Im Rahmen unseres Projektes „Genuss ohne Entwaldung“ wurde die App Sirio entwickelt, um kleinbäuerliche Kooperativen in Mexiko bei der Umsetzung der EUDR zu unterstützen. Seit dem Launch im Dezember 2025 hilft sie bereits 16 Kooperativen.
31. Juli 2026 | Lilli-Valerie Wynands
Laut EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) dürfen ab Ende 2026/Mitte 2027 nur noch Kakao und Kaffee in die EU importiert werden, für die kein Wald gerodet wurde. Die Last der Umsetzung ist für viele kleinbäuerliche Kooperativen aber schwer tragbar. Deswegen hilft die App Sirio dabei, Parzellen zu dokumentieren und auf Rodungen zu prüfen.
Transparenz durchs Dokumentieren
Sirio wurde von OroVerde mit Förderung des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit entwickelt. Mit Sirio ist es Kooperativen in Mexiko möglich, ihre landwirtschaftlichen Flächen abzulaufen und dabei digital zu erfassen. Die Daten werden dann mit Satellitenbildern verglichen, um den Flächentypen zu ermitteln und zu prüfen, ob in den letzten Jahren Rodungen stattgefunden haben.
Darüber hinaus schafft die App Transparenz zwischen Abnehmerfirmen, Kooperativen und Produzent*innen. Die strukturierte Dokumentation über die App unterstützt dabei, dass Ernten von EUDR-konformen Produzent*innen nicht mit anderen vermischt werden. Von spezialisierten Anwaltskanzleien entwickelte Fragebögen liefern ebenfalls weitere Informationen über den Anbau. Somit entsteht ein Wissensnetzwerk, das vom Feld bis zum Export Wirkung zeigen kann.
Wissen vor Ort stärken
Aktuell arbeiten unsere Partner daran, die Nutzung von Sirio zugänglicher zu gestalten. Dafür werden ein Handbuch und eine mehrwöchige Schulung entwickelt. Ziel ist es, Vertreter*innen der Kooperativen so auszubilden, dass sie ihr Wissen an andere Mitglieder weitergeben können. Dabei stehen wir mit Unternehmen aus Mexiko und Deutschland darüber im Austausch, wie das Schulungsangebot möglichst kostenfrei gestaltet werden könnte.
Herausforderungen bei Kakao-Produzent*innen
Die Erfolge fanden vor allem bei Kaffee-Kooperativen statt, denn die App ist für Einzelproduzent*innen nicht geeignet. Da es aber kaum Kakao-Kooperativen in Mexiko gibt, soll Sirio in Zukunft weiterentwickelt werden. So könnten Produzent*innen bei Nutzung der App in lockere Gruppen zusammengeschlossen werde, ohne dabei als Kooperative organisiert zu sein. Ebenfalls besteht die Möglichkeit, die App auch in Guatemala einzuführen. Dort bestehen bereits mehr Kakao-Kooperativen.
Auch die Verschiebung des EUDR-Startdatums hat seine Auswirkung auf die Nutzung der App. Viele bäuerliche Kooperativen zeigen sich skeptisch gegenüber der Verordnung. Deswegen zögern sie ihre Vorbereitungen hinaus. Aus diesem Grund arbeiten wir mit mexikanischen Verbänden und Institutionen, um mehr Mitglieder für Sirio zu gewinnen. Um unsere Pläne umsetzen zu können und unseren Eigenanteil zu decken, benötigen wir bis 2027 noch 115.460 Euro. Durch ihre Spende unterstützen sie unser Projekt, das Teil der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) der deutschen Bundesregierung ist. Innerhalb der Bundesregierung ist die IKI im Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) verankert.
Das Projekt "Genuss ohne Entwaldung" im Überblick
Nuup ist eine mexikanische Organisation, die sich entlang von drei Handlungsfeldern im Bereich der kleinbäuerlichen Landwirtschaft engagiert. Sie entwickelt nachhaltige landwirtschaftliche Modelle und bindet dabei auch die Akteure der nachgelagerten Lieferkette mit ein. Zudem entwickelt sie digitale Lösungen und Plattformen, um das Datenmanagement für Kooperativen zu vereinfachen und sie mit ihren Abnehmern digital zu vernetzen. So unterstützt sie Kleinbäuer*innen in Mexiko dabei, ihre Produktionspraktiken zu verbessern und stabile Handelspartnerschaften aufzubauen.
Pronatura Sur setzt sich für den Erhalt der Biodiversität und die Wiederherstellung von Ökosystemen im Süden Mexikos ein. Die Organisation fördert nachhaltiges Ressourcenmanagement und arbeitet eng mit lokalen Gemeinschaften zusammen, um umweltfreundliche Praktiken zu etablieren. Projekte zur Aufforstung, der nachhaltigen Nutzung von Wäldern und der Schulung von Landwirten stehen dabei im Fokus, ebenso wie die Bekämpfung des Klimawandels und die Förderung nachhaltiger Landwirtschaft. Außerdem engagiert sich ProNatura Sur stark im Umweltbildungsbereich und bietet staatlich anerkannte Studiengänge zur Thematik an.


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