Was ist Biodiversität? Und warum hängt unser eigenes Überleben von Artenvielfalt, genetischer Vielfalt und zahlreichen Ökosystemen und deren Funktionen ab.
Ein Kolibri schwirrt durch den Regenwald, während unter ihm ein Jaguar lautlos durchs Dickicht streift: jede Bewegung Teil eines gigantischen Netzes des Lebens. Diese Biodiversität macht unseren Planeten einzigartig – sie sichert Nahrung, sauberes Wasser und ein stabiles Klima.
Doch dieses Netz gerät aus dem Gleichgewicht: Arten verschwinden, Lebensräume schrumpfen, Ökosysteme verlieren ihre Stabilität. Wenn wir verstehen, wie eng alles miteinander verbunden ist, können wir auch lernen, wie wir Vielfalt erhalten.
Entdecken Sie, warum Biodiversität so bedeutsam ist und wie wir sie gemeinsam schützen können. Entdecken Sie passende Materialien für den Unterricht, lernen Sie unsere Projekte kennen und erfahren Sie, wie Sie die Biodiversität durch Ihr Handeln im Alltag oder mit einer Spende wirksam schützen.
Definition Biodiversität: einfach und klar erklärt
Biodiversität, auch biologische Vielfalt genannt, beschreibt die Fülle des Lebens auf der Erde. Sie umfasst die Unterschiede sowohl innerhalb als auch zwischen biologischen Arten sowie zwischen Ökosystemen. Biodiversität ist also ein Sammelbegriff für die Vielfalt und Verschiedenartigkeit des Lebens auf der Erde. Sie besteht aus Artenvielfalt, genetischer Vielfalt und der Diversität der Ökosysteme.
Was ist Artenvielfalt?
Die Artenvielfalt bezeichnet die Anzahl der verschiedenen biologischen Arten (Tiere, Pflanzen, Pilze, Mikroorganismen) in einem bestimmten Lebensraum oder Gebiet. Sie wird oft als die sichtbare Ebene der Biodiversität wahrgenommen. Je mehr unterschiedliche Arten in einem Gebiet leben, desto höher ist die Diversität der Arten. Weitere Informationen und Beispiele finden Sie auf der Seite „Faszinierende Artenvielfalt“, die die Bedeutung und die zentralen Fakten zur Artenvielfalt im Regenwald erläutert.
Was ist die genetische Vielfalt?
Die genetische Vielfalt beschreibt die Unterschiede im Erbgut (DNA) innerhalb einer Art. Sie sorgt dafür, dass Individuen einer Art unterschiedliche Merkmale aufweisen, wie Farben, Formen oder Resistenzen. Diese Vielfalt ist entscheidend für die Anpassungsfähigkeit und das Überleben von Arten. Auf der Seite „Genetische Vielfalt – Unterschiede sind überlebenswichtig!“ erfahren Sie mehr über die Bedeutung genetischer Diversität und wie sie Arten vor dem Aussterben schützt.
Was ist die Vielfalt der Ökosysteme?
Die Vielfalt der Ökosysteme bezieht sich auf die unterschiedlichen Lebensräume, Lebensgemeinschaften und Landschaften, die in einer Region vorkommen. Dazu zählen etwa Regenwälder, Moore, Mangroven oder Savannen. Entdecken Sie die vielseitigen Ökosysteme der Tropen.
Zusammen bilden sie die Biodiversität.
Alle drei Ebenen – Artenvielfalt, genetische Vielfalt und Vielfalt der Ökosysteme – sind eng miteinander verbunden und bilden gemeinsam die Grundlage für die Biodiversität. Der Schutz der Biodiversität bedeutet daher immer, alle drei Ebenen zu berücksichtigen. Das wird umso bedeutender, da wir uns in einer menschengemachten Biodiversitätskrise befinden, mit dramatischem Biodiversitätsverlust und einem sechsten massiven Artensterben.
Was bedeutet Biodiversität für Mensch und Umwelt?
Die Biodiversität liefert uns die Grundlage für Ernährungssicherheit, medizinischen Fortschritt und zahlreiche technische Innovationen. Wir benötigen sie unverzichtbar für stabile Ökosysteme und das menschliche Wohlergehen. Weitere Zusammenhänge zwischen Biodiversität, Klima und Landnutzung werden auf den Seiten „Landwirtschaft und Biodiversität“ und „Biodiversität und Klimawandel“ vertieft.
Vielfalt im Regenwald entdecken
6 vielfältige Fakten zum Thema Biodiversität
In Guatemala, Honduras oder Kuba unterstützt OroVerde direkt Projekte für den Biodiversitätsschutz.
In den Tropen ist die Biodiversität besonders hoch: Rund zwei Drittel aller bekannten Tier- und Pflanzenarten leben in den Tropenwäldern. Mehr Informationen, warum die Biodiversität in den Tropenwäldern besonders hoch ist.
Der neueste Bericht des Internationalen Biodiversitätsrates (IBPES – Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services) vermutet acht Millionen Tier- und Pflanzenarten. Etwa zwei Millionen Arten sind wissenschaftlich beschrieben. Erfahren Sie mehr, warum die Artenvielfalt so hoch ist.
Es gibt Regionen und Ökosysteme, in denen besonders viele einzigartige Tier- und Pflanzenarten vorkommen. Außerdem machen sie nur 1,4 Prozent der Landfläche aus, beherbergen aber 35 Prozent der Wirbeltierarten. Erfahren Sie mehr zu den Hotspots der Biodiversität.
Expert*innen halten die Biodiversitätskrise für genauso bedrohlich wie die Klimakrise.
Genetische Vielfalt spielt eine wichtige Rolle bei der Anpassung von Saatgut an die Folgen des Klimawandels und gegen Pflanzenkrankheiten und Schädlinge. Sie spielt somit auch eine Rolle für die Ernährungssicherheit in Regenwaldgebieten, aber auch weltweit. Dank der genetischen Vielfalt gibt es heute überhaupt noch Bananen. Anfang des 20. Jahrhunderts rottete eine Krankheit die damals verbreitete Bananenart fast vollkommen aus.
Die Biodiversitäts-Krise in erschütternden Zahlen*
- 100 Millionen Hektar tropischer Wald gingen zwischen 1980 und 2000 verloren. Hauptsächlich durch Viehzucht in Lateinamerika (um die 42 Millionen Hektar) und Plantagen in Süd-Ost-Asien (7,5 Millionen Hektar (davon 80 Prozent für Palmölpflanzungen)).
- Zwischen 2000 und 2013 gingen 7 Prozent der intakten Wälder zurück.
- Holzernten und Rodungen vernichteten rund 290 Millionen Hektar ursprünglichen Waldes zwischen 1990 und 2015. Im selben Zeitraum wurden 110 Millionen Hektar gepflanzt.
- 75 Prozent der kontinentalen und 66 Prozent der marinen Naturräume hat der Mensch nachhaltig verändert.
- Mehr als 400 „tote Zonen“ gibt es im Meer – ein größeres Gebiet als die Fläche Großbritanniens. Verantwortlich dafür: Düngemittel, die ins Meer geraten.
- In 300 Jahren gingen 85 Prozent der Feuchtgebiete verloren. Dieser Rückgang verläuft aktuell dreimal schneller als der Waldschwund.
*herausgegeben in 2019 vom Biodiversitätsrat IPBES
Verlust der biologischen Vielfalt - das sind die 5 Hauptursachen
Es gibt fünf Hauptgründe für den Verlust von Biodiversität, das heißt sowohl für den Verlust von Genen in einer Art, von Arten und Individuen als auch von ganzen Ökosystemen. Alle fünf werden von Bevölkerungswachstum, erhöhtem Lebensstandard und dadurch vermehrtem Konsum in weiten Teilen der Welt und mehr Verschwendung bei der Nutzung von Ressourcen beeinflusst.
Verlust von Lebensräumen: Verringerung, Fragmentierung oder kompletter Verlust von Pflanzen, Böden, Wasser oder Nährstoffen in einem Ökosystem.
Invasive Arten: Arten, die in ein Ökosystem einwandern und dieses stark verändern oder die Lebensgemeinschaft stören.
Übernutzung: Lebewesen werden für die menschliche Nutzung aus dem Ökosystem entfernt oder geerntet. Der Bestand wird erschöpft oder sogar ausgerottet.
Verschmutzung: Stoffe und Energie werden der Umwelt schneller hinzugefügt, als diese in den Ökosystemen verarbeitet und unschädlich gemacht werden können.
Klimawandel und globale Erwärmung: Veränderung des Klimas und Erhöhung der Treibhausgase in der Atmosphäre in den letzten zwei Jahrhunderten.
Biodiversität im Regenwald effektiv schützen
Weltweit ist die Biodiversität stark gefährdet. Rund zwei Drittel aller landlebenden Tier- und Pflanzenarten leben in den Tropenwäldern. Dabei bedecken die tropischen Regenwälder nur etwa 6 bis 7 Prozent der globalen Landfläche. Jeder Hektar Regenwald ist ein einzigartiges Netz aus Pflanzen, Tieren, Pilzen und Mikroorganismen, das unser Klima stabil, unsere Luft sauber und unsere Zukunft lebenswert hält. Jede Art stabilisiert dieses Netz und ist es wert, gerettet zu werden. Biodiversität zu schützen ist somit entscheidend für stabile Ökosysteme und unsere eigene Zukunft.
Einen Einblick, wie vielfältig dieser Schutz konkret aussieht, geben die aktuellen Regenwaldschutzprojekte von OroVerde. In denen regelmäßig folgende Punkte umgesetzt werden:
- Artenreichtum sichern: Rund zwei Drittel aller bekannten Arten leben in den Tropen. Schutzgebiete in Hotspots wie Guatemala oder Kuba erhalten diese Vielfalt dauerhaft.
- Waldschonende Einkommen aufbauen: Imkerei, Ökotourismus und faire Naturprodukte schaffen Perspektiven – ohne neue Flächen zu roden.
- Vielfältige Landwirtschaft fördern: Agroforst und biodiverser Anbau ersetzen Monokulturen, stärken Resilienz und bewahren genetische Vielfalt.
- Direkter Schutz in Hotspots: Fokus auf Gebiete mit vielen endemischen Arten, eng mit indigenen Völkern und lokalen Partnern.
- Politik & Regeln nutzen: Mehr Schutzflächen, ambitionierte Klimaziele und entwaldungsfreie Lieferketten (z. B. EUDR, 30×30-Ziele der CBD).
- Bewusst handeln & unterstützen: Nachhaltig konsumieren (Siegel, Herkunft) und mit Spenden konkrete Projekte vor Ort ermöglichen.
Biodiversität und Tropenwälder erhalten
Kubas Naturschätze bewahren
Unterstützen Sie die 30-jährige Erfolgsstory im Alexander-von-Humboldt-Nationalpark.
Regenwald dauerhaft schützen
Im Naranjitos-Regenwald heißt Biodiversitätsschutz auch Brandbekämpfung, Kriminalität eindämmen und Zukunftsperspektiven bieten. Helfen Sie mit!
Baum für Baum
Wiederbewaldung und Anreicherungspflanzungen zur Erhöhung der Biodiversität in Guatemala.
Unterrichtsmaterial Biodiversität
- Unterrichtsthema Biodiversität und Vielfalt für alle Klassen und Schulformen
- Unterrichtsmaterial “Faszination Vielfalt”: Ökologische Vielfalt und gesellschaftliche Vielfalt ab Klasse 8
- Unterrichtsmaterial “Nachricht aus dem Regenwald”: Vielfalt entdecken in der Grundschule, speziell Klassen 3 und 4.
- Unterrichtsmaterial “Obst und Gemüse” für die Grundschule: Wie kommt die Vielfalt in den Supermarkt und wo kommen die Pflanzen ursprünglich her?
Alle Materialien, Arbeitsblätter, Medien und Hintergrundinformationen für Lehrkräfte zum Thema Biodiversität finden Sie in der Themensammlung: „Biodiversität und Artenvielfalt entdecken“.
Entdecken Sie außerdem mit ihren Schüler*innen die digitale Lernwelt “Regenwald für Kids” von OroVerde.
Hotspots der Biodiversität
Auf globaler Ebene lassen sich Gebiete mit besonders vielen, nur dort vorkommenden Arten identifizieren. In diesen sogenannten Hotspots der Biodiversität leben zahlreiche endemische Arten. Arten also, die nur dort vorkommen und deshalb auch nur an diesem Ort geschützt werden können. Deshalb stehen diese Regionen bei Umweltorganisationen und Regierungen ganz oben auf der Liste der zu schützenden Ökosysteme. So ein Hotspot ist der Caribbean Biological Corridor (CBC) zu dem die Inseln Kuba und Hispaniola (Haiti und Dominikanische Republik) gehören.
Wo sind die Hotspots der Biodiversität?
Eine Studie von Myers et al. (veröffentlicht 2000 im Fachmagazin „nature") legte 25 Biodiversitäts-Hotspots auf der ganzen Welt fest, bei welchen sich der Schutz aufgrund von Artenvielfalt und geringen Investitionen am meisten lohnt. In einem Hotspot müssen mindestens 1500 und somit 0,5 Prozent aller Gefäßpflanzenarten (alle Pflanzen, außer den Moosen) endemisch sein: Das heißt sie kommen nur dort vor. Außerdem ist ein Hotspot laut einer Studie von Myers et al. dadurch charakterisiert, dass er bereits 70 Prozent seiner ursprünglichen Vegetation verloren hat. Diese Bereiche machen nur rund 1,4 Prozent der Landoberfläche der Erde aus, aber sie beherbergen 44 Prozent aller Pflanzenarten und 35 Prozent aller Wirbeltierarten. Mittlerweile haben weitere Studien ergeben, dass es weitere 11 Biodiversität-Hotspots gibt, insgesamt also 36. Leider sind viele geografische Gebiete, die sich durch eine extrem hohe Artenvielfalt auszeichnen stark von Zerstörung bedroht. Viele dieser Artenvielfalt-Oasen liegen in den Tropen und sind durch tropische Wälder charakterisiert. Ein Beispiel sind die karibischen Inseln, auf denen OroVerde seit mehr als 25 Jahren Projekte durchführt, unter anderem im Regenwald des Alexander von Humboldt- Nationalparks auf Kuba und im KlimaWald-Projekt auf Kuba, in der Dominikanischen Republik und Haiti.
Wie entsteht Artenvielfalt?
In einem tropischen Regenwald steht man mitten im lebendigen Herzen der Natur. Insekten zirpen, Vögel flattern und zwischen den Brettwurzeln eines alten Mahagonibaumes wachsen winzige Pilze und verstecken sich leuchtende Frösche. In jedem Busch, unter jedem Blatt spielt sich ein kleines Wunder ab – das ist Artenvielfalt in Aktion. In einem tropischen Regenwald ist nicht nur „viel Leben“, dort hat jede Art gewissermaßen ihre eigene Rolle – und genau da setzt die ökologische Nische an.
Artenvielfalt und ökologische Nische
Arten sind in der Regel eng an bestimmte Umweltbedingungen angepasst. Viele Faktoren beeinflussen diese Bedingungen: zum Beispiel geografische Lage (Breiten‑ und Höhenlage), Temperatur, Niederschlagsmengen, Boden, Konkurrenz‑ und Räuber‑Beute‑Beziehungen oder Symbiosen und Mutualismus. Arten reagieren sehr unterschiedlich auf Veränderungen dieser Faktoren, wie zahlreiche Tierarten im Regenwald mit ihren speziellen Anpassungen zeigen.
Rolle im Ökosystem
Ein Gebiet ist umso artenreicher, je vielfältiger seine Strukturen sind und je mehr ökologische Nischen es bietet. Das können etwa Kombinationen aus Umweltfaktoren wie Nahrung, Feinden, Licht, Temperatur oder Feuchtigkeit sein. Lebewesen besetzen jeweils eine Nische, sie nehmen eine Rolle im Ökosystem wahr. Ein Beispiel: Hoch oben in den Kronen eines mächtigen Paranussbaumes lebt ein kleiner Frosch. Er legt seine Eier ausschließlich in den wassergefüllten Blattachseln bestimmter Bromelien ab. Währenddessen laicht ein anderer Frosch nur am Boden in Pfützen. Beide Arten teilen sich denselben Regenwald, aber sie nutzen unterschiedliche „Räume“ an Nahrung, Versteckplätzen, Feuchtigkeit und Licht. Sie besetzen unterschiedliche ökologische Nischen.
Was ist genetische Vielfalt?
Die Gesamtheit der Gene aller Lebewesen bildet zusammen mit der DNA, dem Träger der Erbinformation, die genetische Vielfalt. Unterschiedliche Varianten eines Gens – sogenannte Allele – führen zu verschiedenen Merkmalsausprägungen und damit zu einer beeindruckenden Vielfalt innerhalb von Arten, etwa bei Farben, Formen oder Resistenzen.
Natürliche Auslese
Genetische Vielfalt ermöglicht Arten, sich an veränderte Umweltbedingungen anzupassen. Individuen, deren Gene besonders gut zu den Bedingungen in ihrer Umwelt passen, setzen sich in ihrer ökologischen Nische durch. Dies ist ein Begriff für die spezifische Rolle und den Lebensraum einer Art im Ökosystem. Dieser Prozess wird als „natürliche Auslese“ bezeichnet.
So besitzen Kolibris unterschiedlich lange und geformte Schnäbel, mit denen sie Nektar aus verschieden gestalteten Blüten trinken. So können zum Beispiel mehrere Kolibri-Arten im gleichen Lebensraum existieren, ohne in direkte Konkurrenz zu geraten. Auch kleinste Unterschiede – etwa in der Schuppenstruktur einer Schlangenhaut – können den Unterschied zwischen zwei Arten ausmachen.
Weitere Beispiele und Schutzstrategien finden Sie auf der Unterseite „Genetische Vielfalt“, die anschaulich erklärt, wie genetische Vielfalt das Überleben von Arten sichert.
Wie genetische Vielfalt die Banane rettete
So sind Bananen, die wir heute essen, nicht mehr die gleichen wie vor 100 Jahren. Bis in die 1950er Jahre wurde fast ausschließlich eine Bananensorte namens „Gros Michel“ in Mittel- und Südamerika kommerzielle angebaut und exportiert. Das änderte sich, als Anfang des 20. Jahrhunderts eine neue Krankheit auftauchte, die „Panama-Krankheit“. Der für die Krankheit verantwortliche Pilz (Fusarium oxysporum) konnte sich in den genetisch nahezu identischen Bananenplantagen rapide ausbreiten und rottete die „Gros Michel“-Variante fast vollkommen aus. Eine andere der circa 1000 bekannten Bananensorten, die Cavendish-Banane, kann in denselben Plantagen wie die „Gros Michel“ angebaut werden, ohne dass der Pilz sie befällt. Diese Cavendish-Banane finden Sie jetzt in jedem Supermarkt, natürlich heutzutage auch in Bio-Qualität und fair gehandelt.
Dieses Beispiel zeigt auch, wie problematisch Monokultur-Plantagen sind. Plantagen-Bananen besitzen keine Samen, sie werden als Klone vermehrt und angebaut. Eine monoklonale Plantage hat einem Erreger oder Parasiten nichts entgegensetzen. Vielfalt in der Landwirtschaft ist ein wichtiges Instrument, um weltweite Pflanzen-Pandemien zu unterbinden.
Um für die nächste Katastrophe gewappnet zu sein sind Forscher*innen immer wieder auf der Suche nach Wildformen. Es ist wichtig, dass genau solche Bemühungen ernst genommen werden und wir uns für den Erhalt der verschiedenen Arten in ihrer Wildform einsetzen. Samenbanken, die alte Sorten katalogisieren, spielen dabei eine wichtige Rolle, sowohl in den Tropen als auch für den heimischen Obstgarten.
Vielfalt für menschliche Anwendungen
Über viele Millionen Jahre sind durch diese Anpassungsprozesse auch zahlreiche Stoffe entstanden, die für uns Menschen bedeutsam sind: von Nahrungsmitteln über Brenn‑ und Baustoffe bis hin zu medizinisch wirksamen Substanzen. Die Natur liefert seit Jahrtausenden Vorbilder für Medikamente und technische Innovationen – etwa die extrem reißfeste Seidenspinnenseide. Auch in der Agrarindustrie setzt sich immer mehr die Erkenntnis durch, dass genetische Vielfalt Pflanzen vor Schädlingen schützt. Eine hohe Biodiversität erhöht die Widerstandsfähigkeit von Pflanzen auch hinsichtlich von Klimawandelauswirkungen.
Biodiversität und Ökosysteme – die Biome der Welt
Biome sind Großlebensräume, die sich vor allem durch typische Temperatur‑ und Niederschlagsmuster unterscheiden. Dazu zählen etwa tropische Wälder, Savannen, Wüsten oder Tundra.
Was ist Vielfalt der Ökosysteme?
Ein Ökosystem umfasst einen Lebensraum und alle dort lebenden Organismen – Tiere, Pflanzen, Pilze, Mikroorganismen. Alle Bestandteile sind miteinander verknüpft und übernehmen bestimmte Funktionen. Wird ein Teil des Systems gestört oder entfernt, kann das weitreichende Folgen haben.
Vielfalt macht stabil.
Besonders kritisch ist das für Arten, die stark spezialisiert sind und nur in einem bestimmten Gebiet vorkommen – sogenannte Endemiten. Für sie ist der Erhalt ihres Lebensraums überlebenswichtig. Wer möglichst viele Ökosysteme erhält, schützt die dort lebenden Arten und deren genetische Vielfalt. Umgekehrt gehen viele Ökolog*innen davon aus, dass eine hohe Artenvielfalt Ökosysteme stabiler und widerstandsfähiger macht.
Ökosysteme: Definition und Gemeinsamkeiten
- Sie sind offen: Ökosysteme gehen ineinander über, Arten können zwischen ihnen wechseln.
- Sie sind dynamisch: Sie reagieren auf Einflüsse von außen und innere Veränderungen und können sich dabei dauerhaft wandeln.
- Sie sind komplex: Durch unzählige Wechselwirkungen entsteht ein dichtes Beziehungsnetz.
Man unterscheidet grob zwischen terrestrischen (an Land) und aquatischen (im Wasser) Ökosystemen. Terrestrische Ökosysteme lassen sich in große Biome einteilen – etwa tropische Regenwälder, Savannen oder Tundren. Diese sind keineswegs statisch: Eine der gravierenden Gefahren der Klimakrise besteht darin, dass sich etwa Teile des Amazonas‑Regenwaldes in eine savannenartige Landschaft verwandeln könnten. Wie eng Biodiversität und Klimawandel zusammenhängen, vertiefen wir auf der Seite „Biodiversität und Klimawandel“.
Warum ist die biologische Vielfalt in den Tropen so hoch?
Der Artenreichtum ist weltweit ungleich verteilt. Die Anzahl der verschiedenen Tier- und Pflanzenarten nimmt vom Nord- und Südpol zum Äquator hin zu. In extremen Lebensräumen wie Wüsten oder Regionen mit viel Eis gibt es dagegen vergleichsweise wenige Arten. Besonders in der Nähe des Äquators, also in den Tropen, gibt es eine außergewöhnlich hohe Biodiversität.
Sonne, Wasser und gleichmäßiges Klima fördern Komplexität.
Dies liegt an ganzjährig hohen Temperaturen, viel Niederschlag und einer erheblichen strukturellen Vielfalt der Lebensräume. Diese Menge an Strukturen ermöglicht viele ökologische Nischen. Jede weitere Art ermöglicht wiederum, dass sich neue Beziehungen zu Räubern, Beute, Parasiten oder Symbiosen entwickeln können. Das kann Nischen und Artenzahl erheblich erhöhen. So können auf einem Hektar tropischem Regenwald, das sind etwa eineinhalb Fußballfelder, unglaublich über 600 Baumarten gezählt werden. Von Fachleuten wird der Tropengürtel aufgrund dieser Tatsache auch als „Breitengradient des Artenreichtums“ bezeichnet. Schätzungen zufolge kommen in den Tropenwäldern zwei Drittel aller bekannten Tier- und Pflanzenarten vor, obwohl diese Wälder nur etwa 12 Prozent der Landfläche einnehmen. Von den marinen Lebensräumen beherbergen die tropischen Korallenriffe die umfangreichste Artenvielfalt. Auf unseren Seiten „Tiere im Regenwald“ und „Pflanzen im Regenwald“ finden Sie zahlreiche Beispiele für die Vielfalt in den Tropen.
Die Bedeutung der Artenvielfalt für den Schutz sensibler Ökosysteme
Eine hohe Vielfalt wiederum ist wichtig für die Widerstandsfähigkeit eines Ökosystems. Die Widerstandskraft und der Widerstand gegenüber Störungen dämpfen die Auswirkungen von Eingriffen des Menschen. Sind sie hoch, hat das Ökosystem eher die Chance, wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Ist der Eingriff des Menschen in das Ökosystem jedoch zu stark, die Zerstörung zu groß, kann auch ein sehr widerstandsfähiges Ökosystem sich nicht mehr erholen und wird für immer verloren gehen.
Resilienz und Stabilität oft an einzelne Arten geknüpft
Ökosysteme wie Regenwälder und Korallenriffe reagieren besonders sensibel auf bestimmte Umweltveränderungen, manchmal schon auf das Verschwinden einer einzigen Art. Manche Insekten, Vögel, Fledermäuse oder Affen bestäuben nur eine ganz bestimmte Art oder Gruppe von Pflanzen und Bäumen. Wird der Bestäuber ausgerottet, kann das zu einer fatalen Kettenreaktion führen. Mit dem Tod des Bestäubers kann zum Beispiel auch eine Baumart für immer verschwinden, die wiederum die Lebensgrundlage für andere Pflanzen, Pilze, Moose oder Tierarten ist. Häufig ist es nicht möglich, vorherzusehen, ob das Verschwinden einer einzelnen Art große oder kleine Veränderungen bewirken würde. Daher ist ein umfassender Schutz der gesamten Vielfalt der Arten eine wichtige Vorsorgemaßnahme, um funktionierende Ökosysteme zu erhalten.
Strategischer Schutz von Biodiversität
Die OroVerde-Schutzprojekte konzentrieren sich daher überwiegend auf Biodiversitäts-Hotspots, um möglichst viele bedrohte Arten und Lebensräume zu bewahren. So zum Beispiel auch das Projektgebiet in der Kernzone des Nationalparks Sierra del Lacandón in Guatemala – ein faszinierender Ort von atemberaubender Schönheit. Der Naranjitos-Regenwald beherbergt eine einzigartige Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten. Diesen Zustand will OroVerde bewahren und den wertvollen Regenwald vor weiterer Zerstörung schützen.
Der äquatornahe Alexander-von-Humboldt-Nationalpark im Südosten Kubas zum Beispiel ist Teil eines Biodiversitäts-Hotspots und ein wichtiges biologisches Refugium der Karibik. Eine der kleinsten Froscharten der Welt, das Monte-Iberia-Fröschchen, und der kleinste Vogel der Welt, die Bienenelfe, leben in diesem Gebiet. Das Monte-Iberia-Fröschchen wurde bisher sogar nur in diesem Nationalpark nachgewiesen! OroVerde unterstützte die Gründung des Alexander-von-Humboldt-Nationalparks und setzt sich vor Ort bereits seit über 30 Jahren für den Schutz der einmaligen und seltenen Artenvielfalt ein.
Die Hotspots der Biodiversität zu schützen ist nur der Anfang. Wenn wir langfristig die Biodiversität erhalten wollen, müssen Maßnahmen ergriffen werden, wie sie die Wissenschaftler*innen des IPBES-Berichtes vorschlagen. Hierzu gehören der Ausbau der ökologischen Landwirtschaft, die Umsetzung von konkreten Klimazielen durch die Politik sowie durch zivilgesellschaftlichen Einsatz. Außerdem muss ein Umdenken stattfinden, weg von unkontrolliertem Wirtschaftswachstum, hin zu nachhaltigen Finanzkonzepten.
Fotonachweis: Mert Kaşıkçı via Pexels (Titelbild); K. Wothe: (Frosch, Kronentaube, Aras, Chameleon, Berggorilla, Kolibri, Elefanten); Özi's Comix Studio (Tukan Titelbild, Zeichnungen und Grafik Hotspots, CC-BY-NC); OroVerde/ E. Mannigel (Falter Titelbild, rote Blüte Titelbild, Korallenbaum); OroVerde/ M. Schulze-Vorberg (Papagei Titelbild); OroVerde / A. Ackermann (rosa Blüte Titelbild); Future Kiid/ Pexels (Elefant), Pexels (Tapir), Brett Jordan/Pexels (Orang Utan Titelbild); Ravi Kant/Pexels (Kapuzineräffchen Titelbild); pxhere (Jaguar Titelbild, Okapi Titelbild);OpenStax College, Biology, CC BY 4.0 (Grafik Biome); Klaus & Rita Niemeyer (gelber Baumsteigerfrosch); Raul Romero (Iberia-Fröschchen), Deepak Ramesha via pexels (Korallenbaum), Unsplash (Seekuh), Mert Kasikci via pexels (Titelbild)
