Die Finanzierung des Tropenwaldschutzes ist kein umweltpolitisches Randthema. Vielmehr geht es um die Frage, ob die internationale Gemeinschaft bereit ist, in einem Umfang zu investieren, der der ökologischen, klimatischen und gesellschaftlichen Bedeutung der Wälder gerecht wird. Diese Frage wird auf der bevorstehenden 17. UN-Biodiversitätskonferenz (CBD COP17) in Jerewan besonders relevant sein.
26. Oktober 2026 | Hugo Rosa
Auf der 17. UN-Biodiversitätskonferenz wird erstmals eine globale Bestandsaufnahme der gemeinsamen Fortschritte bei der Umsetzung des Globalen Biodiversitätsrahmens von Kunming-Montreal (KMGBF) vorgenommen. Die Finanzierung spielt dabei eine zentrale Rolle: „Ziel 19“ sieht vor, bis 2030 jährlich mindestens 200 Milliarden US-Dollar für die biologische Vielfalt zu mobilisieren, darunter mindestens 30 Milliarden US-Dollar an internationaler Biodiversitätsfinanzierung. Für tropische Waldländer, die einige der artenreichsten Ökosysteme der Erde beherbergen, sind ausreichende und zugängliche Finanzmittel besonders wichtig, um diese Verpflichtungen in konkrete Schutzmaßnahmen umzusetzen.
Die aktuellen Zahlen verdeutlichen das Ausmaß der Herausforderung. Laut Global Forest Watch gingen 2025 4,3 Millionen Hektar tropischer Primärregenwald verloren. Obwohl dies einen deutlichen Rückgang gegenüber den außergewöhnlich hohen Verlusten des Jahres 2024 darstellt, lag der Verlust weiterhin 46 Prozent über dem Niveau von vor zehn Jahren.
Biodiversitätsverlust ist das zweitgrößte langfristige globale Risiko
Die Folgen des Biodiversitätsverlusts reichen weit über den Umweltbereich hinaus. Der Global Risks Report 2026 des Weltwirtschaftsforums stuft den Verlust der biologischen Vielfalt und den Zusammenbruch von Ökosystemen als zweitgrößtes globales Risiko für die kommenden zehn Jahre ein. Dies unterstreicht die Bedeutung des Tropenwaldschutzes: Tropenwälder sind unverzichtbar für den Erhalt der globalen biologischen Vielfalt und der Ökosystemleistungen, von denen Gesellschaften und Volkswirtschaften abhängen.
Der finanzielle Bedarf bleibt ungedeckt
Gleichzeitig bleiben die verfügbaren Finanzmittel weit hinter dem geschätzten Bedarf zurück. Laut dem UNEP-Bericht State of Finance for Forests 2025 benötigen tropische Waldländer bis 2030 jährlich rund 67 Milliarden US-Dollar für Waldschutz, Wiederherstellung und Agroforstwirtschaft, um zur Erreichung der internationalen Klima-, Biodiversitäts- und Landrestaurierungsziele im Rahmen der drei „Rio-Konventionen“ beizutragen. Damit kommt den großen öffentlichen Geberländern eine besonders wichtige Rolle zu.
Die Rolle Deutschlands in der Umweltfinanzierung
Deutschland gehört seit Langem zu den zentralen Akteuren der internationalen Umweltfinanzierung. Im Jahr 2024 stellte die Bundesregierung 6,1 Milliarden Euro aus Haushaltsmitteln für die internationale Klimafinanzierung bereit, darunter rund 1,5 Milliarden Euro für klimabezogene Biodiversitätsfinanzierung. OECD-Daten zeigen zudem, dass Deutschland 2024 insgesamt 2,5 Milliarden US-Dollar an biodiversitätsbezogener öffentlicher Entwicklungszusammenarbeit (ODA) zusagte – der höchste Betrag unter den Mitgliedern des Entwicklungsausschusses (DAC) der OECD.
Doch diese Rolle ist keineswegs selbstverständlich. Der Haushalt für die deutsche Entwicklungszusammenarbeit steht erheblich unter Druck. Der Entwurf des Bundeshaushalts 2027 sieht eine Kürzung des BMZ-Etats von rund 10,06 Milliarden Euro im Jahr 2026 auf 9,47 Milliarden Euro im Jahr 2027 vor – ein Rückgang um etwa 587 Millionen Euro (5,8 Prozent). Gleichzeitig sollen die Mittel für die multilaterale Zusammenarbeit im globalen Umwelt-, Biodiversitäts- und Klimaschutz von 728,7 Millionen Euro im Jahr 2026 auf 694,6 Millionen Euro sinken.
Haushaltskürzungen bedrohen Stabilität des Umweltschutzes
Haushaltskürzungen in der internationalen Umweltzusammenarbeit können weitreichende Folgen haben. Sie können die Planbarkeit langfristiger Waldschutzfinanzierung beeinträchtigen, Institutionen und zivilgesellschaftliche Organisationen in Partnerländern schwächen und die Mobilisierung zusätzlicher multilateraler und privater Mittel erschweren. Darüber hinaus drohen sie, Deutschlands Glaubwürdigkeit als verlässlicher internationaler Partner und seine Führungsrolle in der globalen Wald-, Biodiversitäts- und Klimapolitik zu untergraben. Gerade in einer Zeit, in der internationale Zusammenarbeit zur Bewältigung miteinander verknüpfter Umweltkrisen immer wichtiger wird, könnten sinkende Finanzierungszusagen Deutschlands Einfluss in multilateralen Verhandlungen schwächen und es erschweren, andere Länder zu ambitionierterem Handeln zu bewegen.
Neue Finanzierungsmechanismen können dazu beitragen, die internationale Finanzierungsarchitektur zu erweitern. Deutschlands geplanter Beitrag von einer Milliarde Euro zur Tropical Forest Forever Facility (TFFF) ist ein wichtiges Signal für die Entwicklung langfristiger Finanzierungsansätze zum Schutz bestehender Tropenwälder. Innovative Finanzierungsinstrumente können jedoch eine ausreichende, verlässliche und zusätzliche öffentliche Finanzierung nicht ersetzen.
Forderungen für einen verstärkten Einsatz Deutschlands
Für die Bundesregierung muss der Schutz tropischer Wälder daher weiterhin eine Priorität der internationalen Biodiversitäts- und Klimafinanzierung bleiben. Deutschland muss die langfristige öffentliche Finanzierung für den Schutz und die Wiederherstellung tropischer Wälder ausbauen und absichern, sowie seinen Einfluss in multilateralen Institutionen und Entwicklungsbanken nutzen, um zusätzliche Mittel zu mobilisieren. Gleichzeitig müssen öffentliche Finanzierungs- und Investitionsentscheidungen Deutschlands mit den Zielen des KMGBF in Einklang stehen und dürfen keine Aktivitäten fördern, die zur Entwaldung, Walddegradierung und zum Verlust der biologischen Vielfalt beitragen.
Schutz lokaler Bevölkerungsgruppen
Die Finanzierung des Waldschutzes muss zudem diejenigen erreichen, die unmittelbar zum Schutz tropischer Wälder beitragen. Deutschland muss deshalb den direkten und unbürokratischen Zugang zu Finanzmitteln für indigene Völker und lokale Gemeinschaften ermöglichen. Auch sollte Deutschland zum Schutz indigener Personen beitragen, die aufgrund ihres Engagements bedroht werden. Zugleich sollte Deutschland biodiversitätsfreundliche Produktionssysteme sowie nachhaltige Einkommens- und Lebensgrundlagen fördern, die die Abholzung der Wälder für eine nicht-nachhaltige Nutzung verringern.
Der Schutz tropischer Wälder erfordert mehr als ambitionierte Ziele. Als einer der wichtigsten Geber in der internationalen Biodiversitäts- und Klimafinanzierung muss Deutschland sicherstellen, dass die Mittel für den Tropenwaldschutz steigen, statt zu sinken, und dass sie langfristig, verlässlich und für die Menschen vor Ort zugänglich sind. Die Einhaltung dieser Verpflichtungen ist auch entscheidend, um Deutschlands Glaubwürdigkeit und internationale Führungsrolle zu bewahren. Dabei geht es nicht nur darum, den Waldverlust einzudämmen, sondern auch darum, die Biodiversitätsziele zu erreichen, deren Umsetzung auf der COP17 überprüft wird, und den KMGBF wirksam umzusetzen.
OroVerde für politisches Engagement
Mit der wertvollen Unterstützung der Rainforest Foundation Norway trägt OroVerde dazu bei, die gemeinsame politische Arbeit deutscher Nichtregierungsorganisationen zu koordinieren, um Deutschlands politisches und finanzielles Engagement für den weltweiten Biodiversitäts- und Tropenwaldschutz zu stärken. Als zwei der wichtigsten internationalen Geberländer für den Tropenwaldschutz müssen Deutschland und Norwegen gerade in Zeiten geopolitischer Unsicherheit weiterhin mit gutem Beispiel vorangehen und durch kontinuierliche internationale Zusammenarbeit und verlässliche finanzielle Zusagen Verantwortung übernehmen.
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