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Stürmisch, chaotisch, außer Kontrolle: Unsere Erde bewegt sich auf immer mehr kritische Kipppunkte in unserem Klima zu. Doch noch gibt es Hoffnung.

Wer sich zu weit mit dem Stuhl nach hinten lehnt, erreicht früher oder später einen Kipppunkt: einen Punkt, an dem es kein Zurück mehr gibt, sondern nur noch den Fall nach hinten. Auch die Erde hat solche Kipppunkte. Wenn sie durch den Klimawandel überschritten werden, drohen unumkehrbare Folgen für den ganzen Planeten. 

Was sind Klimakipppunkte und Kippelemente?

Das Erdsystem hat verschiedene wichtige Elemente, die für den Erhalt unseres Weltklimas ungemein wichtig sind. Dazu gehören zum Beispiel das westantarktische Eisschild, der Amazonas-Regenwald oder Meeresströmungen. 

Häufig reagieren Kippelemente lange Zeit kaum auf Klimaveränderungen. Aber sobald sie in die Nähe des Grenzwertes kommen, kann eine kleine Änderung zu sehr großen und plötzlichen Veränderungen führen: Sie erreichen einen Kipppunkt

Diese Kipppunkte werden auch Klimakipppunkte genannt. Bei Ihrer Überschreitung kommt es zu unvorhersehbaren, unumkehrbaren und unkontrollierbaren Veränderungen im sowohl lokalen als auch globalen Klimasystem kommt. Das Überschreiten eines einzigen Kipppunkts kann weitere Kipppunkte anstoßen. Die Folgen des Klimawandels können sich als Konsequenz exponentiell beschleunigen. 

Welche Kippelemente gibt es?

Das Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (PIK) unterscheidet zwischen drei Arten von Kippelementen: 

  1. Ökosysteme, zum Beispiel der Amazonas-Regenwald und Korallenriffe 
  2. Meeresströmungen, die Erdklima stark beeinflussen. 
  3. Große Eiskörper wie das grönländische oder das westantarktische Eisschild. 

Das Erreichen von Klimakipppunkten kann unterschiedliche Ausmaße haben. Manche Kipppunkte, zum Beispiel das Sterben von Korallenriffen, haben vor allem regionale Auswirkungen. Andere Kipppunkte betreffen hingegen das gesamte Erdsystem. Dazu gehören das Schmelzender großen Eisschilde in der Antarktis oder ein möglicher Zusammenbruchwichtiger Meeresströmungen im Labrador- und Irminger-Meer. Forschende sagen voraus, dass eine Überschreitung dieser globalen Kippelemente zu unwiderruflichen Veränderungen für unseren ganzen Planeten führen würden.

Was passiert, wenn wir Kipppunkte überschreiten?

Kippelemente sind unberechenbar. Selbst Klimaexpert*innen können nicht mit Sicherheit voraussagen, was passiert, wenn ein Kipppunkt überschritten wird. Fest steht allerdings: Wenn ein Kipppunkt erreicht wird, kann sich das Klima plötzlich stark verändern. Dann treten häufiger extreme Wetterereignisse auf, zum Beispiel starke Stürme, Dürren, Hitzewellen oder Überschwemmungen. Schon das Überschreiten eines einzigen Kipppunktes kann katastrophale Folgen haben. Denn die Kipppunkte können gefährliche Kettenreaktionen auslösen, indem sie andere Kippelemente anstoßen – ähnlich wie bei einer Reihe Dominosteine. 

Forschende warnen davor, dass es nach dem Überschreiten eines Kipppunkts keine Möglichkeit mehr gibt, ein Ökosystem, Eisschild oder eine Strömung vor dem Kollaps zu stoppen, da sich viele Prozesse verselbstständigen. 

Beispiel Kippelement Grönlandeis

Das Grönländische Eisschild schmilzt durch das immer wärmer werdende Klima. Es fällt weniger Neuschnee, wodurch älterer Schnee oder Gestein ans Tageslicht kommen. Diese sind dunkler und absorbieren mehr Sonnenlicht, wodurch das Eis schneller schmilzt. Die schrumpfenden Gletscher verlieren zusätzlich an Höhe, was die Schmelze weiter beschleunigt – denn in niedrigen Höhenlagen ist es wärmer als in den Bergen. Sobald sich die Gletscherschmelze verselbstständigt hat, kippt das grönländische Eisschild vollständig, ohne dass noch etwas dagegen unternommen werden kann. 

Erster Kipppunkt im Oktober 2025 überschritten: Korallensterben nicht mehr aufzuhalten

Im Oktober 2025 stellten 160 Wissenschaftler*innen aus insgesamt 87 Institutionen und 23 Ländern im Global Tipping Points Report fest, dass der Planet inzwischen den ersten Klimakipppunkt erreicht hat: das Absterben der Warmwasserkorallen. Die 2015 gesetzte 1,5-Grad-Celsius-Grenze werde schon bald überschritten. Aber schon die aktuelle Erderwärmung von circa 1,4 Grad Celsius ist mehr, als die Korallen verkraften können. Im Frühjahr 2025 stellten Forschende fest, dass 84 Prozent aller Korallenriffe von der weltweit bisher stärksten Korallenbleiche betroffen sind.

Auch Planetare Grenze erreicht: Saure Ozeane verstärken Klimakippunkt

Nur wenige Wochen vor Veröffentlichung des Global Tipping Points Report hatten Forschende des PIK festgestellt, dass auch die Planetare Grenze zur Versauerung der Ozeane überschritten worden war. Durch das wärmere Klima und die großen Mengen CO2, die unsere Ozeane aus der Atmosphäre aufnehmen, sinkt der pH-Wert des Wassers und es wird Wasser immer saurer. Das hat zur Folge, dass die Kalkskelette von Korallen und anderen Meeresbewohnern wie Schalentieren weniger stabil werden. Das hat nicht nur für die betroffenen Arten, sondern für das gesamte regionale Ökosystem verheerende Folgen. 

Vom bunten Tropenwald zur trockenen Steppe: Der Amazonas-Regenwald als Kipppunkt

Auch der Amazonas-Regenwald, der größte tropische Regenwald unseres Planeten, gilt als globales Klimakippelement. Forschende warnen, dass wir schneller auf diesen Kipppunkt zusteuern als lange angenommen.

Die Folgen des Klimawandels und Abholzung für Landwirtschaft und Bergbau bringen die gesamte Amazonas-Region samt ihren Kreisläufen ins Wanken. Denn durch Entwaldung, Dürren und Brände verliert der Regenwald seine Fähigkeit, sich selbst und andere Regionen über gigantische Wolkenströme mit lebenswichtigem Regen zu versorgen. Die Folge: Das gesamte Amazonasgebiet wird immer trockener.

Der amerikanische Wissenschaftler Thomas E. Lovejoy und sein brasilianischer Kollege Carlos Nobre gehen davon aus, dass bei einem Verlust von 20 bis 25 Prozent des Tropenwaldes der Amazonas kollabieren wird. Damit wäre die Desertifikation – also die Ausbreitung von Steppen und Wüsten – nicht mehr aufzuhalten. Aus dem bunten und artenreichen Tropenwald könnte sich Schritt für Schritt eine Savanne oder Wüste entstehen. Stand 2026 sind schätzungsweise zwischen 17 und 20 Prozent des Amazonas bereits zerstört. Ein Entwaldungsstopp ist dringlicher denn je.

Positive Kipppunkte: Den Klimakipppunkten entgegenwirken

Schon seit Jahren beschäftigen sich Expert*innen mit dem Thema, wie wir den Klimakipppunkten rechtzeitig entgegenwirken können. Das Ziel ist klar: Die menschengemachten Treibhausgasemissionen müssen stark reduziert werden, damit die Temperatur der Erde nicht weiter ansteigt. 

Doch der notwendige Wandel in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft kann zäh sein. Sogenannte „positive Kipppunkte“ könnten helfen, Veränderungen rechtzeitig ins Rollen zu bringen. Diese Kipppunkte sollen positive Kettenreaktionen anstoßen. Diese könnten die Emissionen stark verringern und dadurch die Erderwärmung abschwächen.<s> </s>

Der britische Klimawandel-Experte Tim Lenton ist einer der führenden Köpfe auf diesem Gebiet. Laut ihm und anderen Forschenden könnten unter anderem Kipppunkte im Bereich Elektromobilität, erneuerbare Energien und Ernährungsveränderung dabei helfen, dem Klimawandel entgegenzuwirken. Wie auch die Klimakipppunkte sind die positiven Kipppunkte miteinander verknüpft. Wird einer angestoßen, wächst die Wahrscheinlichkeit, dass ein weiterer ebenfalls angestoßen wird. 

Zudem verstärken sich positive Kipppunkte selbst. Denn je häufiger ein nachhaltiger Prozess stattfindet, desto mehr können wir ihn verbessern, günstiger gestalten und mehr Anwendungsbereiche für ihn finden.

Ein Beispiel: Positiver Kipppunkt Elektroautos

E-Autos werden immer beliebter. Im Jahr 2020 lag der Anteil von Elektroautos weltweit bei gerade mal 4 Prozent. Nur fünf Jahre später waren fast 25 Prozent der Autos auf den weltweiten Straßen elektrisch. Durch den Zuwachs an E-Autos wird der Anreiz für die Hersteller größer, die Technologieweiter zu verbessern und den Bau effizienter zu machen. Das macht die Autos langfristig günstiger. Die weiterentwickelte Technologie der E-Autos kann inzwischen auch für Busse und sogar LKW genutzt werden. Herkömmliche Verbrenner werden so immer unattraktiver. 

Die Fortschritte in der Elektromobilität werden durch andere positive Kipppunkte begünstigt: Erneuerbare Energien ermöglichen zum Beispiel günstigere Strompreise als fossile Brennstoffe. Gleichzeitig wächst durch die steigende Nachfrage nach E-Autos die Nachfrage nach günstigem, erneuerbarem Strom. Beide positiven Kipppunkte verstärken einander also gegenseitig. 

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Bildnachweis: Pexels (Titelbild Baum in der Wüste), OroVerde - E. Bakker (Infografik). 

Die Infografik wurde nach dem Vorbild der PIK-Grafik zum Thema Klimakipppunkte gestaltet. 

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