Sie müssen spontan eine Vertretungsstunde übernehmen und suchen ein Thema, das alle Schüler sofort packt? Mit unserer Unterrichtseinheit „Dilemmata lösen lernen“ fördern Sie kritisches Denken und Diskussionsfreude, ganz ohne Fachkenntnisse oder lange Vorbereitungszeit.
Ob Klimakrise, Konsum oder Zivilcourage – dieses Material ist sofort einsetzbar für die Klassenstufen 5 bis 10. In nur 45 Minuten führen Sie eine spannende Dilemma-Diskussion, die moralische Urteilsfähigkeit und Empathie trainiert.
Die Welt aktiv mitgestalten – das ist ein wichtiges Anliegen von Kindern und Jugendlichen. Sie stehen dabei oft vor Dilemmata-Entscheidungen und inneren Konflikten: Das Klima schützen und dafür das eigene Verhalten ändern? Die Stimme gegen Ungerechtigkeit oder Mobbing erheben, auch wenn das eigene Ansehen dann leiden könnte? Diese Unterrichtseinheit liefert Impulse für eine Dilemma-Diskussion und fördert kritisches Denken, Wertebewusstsein und Argumentationsfähigkeit.
Sowie die Fähigkeit, verantwortlich zu handeln.
Fach: Ethik, Geografie, Biologie, Religion, Politik, Sozialkunde, Arbeitslehre, Sachkunde
Jahrgangsstufe: Grundschule + Sek. 1
Dauer: Einzelstunde (45 Minuten)
Voraussetzungen und Materialien
Für die Durchführung sind keine speziellen Vorkenntnisse der Lehrkraft erforderlich. Alle relevanten Informationen sowie Schritt-für-Schritt-Anleitungen befinden sich in dieser Anleitung.
Ablauf der Unterrichtsstunde
Komplette Unterrichtseinheit
PDF | 120 KB
Einstieg im Plenum
Erklären Sie Ihren Schüler*innen was ein Dilemma ist. Das könnte Ihr Text sein: „Alle Menschen kennen das Gefühl, zwischen zwei Stühlen zu sitzen, weil sie sich nicht entscheiden können. Wenn du zum Beispiel auf zwei Geburtstagspartys eingeladen bist, aber sie sind zur gleichen Zeit. Egal, welche Party du besuchst, du verpasst die andere, und vielleicht ist jemand dann enttäuscht. Solche Situationen nennt man ein Dilemma. Ein Dilemma bedeutet, dass du zwei Möglichkeiten hast, aber keine davon ist richtig gut.
Jetzt geht es darum, den Umgang mit Dilemmata zu üben. Dazu bilden Sie am besten Kleingruppen und lassen die Kinder zunächst das Dilemma anhand von ein oder zwei der
folgenden Fragen diskutieren. Beispiele für Dilemmata finden Sie bei den Zusatzmaterialien weiter unten im Dokument. Welche Optionen gibt es? Welche Konsequenzen hat jede Option (für dich, für andere Menschen, für die Natur)? Welche Werte stehen hinter deinen Entscheidungen? Welche Entscheidung ist fair, ehrlich und mutig? Welche Handlung bringt den größten Nutzen oder den größten Schaden (hier lassen sich globale Perspektiven gut einbringen)?
Abschluss in Kleingruppen/Plenum
Aufbauend darauf, trifft jedes Kind, oder jede Gruppe eine Entscheidung für eine Option und erklärt ihre Wahl. Gemeinsam im Plenum gehen Sie im Anschluss nochmals mit
folgenden Fragen ins Gespräch:
Gab es eine „richtige“ oder „falsche“ Lösung? War die Entscheidung schwer? Warum? Würde jemand seine Meinung ändern, wenn er die
Perspektive eines anderen einnimmt?
So schließen sie diese kurze Einheit mit ein paar Gedanken: „Jeder Mensch kennt Dilemma-Situationen. Heute habt ihr erlebt, dass man einem Dilemma mit Kreativität begegnen
kann – und dass ein Gespräch mit anderen Menschen dabei hilft, sich seiner Werte bewusst zu werden. Spannend ist dabei vor allem, dass es keine eindeutigen richtigen oder falschen Antworten gibt. Vielmehr geht es darum, zu erkennen, welche Werte in einer Entscheidung stecken und wie weit man für welchen Wert gehen würde. Mit kreativen Lösungsansätzen und im Austausch mit anderen lernen die Kinder nicht nur, unterschiedliche Perspektiven zu verstehen, sondern auch, sich ihrer eigenen Haltung bewusster zu werden – und genau das macht diese Übungen so wertvoll und lebendig.“
Didaktische Einordnung der Stunde
Klimakrise, Konsum, Konflikte – unsere Welt steckt voller Dilemmata. Entscheidungen sind komplex. Um so wichtiger früh zu lernen, mit Wertekonflikten umzugehen.
Lebensweltbezug
Dilemmata sind keine Theorie – sie sind Alltag. Ob beim Einkauf, im Klassenzimmer oder in globalen Umwelt- und Gerechtigkeitsfragen: Wer Werte abwägen kann, trifft bessere Entscheidungen. Nutzen Sie diese Alltagserfahrung als Einstiegspunkt für Ihren Unterricht: Nutzen Sie die Dinge, die Ihre Schüler*innen in der Schule oder privat beschäftigen, und bieten Sie damit ein Training am „lebenden“ Beispiel an.
Geförderte Kompetenzen und Lernziele
Die Kinder und Jugendlichen
- trainieren ihre moralische Urteilsfähigkeit,
- stärken ihre Diskussions- und Argumentationskompetenz,
- lernen Empathie und Perspektivwechsel,
- entwickeln ein Verständnis für komplexe Entscheidungen.
Hintergrundinformation zum Thema
Was ist ein Dilemma?
Ein Dilemma ist eine Entscheidungssituation, in der man zwischen zwei (oder mehr) gleichwertig problematischen Optionen wählen muss. Jede Wahl hat moralische oder praktische Nachteile – es gibt keine perfekte Lösung. Hierzu gibt es ein klassisches Gedankenexperiment, das Trolley-Dilemma: Ein Zug rast auf fünf Menschen zu, die an ein Gleis gefesselt sind. Du stehst an einer Weiche und kannst den Zug auf ein anderes Gleis umleiten – dort liegt jedoch eine einzelne Person. Was tust du?Dieses Dilemma stellt die Frage: Ist es moralisch vertretbar, einen Menschen zu opfern, um fünf zu retten?
Was ist ein Wertekonflikt?
Ein Wertekonflikt entsteht, wenn zwei oder mehr moralische Prinzipien oder persönliche Überzeugungen miteinander in Konflikt geraten. Beispiele aus dem Bereich Essen und Ernährung:
- Tierwohl vs. Genuss: Eine Person liebt Fleisch, möchte aber keine Tiere töten.
- Nachhaltigkeit vs. Bequemlichkeit: Regional und saisonal einkaufen ist umweltfreundlich, aber aufwendiger als der Supermarkteinkauf.
- Gesundheit vs. soziale Normen: In einer Gruppe wird Fast Food gegessen, obwohl jemand sich gesünder ernähren möchte.
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Sarah Wylegalla
Referentin
Bildung für nachhaltige Entwicklung
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