Regenwälder, Moore, Berge oder Küsten: Überall gibt es Gebiete, die unter besonderem Schutz stehen. Hier hat die Natur Vorrang und Besucher*innen müssen sich an die Regeln der Schutzgebiete halten.
Schutzgebiete sind Rückzugsorte der Natur – und zugleich Orte, die uns berühren. Sie zeigen, wie lebendig und vielfältig Natur sein kann, und geben seltenen Arten und Landschaften eine Zukunft. Gleichzeitig bieten sie unvergessliche Naturerlebnisse und sind wertvolle Orte für Erholung. Wer sie besucht, spürt, warum Naturerlebnisse kostbar sind und wie wertvoll ihr Schutz ist.
Was sind Schutzgebiete?
Ein Schutzgebiet ist ein genau festgelegter Ort in der Natur. Dort gelten besondere Regeln, damit Tiere, Pflanzen, Böden und Gewässer langfristig erhalten bleiben. Auch wir Menschen profitieren davon, denn Schutzgebiete sichern wichtige Lebensgrundlagen wie sauberes Wasser und frische Luft. Sie bewahren außerdem Orte, die für bestimmte Gruppen eine besondere kulturelle Bedeutung haben. Schutzgebiete gibt es in vielen Formen und mit ganz unterschiedlichen Regeln. Manche sollen vollkommen unberührte Natur bewahren, andere verbinden Naturschutz mit sanfter Nutzung durch den Menschen. Nationalparks, Naturparks, Biosphärenreservate oder Landschaftsschutzgebiete sind alles Beispiele für unterschiedliche Schutzgebiete, die in vielen Ländern existieren. Neben nationalen Schutzgebieten gibt es auch länderübergreifende Systeme wie Natura 2000 in Europa oder das internationale Ramsar-Abkommen für den Schutz von Feuchtgebieten.
Warum sind Schutzgebiete wichtig?
Viele Tier- und Pflanzenarten sind heute bedroht. Der Grund: Ihre Lebensräume verschwinden oder werden stark verändert. Wälder werden abgeholzt, Böden überdüngt, Flüsse verschmutzt oder Lebensräume durch Straßen zerschnitten. Auch fremde, invasive Arten, die sich unkontrolliert ausbreiten, gefährden heimische Tiere und Pflanzen. Dazu kommt der Klimawandel, der ganze Ökosysteme aus dem Gleichgewicht bringt. Forschende rechnen damit, dass allein in Deutschland bis zum Jahr 2050 jede dritte Art aussterben könnte. Damit verlieren wir nicht nur Tier- und Pflanzenarten, sondern auch die Funktionen, die die Natur für uns erfüllt. In der Fachsprache nennt man das Ökosystemdienstleistungen. Wälder speichern zum Beispiel CO₂, Böden reinigen Wasser, und Insekten bestäuben Pflanzen. Wenn Arten sterben, verlieren wir also nicht nur Vielfalt in der Natur, sondern auch Grundlagen für unsere Gesundheit, unsere Ernährung und unsere Lebensqualität. Deshalb sind Schutzgebiete so wichtig: Sie bewahren die letzten naturnahen Räume, vernetzen wichtige Lebensräume miteinander und helfen dabei, den Artenverlust zu stoppen.
Nationalparks, Naturparks, Biosphärenreservate - Was steht hinter den Begriffen?
Für Schutzgebiete gibt es viele verschiedene Begriffe: Nationalpark, Naturpark, Biosphärenreservat oder Landschaftsschutzgebiet. Das hört sich alles sehr ähnlich an, doch hinter jedem Begriff steckt ein anderes Maß an Schutz. Die Unterschiede liegen nicht nur zwischen den einzelnen Schutzgebiet Kategorien, sondern auch zwischen Ländern. Ein „Nationalpark“ steht in Deutschland meist für streng geschützte Natur, während er in Großbritannien auch Dörfer, Straßen und landwirtschaftlich genutzte Flächen umfasst.
Das liegt daran, dass jedes Land eigene Naturschutzgesetze und Bezeichnungen entwickelt hat, schon lange bevor es ein einheitliches System gab. Erst 1978 führte die internationale Naturschutzorganisation IUCN ein weltweites Klassifizierungssystem ein. Es sollte Ordnung schaffen und Gebiete nicht nach dem Namen, sondern nach ihrem Schutzziel: von streng geschützter Wildnis (Kategorie I) bis zu Gebieten, in denen eine nachhaltige Nutzung erlaubt ist, solange sie dem Schutzgedanken nicht widerspricht (Kategorie VI). Zu den Zielen gehören zum Beispiel der Schutz der Wildnis, die Erhaltung bedrohter Arten, Forschung, Bildung oder eine nachhaltige Nutzung von natürlichen Ressourcen. Auch der Erhalt von kulturellen oder traditionellen Besonderheiten kann ein Ziel sein. Dieses System hilft dabei, Schutzgebiete besser zu planen, Informationen zu sammeln und klare Regeln für den Umgang mit der Natur aufzustellen. Das System gilt weltweit, ist aber flexibel auf nationale Gegebenheiten anpassbar. Deshalb behalten Staaten weiterhin ihre eigenen Namen für Schutzgebiete. Die Kategorien helfen aber, international vergleichbar zu machen, wie stark Natur geschützt ist, egal, wie das Gebiet heißt.
Klassifizierung von Schutzgebieten nach IUCN seit 1978
In dieser Schutzkategorie steht der Schutz der Natur an erster Stelle. Die Gebiete sind besonders wertvoll, weil sie fast vollständig von natürlichen Prozessen geformt wurden, ohne Einfluss des Menschen. Dort leben oft seltene Tiere und Pflanzen, oder es gibt besondere Felsformen und Böden, die erhalten bleiben sollen. Menschen dürfen diese Gebiete meist nicht betreten. Nur Forschung oder genaue Beobachtungen der Natur sind erlaubt und auch das nur mit Genehmigung. Wer dort unterwegs ist, darf nichts verändern, stören oder mitnehmen. Das wissenschaftliche Reservat Las Neblinas in der Dominikanischen Republik ist ein Beispiel für Schutzgebiet dieser Kategorie: Der Nebelwald wird streng geschützt und sich weitgehend selbst überlassen. Forschung unter klaren Regeln ist dort erlaubt. In Deutschland gibt es jedoch kein einziges Schutzgebiet der Kategorie Ia.
Diese Gebiete gehören – wie die Kategorie Ia – zur strengsten Schutzstufe. Wildnisgebiete sind große, möglichst unberührte Landschaften. Dort hat sich die Natur über viele Jahre fast ohne Einfluss durch den Menschen entwickelt. Es gibt keine Straßen, keine Dörfer und keine dauerhaften Siedlungen. Ziel ist es, diese Ursprünglichkeit zu bewahren. Die Gebiete dürfen nur sehr eingeschränkt betreten werden, zum Beispiel für Forschung oder in Ausnahmefällen für naturverträglichen Tourismus. Auch hier gilt: Alles, was die Natur stark verändert, ist verboten. Zu dieser Kategorie gehören viele Vulkankrater in Guatemala, darunter zum Beispiel der Volcán Tecuamburro.
Große Wildnisgebiete fehlen in Europa völlig. Man findet derartige Gebiet nur in den Teilen Europas, die kaum für irgendeine Art von Nutzung geeignet und daher unbewohnt geblieben sind.
Nationalparks sind große, weitgehend unzerschnittene Landschaften, in denen die Natur möglichst frei ablaufen soll. Dort schützen wir Tiere, Pflanzen und ganze Ökosysteme, damit sie sich ohne menschliche Eingriffe entwickeln können. Ein Großteil des Gebiets bleibt dauerhaft sich selbst überlassen. Trotzdem dürfen Menschen die Nationalparks betreten, zum Beispiel auf Wanderwegen, bei Führungen oder in Umweltbildungszentren. Wichtig ist: Wer dort wandert, Tiere beobachtet oder einfach die Stille genießt, soll dabei Rücksicht auf die Natur nehmen. In Nationalparks ist alles, was die Natur stören oder verändern könnte, verboten. Das heißt zum Beispiel: keine Forstwirtschaft, keine Landwirtschaft und kein Bau neuer Straßen. Mindestens 75 Prozent der Fläche müssen dauerhaft der Natur überlassen werden. Erst dann gilt ein Gebiet offiziell als Nationalpark. In Deutschland erreichen das bisher nur vier Parks. Die meisten gelten als Entwicklungsnationalparks und sollen dieses Ziel innerhalb von 30 Jahren nach ihrer Gründung erreichen.
In vielen Ländern wird außerdem darauf geachtet, dass die Bedürfnisse der einheimischen Bevölkerung berücksichtigt werden. Wenn Menschen dort schon lange leben und natürliche Ressourcen wie etwa Holz, Wasser oder Wildpflanzen nutzen kann das erlaubt bleiben, solange es dem Schutz der Natur nicht schadet.
Ein Beispiel ist der Alexander-von-Humboldt-Nationalpark in Kuba. Dort findet man noch dichten ursprünglichen Regenwald, der rund 2000 Tier und Pflanzenarten beherbergt, von denen 70 Prozent nur dort vorkommen.
Naturmonumente schützen besondere Naturerscheinungen, die oft eine geschichtliche oder kulturelle Bedeutung haben. Das sind zum Beispiel Unterwasserhöhlen, alte Baumgruppen oder geologische Besonderheiten. In Deutschland gibt es diese Schutzkategorie seit 2009. Sie orientiert sich an der IUCN-Kategorie III und wird als „Nationales Naturmonument“ bezeichnet. Solche Gebiete stehen unter strengem Schutz: Die Natur darf dort nicht verändert werden. Anders als Naturdenkmäler, die meist nur einzelne Objekte schützen, umfassen Naturmonumente ganze Landschaftsausschnitte. Sie sind kleiner als Nationalparks, aber größer als klassische Naturdenkmäler. Oft haben sie auch eine besondere geschichtliche oder kulturelle Bedeutung. Ihr Schutz erinnert uns daran, sorgsam mit unserem Natur- und Kulturerbe umzugehen. Das Betreten ist meist auf markierten Wegen oder mit Führungen erlaubt. Wer ein Naturmonument besucht, soll es achten, nichts beschädigen und keine Spuren hinterlassen. Ein bekanntes Beispiel ist das erste Nationale Naturmonument Deutschlands: Die Ivenacker Eichen in Mecklenburg-Vorpommern. In diesem historischen Wald stehen Eichen, die bis zu 1000 Jahre alt sind, darunter die volumenreichste Eiche Europas.
In diesen Schutzgebieten greift der Mensch gezielt ein, um bedrohte Lebensräume oder bestimmte Tier- und Pflanzenarten zu schützen. Das kann zum Beispiel heißen: Wälder werden gepflegt, Gewässer renaturiert oder Brutplätze vor Störungen geschützt. Ohne solche Maßnahmen könnten viele Arten ihren Lebensraum verlieren. Die Größe dieser Gebiete richtet sich nach dem, was die geschützten Arten brauchen. Manche Gebiete sind klein, andere sehr groß. In Europa gehören viele kleinere Flächen, die Teil größerer Schutzgebiete sind, zu dieser Kategorie, auch wenn sie nicht immer offiziell so genannt werden.
Diese Schutzgebiete bewahren Kulturlandschaften, die durch das Zusammenspiel von Menschen und Natur entstanden sind, etwa durch traditionelle Landwirtschaft, Fischerei oder alte Bauweisen. Solche Landschaften haben einen besonderen ökologischen, kulturellen oder landschaftlichen Wert. Ihr Schutz gelingt nur, wenn die Nutzung fortgeführt wird. In Deutschland zählen Naturparks, Landschaftsschutzgebiete und zum Teil Biosphärenreservate zu dieser Kategorie. Auch viele europäische Regionalparks gehören dazu, wie etwa die britischen Nationalparks. Sie verbinden Naturschutz mit sanftem Tourismus, Bildung und regionaler Wirtschaft. Besucher*innen dürfen die Gebiete meist frei betreten, wandern, Tiere beobachten oder regionale Produkte genießen. Wichtig ist, dass alles im Einklang mit der Natur geschieht. Große Eingriffe, Massentourismus oder industrielle Nutzung sind nicht erlaubt.
Diese Schutzgebiete verbinden den Erhalt der Natur mit einer nachhaltigen Nutzung. Ziel ist es, natürliche Ökosysteme (Wälder, Gewässer, Grasländer oder Meeresgebiete) zu bewahren und gleichzeitig bestimmte Ressourcen verantwortungsvoll zu nutzen. Das kann zum Beispiel Holz aus dem Wald, Fisch aus dem Meer oder Heilpflanzen aus naturnahen Wiesen sein. Wichtig ist dabei: Die Nutzung darf der Natur nicht schaden und muss langfristig tragbar sein.
Mindestens zwei Drittel der Fläche müssen in einem weitgehend natürlichen Zustand sein. Auf einem kleineren Teil sind auch traditionelle Nutzungsformen erlaubt wie etwa extensiver Ackerbau oder Weidewirtschaft. Industrielle Großnutzung ist ausgeschlossen.
Das Hammastunturi Naturreservat in Nordfinnland ist eines der wenigen Schutzgebiete in Europa, das offiziell als Kategorie VI ausgewiesen ist. Besucher können das Gebiet frei betreten und auf Wanderwegen oder Lehrpfaden erkunden. In diesem Gebiet sind teilweise Jagd, Fischfang, Weidewirtschaft und Goldwaschen erlaubt. In einer Zone ist auch naturverträgliche Forstwirtschaft zugelassen.
Wie sind Schutzgebiete aufgebaut?
Ein Schutzgebiet besteht meist aus mehreren Zonen mit unterschiedlichen Regeln. In der Kernschutzzone steht der Schutz von Natur und Artenvielfalt an erster Stelle. Hier soll die Natur sich ohne menschlichen Eingriff entwickeln. Um dieses Gebiet herum liegen meist Pufferzonen. Sie bilden einen Übergangsraum, in dem eine schonende Nutzung erlaubt ist, zum Beispiel durch Waldgärten, Sammeln von Früchten oder nachhaltige Forstwirtschaft.
Pufferzonen haben zwei wichtige Funktionen. Sie schützen das Kerngebiet vor Eingriffen wie Abholzung, Brandrodung oder Pestizideinsatz aus der Umgebung. Gleichzeitig sind sie eine wichtige Lebensgrundlage für die lokale Bevölkerung. Viele Gemeinden sind auf die Ressourcen des Waldes angewiesen. Wenn sie in den Pufferzonen nachhaltig wirtschaften können, müssen sie keine Produkte mehr aus dem eigentlichen Schutzgebiet entnehmen. Gleichzeitig profitieren Waldgärten von den Schutzgebieten. Viele Tiere aus den Schutzgebieten unterstützen direkt die Bewirtschaftung dieser Flächen: Vögel fressen Schädlinge, Insekten und Fledermäuse bestäuben Kulturpflanzen. Besonders Durianbäume (Durio zibethinus) sind auf Fledermäuse wie Eonycteris spelaea angewiesen, die ihre Blüten bestäuben. Wenn die Durians nicht blühen, suchen die Fledermäuse Nahrung in den umliegenden Schutzgebieten. Gehen diese Lebensräume verloren, verlieren die Tiere ihre Nahrungsquelle, und die Waldgärten ihre natürlichen Bestäuber.
Biosphärenreservate
Biosphärenreservate sind große Schutzgebiete, in denen Natur erhalten und gleichzeitig nachhaltig genutzt werden soll. Ziel ist es, zu zeigen, wie Mensch und Natur in Einklang leben können. In Deutschland gelten spezielle Regeln, die auf den Vorgaben der UNESCO basieren. Damit der Schutz funktioniert, ist das Gebiet in drei Zonen unterteilt:
Die Kernzone steht vollständig unter Schutz. Dort darf der Mensch nicht eingreifen. Diese Zone soll sich von allein entwickeln und muss mindestens 3 Prozent der Gesamtfläche ausmachen.
Die Pflegezone liegt rund um die Kernzone. Hier sind nur solche Nutzungen erlaubt, die die Natur nicht stören, zum Beispiel schonende Landwirtschaft oder Forschung.
In der Entwicklungszone leben und arbeiten Menschen. Hier wird ausprobiert, wie sich Ressourcen wie Holz, Wasser oder Boden nachhaltig nutzen lassen, ohne die Umwelt zu belasten.
Ein ganzheitlicher Ansatz: Natura 2000
Vielleicht hast du schon einmal eine Brücke über der Autobahn gesehen, die nicht für Autos, sondern für Tiere gebaut wurde. Solche Grünbrücken verbinden Lebensräume, die sonst durch Straßen zerschnitten wären. Ohne sie könnten viele Tiere nicht mehr wandern. Dabei ist genau das überlebenswichtig! Nur wenn sich Tiere zwischen verschiedenen Gebieten bewegen können, bleiben ihre Bestände stabil und der genetische Austausch gesichert.
Genau dieses Prinzip verfolgt Natura 2000 – nur in einem großen Maßstab. Denn: Natur braucht Verbund. Einzelne Schutzflächen reichen nicht aus. Sie müssen miteinander verbunden sein, damit Tiere und Pflanzen langfristig überleben. Natura 2000 ist das größte Netzwerk von Schutzgebieten in Europa. Grundlage sind die Vogelschutzrichtlinie (VS) von 1979 und die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) von 1992. Beide Richtlinien haben das Ziel, die biologische Vielfalt in Europa langfristig zu erhalten. Heute gehören mehr als 27000 Gebiete dazu.
Besonders an Natura 2000 ist, dass es Naturschutz und nachhaltige Nutzung verbindet. Landwirtschaft, Forstwirtschaft oder Fischerei sind möglich, solange sie die Natur nicht schädigen. Rund ein Drittel der deutschen Natura-2000-Flächen liegt sogar in Naturparken. Darum lassen sich viele Natura-2000-Gebiete der IUCN-Kategorie VI zuordnen. In dieser Form gibt es ein solches Schutzgebietsnetz bisher nur in Europa.
Feuchtgebiete unter internationalem Schutz: Das Ramsar-Abkommen
Moore, Seen oder Wattflächen wirken auf den ersten Blick oft still und unbelebt. In Wahrheit sind sie hochkomplexe Ökosysteme: Sie filtern Wasser, speichern riesige Mengen CO₂ und bieten Lebensraum für unzählige Tier- und Pflanzenarten. Damit diese Gebiete nicht verschwinden, wurde 1971 im iranischen Ort Ramsar ein internationales Abkommen geschlossen. Heute beteiligen sich über 170 Staaten daran. Zusammen haben sie fast 2.000 Feuchtgebiete mit einer Fläche von mehr als 185 Millionen Hektar in die sogenannte Ramsar-Liste aufgenommen.
Nach der Ramsar-Konvention gelten als Feuchtgebiete alle Gebiete, die vom Wasser geprägt sind, egal ob natürlich oder künstlich, dauerhaft oder nur zeitweise überflutet. Dazu gehören Moore, Sümpfe, Auen, Seen, Flüsse, Mangroven, Salzmarschen oder Wattflächen. Sogar Flachwasserzonen im Meer zählen dazu, solange sie bei Ebbe nicht tiefer als sechs Meter sind.
Die Mitgliedsstaaten verpflichten sich, mindestens ein international bedeutsames Feuchtgebiet auszuweisen und zu schützen. Außerdem müssen sie dafür sorgen, dass die Nutzung solcher Gebiete nachhaltig bleibt, sodass die Natur langfristig keinen Schaden nimmt. Typische Beispiele sind sanfter Tourismus, naturverträgliche Fischerei oder Weidewirtschaft.
Ein wichtiger Gedanke des Abkommens ist die „wise use“-Strategie, also die „wohlausgewogene Nutzung“. Feuchtgebiete sollen erhalten bleiben, aber gleichzeitig dürfen Menschen sie verantwortungsvoll nutzen. Dazu gehört auch, dass Länder zusammenarbeiten, wenn Feuchtgebiete grenzüberschreitend sind oder wichtige Zugvögel mehrere Länder durchqueren.
Schutzgebiete weltweit – wo stehen wir?
Wälder, Meere, Flüsse oder Gebirge: Überall auf der Welt gibt es heute Schutzgebiete. Insgesamt sind es rund 300.000 Gebiete, die zusammen rund 54 Millionen Quadratkilometer abdecken. Das entspricht etwa 7-mal der Fläche Australiens.
Auf der UN-Weltnaturkonferenz 2022 in Montréal hat die internationale Staatengemeinschaft sich vorgenommen, bis 2030 mindestens 30 Prozent von Land und Meer wirksam zu schützen. Damit das gelingt, müssen weltweit noch viele Millionen Quadratkilometer zusätzlich unter Schutz gestellt werden. Derzeit sind 17,6 Prozent der Landflächen und Binnengewässer geschützt sowie 8,4 Prozent der Meeres- und Küstengebiete.
39 Prozent der tropischen Urwälder und rund 37 Prozent der weltweit noch unberührten Waldlandschaften liegen heute schon in Schutzgebieten. Diese Wälder sind besonders wichtig, weil sie sehr viel Kohlenstoff speichern und damit das Klima schützen.
Das Ziel „30 by 30“ klingt eindeutig – wissenschaftlich betrachtet reicht es aber nicht aus. Forschende wie Allan et al. haben 2022 in einer Studie gezeigt, dass mindestens 44 Prozent der Landfläche ökologisch intakt bleiben müssen, um massive Verluste der Artenvielfalt zu verhindern. Auch die Vernetzung spielt eine zentrale Rolle: Laut Brennan et al. sind viele der wichtigsten Wanderkorridore zwischen Schutzgebieten durch Landwirtschaft und andere Nutzungen bedroht. Modelle zeigen, dass bis 2030 rund 1,3 Millionen Quadratkilometer solcher Flächen verloren gehen könnten. Deshalb kommt es nicht nur darauf an, mehr Gebiete unter Schutz zu stellen. Entscheidend ist auch, dass diese Gebiete ökologisch wirksam sind, gut verbunden bleiben und im Einklang mit den Menschen vor Ort bewirtschaftet werden.
Naturschutz braucht lokale Gemeinschaften
Natur kann auch erfolgreich bewahrt werden, ohne dass das Gebiet als offizielles Schutzgebiet deklariert wird. Das zeigen indigene Völker und lokale Gemeinschaften. Diese schützen seit Jahrhunderten ihre Lebensräume. Mit ihrem Wissen und ihren Traditionen bewahren sie Tiere, Pflanzen und wichtige Ökosysteme. Das Belegen auch Studien. Dort, wo indigene Völker und lokale Gemeinschaften Landrechte haben und selbst über ihre Gebiete bestimmen, ist die Natur oft in einem besseren Zustand. Der Waldverlust ist in diesen Regionen weltweit deutlich geringer als in vielen staatlichen Schutzgebieten. Oft bekommen sie dafür aber kaum Anerkennung oder Rechte. Manchmal werden sie sogar durch Naturschutzprojekte bedroht. Ihre Lebensweisen werden kriminalisiert, weil Gesetze oft pauschal jede Nutzung verbieten. So gelten traditionelle Jäger plötzlich als Wilderer – obwohl die wahren Bedrohungen meist von Industrie, Bergbau oder Großfarmen ausgehen.
In Suriname, im Norden Südamerikas, befindet sich eins der größten Schutzgebiete des Kontinents. In dem 1,6 Millionen Hektar großen Naturreservat, findet man größtenteils unberührten Tieflandregenwald. Dort bedroht die illegale Goldgewinnung den Regenwald und die Gebiete der Kwinti-Gemeinden und vergiftet die Flüsse mit Quecksilber und Cyanid. Doch die Witagron und Kaaimanston stellen sich dem entgegen und setzen sich ein für den Schutz ihres Waldes, indem nachhaltige Einkommensmöglichkeiten und die notwendige Infrastruktur aufgebaut werden.
Damit Naturschutz gerecht und wirksam ist, brauchen diese Gemeinschaften sichere Rechte und Unterstützung, damit sie ihre Gebiete auch in Zukunft selbst verwalten können. Wichtig ist auch, dass Naturschutzprojekte mit der lokalen Bevölkerung dort zusammenarbeiten, ihre Perspektiven aufnehmen und Lösungskonzepte entwickeln, welche die Natur schützt und den Menschen eine Lebensgrundlage bietet.
Letztlich sind es die lokalen Gemeinschaften, die in der Lage sind, die Natur an vorderster Front zu schützen, und deshalb ist es von entscheidender Bedeutung, sie mit dem notwendigen Wissen und den erforderlichen Ressourcen auszustatten.
30 Jahre Schutz: Der Humboldt-Nationalpark in Kuba
Der Humboldt-Nationalpark in Kuba ist ein Paradies voller Arten, die es sonst nirgends gibt. Dort lebt die winzige Bienenelfe oder das Monte-Iberia-Fröschchen. Auch bedrohte Arten wie das Karibik-Manati oder die Kuba-Amazone finden hier noch einen Lebensraum. Gleichzeitig kämpfen die Menschen dort mit Armut, Dürren und den Auswirkungen des Klimawandels. Naturschutz und Alltag sind hier untrennbar miteinander verbunden.
OroVerde arbeitet hier gemeinsam mit den Gemeinden daran, den Regenwald zu erhalten und die Lebensgrundlagen der Menschen zu sichern. Mangrovenwälder werden geschützt und aufgeforstet, damit sie Küsten vor Sturmfluten sichern und neue Lebensräume für Meerestiere schaffen. Im Landesinneren werden Berghänge stabilisiert, Hecken gepflanzt und brachliegende Flächen wieder aufgeforstet. Landwirtschaftliche Flächen und Hausgärten werden an die neuen Klimabedingungen angepasst. So entsteht ein doppelter Gewinn: Artenvielfalt bleibt erhalten, und die Menschen können ihre Lebensgrundlagen sichern und sind besser vor den Folgen des Klimawandels geschützt.
Gleichzeitig setzt das Projekt auf nachhaltige und verlässliche Einkommensquellen für die dort lebenden Menschen. Denn ohne Alternativen bleibt ihnen oft nur die Rodung von Regenwald, mit fatalen Folgen für Natur und Artenvielfalt. Ein Schwerpunkt ist die Imkerei: Bienen bestäuben Haus- und Waldgärten und steigern so die Ernten. Gleichzeitig liefern sie Honig, Gelee Royal und Wachs, die verkauft werden können. OroVerde unterstützt die Gemeinden mit Bienenvölkern, Bienenstöcken, Schutzausrüstung und Schulungen. Im Nationalparkzentrum La Melba entsteht zudem eine moderne Erntestation mit Honigschleudern.
Ein zweiter Ansatz ist der Ökotourismus. Dabei geht es um sanften, zahlenmäßig begrenzten Tourismus, der die Natur nicht belastet. Geplant sind die Sanierung des Besucherzentrums in Bahía Taco und die Erstellung von Informationsmaterialien über bedrohte Arten. In Workshops entwickeln die Gemeinden eigene Tourismusangebote, die sowohl Gästen als auch der Natur zugutekommen.
Wie verhalte ich mich in Schutzgebieten?
Nicht jedes Schutzgebiet ist gleich geschützt. Manche Gebiete sollen sich ohne jeden menschlichen Einfluss entwickeln. Dort ist das Betreten streng verboten. Andere laden gezielt zu Naturerlebnissen ein, etwa in Naturparks oder Nationalparks.
Wie streng ein Schutzgebiet geregelt ist, hängt also von der Kategorie und den Managementzielen ab. Wer zum Beispiel Urlaub in einem Nationalpark plant, sollte sich vorher informieren, welche Freizeitaktivitäten dort erlaubt sind. Nicht überall ist es erlaubt, Mountainbike zu fahren oder Gleitschirmsprünge zu machen.
Informiere dich immer vor deinem Besuch auf der offiziellen Webseite oder vor Ort, was erlaubt ist und was nicht. Trotzdem gibt es ein paar einfache Grundregeln, die du überall beachten solltest, damit Pflanzen, Tiere und Lebensräume geschützt bleiben:
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Fotonachweis: Daniel Schwarz via Unsplash+ (Titelbild), Diego Parra - Pexels (Reiher), Pexels (Regenwald), Annie Spratt - Unsplash+ (Feuchtgebiet), Jonas Baumann - OroVerde (Monitoring im Wald), M. Santamaria - OroVerde (Humboldt-Nationalpark).
Hier geht es zu den Quellen dieser Seite. Letzte Überarbeitung 27.10.2025.
