sie zersetzen, da die ständige Sättigung des Bodens mit Wasser einen vollständigen Abbau des anfallenden organischen Materials verhindert. Übrig bleibt Torf, eine nasse, dunkle und faserige Erdverbindung mit einem pH-Wert von drei bis vier: arm an Mineralien und reich an Kohlenstoffverbindungen.

Als riesiger Kohlenstoffspeicher kommt den Mooren eine zentrale Bedeutung für den Klimahaushalt der Erde zu. Nach Erhebungen des Ramsar Coordination Committee for Global Action on Peatlands, dem Nichtregierungsorganisationen wie Wetlands International, die International Mire Conservation Group oder auch die UNEP (die Umweltorganisation der UN) angehören, binden die Moore weltweit fast ein Drittel allen Kohlenstoffs auf dem Festland. Gleichzeitig bedecken sie mit 400 Millionen Hektar, verteilt auf 180 Länder, gerade mal drei Prozent. 

Ändert sich der Wasserhaushalt der Moorböden, werden aus den Kohlenstoffsenken Kohlenstoffquellen. Allein die für Holzgewinnung, landwirtschaftliche Nutzung (überwiegend Palmölplantagen) und Infrastrukturprojekte entwässerten Torfregenwälder Indonesiens geben nach Angaben der Organisation Wetlands International jährlich rund 600 Millionen Tonnen CO2 an die Atmosphäre ab. Weitere 1400 Millionen Tonnen CO2 werden durch Feuer freigesetzt. Dies entspricht etwa der Hälfte dessen, was sämtliche EU-Staaten pro Jahr emittieren. 

Die CO2-Bilanz von Biodiesel rechnet sich nicht
Neben Reis wachsen auf den entwässerten und entwaldeten Mooren vor allem Ölpalmen für den Export. Der renommierte Moorexperte Prof. em. Dr. habil. Succow schätzt, dass jeder dritte Liter des preiswert aus Ölpalmen produzierten Öls auf tief entwässerten Mooren angebaut wird. Bei Erträgen von drei bis fünf Tonnen Öl pro Hektar und Jahr setze der biologische Torfabbau zugleich bis zu 100 Tonnen CO2 frei. Während also eine Tonne Bioöl drei Tonnen CO2 aus Erdöl einspart, verantwortet sie zugleich sieben bis elf Tonnen CO2 aus der Moorvernichtung. Wetlands International spricht sogar von zehn bis 30 Tonnen CO2 pro Tonne Palmöl. 

Was sie tun können, um zum Schutz der Regenwälder Indonesiens beizutragen
Kaufen Sie kein Papier der Konzerne APP oder APRIL. Verwenden Sie wo immer möglich Recyclingpapier.

Vermeiden Sie Tropenholzprodukte aus illegalem Holzeinschlag. Achten Sie auf das FSC-Siegel, das für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung steht. Oder (noch besser): nutzen Sie einheimische Hölzer. In der Holzaustauschliste finden Sie eine Zusammenstellung mit geeigneten Holzarten für die unterschiedlichsten Bedürfnisse.

Fordern Sie die Bundesregierung auf, im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit auf die indonesische Regierung einzuwirken, den Abholzungswahnsinn zu stoppen. Fordern Sie einen Stopp von deutschen Krediten und Hermesbürgschaften für Projekte, die zur Waldzerstörung führen. 

Fördern Sie das OroVerde-Projekt "Insel der Paradiesvögel" auf West-Papua, Indonesien. Mehr zum Regenwaldschutzprojekt erfahren Sie hier.

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