Für die Menschen am Golf von Fonseca in Honduras sind Mangroven weit mehr als Bäume: Sie sichern Fischbestände, schützen die Küste und ernähren ganze Familien. Doch Klimawandel, Umweltverschmutzung und Abholzung setzen das Ökosystem unter Druck. Gemeinsam mit OroVerde und CODDEFFAGOLF kämpfen Fischerinnen und Fischer um die Zukunft ihrer Heimat.
8. September 2026 | Melissa Brosig
Noch bevor wir das Meer sehen, liegt der Geruch von Salzwasser und frischem Fisch in der Luft, als wirauf unserer Dienstreise Ende April 2026 in der Gemeinde Colonia 3 de Febrero aus dem Auto steigen. Kleine Mangroveninseln versperren hier im Schutzgebiet Los Delgaditos den Blick auf das Meer. Schnell wird klar: Hier dreht sich fast alles um den Fischfang.
Leben vom Meer
Wir treffen Mitglieder der ländlichen Spar- und Kreditgemeinschaft „Bendición de Dios“ (Gottes Segen), die seit mehr als einem Jahrzehnt mit der lokalen Partnerorganisation CODDEFFAGOLF zusammenarbeiten. Fischer Franklin Ovet Gómez Quevedo ist Vizepräsident der Gruppe. Bereits mit 14 Jahren ging er neben der Schule fischen, um zum Lebensunterhalt der Familie beizutragen. Für seine Heimat findet er sehr liebevolle Worte: „Der Golf von Fonseca ist das Zuhause von uns Fischern. Er ist wie eine Mutter, die ihre Kinder stillt. Ohne den Golf von Fonseca gäbe es uns traditionelle Fischer hier in Honduras nicht.“
Die Mangroven bilden mit ihren weit verzweigten Wurzeln einen idealen Lebensraum für Meerestiere. Die Fischergemeinden haben daher ein direktes Interesse daran, die Mangrovenwälder als Lebensraum zu schützen. Doch die Artenvielfalt und der Fischreichtum am Golf von Fonseca sind bedroht.
Als die Fische und Muscheln starben
Bereits im Jahr 2019 gab es ein großes Fisch- und Muschelsterben. Bis heute konnte dir Ursache nicht geklärt werden.
CODDEFFAGOLF vermutet, dass Schadstoffe wie landwirtschaftliche Pestizide, Düngemittel oder Industrieabfälle über Flüsse in den Golf gelangt sein könnten. Viele Muscheln, wie die lokalen Sorten Curil oder Casco de Burro, Krabben und Blaukrabben sowie Fische verloren ihr Leben und die Fischfamilien damit ihre primäre Nahrungs- und Einnahmequelle. Franklin erzählt: „Das Massensterben hat uns sehr stark getroffen. Wenn ich frühstückte, konnte ich nicht zu Abend essen. Wenn ich etwas für meinen Sohn kaufte – damals war er noch sehr klein –, musste ich ihm Zuckerwasser statt Milch geben, weil ich kein Geld für Milch hatte. Das war wahrscheinlich das Schlimmste, was uns Fischern passieren konnte.“
Um der Ursache des Muschel- und Fischsterbens auf den Grund zu gehen, begann CODDEFFAGOLF in Kooperation mit der lokalen Universität in Choluteca, ein wissenschaftliches Forschungslabor aufzubauen. Inzwischen werden zweimal im Jahr Wasserproben entnommen und untersucht. Die Partnerorganisation kann so unmittelbar positive und negative Entwicklungen im Golf dokumentieren und veröffentlichen.
Wenn Mangroven verschwinden
Auch weitere Gefahren lauern am Golf. Ninoska, die wie Franklin in der Gruppe „Bendición de Dios“ engagiert ist, berichtet: „Die Mangroven stehen unter Druck, weil viele Menschen lebende Mangrovenbäume kaufen und fällen. Dadurch werden viele Tiere und Lebensräume zerstört – Krabben, Muscheln und andere Arten.“. Ninoska ist Muschelsammlerin und engagiert sich zusätzlich zu ihren alltäglichen Aufgaben bei den Aufforstungsaktionen, die CODDEFFAGOLF vor Ort organisiert.
Auch Franklin beobachtet diese Tendenz: „Viele Menschen aus der Gemeinde und den Nachbarorten haben die Bedeutung der Mangroven für die Küstenregion noch nicht erkannt. Das bereitet uns Sorgen. Denn mit weniger Mangroven gibt es weniger Schutz vor Naturkatastrophen und vor den Folgen des Klimawandels.“ Der Klimawandel ist im Golf von Fonseca deutlich zu spüren. In der ohnehin trockenen Region verstärkt das Klimaphänomen El Niño Dürren und Trockenperioden in einigen Jahren zusätzlich. Das belastet die Landwirtschaft, lässt Lagunen austrocknen und setzt auch die Mangrovenwälder unter Stress.
Fischen im Grenzbereich
Auch für die Fischerei sind die hohen Temperaturen in der Region ein Problem. Denn die Fische ziehen sich dann in das kühlere Gewässer im offenen Golf zurück. Das bedeutet, dass die Fischer weiter rausfahren müssen. Auf dem offenen Gewässer passiert es häufiger, dass sie ihre Fangnetze verlieren - oder aber in einem aufziehenden Sturm Gefahr laufen, ihr Leben zu verlieren.
Im Golf verlaufen zudem die Grenzen zu Nicaragua und El Salvador und es patrouillieren Grenzboote, die die Fischerboote streng kontrollieren. Ninoska erklärt uns: „Früher lebten wir fast ausschließlich vom Fischfang. Unsere Ehemänner mussten oft bis nach Nicaragua fahren, um zu fischen. Sie riskierten dabei ihr Leben. Trotzdem gingen sie dieses Risiko ein, um ihre Familien zu ernähren.“ Franklin ergänzt: „Wenn man schließlich wieder am Anleger ankommt, ist das eine Erleichterung. Man dankt Gott, denn wenn man hinausfährt, weiß man nicht, wann oder ob man zurückkommt.“
Aus diesem Grund ist es für die Menschen wichtig, dass der Fischfang wieder an der Küste und zwischen den Inseln möglich ist.
Mangroven für lebendige Küsten
Bereits seit 2021 arbeiten CODDEFFAGOLF und OroVerde am Golf von Fonseca zusammen, um die Mangrovenwälder zu schützen und zu stärken. So wurden in den letzten Jahren bereits 50 Hektar Mangroven in den Projektgebieten am Golf gepflanzt. Um sicher zu gehen, dass diese nicht gefällt werden, setzen die Menschen auf Sensibilisierung ihrer Mitmenschen und auf Überwachung.
Sie haben sich die einzelnen Standorte aufgeteilt und kontrollieren einmal am Tag, dass niemand illegal die Mangroven fällt. Nur Totholz darf entnommen werden. Ninoska erzählt uns: „Ich schloss mich an, weil man wissen muss, was einem im Leben helfen kann. Die Wiederherstellung der Mangroven ist wichtig, weil dort viele Arten leben: Krabben, Muscheln und die sogenannte „Casco de Burro“-Muschel. Man muss die Natur lieben und darf sie nicht zerstören.“
Mangroven bilden Stecklinge an ihren Ästen, die irgendwann abfallen. Die Stecklinge werden mit der Flut davongetragen und bilden an anderen Orten Wurzeln. Oder sie werden - wie hier im Projekt – gesammelt, in Baumschulen vorgezogen und anschließend gezielt dort ausgepflanzt, wo der Wald gestärkt werden muss. Dort bilden sie dann einen neuen Lebensraum für Muscheln, einen Laichgrund für Fische und Rast- und Nistplätze für Wasservögel. 20 Hektar sollen in den nächsten 4 Jahren mit Setzlingen der Sorten Rote und Schwarze Mangroven aufgeforstet werden.
Muscheln für Einkommen und Ernährung
Doch neben dem Fischfang soll auch die Vielfalt der Muscheln am Golf wieder erhöht werden. Denn die Muscheln sind eine wichtige Nahrungs- oder Einnahmequelle und können auch dann gesammelt werden, wenn der Fischfang nicht möglich ist, zum Beispiel wenn der Wellengang zu hoch ist. Ninoska und viele andere Frauen sammeln Muscheln, die zwischen den Mangrovenbäumen im Schlamm leben. „Gott sei Dank haben wir diese Möglichkeit, um unsere Kinder versorgen zu können.“ erklärt sie uns über das Muschelsammeln. „Wir richten uns nach den Gezeiten. Manchmal stehen wir um drei Uhr morgens auf. Gegen Mittag bringen wir den Lebensunterhalt für unsere Familien nach Hause.“ Alles, was sie nicht für die Ernährung der Familie benötigen, wird verkauft.
Auch bei der Anzucht der Muscheln kooperiert CODDEFFAGOLF mit der Universität in Choluteca. Anfang des Jahres 2026 wurden zwei Muschelbänke von 6 x 6 Meter gebaut. Sie sind von außen mit Draht und Netzen verkleidet, sodass das Wasser und die kleinen Muschellarven frei herausfließen können, die großen Exemplare aber in der Muschelbank verbleiben. Sie werden von den Studierenden der Universität vermessen. Anhand von Faktoren wie der Nährstoffzusammensetzung, der Sonneneinstrahlung oder der Schattenzeit wird erforscht, was besonders günstig für das Muschelwachstum sind. Ziel dabei ist es, dass die beiden beliebten Arten Curil und Casco de Burro, die an manchen Orten fast ausgestorben waren, sich wieder im Golf verbreiten.
Hoffnung zwischen den Mangroven
Am Ende unseres Besuchs stehen wir auf einer Pflanzfläche, die die Menschen vor etwa 3 Jahren angelegt haben. Die Setzlinge sind etwa 70 Zentimeter hoch. Während die steigende, lauwarme Flut unsere Beine umspült, berichten uns Franklin und Ninoska von ihren Hoffnungen und Erwartungen an das Projekt. „Wir wollen keine Wissenschaftler sein, aber wir beobachten, dass der Klimawandel möglicherweise ein weiteres Massensterben von Muscheln verursachen könnte“, vermutet Franklin. „Deshalb wünsche ich mir, dass wir mit diesem Projekt einen Schritt voraus sind. Hoffentlich lässt Gott das nicht zu, aber wenn es geschieht, haben wir bereits Vorarbeit geleistet, um die Folgen abzufedern.“ Und er richtet sich auch direkt an die Spenderinnen und Spender in Deutschland, die das Projekt unterstützen: „Ich möchte Ihnen sagen, dass ihre Spenden in etwas Produktives investiert werden, hier im Süden von Honduras. Jeder Cent wird sinnvoll eingesetzt.“
Und auch Ninoska betont, wie wichtig die Projektmaßnahmen für sie und die zukünftigen Generationen sind. Nicht nur, weil mit den Fisch- und den Muschelbeständen sich auch die Ernährung der Familien verbessert. Nicht nur, weil höhere Bestände auch ein höheres Einkommen der Familien versprechen. Sondern auch, weil mit jeder Pflanzaktion und jedem Gespräch sich das Wissen verbreitet, warum die Natur am Golf von Fonseca dringend geschützt werden muss. „Meine Kinder sollen erkennen, was wir für sie getan haben, und den Wert der Natur verstehen“, sagt sie Ninoska. „Ich danke ihnen, weil sie uns geholfen haben, unsere Natur kennenzulernen, sie zu schützen und zu bewahren.“
Für starke Mangroven und artenreiche Küsten in Honduras
Mit Ihrer Spende für das Projekt in Honduras ermöglichen Sie einen wichtigen Meilenstein im Golf von Fonseca. Wir erarbeiten gemeinsam mit unseren Partnern, den Akteuren vor Ort und den Gemeinden ein Schutzkonzept, das den Fischern und Muschelsammlerinnen ein Einkommen ermöglicht und zugleich die Mangroven und die Lagunen schützt und stärkt.
Noch Fragen zum Projekt? Ihre Ansprechpartnerin

Melissa Brosig
Team Fundraising & Spender*innenbetreuung
Telefon: +49 228 24290-64
mbrosig[at]oroverde[dot]de
Fotonachweis: ©OroVerde - L. Krings (Titelbild) ©CODDEFFAGOLF (Fischer, Krabbe, gesammeltes Holz, Gemeinde, Ninoska, Muschelbänke, Ninoska mit Muscheln)
Zuletzt aktualisiert: 8.09.2026
