Der internationale Tag des Waldes wurde 1971 von der Welternährungsorganisation ins Leben gerufen, um auf den massiven Raubbau an den weltweiten Wäldern aufmerksam zu machen. Seitdem wird er jährlich am 21. März begangen.
21. März 2026 | Nathalie Grychtol
Wie geht es den Wäldern heute, 55 Jahre später? Tatsächlich wird seitdem weltweit weniger gerodet. Leider gibt es dennoch keinen Grund zur Entwarnung, denn die Wälder werden weiter dezimiert. Allein seit 1990 sind global etwa 178 Millionen Hektar Wald verschwunden. Das entspricht etwa 249.299.720 Fußballfeldern (über 692-mal das Saarland). Und das trotz eines Zuwachses von etwa 123 Millionen Hektar durch Aufforstung. Und genau hier zeigt sich das erste große Problem.
Verlust von Biodiversität
Der Teufel steckt auch bei den Waldstatistiken wie so oft im Detail: Zwar nimmt die Fläche gepflanzter Wälder zu, die Fläche von Urwäldern jedoch nimmt rapide ab. Diese Entwicklung ist besonders für die Artenvielfalt verheerend, denn Urwälder, wie auch die tropischen Primärwälder, zählen zu den wichtigsten Hotspots der Biodiversität. Fällt man diese, etwa für eine Palmölplantage, tauscht man ein Vielfalts-Eldorado gegen eine grüne Wüste. Und dass zu einem Zeitpunkt, an dem die planetare Belastungsgrenze zur biologischen Vielfalt bereits weit überschritten ist.
Ungleichheit – auch beim Wald ein Thema
Ein zweites Problem bei den globalen Waldstatistiken liegt in der Verteilung von Waldverlust. Ein Aspekt, der anhand der Zahlen allein nicht sichtbar wird. Der Globale Süden, der schon in besonderem Maße von den Auswirkungen der Klimakrise betroffen ist, verzeichnet die stärksten Verluste. Brasilien und die Demokratische Republik Kongo führen dieses Negativ-Ranking an.
Wofür muss der Wald weichen?
Hauptursache für Waldverlust, in Brasilien, dem Kongo und weltweit: Umwandlung von Wald in Ackerfläche. Der steigende Bedarf an Agrarprodukten wie Futtersoja führt zu Flächendruck. Das Ergebnis: Kahlschlag für unseren Konsum. Unser Lebensstil hat also direkte Folgen für die Wälder dieser Welt. Viele Europäer*innen wollten das nicht länger hinnehmen. Mit einer der größten Petitionen der Geschichte der Europäischen Union setzten sie gemeinsam ein klares Zeichen:
Stoppt den Import von Entwaldung für europäischen Konsum!
Als Ergebnis dieses zivilgesellschaftlichen Engagements trat 2023 die EU-Anti-Entwaldungsverordnung EUDR in Kraft. Ein Gesetz, das es Unternehmen verbietet, bestimmte Produkte mit Entwaldungs-Fußabdruck in der EU auf den Markt zu bringen. Ein Meilenstein für den Waldschutz. In der Theorie. Denn seit dem Inkrafttreten der Verordnung steht sie unter Beschuss.
- Bereits zwei Mal wurde Geltungsstart für Unternehmen verschoben.
- Der ursprüngliche Text der Verordnung bereits abgeschwächt.
- Aktuell ist zu befürchten, dass es 2026 zu weiteren Verwässerungen kommen wird. Politische und wirtschaftliche Interessen setzen den Waldschutz zunehmend unter Druck. Sowohl konservative europäische Kräfte, unter ihnen auch die CDU unter Merz, als auch die Trump-Administration wünschen die Axt anzulegen.
Wie es für den Wald weitergeht
Auf der COP26 in Glasgow wurde von über 140 Ländern vereinbart, die Entwaldung bis 2030 zu stoppen. Ein ehrgeiziges Ziel, das nach aktuellem Stand verfehlt werden dürfte. Weltweit wird sich schwergetan, den ambitionierten Vorhaben auch wirkungsvolle Taten folgen zu lassen. Bestehende Maßnahmen werden abgeschwächt oder ausgesetzt, etwa die EUDR oder das Soja-Moratorium. Die Folgen sind dramatisch: Bis 2050 könnten nur noch etwa 50 Prozent der ursprünglichen tropischen Wälder existieren. Für den Amazonas wird erwartet, dass zentrale Kipppunkte spätestens bis dahin erreicht werden.
Was Sie jetzt tun können
Wir fordern: Schützt die Umweltgesetze, die Menschen und Natur dienen – nicht den Interessen von Verschmutzern.
Jetzt die Petition #HandsOffNature unterzeichnen.
Über 350.000 Menschen haben bereits ein Zeichen gesetzt – schließen Sie sich an.
Als Bürger*in haben Sie die Wahl und Verantwortung. Unterstützen Sie Parteien mit klarer Umweltpolitik! Sie sind mit dem Engagement Ihre*r Abgeordneten in Bezug auf Umweltfragen nicht zufrieden? Zögern Sie nicht und schreiben Sie eine Mail. Die Wahlkreissuche hilft Ihnen, die für Ihren Wahlkreis zuständige Politiker*in zu finden. Politischer Druck wirkt, wenn er sichtbar wird.
Besonders Umweltgesetze werden heute auch maßgeblich von der Europäischen Union mitgestaltet. Die Wälder liegen Ihnen am Herzen? Dann verpassen Sie nicht, auch an den EU-Wahlen teilzunehmen.
Jede Kaufentscheidung zählt. Von recyceltem Papier, nicht ausgedruckten Mails, Fleisch und Milch, Bananen aus nachhaltigem Anbau bis zu Terrassenmöbeln aus zweiter Hand: Oft gibt es tropenwaldfreundliche Alternativen. Viele Informationen und Anregungen finden Sie in unseren Verbraucher*inneninformationen.
Sie sorgen privat für ihr Alter vor oder eröffnen ein neues Konto? Geldinstitute haben erheblichen Einfluss darauf, welche Wirtschaftszweige wie unterstützt oder mit Krediten ausgestattet werden. Spekulationen mit Land und Rohstoffen können Entwaldung verschärfen und Ernährungssouveränität gefährden. Viele Geschäftsmodelle sind aber nur attraktiv, weil ökologische Schäden, etwa Entwaldung und Biodiversitätsverlust, nicht eingepreist sind. Die Kosten tragen wir alle. Erkundigen Sie sich bei Ihrem Finanzinstitut.
Unterstützen Sie gezielt Organisationen, die sich für den (Tropen-)Wald und Bäume einsetzen. Sie sind sich unsicher, ob die von Ihnen unterstützte Organisation seriös ist? Es gibt verschiedene Kriterien, die Ihnen bei der Bewertung helfen können:
- Spendensiegel: Die Organisation wurde von einem unabhängigen Zertifizierer als seriös und transparent bewertet.
- Die Organisation berichtet transparent und frei zugänglich über ihre Finanzen inklusive Spenden.
- Keine falschen Versprechen: Ihnen wird ein gepflanzter Baum pro gespendetem Euro versprochen? Schauen Sie genau hin. Wo wird welcher Baum gepflanzt? Handelt es sich um eine Plantage? Ein Setzling mag für das Geld zu bekommen sein. Aber Pflege, sachgemäßes Ausbringen und naturnahe, sinnvolle Pflanzung sind meist kostspieliger und komplex.
- Erfahrung und Partnerschaften: Wo ist die Organisation aktiv und hat sie Verbündete? Erfahrung spiegelt sich häufig in langjährigen Partnerschaften und kontinuierlichem Engagement.
Aus Erfahrung können wir sagen: Bildung für nachhaltige Entwicklung ist eine zentrale Säule für erfolgreichen Umweltschutz. Dabei sind dem Alter weder nach oben noch nach unten Grenzen gesetzt. Nutzen Sie gerne unsere kostenlosen Bildungsangebote wie unsere Homepage oder unsere Kinderseite „Regenwald für Kids“, die zuletzt mit dem „Seitenstark-Gütesiegel” als sicherer Ort für unsere Kleinsten ausgezeichnet wurde.
OroVerde setzt Regenwald-Schutzprojekte mit einheimischen Partnern in elf Ländern um – mit verschiedenen Schwerpunkten.
6 Wege, wie Tropenwälder geschützt werden können.
Wie können wir einkaufen und dabei Regenwald schützen? Was können wir sonst tagtäglich tun?
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