Seit Jahrtausenden wird der Ingwer als vielseitige Arzneipflanze und als Gewürz genutzt. Doch Ingwer hat noch eine weitere Superkraft: Er spielt auch eine zentrale Rolle beim Schutz von Ökosystemen.
5 Fakten zu Ingwer
Ingwer wächst am liebsten in tropischen und subtropischen Klimazonen.
Indien lag 2024 an der Spitze der weltweiten Ingwerproduktion, gefolgt von Nigeria und China.
Die Knolle ist eine bewährte Heilpflanze und wird bei zahlreichen gesundheitlichen Beschwerden eingesetzt.
In der Landwirtschaft kann Ingwer als natürlicher Erosionsschutz dienen, da seine Knollen und Wurzeln die Erde befestigen.
Für viele Kleinbäuer*innen stellt der Anbau von Ingwer ein zuverlässiges Nebeneinkommen dar.
Steckbrief Ingwerpflanze
Der Ingwer (Zingiber officinale) ist die namensgebende Pflanzenart der Familie der Ingwergewächse (Zingiberaceae) und ist eine krautige Staude, die aus dem Ingwer-Rhizom austreibt. Ein Rhizom ist ein unterirdischer, meist waagerecht wachsender Spross, der der Pflanze als Speicher- und Überdauerungsorgan dient. Dieses Rhizom ist die essbare Ingwerwurzel und kann geteilt werden. So kann Ingwer einfach vermehrt werden.
Wo wächst Ingwer?
Ingwer liebt warme Temperaturen und eine hohe Luftfeuchtigkeit. Daher wächst die Pflanze besonders gut in tropischen und subtropischen Klimazonen. Woher Ingwer ursprünglich stammt, ist nicht sicher bekannt. Expert*innen mutmaßen, dass die Pflanze ihren Ursprung auf den pazifischen Inseln in Asien hat. Traditionell wird er in Südostasien schon seit Jahrhunderten in Ländern wie Indien, Nigeria, China und Indonesien angebaut, aber auch in afrikanischen und südamerikanischen Ländern ist die Pflanze längst in der Landwirtschaft etabliert. Mit 2,3 Millionen Tonnen lag Indien 2024 an der Spitze der weltweiten Ingwer-Produzenten, gefolgt von Nigeria, China und Nepal.
Wie wächst Ingwer?
Die Ingwerknolle – also der Teil, den wir zum Kochen und als Arznei nutzen – liegt größtenteils unter der Erde. Das Wort „Ingwer“ stammt aus der Sanskrit-Sprache und bedeutet „horn- oder geweihförmig“ – der Name beschreibt das Aussehen der Knolle beziehungsweise des Rhizoms, also ziemlich passend.
Das Rhizom verankert sich mit dünneren Wurzeln fest im Boden. Aus den Knollen sprießen grüne Triebe, die zwischen 60 Zentimeter und einem Meter hoch werden können. Ingwer hat ungestielte, längliche Laubblätter, die ein wenig an Bambusblätter erinnern. Aus den Trieben wachsen nach acht bis 18 Monaten zapfenartige, violette oder rote Blüten. Die Blüten duften süßlich und sind essbar; doch im Anbau sind sie eher selten zu sehen, da der Ingwer in der Regel vor der Blüte geerntet wird.
Wie wird Ingwer angebaut?
Der Anbau in tropischen und subtropischen Regionen erfolgt auf Feldern oder im Agroforstsystem. Wichtig bei der Auswahl der Pflanzstelle ist dabei, dass der Boden nicht zu Staunässe neigt. Je nach Lage und Bodenstruktur können Abflüsse in Form von Gräben das Land geeigneter machen. In den vorbereiteten, aufgelockerten Boden werden dann gesunde Rhizome gepflanzt – wichtig ist dabei, dass diese an zwei bis drei Stellen kleine, grüne Sprosse haben.
Nach acht bis zwölf Monaten kann der Ingwer dann geerntet werden. Je später er geerntet wird, desto intensiver die Schärfe und der Geschmack. Damit die Knollen nicht beschädigt werden, wird der Ingwer meist mit der Hand geerntet. Danach werden die Rhizome gewaschen und für den Transport vorbereitet.
Selbst Ingwer im Garten oder auf dem Balkon anbauen
Auch wenn Ingwer eigentlich in tropischen und subtropischen Klimazonen zuhause ist, lässt sich Ingwer problemlos im eigenen Garten anbauen:
- Der optimale Pflanzzeitpunkt ist das Frühjahr, etwa März oder April, mit einem frischen, idealerweise biologischen Ingwer-Rhizom, das kleine Austriebe zeigt. Kleiner Tipp: Das Vorkeimen der Ingwerstücke in Wasser fördert einen schnelleren Austrieb.
- Dieses wird in einen großen Topf mit durchlässiger, Humuserde gelegt und leicht bedeckt.
- Ein warmer, heller und sonniger Standort wie Fensterbank oder sommerlicher Balkon eignet sich hervorragend.
- Die Erde sollte gleichmäßig feucht, aber staunässefrei gehalten werden.
- Die Ernte erfolgt nach acht bis zehn Monaten, sobald die Blätter welken.
- Für besonders aromatischen Ingwer sorgen reichlich Licht und Wärme während des Wachstums.
Ingwer als „lebende Zäune“ und Insektenabschreckung
Nicht nur für die Gesundheit ist Ingwer ein wahres Kraftpaket: Auch in der Landwirtschaft ist die vielseitige Knolle eine wahre Wunderwaffe. Die Pflanze festigt durch ihre unterirdischen Rhizome und Wurzeln den Boden und bildet einen „lebenden Zaun“. So schützt sie das Feld vor Erosion durch Wind und Wasser. Dadurch muss weniger gedüngt werden und die Bodenqualität bleibt länger erhalten.
Eine weitere, unerwartete Fähigkeit der Ingwerpflanzen ist außerdem, dass sie durch ihre ätherischen Öle Insekten wie Moskitos und Ameisen fernhalten können.
Guter Nebenverdienst in der nachhaltigen Landwirtschaft
Da Ingwer durch seine vielen Einsatzmöglichkeiten in der Medizin und als Gewürz gut verkauft werden kann, bietet er vielen Kleinbäuer*innen einen verhältnismäßig leichten und ertragreichen Nebenverdienst. Denn bei schonender Ernte, welche die „lebenden Zäune“ intakt lässt, vermehrt sich der Ingwer problemlos von allein und benötigt nicht viel Pflege.
„Der Ingwer wächst weiter“: Die Wirkung von Ingwer im Tropenwaldschutz
In OroVerde-Projektgebieten in der Dominikanischen Republik wird Ingwer vor allem in Agrofrostsystemen mit anderen Pflanzen wie Kaffee, Kochbananen, Dessertbananen oder Guave angebaut. Das Projekt WasserWald setzte sich bis Ende 2023 für strategische Aufforstungen und ökosystembasierte Anpassungen ein und schuf einen Austausch mit den anderen beteiligten Projektländern Kuba, Mexiko und Guatemala.
„Besonders Projektpartner*innen aus Guatemala waren von den vielen Funktionen des Ingwers innerhalb der Agroforstsysteme begeistert, da Ingwer auch bei ihnen in den letzten Jahren immer beliebter geworden ist“, erklärt OroVerde-Mitarbeiter Mauricio Santamaria. Inzwischen wird auch im guatemaltekischen Projektgebiet Sierra de las Minas Ingwer in lebenden Barrieren angebaut.
Obwohl das Projekt WasserWald inzwischen beendet ist, hat es bewiesen, wie wertvoll der Austausch zwischen verschiedenen Ländern und Gebieten sein kann. „Das Projekt ist zu Ende, aber der Ingwer wächst weiter“, erzählt Mauricio. „Erfolgsgeschichten wie diese freuen mich sehr.“
Besonders Projektpartner*innen aus Guatemala waren von den vielen Funktionen des Ingwers innerhalb der Agroforstsysteme begeistert, da Ingwer auch bei ihnen in den letzten Jahren immer beliebter geworden ist.
Bei Erkältungen, Gelenkschmerzen und Verdauungsbeschwerden: Warum Ingwer so gesund ist
Schon seit Jahrtausenden steht die Ingwerknolle den Menschen als Heilpflanze zur Linderung von Erkältungs- und Grippesymptomen und Verdauungsbeschwerden beiseite. Auch seine Wirkung gegen Gelenkschmerzen und Übelkeit, zum Beispiel in der Schwangerschaft, während der Chemotherapie und durch Seekrankheit, sind wissenschaftlich bewiesen.
Die Wurzelknolle der Ingwerpflanze enthält mehr als 400 chemische Bestandteile, darunter fast 40 Antioxidantien. Besonders wichtig sind die beiden Scharfstoffe Gingerole und Shogaole. Sie wirken als starke Entzündungshemmer, sind antibakteriell, schmerzlindernd, gut für den Magen und halten die Verdauung in Takt. Die Ingwerknolle enthält außerdem Magnesium, Potassium und Vitamin C.
Zudem boostet Ingwer das Immunsystem und kann helfen, bestimmte Erkrankungen vorzubeugen. Es bestehen außerdem wissenschaftliche Hinweise darauf, dass Ingwer sowohl den Blutzucker als auch Blutdruck regulieren kann – kein Wunder also, dass der Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde (in Würzburg) und die Gesellschaft für Phytotherapie Ingwer zur Arzneipflanze des Jahres 2026 gekürt haben.
Ob in Form von Tees, Currys, Ingwerpräparaten, fertigen Ingwershots oder einem frischen Stück Knolle; Ingwer regelmäßig zu sich zu nehmen, kann also die allgemeine Gesundheit fördern.
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OroVerde - Die Tropenwaldstiftung
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Fotonachweis: Unsplash Plus (Titelbild), iStock (Ingwerernte), iStock (Ingwer als natürliche Barriere), OroVerde - T. Klimpel (Ingwer im Agroforstsystem).