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21.11.2017

Außer Spesen nichts gewesen?! Das Fazit zur 23. Klimakonferenz

Auf der COP23 in Bonn wurden zwar keine historischen Beschlüsse gefasst, wichtig war die Konferenz trotzdem. Denn hier wurden erste wichtige Schritte in Richtung eines Regelwerks für die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens von 2015 getan. Dieses Regelwerk soll nächstes Jahr auf der COP24 in Polen verabschiedet werden. Unser Fazit: Die Schritte hätten größer sein müssen und das Thema Wälder fehlte fast komplett.

COP23 - Fazit zur Weltklimakonferenz

Auch bei der COP23 gab es rund um die Verhandlungen und Side-Events wieder ein Rahmenprogramm für interessiere Bürger

Insgesamt fehlte der 23. Weltklimakonferenz die nötige Dynamik, bemängelten viele Teilnehmer.
Vor allem fehlte von Seiten der Industrienationen die Bereitschaft für den bereits verursachten Klimawandel auch Verantwortung zu übernehmen, denn die so dringenden konkreten Finanzierungszusagen für bereits entstandene Verluste und Schäden („Loss and Damage“) blieben aus. Deutschland verpasste auch die Chance, sich mit über 20 Nationen weltweit zum Kohleausstieg zu verpflichten – und hat damit seinen internationalen Ruf als Klimaschutz-Vorreiter erst einmal ruiniert.  

Und was ist mit dem Regenwald?

Die Wälder waren in Bonn vor allem in den parallel stattfindenden Vorträgen und Diskussionsrunden Thema. Mit Wissenschaftlern, Nichtregierungsorganisationen, Regierungsvertretern, u.a. wurden verschiedene Möglichkeiten und Methoden diskutiert, die gleichzeitig den Wald und seine Biodiversität schützen, dem Klimawandel und seinen Folgen entgegenwirken und der lokalen Bevölkerung helfen. Auch OroVerde nutze diese wichtige Plattform: Rudy Bautista Vetreter der Defensores de la Naturaleza aus Guatemala und Vertreter der indigenen Gemeinde von Sarayaku aus Ecuador waren angereist, um ihre Erfahrungen mit der Weltgemeinschaft zu teilen.

Spannend bleibt die Frage, in wie weit die Wälder im Regelwerk des Pariser Klimaabkommens berücksichtigt werden. OroVerde wird weiterhin seine ganz konkreten Erfahrungen zu Klimaschutz und Klimaanpassung mit Hilfe der Tropenwälder in die Diskussionen einbringen.  

Das kam zu kurz:

  • Die Rolle der Wälder im Klimawandel war in diesem Jahr kein Fokus der Verhandlungen. Es wird allerdings durch die Reihen anerkannt, dass sie Teil der Lösung sind. Eine brennende Frage ist weiterhin, ob die Wälder als Ausweichmöglichkeit für verpflichtende Emissionsreduktionen dienen sollen. OroVerde spricht sich klar gegen diese Option aus, denn nur, wenn sowohl bei der Nutzung fossiler Energieträger drastisch Einsparungen vorgenommen werden als auch die Wälder geschützt und regeneriert werden, können wir das gesetzte 2°C Ziel überhaupt erreichen.
    Mehr dazu in unserem Positionspapier zum Klimaschutzinstrument REDD+.

  • Das Pariser Klimaabkommen gilt ab 2020. Aber es muss schon jetzt, vor 2020, einiges passieren, damit wir den Kampf gegen den Klimawandel nicht verlieren. Für solche Maßnahmen haben sich die Industrienationen theoretisch auch verpflichtet. Die Frage nach den Aktionen der Staaten vor 2020 wurde erst auf Druck der Entwicklungsländer überhaupt erst in die Verhandlungen und den abschließenden Text aufgenommen werden. Nun soll eine Bestandsaufnahme der Maßnahmen erfolgen und der Druck auf die Staaten erhöht werden.

Das ist enttäuschend:

  • Über 20 Staaten und weiteren subnationalen Akteuren haben sich unter der Führung von Kanada und Großbritannien zur „Powering Past Coal Alliance“ zusammengeschlossen. Die Mitglieder wollen aus der Kohlenutzung aussteigen, die Industrienationen bis 2030 und alle anderen Länder bis 2050. Deutschland ist der Allianz nicht beigetreten.

  • Das Ziel ist weiterhin, dass die Industrienationen ab 2020 jährlich 100 Mrd. US-Dollar für Klimaschutz und Anpassung in Entwicklungsländern bereitstellen. Die Forderung nach mehr Transparenz und Planbarkeit der Geldflüsse lehnten die Industrienationen ab. Wie verbindlich sind diese Zusagen wirklich?

  • Der Klimawandel findet bereits heute statt, zum Teil mit verheerenden Auswirkungen. Nicht mehr zu verhindernde oder schon eingetretene Schäden und Verluste durch den Klimawandel werden als „Loss and Damage“ (Verlust und Schaden) bezeichnet. Die Frage ist, wer hierfür bezahlt. Während es bereits Fonds und Finanzflüsse zum Klimaschutz und Klimaanpassung in Entwicklungsländern gibt, ist dies bei „Loss and Damage“ in Entwicklungsländern noch nicht der Fall. Die größte Befürchtung der Industrienationen ist es wohl, dass sie in Zukunft z.B. für Ernteausfälle nach Dürren oder Zerstörungen durch Stürme finanziell haftbar gemacht werden könnten. Vor allem für die kleinen Inselstaaten, die bereits jetzt die Folgen des Klimawandels deutlich zu spüren bekommen, ist es eine herbe Enttäuschung, dass es kaum Fortschritte bei der Finanzierung von „Loss and Damage“ während der COP23 gab.

Das gibt Hoffnung:

  • Tausende gingen in Bonn für mehr Klimaschutz und den Kohle-Ausstieg auf die Straße. 

  • Syrien kündigt die Unterzeichnung des Pariser Klimaabkommens an. Damit sind die USA das einzige Land, das das Abkommen nicht unterstützen will – laut der offiziellen Trump-Delegation. Denn ein Zusammenschluss von einigen Bundesstaaten, Bürgermeistern, Unternehmen, Universitäten und vielen weiteren Akteuren aus den USA stellte unter dem Slogan „We are still in“ (Wir sind weiterhin dabei) ihre ganz konkreten Pläne zum Kampf gegen den Klimawandel vor und machten damit deutlich, dass sie sich weiter als Teil des Pariser Klimaabkommens sehen.

  • Zum ersten Mal seit Jahren schwieriger Verhandlungen zum Thema Landwirtschaft konnten sich Entwicklungsländer und Industrienationen auf ein gemeinsames Arbeitsprogramm einigen. Es erkennt damit vor allem die Folgen des Klimawandels auf die Landwirtschaft an und will sich verstärkt mit Themen wie Bodenfruchtbarkeit, Ernährungssicherung und nachhaltigen Bewirtschaftung auseinandersetzen. 

  • Deutschland hat noch auf der Klimakonferenz die zweite Phase des Kyoto-Protokolls unterzeichnet, den bis 2020 geltenden Klimavertrag, und sagt 50 Mio. US$ für den Fond zur Finanzierung von Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel zu. 

OroVerde wird auch bei der kommenden Weltklimakonferenz in Polen wieder vor Ort sein, um das Thema "Regenwaldschutz ist Klimaschutz!" weiter in den Fokus zu rücken.

 

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