Der Alexander-von-Humboldt-Nationalpark im Südosten Kubas ist ein Hotspot der Artenvielfalt: Auf vergleichsweise kleiner Fläche leben fast 2.000 Tier- und Pflanzenarten, von denen rund 70 Prozent endemisch sind – also nur hier vorkommen. Doch trotz seines offiziellen Schutzstatus fehlen vor Ort oft die Mittel für wirksame Naturschutzmaßnahmen. Zugleich ist die Bevölkerung in der Region von Armut, wenigen Einkommensmöglichkeiten und den Folgen des Klimawandels betroffen. Seit 1994 unterstützt OroVerde deshalb gemeinsam mit vielen Spender*innen die Nationalparkbehörde dabei, den einzigartigen Regenwald zu bewahren, bedrohte Arten wie das Karibik-Manati zu schützen und zugleich neue, naturverträgliche Perspektiven für die Menschen vor Ort zu schaffen.
Konkrete Fortschritte vor Ort
In den vergangenen Monaten und Jahren konnten wichtige Maßnahmen geplant und umgesetzt werden:
Der Ökotourismus wurde weiterentwickelt. Wanderwege und Lernpfade wurden angelegt oder instand gehalten, Beschilderungen verbessert und Besucherangebote ausgebaut. Auch einfache Übernachtungshütten, Sanitäranlagen und Verbesserungen am Büro der Nationalparkverwaltung in Bahia de Taco konnten umgesetzt werden. Damit entstehen neue Möglichkeiten, Menschen für den Schutz des Nationalparks zu begeistern und zugleich Einkommen in den Gemeinden zu schaffen.
Lokale Strukturen stärken: Jugend und Baumschulen
Auch in der Zusammenarbeit mit den Gemeinden gab es wichtige Fortschritte. In Workshops und praktischen Schulungen lernten Familien, wie ökologische Landwirtschaft mit lokal verfügbaren Mitteln gelingen kann. Natürliche Pflanzenschutzmittel, organischer Dünger und einfache Bewässerungslösungen helfen nun dabei, Ernten zu sichern und Böden sowie Gewässer zu schonen.
Ein weiterer wichtiger Schritt war der Aufbau der Imkerei. Bienenvölker, Bienenstöcke und Ausrüstung schaffen neue Einkommensmöglichkeiten durch Honig, Wachs, Pollen und Gelee Royal – ohne den Wald zu zerstören. Auch die nachhaltige Nutzung wilder Waldprodukte wurde weiterentwickelt.
Besonders wichtig bleibt zudem der Schutz des Wassers. Wasserreservoirs, Beobachtung der Wasserqualität und Untersuchungen von Flussabschnitten helfen, die Wasserversorgung der Menschen und die empfindlichen Lebensräume im Nationalpark besser zu schützen.
Ein großer Erfolg ist außerdem die Aufforstung: 135.000 Bäume konnten gepflanzt werden. Sie helfen, geschädigte Waldflächen zu regenerieren, Böden zu stabilisieren und die Wasserversorgung der Region langfristig zu verbessern.
Wenn Wirkung Kreise zieht
All diese Maßnahmen zeigen: Regenwaldschutz braucht Geduld und verlässliche Unterstützung. Besonders ermutigend ist, dass sich inzwischen weitere Gemeinden für die Arbeit interessieren. Denn wo Menschen erleben, dass ökologische Landwirtschaft funktioniert, Wasser besser geschützt wird und neue Einkommensquellen entstehen, wächst die Bereitschaft, selbst aktiv zu werden. Deshalb ist es so wichtig, hier dranzubleiben. Mehr zur aktuellen Lage auf Kuba und zu unseren nächsten geplanten Aktivitäten lesen Sie auf der Rückseite.
Die aktuelle Lage in Kuba ist dramatisch
Stromausfälle, Treibstoffmangel, fehlende Lebensmittel, kaum verfügbare Materialien und eine immer schwierigere Versorgung prägen den Alltag der Menschen. Auch die Projektarbeit ist davon unmittelbar betroffen: Computer sind ohne Strom unbrauchbar, Internetverbindungen brechen ab, Transportmittel fehlen, und manche Gemeinden sind wegen Treibstoffmangels oder schlechter Wege kaum erreichbar.
Hinzu kommen große Hürden bei der Beschaffung dringend benötigter Materialien. Einfache Dinge wie Macheten, Rohre, Bewässerungsmaterial, Papier oder Tinte sind vor Ort oft nicht erhältlich oder können wegen internationaler Handels- und Finanzbeschränkungen nur schwer ins Land gebracht werden. Selbst Geldüberweisungen sind kompliziert, weil Banken Sanktionen fürchten. So verzögern sich wichtige Maßnahmen, obwohl der Bedarf in den Gemeinden enorm ist.
Umso beeindruckender ist das Engagement der kubanischen Kolleginnen und Kollegen. Sie laufen stundenlang zu Fuß zu Treffen, arbeiten bei extremer Hitze und Stromausfall, stehen früh morgens auf, wenn kurzzeitig Strom verfügbar ist, und teilen das Wenige, das sie haben, damit gemeinsame Aktivitäten stattfinden können. Trotz aller Widrigkeiten halten sie an dem Ziel fest, die Gemeinden zu stärken, Wasser zu sichern, Landwirtschaft nachhaltiger zu gestalten und den Wald zu schützen.
Die Herausforderungen sind groß – doch ebenso groß sind Solidarität, Fachwissen und der Wille der Menschen vor Ort, Lösungen zu finden. Internationale Unterstützung ist in dieser Situation wichtiger denn je, damit dringend benötigte Hilfe ankommen und die begonnene Arbeit weitergehen kann.

Unsere Arbeit trägt dazu bei, dass der Alexander-von-Humboldt-Nationalpark nicht nur ein Ort außergewöhnlicher Artenvielfalt bleibt, sondern auch ein Lebensraum für die lokalen Gemeinden – und ein hoffnungsvolles Beispiel dafür, wie Natur- und Klimaschutz selbst unter schwierigen Bedingungen gelingen können. Ich würde mich freuen, wenn Sie weiter dranbleiben – Kuba braucht dringend unsere Hilfe!
Wie es jetzt weitergeht
OroVerde möchte die erfolgreiche Arbeit im Alexander-vonHumboldt-Nationalpark fortführen und gemeinsam mit den Menschen vor Ort Wald, Wasser und Lebensgrundlagen schützen. Dazu stärken wir behutsamen Naturtourismus, fördern ökologische Landwirtschaft, schaffen neue Einkommensmöglichkeiten etwa durch Imkerei und nachhaltige Waldprodukte, schützen Flüsse und Wasserquellen und setzen die Aufforstung geschädigter Flächen fort. So entsteht ein Ansatz, der Artenvielfalt bewahrt, Gemeinden stärkt und den Druck auf den Wald verringert – gerade jetzt, wo die schwierige Lage auf Kuba die Menschen und die Projektarbeit besonders herausfordert.
Vielen Dank für Ihre Unterstützung!
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Fotonachweis: ©OroVerde - M. Santamaria (Titelbild), OroVerde - A. Fincke (Imkerei), OroVerde - Dr. E. Mannigel (Transport auf Wagen)
Zuletzt aktualisiert: 23.07.2026
