Im November 2025 stellte die brasilianische Regierung auf der COP30 in Belém die Tropical Forest Forever Facility (TFFF) vor. Dieser neue Finanzmechanismus soll eine stabile, langfristige Unterstützung für den Schutz von Tropenwäldern gewährleisten.
Der Gedanke hinter der TFFF ist simpel: Länder sollen belohnt werden, wenn sie ihre tropischen Wälder schützen. Momentan ist der Erhalt der Wälder für viele tropische Länder wirtschaftlich nicht besonders attraktiv.
Die Abholzung bringt ihnen Gewinne, da in den gerodeten Gebieten anschließend Landwirtschaft oder Bergbau betrieben werden kann. Der aktive Schutz von Wäldern kostet hingegen Geld. Die Budgets der Umweltministerien in tropischen Waldländern sind in der Regel niedrig, und finanzielle Mittel für den Schutz und die Wiederherstellung der Wälder werden oft dringend benötigt.
Was ist die TFFF und wie funktioniert sie?
Die TFFF ist als zweigliedrige Einrichtung konzipiert:
- Die Tropical Forest Forever Facility (TFFF) ist für die Umsetzung des Prämiensystems zuständig, das Zahlungen an berechtigte Tropenwaldländer auszahlt.
- Der Tropical Forest Investment Fund (TFIF) fungiert als Finanzierungsinstrument, indem er Kapital mittels eines Blended-Finance-Ansatzes beschafft und in risikoarme, festverzinsliche Wertpapiere wie Staatsanleihen investiert.
Beide Glieder werden von einem zentralen Sekretariat koordiniert, um die Abstimmung zwischen Fondsmanagement und Naturschutzzielen sicherzustellen.
Die TFFF hat sich zum Ziel gesetzt, Tropenwaldländer für Waldschutz zu belohnen. So wird Walddegradation unattraktiver und es kann mehr in den Erhalt von Tropenwäldern investiert werden. Und das geht so: Investitionen sollen angelegt werden. Aus den Anlagegewinnen wird den Investoren ein fester Zinssatz ausgezahlt. Der Überschuss soll dann an Tropenwaldländer ausgeschüttet werden. Wie das genau funktioniert und welche Herausforderungen und Fragen noch offen sind, erläutern wir im Artikel.
Was trägt Deutschland zum TFFF bei?
Auf der COP30 sagte Deutschland eine Milliarde Euro Unterstützung für den TFFF zu, die über die nächsten zehn Jahre ausgezahlt werden soll.
Laut Aussagen von Bundesumweltminister Carsten Schneider auf der COP30 in Belém soll diese Summe in das Eigenkapital des TFFF investiert werden. Dies würde bedeuten, dass es sich nicht um eine Investition handelt; Deutschland würde daher keine jährlichen Zinszahlungen vom TFFF erhalten. Viele Details sind jedoch noch unklar, da noch keine schriftliche Erklärung vorliegt.
Eine entscheidende Frage ist, woher Deutschland die Mittel für den TFFF beziehen wird. Um einen wirksamen Beitrag zum Waldschutz zu leisten, dürfen die Mittel für den TFFF nicht aus bestehenden Budgets für Klima- und Umweltschutz stammen. In diesem Fall bestünde die Gefahr, dass die Summe nicht annähernd so viel zum Waldschutz beitragen würde, als wenn sie direkt in ein Naturschutzprojekt investiert würde.
Derzeit finden in den Behörden der Bundesregierung Gespräche über Deutschlands Beitrag und Beteiligung am TFFF statt. Eine ausführliche Zusammenfassung zu spezifischen Fragen bezüglich Deutschlands Beteiligung am TFFF finden Sie hier.
Wo kommt das Geld her?
Der TFFF ist als Blended-Finance-Modell mit zwei Tranchen konzipiert:
- Die Sponsorentranche (Junior Tranche) besteht aus langfristigen Darlehen, Garantien oder Zuschüssen. Diese werden von einkommensstarken Ländern (wie Deutschland und Norwegen) und anderen Unterstützern bereitgestellt.
- Die Senior Tranche, deren Mittel durch die Ausgabe von Anleihen an private und institutionelle Anleger aufgebracht werden.
Das so generierte Kapital wird über den TFIF in ein diversifiziertes Rentenportfolio investiert, das Renditen über den Kapitalkosten erzielen soll. Ähnlich einem Stiftungsfonds erhält der TFIF sein Kapital und verwendet die Anlageerträge zur Rückzahlung der Investoren und zur Unterstützung tropischer Waldländer.
Wie wird das Geld ausgezahlt?
Nach Rückzahlung der Investoren werden die verbleibenden Erträge der TFFF-Investitionen an die Länder mit tropischen Wäldern ausgezahlt. Jedes Land erhält einen festen Betrag pro Hektar und Jahr. Erreicht die TFFF ihr ursprüngliches Ziel von 125 Milliarden US-Dollar, erhält jedes Land 4 US-Dollar pro Hektar und Jahr.
Auch wenn dies nach einem geringen Betrag klingt, zielt der TFFF nicht darauf ab, alle Kosten des Waldschutzes zu decken. Er soll zusätzliche Mittel für die oft unterfinanzierten Umweltbehörden in tropischen Ländern generieren. Indonesien könnte beispielsweise bis zu 446 Millionen US-Dollar aus der TFFF für den Waldschutz erhalten , was die für die Ministerien für Umwelt und Forst budgetierten Mittel nahezu verdoppeln würde .
Umgekehrt können für jeden Hektar entwaldeter oder degradierter Wald – abhängig von der Entwaldungsrate – bis zu 800 US-Dollar von den Zahlungen abgezogen werden. Dies soll Regierungen einen starken Anreiz bieten, effektivere Waldschutzmaßnahmen zu ergreifen. Satellitenbilder werden verwendet, um den tatsächlichen Zustand der Regenwälder in den teilnehmenden Ländern zu überprüfen. Länder mit Regenwaldflächen, deren jährliche Entwaldungsrate unter 0,5 Prozent liegt, sind für TFFF-Mittel berechtigt.
Die Mittel des TFFF finanzieren nationale Waldschutzprogramme und -maßnahmen, die von den Empfängerländern priorisiert werden. Der TFFF greift nicht in die Auswahl dieser Programme und Maßnahmen ein, jedoch wird von den Empfängerländern erwartet, dass sie dem TFFF-Sekretariat eine Liste der geförderten Programme und Maßnahmen übermitteln, die anschließend veröffentlicht wird.
Darüber hinaus müssen mindestens 20 Prozent der Zahlungen an indigene Völker und lokale Gemeinschaften weitergeleitet werden.
Eine vollständige Erläuterung des aktuellen Designs des TFFF steht hier als PDF zur Verfügung.
Offene und unklare Themen
Der TFFF soll eine vielversprechende Vision für eine groß angelegte, internationale Waldfinanzierung verkörpern. Allerdings werfen einige wichtige Details des aktuellen TFFF-Konzepts Fragen auf oder sind noch nicht vollständig geklärt. Nachfolgend sind einige der wichtigsten Punkte im aktuellen TFFF-Design aufgeführt, die noch Verbesserungen oder Klarstellungen erfordern.
Schwellenwert für die Kronenbedeckung
Der vom TFFF angewandte Mindestwert von 20 Prozent für die Kronendeckung wird von einigen als zu niedrig für feuchte Laubwälder angesehen und birgt das Risiko, dass Zahlungen an stark degradierte Gebiete fließen. Dieser Mindestwert sollte nur akzeptiert werden, wenn wirksame und messbare Maßnahmen gegen die Degradierung vorhanden sind. Andernfalls sollte ein höherer, ambitionierterer Wert in Betracht gezogen werden.
Feuer als einziger proxy-Indikator für Degratation
Im aktuellen TFFF-Konzept dient Feuer als einziger proxy für Walddegradation. Viele argumentieren, dass dies die Walddegradation, die maßgeblich zum Verlust von Kohlenstoffsenken und Biodiversität beiträgt, nicht ausreichend berücksichtigt und daher alternative Degradationsindikatoren erforderlich macht. Zwar sind degradierte Wälder in den feuchten Tropen und Subtropen gefährdet, doch werden nicht alle diese Wälder durch Waldbrände zerstört. Daher scheint Waldbrand als alleiniger Indikator nicht ausreichend zu sein.
Monitoringsysteme
Der Grundsatz der TFFF, Regierungen zur Einrichtung eigener Waldüberwachungssysteme zu ermutigen, ist wertvoll, da er die staatlichen Kapazitäten zur Waldüberwachung stärkt. Dies ist unerlässlich, damit Länder die Entwaldung wirksam reduzieren können. Die Monitoring-kapazitäten sind jedoch weiterhin uneinheitlich, und es ist unklar, wie die TFFF Länder bei der Entwicklung eigener Systeme oder der Anschaffung von Überwachungssystemen Dritter unterstützen wird. Diskrepanzen zwischen Fernerkundungsdatenquellen können Risiken und Anreize zur Ergebnismanipulation schaffen. Die TFFF sollte nationale Messinstrumente durch ein internationales Basissystem ergänzen.
Ausschlussliste für Investitionen
Der TFFF legt fest, dass Investitionen in Aktivitäten mit „erheblichen“ Umweltauswirkungen oder solche, die die übergeordneten Ziele des TFFF „wesentlich“ untergraben, nicht Teil des Investitionsprofils sein sollen. Er schließt außerdem ausdrücklich Investitionen in Kohle, Torf, Öl und Gas sowie Aktivitäten im Zusammenhang mit Entwaldung aus. Diese Formulierung ist jedoch vage und könnte Schlupflöcher lassen. Wo genau die Grenze für Umwelt- und Sozialstandards verläuft, ist weiterhin unklar. Eine vollständige Ausschlussliste und der zugehörige Überwachungsmechanismus wurden noch nicht veröffentlicht, und ihre tatsächliche Wirkung hängt von ihrer praktischen Anwendung ab. Weitere Klarstellungen hinsichtlich der Liste selbst und insbesondere ihrer Umsetzung in konkrete Investitionsentscheidungen sind erforderlich. Zweitens sind Schutzmechanismen erforderlich, um sicherzustellen, dass der TFIF als unabhängige Einrichtung unter der Leitung von Finanzexperten mit der Befugnis zur Anpassung der Investitionspolitik die Ausschlussliste nicht schwächt oder aufhebt. Obwohl es triftige Gründe für die Einrichtung des TFIF als separates Gremium gibt, sollten wichtige Entscheidungen, wie z. B. wesentliche Änderungen der Investitionsstrategie, der Zustimmung des TFFF bedürfen, um die Rechenschaftspflicht zu gewährleisten. Die TFFF sollte bei der Liste ein Mitspracherecht haben, nicht nur die TFIF.
TFFF-Beiträge und bestehende Klima- und Biodiversitätszusagen
Um die Integrität der internationalen Entwicklungsfinanzierung im Bereich Klima und Biodiversität zu gewährleisten, ist es von entscheidender Bedeutung, dass Beiträge zum TFFF als neue und zusätzliche Finanzierung und nicht als Ersatz für bestehende oder geplante öffentliche Finanzierungszusagen in den Bereichen Klima und Biodiversität bereitgestellt werden. Andernfalls besteht die Gefahr, dass dringend benötigte Finanzmittel für besonders gefährdete Länder, insbesondere in Afrika und anderen Regionen, die vom TFFF kaum oder gar nicht profitieren, verdrängt werden. Obwohl diese Entscheidung von den Ländern und nicht vom TFFF getroffen werden muss, sollte der TFFF die Länder nachdrücklich dazu anhalten, sicherzustellen, dass die Beiträge zusätzlich zu bestehenden Umweltverpflichtungen geleistet werden.
Die Kernprinzipien des TFFF – „Souveräne Entscheidungsfindung“ und „Rechenschaftspflicht“ – müssen in Einklang gebracht werden
Obwohl der TFFF den Waldzahlungsplan (FPAP) als Beitrittsvoraussetzung einführt und die Offenlegung der zu finanzierenden Maßnahmen und Programme vorschreibt, bleibt der Mechanismus zur Überwachung der tatsächlichen Mittelverwendung begrenzt. Transparenz soll primär durch zivilgesellschaftliches Monitoring und den Beschwerde- und Wiedergutmachungsmechanismus gewährleistet werden. Es wurden jedoch keine klaren Kriterien dafür definiert, welche Maßnahmen als „indirekter Beitrag“ zum Waldschutz gelten. Dies birgt das Risiko von Fehlallokation oder Greenwashing und wirft die Frage auf, ob der Beschwerde- und Wiedergutmachungsmechanismus allein ausreicht, um Missbrauch zu verhindern.
Beteiligung indigener Völker und lokaler Gemeinschaften (IP&LC) an der Governance des TFFF und TFIF
Die Governance-Struktur des TFFF sieht einen eigenen IPLC-Beirat vor, richtet nationale Lenkungsausschüsse ein und schafft klare Mechanismen für die Verwaltung des IP&LC-Fonds. Dennoch bestehen weiterhin wichtige Bedenken. Der tatsächliche Einfluss des IPLC-Beirats auf die Entscheidungsfindung ist nach wie vor ungewiss, wodurch die Gefahr besteht, dass er lediglich beratend tätig ist, anstatt die Ergebnisse aktiv zu gestalten. Das Fehlen jeglicher expliziter Erwähnung von Menschenrechtsgarantien stellt weiterhin ein Glaubwürdigkeitsrisiko dar.
Wie geht es weiter mit dem TFFF?
Der TFFF ist noch weit von seinem Zielwert von 25 Milliarden US-Dollar für die Junior-Tranche entfernt, nähert sich aber seinem Zielwert von 10 Milliarden US-Dollar für 2026. Stand Februar 2026 belief sich das Investitionsvolumen auf 6,7 Milliarden US-Dollar, wovon Norwegen fast die Hälfte (3 Milliarden US-Dollar) beigesteuert hat . Die endgültigen Governance-Dokumente des TFFF werden voraussichtlich Mitte des Jahres veröffentlicht.
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Dr. Hugo Rosa da Conceição
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Bildnachweis: Titelbild (Durand - Pexels), Infografik Konzept TFFF (OroVerde - E. Bakker), Poster auf der COP30 (Evke Bakker).
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