Große Flächenverluste in den Tropenwäldern sind für viele bereits zur Normalität geworden. Doch nun zeigen aktuelle Zahlen, dass die Entwaldung im Amazonas-Regenwald zurückgeht. Eine gute Nachricht die Hoffnung macht. Und warum konsequenter Tropenwaldschutz trotzdem wichtig bleibt.
22. Juli 2026 | Paula Anik Hardt
Die Entwaldungswarnungen im brasilianischen Amazonasregenwald sind im Vergleich zum Vorjahr um 37 Prozent zurückgegangen. Damit befinden sie sich laut aktuellen Daten des nationalen Instituts für Weltraumforschung (INPE) in Brasilien auf dem niedrigsten Stand seit zehn Jahren. Der Regenwald wird also weiterhin gerodet, jedoch mit deutlich geringerer Geschwindigkeit.
Nicht nur im Amazonas geht die Entwaldung zurück. Auch in der Region El Cerrado, dem artenreichsten Savannengebiet der Welt, ist die Entwaldung im Vergleich zum Vorjahr um knapp 8 Prozent zurückgegangen.

Der Rückgang der Entwaldung zeigt: entschlossene Politik bewirkt Veränderung. Jetzt kommt es darauf an, diesen politischen Kurs konsequent fortzusetzen.
Umweltschutz unter Lula da Silva
Zum Vergleich: Den letzten Höchststand erreichte die Entwaldung im Amazonas im Jahr 2022 unter dem damals amtierenden Präsidenten Jair Bolsonaro. Damals wurden 11.568 Quadratkilometer Regenwald in nur einem Jahr abgeholzt.
2023 übernahm Luis Ignácio Lula da Silva das Amt, mit dem erklärten Ziel, die illegale Entwaldung bis zum Jahr 2030 zu beenden. Bereits sechs Monate nach der Wiederaufnahme und Verstärkung entsprechender Maßnahmen, darunter Investitionen in Personal und Kontrollflugzeuge, höhere Strafen und Überwachung mithilfe von Satellitenbildern, sanken die Warnmeldungen für Abholzung um 66 Prozent. Zwischen August 2025 und Juni 2026 summierten sich die Entwaldungswarnungen nur noch auf 2.485 Quadratkilometer.
Die EU-Verordnung für entwaldungsfreie Lieferketten
Für große Unternehmen in der Europäischen Union tritt ab Dezember 2026 die EUDR (European Union Deforestation Regulation) in Kraft. Produkte aus bestimmten Rohstoffen wie Holz, Soja oder Kaffee dürfen dann nur noch in die EU exportiert werden, wenn nach dem 31. Dezember 2020 für ihre Herstellung kein Wald mehr zerstört wurde.
Dadurch steigt der wirtschaftliche Wert von entwaldungsfrei hergestellten Produkten. Dass diese EU-Verordnung international direkte Konsequenzen hat, zeigt sich bereits jetzt. Das INPE hat zusätzlich zu seinem bestehenden Monitoring eine detailgenaue Referenzkarte erstellt, um die Entwaldung bis zum Stichtag Ende Dezember 2020 klar nachvollziehbar darzustellen.
Was bedeutet diese Entwicklung?
Für die Natur und Bewohner des Amazonasgebiets, aber auch für die Weltgemeinschaft sind der starke Rückgang in der Entwaldung sowie die politische Förderung dieser Tendenz positive Nachrichten.
Der Regenwald hat für den gesamten Wasserhaushalt des Amazonasbeckens eine Schlüsselfunktion inne. Nicht nur in Brasilien, auch in sämtlichen Nachbarländern schafft sein lokaler Wasserkreislauf die Grundlage für die Existenz vieler weiterer Ökosysteme. Außerdem entspricht die Menge an dort gespeichertem Kohlenstoff etwa den weltweiten Emissionen von 15 bis 20 Jahren. Ein stabiler Regenwald kommt also letztlich allen zugute.
Gefahr des Kippens besteht weiterhin
Gerade weil der Amazonas Regenwald eine so wichtige Rolle spielt, ist es wichtig, nach ersten Erfolgen die Schutzbemühungen nicht einbrechen zu lassen. Durch Hitze, Dürren und Waldbrände ist der Regenwald längst nicht mehr nur durch illegale Abholzung bedroht. Vielmehr sorgt eine Verflechtung aus Klimawandel, illegaler Abholzung, Waldbränden und lokalen Veränderungen im Wasserhaushalt für eine kontinuierliche Schwächung dieses Ökosystems. Als Kippelement im Klimasystem kann der Amazonas-Regenwald je nach Entwicklung dieser Faktoren ab einem bestimmten Punkt seine lokalen Kreisläufe nicht mehr aufrechterhalten und sich in trockenes Savannengebiet verwandeln.
Die Bemühungen, Entwaldung in jeder Form zu begrenzen, degradierte Flächen wieder aufzuforsten und die globale Erwärmung aufzuhalten, müssen also weitergehen.
Der erste Schritt ist schon getan – entscheidend ist nun, diesen Weg konsequent weiterzugehen!
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Martina Schaub
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Zuletzt aktualisiert: 20.07.2026