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Ein kurzer Stich. Ein Biss. Eine Injektion: Dann beginnt ein Schmerz: Die Haut brennt wie Feuer, Muskeln verkrampfen und manchmal hält die Qual noch Tage oder Wochen an. Lernen Sie fünf Lebewesen kennen, die höllische Schmerzen verursachen.

Wer ihnen zu nahe kommt, erlebt seinen eigenen kleinen Horrorfilm: Die tropische Riesenameise (Paraponera clavata), die Tarantelwespen (Pepsis spp.), die Henkerwespe (Polistes carnifex), der Riesenhundertfüßer (Scolopendra gigantea) und die harmlos aussehende Pflanze  Gympie Gympie (Dendrocnide moroides) sind die Stars der tropischen Folterkammern. 

Sie alle haben Gifte oder Abwehrmechanismen entwickelt, die Horrorschmerzen verursachen. Hier finden Sie die schmerzhaftesten Tiere und Pflanzen der Welt – samt Lebensraum, Wirkung und echtem Risiko. Überraschend: Nicht immer sind die giftigsten Tiere auch diejenigen, die am meisten wehtun!

Wieso verursachen kleine Wesen große Schmerzen?

Fast jeder weiß, wie unangenehm ein Bienenstich sein kann. Die Stelle brennt, schmerzt und schwillt an. Doch auf dem Schmidt-Stichschmerz-Index erreicht die Honigbiene gerade einmal Stufe 2 von 4. Hier gilt also: Schlimmer geht immer. Manche Insekten verursachen so starke Schmerzen, dass ein Bienenstich harmlos erscheint. Die Tiere und Pflanzen auf dieser Seite haben teilweise Gifte, die sogar lebensgefährlich werden können.

Warum gibt es Schmerzen?

Schmerzen schrecken ab. Einmal als Kind an den Stromzaun zu fassen, reicht aus, um diese Erfahrung nicht mehr so schnell zu wiederholen. Schmerzen sind ein körpereigenes Warnsystem. Es weist darauf hin, dass eine Schädigung aufgetreten ist, gerade auftritt oder kurz bevorsteht. Der betroffenen Person wird schnell klar, dass man so handeln sollte, um eine Verletzung oder eine potenzielle Verletzung zu begrenzen. 

Klein, aber oho

Auch im Tier- und Pflanzenreich wird Schmerz zur Warnung genutzt, um andere Tiere abzuschrecken und zu vertreiben. Teilweise benutzen kleine Tiere ihre Gifte auch, um zu lähmen, zu töten, sei es für Nahrung oder um die Bedrohung komplett auszuschalten. Ihre Gifte sind häufig so stark, weil sie sich gegen größere Fressfeinde wehren, schnelle und gefährliche Beute jagen oder besonders zahlreiche Fressfeinde haben.

So schlimm sind die Stiche wirklich!

Coyote Peterson, der Held des YouTube-Kanals „Brave Wilderness“, lässt sich ähnlich wie Justin Orvel Schmidt von den unterschiedlichsten Tieren stechen, beißen und vergiften – zu Bildungszwecken natürlich! Er hat seinen eigenen Biss-Stich-Index, den sogenannten Bite-Sting-Index erstellt, in dem er seine Erfahrungen bewertet. Warnung: Nichts für schwache Nerven oder Spinnenphobiker! Etwas weiter unten auf dieser Seite, bei den Tiersteckbriefen, sind für alle Horrorfans jeweils spektakuläre Videos eingebettet. 

5 Horrorszenarien im Regenwald

Alleine im Regenwald, nichts als Grün und die ständige Suche nach dem schwarzgelben Muster des Jaguars, dessen Klauen und Zähne man fürchtet. Doch dann aus dem Nichts ein elektrisierender Schmerz und die panische Suche nach der Ursache. Willkommen in der Grünen Hölle!

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1.
Der schlimmste Schmerz durch eine Ameise?!

Stützt man sich unaufmerksam an einem Baum ab, dann kann es passieren, dass man von der in Baumkronen lebenden Gewehrkugelameise gestochen wird. Ihr Stich gilt als der schlimmste Schmerz der Welt und fühlt sich so an, als ob man angeschossen wird. Man könnte meinen, dass Menschen daher ihren Stich um alles in der Welt meiden. Es gibt aber indigene Gruppen wie die Sateré-Mawé bei denen es zu einem Initiationsritual ins Erwachsenenalter gehört, sich zahlreichen Stichen auszusetzen. Mehrere Stiche dieser tropischen Riesenameise können tödlich sein, weshalb Teilnehmer häufig medizinische Versorgung aufsuchen.

Erfahre mehr zur Gewehrkugelameise und wieso sie auch 24-Stunden-Ameise genannt wird.

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2.
Gelähmt gefressen werden

Die Tarantelwespe hat ein einzigartiges Talent: Sie überwältigt große Vogelspinnen und verfüttert diese lebendig an ihre Larven. Ihr Stich bereitet uns Menschen höllische Qualen. Er nimmt den zweiten Platz ein auf dem Schmidt-Stichschmerz-Index, denn das Gift soll sich so anfühlen, als würde man einen laufenden Föhn in ein Schaumbad fallen lassen. Für die Riesenspinnen wäre das aber noch das glücklichere Ende, sie erwartet ein ganz besonderer Tod. 

Die Tarantelwespe klopft zunächst höflich am Bau der Spinne an. Nach einem spektakulären Ringkampf lähmt die Wespe die Spinne mit einem blitzschnellen Stich. Die Spinne wird dann von der Wespe zurück in ihren Bau geschleift, wo die Wespe ein Ei auf dem Bauch der Spinne ablegt. Die daraus schlüpfende Larve frisst die betäubte, aber noch lebende Spinne langsam auf. Die lebenswichtigen Organe werden erst zum Schluss gegessen, sodass die Spinne wie in einer Folterkammer alles mitbekommt.

Erfahre mehr zur Tarantelwespe und ihrem Fortpflanzungsverhalten.

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3.
Schonmal über glühende Kohlen gelaufen?

Die Henkerwespe hat ebenfalls einen unfassbar schmerzhaften Stich. Justin Orvel Schmidt beschreibt ihn, als würde man über glühende Kohlen laufen, mit einem Nagel in der Ferse. Er gibt dieser Riesenwespe ebenfalls eine 4 auf der Schmidt-Skala. Sie lebt in winzig kleinen Kolonien, weshalb schon ein Stich ausreichen muss, um potenzielle Angreifer abzuwehren und zu vertreiben. 

Erfahre mehr zur Henkerwespe und ihrem Kolonieleben.

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4.
21 Beine, Giftklauen und ein unersättlicher Hunger nach Fleisch

Der Riesenhundertfüßer heißt nicht umsonst Riese: er ist 30 Zentimeter lang, schnell, unersättlich und vor allem hochgiftig. Wird man gestochen oder gebissen, fühlt es sich an, als würde man brennen. Auch für seine Beute bedeutet ein Stich das Ende: Kleine Tiere sind sofort tot, größere Beute wird durch den Giftcocktail gelähmt. Einmal in den Klauen des Riesenhundertfüßers lässt er die Beute nicht so schnell wieder los. Forschende in Peru berichten, dass sich ein Riesenhundertfüßer selbst nach mehrmaligem Anpicken mit einem Stock nur umso fester um die erbeutete Fledermaus zusammenrollte und sich unbeirrt weiter in ihren Bauch hineinfraß. 

Erfahre mehr über den Riesenhundertfüßer und sein Jagdverhalten.
 

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5.
Wie eine glühende Zigarette auf der Haut

Obwohl die Gympie-Gympie-Pflanze kein Tier ist, will man ihr trotzdem nicht begegnen. Ihre sehr feinen Brennhärchen durchdringen die Haut im Kinderspiel. Sie sind sogar so fein, dass sich die Haut über ihnen wieder schließt. Sie funktionieren wie winzig kleine Spritzen und injizieren ein extrem schmerzhaftes Gift. Die Schmerzen seien schlimmer gewesen als eine Geburt, schildert die Australierin Naomi Lewis. Zusätzlich blockiert das Gift auch den Mechanismus zur Unterbrechung der Schmerzsignale, sodass man auch noch Monate später mit Hautausschlägen, Brennen und Jucken zu kämpfen hat. 

Erfahre mehr über die Gympie-Gympie-Pflanze und ihren Abwehrmechanismus.

Gewehrkugelameise

Steckbrief

Ordnung: Hymenoptera 

Familie: Formicidae 

Gattung: Paraponera 

Art: Paraponera clavata

Vorkommen: Regenwälder in Zentral- und Südamerika

Größe: 18–30 Millimeter

Gift: Poneratoxin (Nervengift)

Schmidt-Index: 4+

Die Gewehrkugelameise (Paraponera clavata), auch tropische Riesenameise genannt, ist eine über 2 Zentimeter große Ameisenart, deren Stich als der schmerzhafteste Insektenstich der Welt gilt. Die gefürchtete Ameise wird in Venezuela auch 24-Stunden-Ameise genannt. Dieser Name verweist vor allem auf die bis zu 24 Stunden anhaltenden Schmerzen. Stiche lösen ähnlich wie ein Schuss sofortige, qualvolle, in Wellen wiederkehrende Schmerzen aus, daher auch der Name „Bullet Ant“ im Englischen. Die Dauer des injizierten Gifts und die Intensität ordnen den Stich im Schmidt Sting Pain Index mit 4.0+ an die Spitze ein.

Betroffene fangen unkontrolliert an zu zittern mit dem Drang, die betroffene Stelle zu schütteln. Es kann auch zu starken Schwellungen, Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit, Herzrhythmusstörungen und weiteren Symptomen kommen. Um sich von so einem Ameisenstich zu erholen, benötigt die betroffene Person bis zu zwei Wochen, bis Taubheitsgefühle nachlassen und Kribbeln aufhört. Das liegt unter anderem daran, dass das Gift Poneratoxin ein starkes, aber langsam wirkendes Gift ist, weswegen man mehrere Schmerzwellen erlebt. Mehrere Stiche können Lähmungen verursachen und 30 Stiche pro Kilogramm reichen aus, um Wirbeltiere zu töten. 

Ritual der Sateré-Mawé: Die Rolle der tropischen Riesenameise

Im Zuge eines Initiationsrituals ins Erwachsenenalter lassen sich junge Männer der Sateré-Mawé gezielt von Gewehrkugelameisen stechen. Die Sateré-Mawé sind eine indigene Bevölkerungsgruppe, die zwischen den Flüssen Pará und Amazonas in Brasilien lebt. Beim Initiationsritual ziehen sich Jungen einen Handschuh an, in dessen Innenseite mehrere lebendige Gewehrkugelameisen eingenäht sind. Das Ritual ist auch bekannt unter dem Namen Tucandeira.

Das Ziel ist, sich so wenig wie möglich die Schmerzen anmerken zu lassen. Je weniger Regung desto reifer der heranwachsende Mann. Nicht selten begeben sich Teilnehmer jedoch aufgrund höllischer Schmerzen und anhaltenden unkontrollierten Zitterns zum Arzt. Trotz der starken Schmerzen und gesundheitlichen Risiken hat diese traditionelle Mutprobe hohe kulturelle Wichtigkeit bei den Sateré-Mawé, weshalb sich Jungen immer wieder den Stichen aussetzen.

Überraschend – Die Ameise sammelt Nektar

Obwohl die Gewehrkugelameise hervorragend mit Jagdwaffen ausgerüstet ist, ernährt sie sich meist vegetarisch. Sie errichten ihre Kolonien in der Nähe oder sogar an Stämmen von Bäumen, die gut mit den Kronen anderer Bäume verbunden sind. Ein Volk kann dabei mehrere hundert Tiere umfassen. Ihre Jagdgewohnheiten und der Neststandort sind zudem ein wichtiger Teil ökologischer Prozesse im Regenwald. 

Sie sammeln ihre Nahrung größtenteils im Blätterdach des Urwaldes, wo sie Nektar sammeln, häufig von extrafloralen Nektarien. Das sind Tautröpfchen, die Pflanzen extra für die Ameisen produzieren: Die Ameisen kommen dadurch einfach an Kohlenhydrate und versorgen sich exklusiv auf der Pflanze mit Proteinen. Das sind meist Fressfeinde der Pflanze, wie Blattschneideameisen oder Raupen. 

Auf diese Weise tragen sie zur Regulierung anderer Tierpopulationen bei und leisten somit ihren Beitrag zur Aufrechterhaltung des ökologischen Gleichgewichts. Es wurden auch schon positive Assoziationen zwischen bestimmten Baumarten und der tropischen Riesenameise festgestellt. Letztlich dient ihr schmerzhafter Stich auch zur Verteidigung vor Raubtieren, aber auch vor Eindringlingen in ihre Nester oder gegen rivalisierende Kolonien.

Coyote Peterson lässt sich von einer 24-Stunden-Ameisen stechen.

Tarantlelwespe

Steckbrief

Ordnung: Hautflügler (Hymenoptera)

Familie:  Wegwespen (Pompilidae)

Gattung: Pepsis ssp.

Vorkommen: südliches Nordamerika bis Zentral-Südamerika

Größe: bis zu 11 Zentimeter

Gift: Pompildotoxin (Neurotoxin)

Schmidt Index: 4

Die Tarantelwespe (Pepsis ssp.) ist eine große Wespenart, bekannt für ihren extrem schmerzhaften Stich und ihr ungewöhnliches Fortpflanzungsverhalten mithilfe von großen Vogelspinnen. Auf Englisch werden sie Tarantula Hawk genannt, also Tarantelfalke. Ihr Stich nimmt den zweiten Platz auf dem Schmidt-Stichschmerz-Index ein. Das Gift der Tarantelwespe soll sich so anfühlen, als würde ein laufender Föhn in dein Schaumbad fallen – unglaublich elektrisierend. 

Glücklicherweise dauern die Schmerzen bei Menschen nur zwischen 3 und 5 Minuten an, sind aber so schrecklich, dass der Stich der Tarantelwespen als der schlimmste Wespenstich auf dieser Erde gilt. Ihr Name erklärt auch, weshalb das Gift so wirksam ist: Sie jagt große Vogelspinnen. Diesen gefährlichen Gegner muss das Gift in Sekunden lähmen, damit die Wespe eine Chance hat.

Fortpflanzungsverhalten der Tarantelwespen

Weibliche Tarantelwespen jagen große Vogelspinnen, um sie an ihre Larve zu verfüttern. Um die passende Vogelspinne ausfindig zu machen, ortet die Wespe chemische Signale, die von ihrer Lieblingsspinne abgesondert werden. Häufig muss die Wespe eine große Spinne erst aus ihrem Bau locken. 

Die Wespe imitiert ein Beutetier, indem sie mit ihren Vorderbeinen gegen das Spinnennetz klopft. Stürmt die häufig um einiges größere Vogelspinne heraus, kommt es zu regelrechten Wrestlingkämpfen zwischen der Riesenspinne und der Wespe. Ist eine Vogelspinne gestochen, wirkt das Gift sofort paralysierend, sodass sich die Spinne nicht mehr bewegen kann. Nun kann die Wespe die noch lebende Spinne zurück in deren Bau ziehen. Der Horror der Tarantelwespen liegt allerdings nicht nur in der Lähmung durch das Gift, sondern in dem, was danach passiert. 

Mit der Spinne versperrt die Wespe den Ausgang des Baus und legt ein Ei auf deren Bauch ab. Nach 3 bis 4 Tagen schlüpft eine Larve und fängt an, die noch lebende, durch die Lähmung frisch gehaltene Spinne als erste Nahrung zu essen. Hierbei hebt sie sich die lebenswichtigen Organe zum Schluss auf. Ist die Spinne verspeist, spinnt sich das Junge einen Kokon und schlüpft ein zweites Mal nach etwa 2 bis 3 Wochen als ausgewachsene Tarantulafalkenwespe. Dieses Verhalten der Tarantelwespe macht sie zu einem einzigartigen Fressfeind von Vogelspinnen.

Aussehen und Verhalten der Tarantelwespen

Neben ihrem ungewöhnlichen Fortpflanzungsverhalten sind Tarantelwespen ansonsten friedlich lebende Einzelgänger und ernähren sich im Erwachsenenalter hauptsächlich von Nektar und Pollen. Auch Menschen gegenüber sind sie in der Regel nicht aggressiv, sodass man sie aus der Distanz sicher beobachten kann. Man kann sie gut erkennen durch ihre enorme Größe, meistens zwischen 38 und 51 Millimetern. Die größte Art der Tarantelwespen ist Pepsis heros, die eine Länge von bis zu 11 Zentimetern erreichen kann. Trotz ihrer Größe entdeckt man sie im Freien vor allem durch ihr lautes Surren, das schon von weitem zu hören ist oder ihre auffällige Färbung. Diese Färbung dient als Warnung für potenzielle Fressfeinde. 

Lebensräume der Tarantelwespe

Tarantelwespen kommen im südlichen Nordamerika einschließlich der USA bis hin zu Zentral- und Südamerika vor. Sie bevorzugen warme und trockene Regionen, Gebiete, in denen auch Vogelspinnen leben. Innerhalb ihrer Gattung wurden bereits über 300 Arten von Tarantulafalken beschrieben. Einige sind auf nur eine bestimmte Vogelspinnenart spezialisiert, womit sie eine außergewöhnliche Rolle im Ökosystem spielen. Viele Arten sind dabei auf ungestörte Naturräume angewiesen, die sowohl für die erwachsenen Wespen als auch für die bevorzugte Vogelspinne der Larven Lebensraum sein müssen.

Schau dir an, wie sich Coyote Peterson von einer Tarantelwespe stechen lässt.

Henkerwespe

Steckbrief

Ordnung: Hautflügler (Hymenoptera)

Familie: Vespidae

Gattung: Polistes

Art: Polistes carnifex

Vorkommen: Mittel- und Südamerika

Größe: bis zu 33 Millimeter

Gift: komplexe Mixtur mit niedrigem Molekulargewicht

Schmidt Index: 4

Die Henkerwespe (Polistes carnifex) lebt in Mittel- und Südamerika, sowie in den bewaldeten Savannen der südlichen US-Bundesstaaten wie Texas und Arizona. Als große Wespen wirken sie auf den ersten Blick fast hornissenartig. Sie gehört zu den größten Vertretern ihrer Gattung und kann bis zu 33 Millimeter groß werden – deutlich mehr als die Gewöhnliche Wespe (Vespula vulgaris), deren Weibchen 16 bis 19 Millimeter erreichen. Obwohl die Henkerwespe sehr groß ist, sieht sie mit ihrer gelb-braun gestreiften Färbung nicht besonders gruselig aus. 

Der Stich der Henkerwespe

Das Schaurige ist jedoch ihr besonders schmerzhafter Stich. Der Schmerz erreicht Level 4 auf dem Schmidt-Stichschmerz-Index und sei vergleichbar mit dem Gefühl, über glühende Kohlen zu laufen, während ein Nagel in der Ferse steckt. Das Gift der Henkerwespe enthält große Mengen an Histamin, einem Botenstoff bei allergischen Reaktionen, sowie andere Stresshormone wie Noradrenalin. Wird man gestochen, kann es neben starken Schmerzen auch zu Übelkeit, Kopfschmerzen, Entzündungen und sogar allergischen Reaktionen kommen. Die Stichstelle kann noch tagelang heiß, geschwollen und berührungsempfindlich sein. 

Diese extremen Reaktionen sind der Abwehrmechanismus der Henkerwespe, denn die Tiere wirken bei Begegnungen gegenüber Menschen relativ friedlich und sind nicht von sich aus aggressiv. Ihre Sorge gilt vor allem dem Erhalt der sehr kleinen Kolonien. Eine Kolonie beherbergt meistens nur zwischen 4 und 13 Individuen – im deutlichen Gegensatz zur gewöhnlichen Wespe mit 3.000 bis 5.000 Tieren pro Staat.

Lebensweise der Henkerwespen

Nur die Königin legt Larveneier und sucht sich nach der Überwinterung einen geschützten Ort für das Nest. Die Nester der Polistes carnifex werden an einem Stiel hängend offen aus zerkleinertem Holzbrei gebaut und bestehen aus einer papierartigen Substanz, sodass der Aufbau im Inneren offen einsehbar ist – anders als bei vielen anderen Wespen mit geschlossener Nesthülle. Wird das Nest gestört, reagieren sie zunächst mit Drohgesten und ausgebreiteten Flügeln. Nur wenn man sie weiter provoziert, kommt es zu Stichen. Da nur wenige Tiere verteidigen, muss jeder Stich eine starke Wirkung haben. 

Tatsächlich erbeuten Henkerwespen auch Raupen und andere pflanzenfressende Insekten, allerdings töten sie diese mit einem Biss und nicht mit ihrem Stachel. Auf diese Weise tragen sie zu einem biologischen Gleichgewicht bei, regulieren Insektenpopulationen als natürlicher Schädlingsbekämpfer und bekämpfen Schädlingsarten. Zusätzlich ernähren sich Henkerwespen und ihre Larven wie viele andere Wespenarten auch von Nektar, wodurch sie zur Bestäubung tropischer Pflanzen beitragen. Sie sind also natürliche Schädlingsbekämpfer und Bestäuber und tragen so zum Gleichgewicht tropischer Lebensräume bei.

Influencer Coyote Peterson setzt sich dem Stich einer Henkerwespe aus.

Riesenhundertfüßer

Steckbrief

Ordnung: Scolopendromorpha

Familie: Scolopendridae

Gattung: Scolopendra

Art: Scolopendra gigantea

Vorkommen: Regenwälder des nördlichen Südamerikas

Größe: bis zu 30 Zentimeter

Gift: Mischung aus verschiedenen Bestandteilen, wie Proteasen, Hyaluronidasen, Carboxypeptidasen, Allergenen, biogenen Aminen, Esterasen, Phospholipasen, Serinpeptidasen, Metalloproteinasen, Phosphatasen und verschiedenen Neurotoxinen

Ein richtiges Gruseltier ist wohl auch der Riesenhundertfüßer (Scolopendra gigantea), auch brasilianischer Riesenläufer genannt. Er ist die größte Art unter den Hundertfüßern weltweit und wird bis zu 30 Zentimeter lang werden. Das ist ungefähr so lang wie ein menschlicher Unterarm. Sie sind meist rot-braun gefärbt und leben in tropischen Regenwäldern des nördlichen Südamerikas sowie auf einigen karibischen Inseln. 

Der Körper ist in deutlich abgrenzbare Segmente unterteilt, jedes dieser abgeflachten Körpersegmente verfügt über ein Beinpaar. Seine Hinterbeine sind mit Stacheln versehen, mit denen sie sich gegen Fressfeinde wie große Vögel, Katzen und Schlangen verteidigen. Am Kopf haben diese Scolopender außerdem langgliedrige Fühler. Diese Fühler unterstützen Riesenhundertfüßer beim Orientieren, weil die Augen sehr schlecht sind. 

Seine Beine am ersten Segment sind zu Giftklauen (Forcipula) umgewandelt. Die braucht der Scolopendra gigantea zum Jagen. Riesenhunderfüßer sind nämlich keine Zersetzer, sondern aktive Räuber und in der Regel Einzelgänger. Immer mehr Forschungen erkennen ihn in bestimmten ökologischen Kontexten zunehmend als Spitze der Nahrungskette an, einen sogenannten Apex-Prädator, wie es zum Beispiel Löwen oder Haie auch sind.

Ernährung und Jagdverhalten des Riesenhundertfüßers

Der gefräßige und aggressive Riesenhundertfüßer ernährt sich von Fleisch. Auf dem Speiseplan stehen Frösche und Kröten, Eidechsen, Schlangen, kleine Vögel und Wirbeltiere wie Mäuse. Denn ihr Gift ermöglicht es ihnen auch, Beute zu erlegen, die wesentlich größer und schwerer ist als sie selbst. 

Diese Tiere sind zudem schnelle Jäger mit außergewöhnlichen Reflexen. Dazu kommt, dass sie fast in jedem Terrain jagen können. Sie können auf Bäume klettern und sogar schwimmen. Außerdem jagen sie sowohl nachts als auch tagsüber. Hat der Riesenhundertfüßer Beute mit seinen Fühlern ausfindig gemacht, packt er sie mit seinen Giftklauen und injiziert darüber sein Gift.

In den letzten Jahren wurde sogar immer häufiger beobachtet, wie der Hundertfüßer Fledermäuse jagt und frisst. Um an Fledermäuse dranzukommen, klettern sie Höhlenwände hoch und lassen sich, an ihren Hinterbeinen festhaltend, runterhängen. Das auch für Menschen giftige und extrem schmerzhafte Gift verursacht bei kleinen Tieren entweder sofort den Tod. Größere Tiere wie Fledermäuse werden sofort gelähmt und lebendig verspeist.

Gestochen von einem Riesenhundertfüßer

Bei Menschen verursacht ein Biss sofortiges schmerzhaftes Brennen, ähnlich wie nach einem Hornissenstich. Es kann aber auch zu Schüttelfrost, Schwindel, Fieber, Absterben von Gewebe an der Stichstelle, anderen Infektionen und sogar zu einer akuten Nierenschädigung kommen. Obwohl Unfälle bei erwachsenen Menschen keine Seltenheit sind, sind aber schwere Vergiftungen mit tödlichem Ausgang eher die Ausnahme. Dennoch wurden einige tödliche Fälle gemeldet. Diese waren aber entweder auf allergische Reaktionen zurückzuführen oder weil es noch kleine Kinder waren. Menschen sollten diesen Tieren also am besten aus dem Weg gehen. Ihr gruseliges, fast alienartiges Aussehen und ihre giftige Ausstattung ermöglichen ihnen unglaubliches Jagdgeschick. Dieses opportunistische Jagdverhalten spielt in der Ökologie aber eine wichtige Rolle. Wie viele Raubtiere tragen sie mit genau diesen Talenten und Eigenschaften zur Regulation von Tierpopulationen bei.

Coyote Peterson lässt sich von dem meist gefürchtetsten Tier, dem Riesenhundertfüßer stechen.

Gympie Gympie Pflanze

Steckbrief

Ordnung: Rosales

Familie: Urticaceae

Gattung: Dendrocnide

Art: Dendrocnide moroides

Vorkommen: Regenwälder in Australien und Südostasien

Größe: bis zu 3 Meter hoch

Gift: Moroidin (Octapeptid/ knotenähnliches Molekül)

Die australische Brennnessel (Dendrocnide moroides) oder auch Gympie-Gympie-Pflanze genannt, ist eine der schmerzhaftesten und giftigsten Pflanzen der Welt: Schon eine Berührung kann extreme, teils über Monate anhaltende Schmerzen auslösen. Auch der Held vom Brave-Wilderness-YouTube-Kanal, Coyote Peterson, der sich schon von unzähligen Tieren und Pflanzen hat stechen lassen, berichtet, dass dieser Kontakt zu seinen Top 3 der schmerzhaftesten Erfahrungen zählt.

Wo kommt die Gympie Gympie Planze vor?

Wie der Name schon vermuten lässt, wächst diese Brennnesselart in Regenwäldern Australiens und gehört zur Familie der Brennnesselgewächse (Urticaceae). Das erste Mal erfuhr die breite Öffentlichkeit von ihr durch Goldgräber in der Nähe der Stadt Gympie in Queensland, Australien, daher auch ihr umgangssprachlicher Name: Gympie Gympie. Sie kommt aber auch in Regenwäldern Südostasiens vor, wie zum Beispiel in Indonesien. Der sonnenliebende Strauch wächst häufig in lichtdurchfluteten Lücken im oder am Rand des Regenwaldes, in feuchten Schluchten und an den Ufern von Bächen.

Sie kann bis zu 3 Meter hoch werden mit großen dunkelgrünen Blättern. Sie trägt sogar essbare Früchte, die ähnlich aussehen wie dunkelrote bis lilafarbene Himbeeren an langen Stielen. Es wäre besser von ihnen die Finger zu lassen, denn ihre großen herzförmigen Blätter sowie die Stiele sind mit winzigen feinen, aber sehr schmerzhaften Härchen versehen, wie mikroskopisch kleinen Nadeln. Je älter die Pflanze wird, desto weniger bedeckt ist sie mit diesen Brennhärchen. 

Welche Schmerzen verursacht die Gympie Gympie?

Berührt man die Pflanze brechen die Spitzen der winzigen Härchen ab, wodurch das Gift in die Haut injiziert wird. Der Schmerz soll so intensiv sein, dass er mit dem Verbrennen durch eine glühende Zigarette verglichen wird. Weil die Brennhaare so fein sind, kann man sie nur schwer bis gar nicht entfernen. Dazu kommt die Gefahr, dass man sie aus Versehen einatmet.

Die Folter geht damit weiter, dass das Gift nicht nur Schmerzen verursacht, sondern auch den Mechanismus zur Unterbrechung des Schmerzsignals unterdrückt. Betroffene berichten von sofortiger Gänsehaut, Schweißausbrüchen und Schwellungen. 

Nach einer solchen Begegnung schilderte die Australierin Naomi Lewis aus Erfahrung, die Schmerzen seien schlimmer gewesen als eine Geburt; obwohl sie bereits Kinder bekommen hatte. In Einzelfällen können die Schmerzen bis zu einem Jahr anhalten. Im Jahr 1955 wurde ein Mann sogar bewusstlos aufgefunden.

Schmerzen, die wochenlang bleiben

Die Giftstoffe der australischen Brennnessel sind äußerst stabil, weshalb die Folgen sehr langanhaltend sein können. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Giftstoff Moroidin. Ein knotenähnlich aufgebautes und deswegen stabiles Molekül, das auch in manchen Spinnengiften vorkommt und Juckreiz und Brennen verursacht. Nach dem Kontakt werden die Schmerzen immer stärker. Nach etwa 20 bis 30 Minuten erreichen sie meist ihren Höhepunkt. Im besten Fall klingen die Symptome nach einer Stunde wieder ab. Häufig halten die Schmerzen jedoch mehrere Stunden, Tage oder sogar Wochen an. Im schlimmsten Fall trägt man Nervenschäden davon, die über Monate hinweg bestehen bleiben können. Tödlich ist die Pflanze aber in der Regel nicht.

Dieses starke Gift soll dieses Brennnesselgewächs vor Fressfeinden schützen. Die Nadeln durchdringen nicht nur Haut, sondern auch Textilien und Fell. Für Hunde und Pferde ist diese Pflanze sogar tödlich. Trotzdem gibt es so manchen Käfer und gelegentlich das ein oder andere Opossum oder Känguru, denen die Brennnessel nichts ausmacht. Auch zahlreiche tropische Vögel wurden beobachtet, wie sie die Früchte essen.

Auch für die Menschen wird insbesondere der Giftstoff Moroidin zunehmend interessant. Da sich die Blockierung von Schmerzrezeptoren als Schmerzmittel eignen könnte. Zusätzlich wird Moroidin in der Krebsforschung erforscht, da es Tumorzellen gezielt angreift und die Zellteilung verhindert. Vielleicht leistet die Gympie-Gympie demnächst so ihren Beitrag zur Apotheke Regenwald und wird vom Horror zum Lebensretter.

Coyote Peterson setzt sich den Nadelstichen der Gympie Gympie Pflanze aus.

Was ist der größte Horror im Regenwald?

Meistens gruseln wir uns vor Tieren, die uns gefährlich sind oder waren. Aber auch vor Mischwesen, die uns in ihrem Verhalten oder Aussehen ähneln und uns deshalb als besonders unberechenbar erscheine, wie Vampire, Werwölfe und Dämonen. Ihr Konflikt zwischen Verstand und tierischen Instinkten sowie der Verlust von Selbstkontrolle ist unheimlich.

Kontrollierte Offensive!

Doch wie sich gezeigt hat, verlieren die vorgestellten Gruseltiere im Gegensatz zu einem Werwolf nicht die Kontrolle. Ihre Stiche sind einzigartige Abwehrmechanismen mit klarem Ziel: Sie verursachen schreckliche Schmerzen. Teilweise greifen Gifte Nerven an, blockieren bestimmte chemische Prozesse im Körper, rufen Lähmungen hervor oder wirken tödlich. Jedes Gift setzt sich aus komplexen chemischen Komponenten zusammen, die sich durch die Evolution bewährt haben.

Horror für uns Menschen, aber wichtige Partner im Regenwald

Ohne die Tarantelwespen hätten Vogelspinnen keine Fressfeinde. Ohne den Hundertfüßer hätten Fledermäuse kaum Fressfeinde. Ohne die tropischen Riesenameisen würden Bäume mehr von Schädlingen befallen werden. Ohne die Gympie-Gympie-Pflanze würden Regenwaldlücken schlechter gefüllt werden. Sie selbst sind wiederum Nahrung für die Tiere, die gelernt haben, mit ihren Giften umzugehen. 

Der wahre Horror: Wir Menschen!

So gruselig manche Tiere wirken: Im Regenwald erfüllen sie wichtige Aufgaben. Den schrecklichen Kontrollverlust zeigen wir Menschen in unserer Gier, die Regenwälder weltweit auszubeuten. 

Der wahre Horror im Regenwald sind die rasante Abholzung und der Lebensraumverlust. Ihre Folgen treffen nicht nur einzelne Tiere, sondern ganze Ökosysteme und letztlich auch uns Menschen. 

Über 49.500 Arten sind vom Aussterben bedroht, hält die Internationale Union zur Bewahrung der Natur (IUCN) fest. Sie gehen davon aus, dass mit dem Einfluss des Menschen bis zu tausendmal mehr Arten pro Jahr sterben.

Wir schaden auch uns selbst

Schon heute spüren wir die schmerzhaften Folgen der Klimakrise: Lange, sehr heiße Sommer und damit einhergehende Dürren, Waldbrände, Überschwemmungen, und viele weitere. Allein im Jahr 2026 sind in Deutschland laut dem Robert Koch Institut schätzungsweise 16.000 Menschen hitzebedingt verstorben. In den Vorjahren 2020 und 2022 bis 2024 starben hitzebedingt jeweils etwa 3.000 Menschen. Diese drastische Erhöhung ist nicht normal, sondern eine klare Folge unseres Handelns.

Biodiversitätsschutz: Für uns, fürs Klima und die Welt

Wir müssen lernen, dass nicht die Gruseltiere, die Grüne Hölle, die Naturkatastrophen das Problem sind, sondern unser Handeln. 

Denn wir können uns gar nicht vorstellen, welcher reale Horrorfilm auf uns zukommt, wenn wir das Skript nicht umschreiben. Deshalb ist es so wichtig, dass Lebensräume geschützt werden, dass Maßnahmen für Regenwald und Artenschutz ergriffen werden. Es braucht diese Vielfalt, auch Gruseltiere, für eine weniger gruselige Zukunft.

Wir über uns

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Unsere Projekte

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OroVerde - Die Tropenwaldstiftung
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Fotonachweis: Elkin Meriño Florez (Titelbild, Riesenhunderfüßer krabbelt über Erde); jakefnorman via iNaturalist (Gewehrkugelameise); Mason Salem via iNaturalist (Tarantelwespe zieht Vogelspinne);  Dan Schofield via iNaturalist (Henkerwespe); Elkin Meriño Florez via iNaturalist (Riesenhundertfüßer ganz); jaylinz via iNaturalist (Gympie Gympie Pflanze Blatt im Schatten); Joelma Monteiro de Carvalho via Wikimedia Commons (Gewehrkugelameisenritual Handschuh); ronthill via iNaturalist (Tarantelwespe auf Blüte); Levy Ríos via iNaturalist (Riesenhundertfüßer am Baum); Glen via iNaturalist (Gympie Gympie Blätter im Sonnenschein); Yvonne Alexandra Zago via iNaturalist (Gympie Gympie Brennhaare); OroVerde (Brandgerodete Fläche); Canva (Entwaldung); C. Durand via Pexels (Entwaldung); Martin Harvey via Wildscreen Exchange (Bagger im Regenwald); Konrad Wothe (Brandrodung im Regenwald).

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Letzte Überarbeitung: 06.10.2026 

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