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Mit ihrem Austritt aus dem Soja-Moratorium brachten Unternehmen der Agrarindustrie Mitte des Monats eins der wichtigsten Schutzschilde gegen die Entwaldung des brasilianischen Amazonas faktisch zu Fall. Zwanzig Jahre lang hatte das freiwillige Abkommen die Zerstörung des Amazonas für Soja effektiv eingedämmt. Jetzt drohen die Entwaldungsraten, wieder in die Höhe zu schnellen.

 

27. Februar 2026 | Evke Bakker

Die rasante Entwaldung des Amazonas wurde schon vor Jahrzehnten als ökologische Katastrophe erkannt. Ein maßgeblicher Treiber der Zerstörung ist die Agrarindustrie – insbesondere der Anbau von Soja. Aus diesem Grund einigten sich im Jahr 2006 nach zivilgesellschaftlichem Anstoß NGOs, die Brasilianische Regierung und Soja-Händler auf das Soja-Moratorium. Durch das freiwillige Abkommen sicherten die beteiligten Produzenten, Händler, Konzerne und Branchenverbände zu, kein Soja mehr zu handeln, das auf nach Juli 2008 entwaldeten Flächen angebaut wurde. 2016 wurde das Moratorium ohne festgelegtes Enddatum einvernehmlich verlängert.

Im Januar 2026 kündigte der Branchenverband ABIOVE an, das Moratorium zu verlassen. Der Austritt wurde zum 16. Februar finalisiert. ABIOVE vertritt zwanzig globale Agrarfirmen, darunter Cofco International, Bunge, Amaggi, JBS und Cargill. 

Neues Gesetz bedeutet steuerliche Nachteile bei weiterer Beteiligung

Hintergrund für den Ausstieg aus dem Moratorium ist ein neues Gesetz, das unter anderem auf Forderungen des brasilianischen Agrarverbrands Aprosoja zurückgeht. Im Bundesstaat Mato Grosso, dem wichtigsten Anbaugebiet für Soja in Brasilien, wurde zu Jahresbeginn ein Gesetz verabschiedet, das Unternehmen staatliche Steuervorteile entzieht, wenn sie an sich an privaten Vereinbarungen beteiligen, die über Umweltauflagen hinausgehen. Das trifft auf das Soja-Moratorium zu. 

Als Konsequenz wird der Ausstieg von Agrarriesen aus dem Moratorium in der größten Anbauregion steuerlich belohnt. Konzerne, die weiter beim Moratorium mitmachen, werden hingegen benachteiligt. 

Austritt könnte Startschuss für mehr tropische Entwaldung bedeuten

Laut einer Studie von Greenpeace war die Entwaldung für Sojaanbau durch das Soja-Moratorium um beinahe 70 Prozent zurückgegangen. Doch nun, da das Abkommen vor dem Aus steht, könnte die Entwaldung im größten Tropenwaldgebiet der Erde wieder rasant zunehmen. Expert*innen des IPAM (Instituto de Pesquisa Ambiental da Amazônia) prophezeien in einer Vorstudie ein Wachstum der Entwaldungsrate um bis zu 30 Prozent in den nächsten zwanzig Jahren. Diese Entwicklung würde der Erklärung des brasilianischen Präsidenten Lula widersprechen, die Entwaldung in Amazonien bis 2030 zu stoppen. 

Mit einer jährlichen Ernte von 171 Tonnen und Anbaugebieten größer als Schweden steht Brasilien bereits seit Jahren unangefochten an Spitze der globalen Sojaproduktion. Der Löwenanteil der Ernte wird zu Futtermitteln für Rinder, Schweine und Hühner verarbeitet. Ohne das Soja-Moratorium werden auch in deutschen Betrieben Futtermittel von neu entwaldeten Amazonasflächen vermehrt im Trog landen. „Der Waldschutz wird den Nutztieren buchstäblich zum Fraß vorgeworfen“, so Martina Schaub, Vorständin von OroVerde. 

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Gerade jetzt müssen internationale Wirtschaft und Politik mit Rückgrat und konkreten Plänen agieren.

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Martina Schaub, Vorständin von OroVerde

Verheerende Folgen für Klima, Umwelt und Mensch

Die Zerstörung des Waldes hat nicht nur für die lokale Biodiversität und Bevölkerung verheerende Auswirkungen; der Amazonas-Regenwald spielt eine unersetzliche Rolle für das Weltklima. Seine Bäume absorbieren jedes Jahr gewaltige Mengen CO2 aus der Atmosphäre und speichern es in ihrer Biomasse. Außerdem generieren sie Wolkenströme und versorgen große Teile des Kontinents durch diese fliegenden Flüsse mit Regen. 

Die Folgen der Amazonas-Entwaldung waren in den letzten Jahren in Brasilien intensiv zu spüren. 2024 erlebte das Land die stärksten Dürren seit Beginn der Aufzeichnungen, was unter anderem zu historischen Niedrigständen von Flussläufen, Waldbränden und Ernterückschlägen führte. Auch Städte und Siedlungen sind während der Dürreperioden von Wassermangel betroffen. 

Expert*innen warnen, dass sich der Amazonas durch die Zerstörung auf einen Kipppunkt zubewegt. Bei einem Verlust von 20 bis zu 25 Prozent des Waldes könnte der Amazonas in sich zusammenbrechen und die Ausbreitung von Steppen und Wüsten nicht mehr aufzuhalten sein. 

Als Antwort auf den Rücktritt vom Moratorium drohten Lidl, Aldi Nord und Tesco mit elf weiteren Großkunden aus Europa und Großbritannien an, kein brasilianisches Soja mehr zu kaufen, sollten die Lieferketten nun nicht mehr nachvollziehbar entwaldungsfrei sein. Martina Schaub begrüßt das: „Gerade jetzt müssen internationale Wirtschaft und Politik mit Rückgrat und konkreten Plänen agieren.“ 

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Fotonachweis: Titelbild Entwaldung (Canva), Verarbeitung von Soja (Canva). 

Ihr Pressekontakt

Martina Schaub
Vorständin
+49 228 24290-15
mschaub[at]oroverde[dot]de

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