>
Skip to main navigation Skip to main content Skip to page footer

Warum die Trendwende beim Waldschutz Hoffnung macht – und warum wir jetzt handeln müssen.

Bonn/Jakarta, 13. September 2026 – Es gibt gute Nachrichten aus den grünen Lungen der Erde: Aktuelle Daten des World Resources Institute (WRI) und der Universität von Maryland zeigen, dass der Verlust von tropischen Primärwäldern im Jahr 2025 zurückgegangen ist. Zum “Tag der Tropenwälder” am 14. September betont die Tropenwaldstiftung OroVerde, dass dieser Fortschritt ein starkes Signal der Hoffnung ist. Er beweist, dass politischer Wille, strengere Gesetze, der Schutz indigener Territorien, Schutzgebietsmanagement und entwaldungsfreie Lieferketten konkret wirken und tonnenweise Treibhausgase einsparen können.

Doch dieser Erfolg ist ein Etappenziel, das uns vor neue Aufgaben stellt. Denn die klimatischen Rahmenbedingungen drängen die Natur an ihre Belastungsgrenzen.

Vom Erfolg bedroht: Wenn das Feuer den Fortschritt frisst

Ob das Hohe Venn an der deutsch-belgischen Grenze oder die riesigen, trockengelegten Torfmoore in Indonesien – die Brände dieses Sommers und die jüngsten Analysen belegen, dass Feuer zu einer der größten Gefahren für die weltweiten Wälder geworden sind. Im Jahr 2025 machten Brände weltweit rund 42 Prozent des gesamten Baumverlusts aus.

Brandbeschleuniger Torfmoore

Brennen dann auch noch die Torfböden, ist die Situation noch dramatischer: Torfmoore sind wassergesättigte Böden, die über Jahrtausende Kohlenstoff und hochspezialisierte Lebensräume aufgebaut haben. Solange sie nass sind, brennen sie kaum; sobald sie entwässert werden, verwandelt sich der Torf in einen festen, leicht entflammbaren Brennstoff. Was im Hohen Venn auf kleiner Fläche geschieht, wiederholt sich in Indonesien in riesigem Maßstab: mit entsprechenden globalen Konsequenzen.

Wenn der Boden zur CO2-Quelle wird, entsteht ein gefährlicher Teufelskreis: Mehr Feuer führt zu mehr Emissionen und treibt die Erderwärmung weiter an. NASA-Analysen zeigen, dass in Indonesien Feuer sowohl an der Oberfläche als auch tief im Boden brennen und über Wochen und Monate Rauch und Schadstoffe freisetzen. Diese „Zombie-Feuer“ zerstören nicht nur die Vegetation, sondern auch die Bodenstruktur und die darin lebenden Organismen, was eine Regeneration zusätzlich erschwert.

Indonesien im Torfbrand-Modus: Warum 2026 anders ist

Ein „Super-El-Niño“ trifft auf trockengelegte Landschaften. In Indonesien verstärkt ein sehr starker El Niño zusammen mit dem langfristigen Klimawandel die Dürre über weiten Teilen des Archipels. Behörden und Forschende betonen, dass solche Extremphasen ohne den menschengemachten Klimawandel seltener und weniger intensiv wären. Genau diese klimatische Zuspitzung bringt trockengelegte Torflandschaften an den Kipppunkt, an dem aus einzelnen Funken schnell großflächige, kaum beherrschbare Brände werden.
 

Kanäle, Plantagen, Brandrodungen: Der menschliche Faktor

Hinter den Feuerkatastrophen in Kalimantan und Sumatra steht ein ähnliches menschliches Erbe wie im Hohen Venn: Kanäle für die Holzindustrie und für Öl  und Palmplantagen haben große Torfflächen trockengelegt. Sinkt der Grundwasserspiegel, trocknet der Torf, wird porös und entzündet sich leicht – es reicht bereits eine unachtsam weggeworfene Zigarette. In den entwässerten Mooren Indonesiens verwandeln sich Landschaften durch Kanäle und anhaltende Dürren in tickende Zeitbomben. Nicht nur die Wälder selbst brennen und vernichten die Heimat von vom Aussterben bedrohten Arten wie dem Orang-Utan. Unterirdische Feuer schwelen wochen- und monatelang und setzen gigantische Mengen CO2 frei. 

background bubble

Zum Tag der Tropenwälder fordern wir eine starke Doppelstrategie: Um die tropischen Wälder zu schützen, braucht es nicht nur Waldschutz. Es braucht zugleich eine deutliche Reduktion an Treibhausgasemissionen, damit Dürre‑ und Hitzeextreme nicht weiter zunehmen. 

background bubble
Martina Schaub, Vorständin OroVerde – Die Tropenwaldstiftung

Die Lehre: Eine starke Doppelstrategie für die Zukunft

Die positiven WRI-Zahlen von 2025 sind der beste Beweis dafür, dass sich konsequenter Einsatz lohnt. Sie zeigen, dass wir das Ruder herumreißen können. Doch die Realität der globalen Klimabrände macht auch deutlich: Lokale Schutzmaßnahmen und politische Erfolge allein reichen langfristig nicht aus, wenn der übergeordnete Klimawandel nicht gestoppt wird.

OroVerde fordert zum Tag der Tropenwälder deshalb eine unweigerliche Doppelstrategie:

Erstens schnelle, deutliche Reduktionen der Treibhausgasemissionen, damit Dürre  und Hitzeextreme nicht weiter zunehmen. Ohne diese globale Komponente bleiben alle lokalen Maßnahmen im Kern defensiv – sie können Schäden mindern, aber nicht verhindern, dass die klimatischen Rahmenbedingungen immer extremer werden.

Zweitens braucht es gleichzeitigen Schutz, Wiedervernässung und ökologische Restaurierung von Wäldern und Mooren. Dazu gehört neben vielfältigen Maßnahmen zum Schutz der (Tropen-)Wälder auch das Stoppen weiterer Torf Entwässerung und die Wiedervernässung von Torfmoorböden. Nur im Zusammenspiel von wirksamem Klimaschutz und konsequentem Ökosystem Schutz bleiben Lebensräume für spezialisierte Arten langfristig erhalten – in Indonesien und weltweit.

Jetzt Regenwald-Schutzprojekte fördern

Mit Ihrer Spende unterstützen Sie wichtige Projekte zum Schutz des Regenwalds. Damit leisten Sie einen wichtigen Beitrag zum Arten- und Klimaschutz und helfen den Menschen vor Ort.

Biodiversität als Kompass

Die Brände in Indonesien sind keine isolierten Katastrophen, sondern Symptome eines Systems, das an seine Grenzen gebracht wird. Wo Orang-Utans, Nashornvögel und einzigartige Torfwälder verschwinden, zeigt sich: Kein Wald  und Moorschutz funktioniert, wenn der Klimawandel nicht gestoppt wird. Biodiversität kann dabei als Kompass für wirksamen Klima  und Naturschutz dienen – sie macht sichtbar, wo Schutzmaßnahmen wirklich tragen und wo sie unter den veränderten klimatischen Bedingungen scheitern. Wer Arten und Lebensräume erhalten will, muss Klimaschutz zur Grundbedingung jeder glaubwürdigen Biodiversitäts- und Waldstrategie machen. Nur wenn echter Klimaschutz und intakte Biodiversität Hand in Hand gehen, bleibt die aktuelle Kehrtwende im Waldschutz mehr als nur ein kurzes Aufatmen.

Ihr Pressekontakt

Martina Schaub
Vorständin
+49 228 24290-15
mschaub[at]oroverde[dot]de

Setzen Sie Ihre Expedition fort
Schutzprojekte vor Ort

OroVerde setzt Regenwald-Schutzprojekte mit einheimischen Partnern in elf Ländern um – mit verschiedenen Schwerpunkten.

So geht nachhaltiger Regenwaldschutz

6 Wege, wie Tropenwälder geschützt werden können.

Handeln

Wie können wir einkaufen und dabei Regenwald schützen? Was können wir sonst tagtäglich tun?

Fotonachweis: Getty Images via Unsplash Plus (Header)

Kontakt Scroll to top