Im November 2025 stellte die brasilianische Regierung auf der COP30 in Belém die Tropical Forest Forever Facility (TFFF) vor. Dieser neue Finanzmechanismus soll eine stabile, langfristige Unterstützung für den Schutz von Tropenwäldern gewährleisten. Doch noch gibt es offene Fragen und auch Kritik.
Was ist der TFFF und wie funktioniert er?
Der Gedanke hinter dem TFFF ist simpel: Länder sollen belohnt werden, wenn sie ihre tropischen Wälder schützen. Momentan ist der Erhalt der Wälder für viele tropische Länder wirtschaftlich nicht besonders attraktiv. Die Abholzung bringt ihnen Gewinne, da in den gerodeten Gebieten anschließend Landwirtschaft oder Bergbau betrieben werden kann. Der aktive Schutz von Wäldern kostet hingegen Geld.
Wo kommt das Geld her?
Das soll sich mit dem TFFF nun ändern. In dem neuen Modell sollen staatliche und private Investor*innen einen Fonds von 125 Milliarden US-Dollar mobilisieren. Ein Startkapital von 25 Milliarden US-Dollar soll von wohlhabenden Staaten wie unter anderem Deutschland und Norwegen eingezahlt werden. Dieses Startkapital soll als Sicherheit dienen und den Finanzmechanismus für andere Investor*innen attraktiv machen.
Wie wird es angelegt?
Es ist beabsichtigt das Kapital des TFFF in den Finanzmärkten von Schwellenländern anzulegen. Sobald dadurch Gewinne anfallen, ist vorgesehen, das Geld an Länder weiterfließen zu lassen, die tropische Entwaldung erfolgreich stoppen. Diese wiederum sollen mindestens 20 Prozent der Ausschüttungen an indigene Gemeinden weitergeben. Die Investor*innen profitieren ihrerseits von festgelegten, jährlichen Renditen.
Wie wird das Geld ausgezahlt?
Jeder erhaltene Hektar Tropenwald kann laut jetziger Berechnungen mit vier US-Dollar belohnt werden. Für jeden abgeholzten oder degradierten Hektar können hingegen je nach Entwaldungsrate bis zu 800 US-Dollar von den Zahlungen abgezogen werden. Wie es tatsächlich um den Tropenwald der beteiligten Länder steht, soll durch Satelliten überprüft werden.
Für Ausschüttungen des TFFF qualifizieren sich Länder mit Tropenwaldgebieten, die eine jährliche Entwaldungsrate von unter 0,5 Prozent aufweisen.
So soll „Tropical Forest Forever Facilitation“ den Regenwald schützen
Transparenz und Wirtschaftsansatz: Offene Fragen und Kritik am TFFF
Der TFFF soll eine vielversprechende Vision für eine groß angelegte, internationale Waldfinanzierung verkörpern; doch noch stehen hinter vielen wichtigen Details Fragezeichen. Kritische Stimmen aus Zivilgesellschaft und Forschung hinterfragen das logistische und ideologische Gerüst des neuen Finanzmechanismus.
Regenwald als Spekulationsobjekt?
International warnen zivilgesellschaftliche Gruppen davor, Waldschutz an marktorientierte Ansätze zu knüpfen. Denn auf diese Weise wird der Schutz der Tropenwälder abhängig von der unsteten und risikoreichen Finanzwelt – und somit denselben kapitalwirtschaftlichen Systemen, die Entwaldung und Klimakrise vorantreiben. Kritisiert wird außerdem, dass durch den TFFF zuerst die Investor*innen von Renditen profitieren, bevor Gewinne an Tropenwaldregionen fließen können.
Ursachen für Abholzung werden nicht bekämpft
Expert*innen prangern ebenfalls an, dass der TFFF als reiner Finanzrahmen nicht die Ursachen der tropischen Entwaldung angeht – wie etwa die hohe Nachfrage nach landwirtschaftlichen Produkten und Rohstoffen sowie schwache Governance-Strukturen. Reiche Industrienationen, die nachweislich für die Zerstörung der Tropenwälder eine große Verantwortung tragen, sind durch den TFFF nicht verpflichtet, ihren Rohstoffverbrauch, ihre Lieferketten oder ihre Handels- und Finanzpolitik grundlegend zu ändern.
TFFF stellt nur sehr kleine Finanzstütze dar
Fest steht außerdem, dass vier US-Dollar pro Hektar nicht ausreichen, um die Kosten des Waldschutzes zu decken oder einen Anreiz zum Waldschutz darzustellen. Denn die Nutzung von entwaldeten Flächen könnte deutlich höhere Profite erzielen. Der TFFF soll mit einer einstelligen Pro-Hektar-Summe lediglich eine sehr kleine finanzielle Stütze für Tropenwälder darstellen.
Forschende des German Institute of Development and Sustainability (IDOS) betonen, dass eine regional angepasste Zahlung, die Rohstoffpreise berücksichtigt, einen deutlich stärkeren Anreiz für Waldschutz bieten könnte. Die Erhaltung pro Hektar wird von IDOS-Forschenden eher auf 30 bis 40 US-Dollar geschätzt.
Wird nachhaltig investiert?
Ein weiteres Risiko, das Nachhaltigkeitsexpert*innen betonen, besteht in der Transparenz der Finanzströme. Der TFFF verspricht, dass das investierte Geld nicht in fossile Brennstoffe oder andere umweltschädliche Industrien fließen darf. Dazu soll eine „Negative Exclusion List“ entstehen, die Investments in den Bereichen Kohle, Torf, Öl und Gas verhindert. Doch die Liste wurde Stand Februar 2026 noch nicht finalisiert. Ebenso wenig wurden bislang die genauen Mechanismen erklärt, mit denen die Ausschließung solcher Investments gesichert werden sollen.
Ausschlaggebend ist, woher das Geld für den TFFF kommt. Die Summen aus bestehenden Klima-, Entwicklungs- oder Biodiversitätsfinanzierungen zu ziehen, würde laufende und geplante Schutzmaßnahmen schwächen. Stattdessen müssen für den TFFF unbedingt zusätzliche finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt werden.
Was trägt Deutschland zum TFFF bei?
Während der COP30 sagte Deutschland eine Milliarde Euro Unterstützung für den TFFF zu – diese Summe soll jedoch nicht auf einen Schlag, sondern über die nächsten zehn Jahre hinweg ausgezahlt werden.
Nach Aussagen des Bundesumweltministers Carsten Schneider während der COP30 in Belém soll diese Summe in das Eigenkapital des TFFF fließen. Damit würde es sich nicht um eine Investition handeln; Deutschland würde also keine jährlichen Zinszahlungen vom TFFF erhalten. Viele Details bleiben allerdings ungeklärt, da noch keine schriftliche Erklärung abgegeben wurde.
Ein ausschlaggebender Punkt ist, woher Deutschland das Geld für den TFFF nehmen wird. Um einen wirksamen Beitrag zum Waldschutz zu leisten, dürfen die Gelder für den TFFF nicht aus bestehenden Finanztöpfen für Klima- und Umweltschutz kommen. Denn in dem Fall würde das Risiko bestehen, dass die Summe nicht annähernd so viel zum Waldschutz beiträgt, als wenn es direkt in ein Schutzprojekt fließen würde.
Das Versprechen, eine Milliarde in das Eigenkapital des TFFF zu zahlen, unterscheidet Deutschland von vielen anderen Investoren, deren Einzahlungen in den TFFF wirtschaftliche Investitionen sind. Sollte der TFFF erfolgreich sein, erhalten Investoren Zinszahlungen aus dem Darlehen, bevor Ausschüttungen an Tropenwaldländer erfolgen. Sollte der TFFF scheitern, würden zuerst die Investor*innen ausgezahlt werden.
Wie geht es weiter mit dem TFFF?
Noch ist der TFFF von seinem Eigenkapital von 25 Milliarden US-Dollar weit entfernt. Im Februar 2026 lag der Investmentstand gerade einmal bei 6,7 Milliarden US-Dollar, wovon Norwegen mit drei Milliarden beinahe die Hälfte einzahlte. Das finale Konzeptpapier des TFFF wird wahrscheinlich Mitte des Jahres veröffentlicht werden.
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Dr. Hugo Rosa da Conceição
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Bildnachweis: Titelbild (Durand - Pexels), Infografik Konzept TFFF (OroVerde - E. Bakker), Poster auf der COP30 (Evke Bakker).
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