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Was haben Urwaldriesen, Unterholz, Plankton, Algen, Meereswasser und riesige unterirdische Pilznetzwerke gemeinsam? Sie alle wirken als unverzichtbare Kohlenstoffsenken. Doch sie drohen diese Funktion zu verlieren.

Gesunde Ökosysteme nehmen das Klimagas CO2 aus der Atmosphäre auf und speichern es. Sie binden es entweder in lebendiger oder toter Biomasse oder mittels physikalischer Prozesse. Damit wirken sie als natürliche Kohlenstoffsenken und helfen, den Anstieg der Treibhausgase in der Atmosphäre zu bremsen. Doch durch die Folgen des Klimawandels, Umweltzerstörung und -verschmutzung besteht die Gefahr, dass immer mehr Ökosysteme zu Kohlenstoffquellen werden.

Was ist eine Kohlenstoffsenke?

Kohlenstoffsenken absorbieren mehr Kohlenstoff aus der Atmosphäre, als sie ausstoßen. Im Kampf gegen den Klimawandel sind sie unverzichtbar. Eine im Jahr 2020 veröffentlichte Studie legte dar, dass etwa die Hälfte der menschengemachten CO2-Emissionen von natürlichen Kohlenstoffsenken aufgenommen wird. Das bedeutet aber nicht, dass sie einen Ersatz für die Reduzierung unserer Emissionen darstellen.

Kohlenstoffsenken können ganz unterschiedlich aussehen. Wälder, Ozeane und andere Gewässer, Sümpfe, Tundra und viele andere Ökosysteme absorbieren mehr CO2 aus der Atmosphäre, als sie selbst durch natürliche Prozesse freigeben.

Mit ihren Fähigkeiten spielen Kohlenstoffsenken also einen wichtigen Part im globalen Kohlenstoffkreislauf. Dieser Kreislauf beschreibt gewissermaßen die Atmung des Planeten, nämlich den Austausch von Kohlenstoff zwischen den verschiedenen Sphären der Erde – also der Atmosphäre (Luft), Lithosphäre (Gestein), Biosphäre (Lebewesen), Hydrosphäre (Wasser) und Kryosphäre (Eis).

Die wichtigsten natürlichen Kohlenstoffsenken

Ozeane sind im Klimaschutz unersetzbar. Sie nehmen rund 30 Prozent der Kohlendioxidemissionen auf, die wir Menschen ausstoßen. Das macht sie mit Abstand zur größten Kohlenstoffsenke unseres Planeten. Zum größten Teil wird CO2 in Kohlensäure umgewandelt, die im Ozeanwasser gelöst ist. Dadurch sinkt der pH-Wert des Wassers. Diese Übersäuerung hat weitreichende Folgen für Tiere und Pflanzen, die vor allem in ihrem Wachstum gestört werden. Wärmere und salzigere Meer können weniger CO2 speichern. Die Erderwärmung vermindert also die Speicherfähigkeit der Meere. Ein Teufelskreis.

Marine Ökosysteme wie Kelpwälder, Seegraswiesen, Mangroven können Kohlenstoffdioxid bis zu viermal schneller binden, als Wälder an Land. Viele in ihnen lebende Organismen wie Algen, Pflanzen und Phytoplankton produzieren die Hälfte des Sauerstoffs in der Atmosphäre.

 

Moore und Feuchtgebiete nehmen gewaltige Mengen an Kohlendioxid auf und speichern etwa doppelt so viel CO2, wie alle Wälder unserer Erde zusammen. Expert*innen gehen davon aus, dass Moore und Feuchtgebiete mit 550 Milliarden Tonnen fast ein Drittel des CO2 auf unserem Planeten speichern – und das, obwohl sie insgesamt nur drei Prozent der Erdoberfläche ausmachen.

Doch warum sind Moore so wichtige Kohlenstoffspeicher und -senken? Durch die ständige Feuchtigkeit in Mooren werden viele abgestorbene Pflanzen nicht vollständig zersetzt. Über lange Zeiträume hinweg bilden sich daraus unter den richtigen Voraussetzen Schichten von Torf, in dem das CO2 gespeichert bleibt. Wird Torf als Brennmaterial genutzt oder das Moor entwässert gelangt über tausende Jahre gespeicherte Kohlenstoff in die Atmosphäre und befeuert die Erderwärmung.

Der Schutz von Mooren und Feuchtgebieten ist daher eine unverzichtbare Klimaschutzmaßnahme.

Auch die Wälder unserer Erde sind mächtige Kohlenstoffsenken. Vor allem Wälder mit alten, hohen Bäumen speichern große Mengen Kohlenstoff in ihrer Biomasse, also in Blättern, Holz, Wurzeln und Boden. 

Früher konnten die Wälder unserer Welt jährlich bis zu 7,8 Milliarden Tonnen CO2 aus der Atmosphäre aufnehmen – das entspricht etwa 20 Prozent der menschengemachten Emissionen. Doch durch Entwaldung und den fortschreitenden Klimawandel nehmen viele Waldgebiete nun nur noch weniger CO2 auf. Durch ihre Zerstörung wird das gespeicherte CO2 wieder in die Atmosphäre abgegeben. An manchen Orten verwandeln sich Wälder von Kohlenstoffsenken in Kohlenstoffquellen. Um diesen gefährlichen Trend wieder umzukehren, braucht es konsequenten Wald- und Klimaschutz

Zwar sind sie nicht sichtbar, doch unterirdische Netzwerke von Mykorrhiza-Pilzen spielen Expert*innen zufolge, eine unterschätzte Rolle beim Speichern von Kohlenstoffdioxid. 

Als Mykorrhiza bezeichnet man eine wichtige Symbiose, also Partnerschaft, zwischen Pflanzen und Pilzen. Die Pilze versorgen die Pflanze mit wichtigen Nährstoffen, Wasser und schützen sie vor Schädlingen. Im Austausch erhalten sie von der Pflanze kohlenstoffreichen Zucker. Das darin enthaltene CO2 wird gespeichert und teilweise an den umgebenden Boden abgegeben. Diese Partnerschaften gibt es schon seit über 400 Millionen Jahren, und fast jede Pflanze der Erde lebt in Symbiose mit Mykorrhiza-Pilzen. In den meisten Ökosystemen spielen sie daher als Schnittstelle zwischen Pflanzen und Boden eine wichtige Rolle. Laut einer 2023 veröffentlichten, internationalen Studie nehmen die mikroskopischen Fasern der Mykorrhiza-Pilze jährlich 13,12 Milliarden Tonnen CO2 auf. Das entspricht 36 Prozent der weltweiten Kohlenstoffdioxidemissionen, die durch fossile Brennstoffe verursacht werden.

Expert*innen betonen, dass die Bedeutung von Mykorrhiza innerhalb von Kohlenstoffkreisläufen bislang noch nicht genug erforscht wurde. Waldschutz ist ein wichtiger Schritt, um die unterirdischen Mykorrhiza-Netzwerke mit ihren kohlenstoffspeichernden Fähigkeiten zu schützen.

Die wichtige Rolle der Tropenwälder als Kohlenstoffsenken

Tropische Wälder sind eine der wichtigsten Kohlenstoffsenken an Land. Im feuchtwarmen Tropenklima können Pflanzen das ganze Jahr hinweg Photosynthese betreiben. Dadurch nehmen sie deutlich mehr CO2 aus der Atmosphäre auf, als Wälder in gemäßigten Klimazonen. Der Amazonas-Regenwald allein, der größte Tropenwald der Erde, absorbiert etwa ein Viertel des gesamten Kohlenstoffdioxids, das durch Ökosysteme an Land aufgenommen wird.

Mangroven: die CO2 Superhelden

Unter den verschiedenen Arten von Tropenwäldern sind Mangrovenwälder besonders effektive Kohlenstoffsenken, wie wissenschaftliche Studien belegen. Mangrovenwälder können bis zu viermal so viel CO2 aufnehmen wie andere tropische Wälder – Regenwälder mit eingeschlossen. Der Grund dafür liegt laut Wissenschaft im Boden, denn dieser bleibt durch die Gezeiten dauerhaft wassergesättigt und sauerstoffarm. Organische Material zersetzt sich so nur sehr langsam und Kohlenstoff kann langfristig gespeichert werden.

Zwar sind Mangrovenwälder durch diese Eigenschaft besonders effiziente Kohlenstoffsenken – doch bei ihrer Zerstörung wird auch sehr viel CO2 wieder in die Atmosphäre abgegeben. Diese vielfältigen Küstenökosysteme erhalten nicht nur Biodiversität, sondern schützen auch das Klima.

Tropenwälder werden häufiger zu Kohlenstoffquellen

Doch durch die zunehmende Zerstörung von Tropenwäldern für Landwirtschaft und die Folgen des Klimawandels verlieren die Tropenwälder zunehmend ihre Fähigkeit, CO2 aus der Atmosphäre aufzunehmen. Durch Rodungen, Landnutzungsänderungen, Feuer und Starkwetterereignisse wie Dürreperioden wird gespeichertes CO2 aus Biomasse und Boden sogar wieder freigesetzt. So verkehren sich mancherorts Kohlenstoffsenken zu Kohlenstoffquellen.

Studien aus dem Jahr 2025 belegen, dass alle drei großen Regenwaldregionen unserer Erde – der Amazonas-Regenwald in Südamerika, der Kongo-Regenwald in Westafrika und der Tropenwald Südostasiens – inzwischen durch Zerstörung und Klimaveränderungen mehr Kohlenstoffdioxid ausstoßen, als sie absorbieren. Zwar sind manche Teile dieser Wälder noch intakt, doch sie nehmen insgesamt weniger CO2 auf, als in gestörten Teilen wieder freigesetzt wird.

Der Regenwald im Kongobecken absorbiert laut einer 2025 veröffentlichten Studie noch immer rund 600 Millionen Tonnen CO2 jährlich – doch auch diese Zahl sinkt stetig.

Was passiert, wenn Kohlenstoffsenken geschwächt werden oder versagen?

Wenn Kohlenstoffsenken geschwächt werden, zum Beispiel durch Klimaveränderungen, Umweltverschmutzung oder Zerstörung, verlieren sie zunehmend ihre Fähigkeit, Kohlenstoff aus der Atmosphäre aufzunehmen und zu speichern.

Gleichzeitig wird das Risiko erhöht, dass aus natürlichen Kohlenstoffsenken Kohlenstoffquellen werden. Denn die meisten Ökosysteme, die als Kohlenstoffsenken dienen, speichern gewaltige Mengen von Treibhausgasen in ihrer Biomasse. Mit der Veränderung oder sogar Zerstörung dieser Ökosysteme werden die gespeicherten Treibhausgase freigesetzt. Dadurch wird der Klimawandel weiter verschärft, was wiederum kohlenstoffsenkende Ökosysteme aus dem Gleichgewicht bringt. Es kommt zu einem Rückkopplungseffekt. Der konsequente Schutz von natürlichen Kohlenstoffsenken ist wichtig, um diesen Teufelskreis zu verhindern und das Klima – und somit unsere Lebensgrundlage – wirksam zu schützen.

Wie wir Kohlenstoffsenken schützen können

Um natürliche Kohlenstoffsenken wie Ozeane und Tropenwälder zu schützen, brauchen wir politische Lösungen, die die Zerstörung von den entsprechenden Ökosystemen radikal reduziert beziehungsweise vollständig verhindert.

Wichtige Schutzmaßnahmen:

  • Ausweisung großer Schutzgebiete auf See und an Land
  • Anpassung der weltweiten Wirtschaftsweise, um Ausbeutung natürlicher Ressourcen zu stoppen
  • Verbot des Abbaus von fossilen Brennstoffen für rein wirtschaftliche Zwecke
  • Transparente Lieferketten, um Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen zu vermeiden

Ein positives Beispiel für politischen Fortschritt im Schutz der Kohlenstoffsenken ist das UN-Hochseeschutzabkommen, das zu Beginn 2026 in Kraft getreten ist. Das neue Abkommen schafft erstmals eine rechtsverbindliche Grundlage, um die internationalen Gewässer zu schützen. Diese machen rund zwei Drittel der Weltmeere aus.

Um diese politischen Ziele tatsächlich zu erreichen, braucht es außerdem:

  • Zivilgesellschaftliches Engagement, um politischen Druck zu erhöhen
  • Veränderung des Konsumverhaltens, zum Beispiel durch Reduzierung von Fleisch- und Milchprodukten

Auch Organisationen wie OroVerde setzen sich aktiv für den Schutz natürlicher Kohlenstoffsenken ein.

Was macht OroVerde, im natürliche Kohlenstoffsenken zu schützen?

Mit dem Einsatz für Tropenwaldschutz setzt sich OroVerde gleichzeitig für den Erhalt einer der wichtigsten Kohlenstoffsenken ein und macht auf Merkmale und Besonderheiten des Regenwaldes aufmerksam.

Beispiele für Projekte:

  • Das Projekt KlimaWald stärkt die Regeneration von tropischen Ökosystemen und fördert nachhaltige Landwirtschaftsmethoden in Kuba, Haiti und der Dominikanischen Republik.
  • Ein weiteres Projekt konzentriert sich auf den Schutz und Wiederaufbau von Mangrovenwäldern im Golf von Fonseca in Honduras. Als Ökosystem an der Grenze zwischen Land und Wasser spielen Mangrovenwälder eine wichtige Rolle für die lokale Biodiversität und ihren Schutz. Sie speichern auch riesige Mengen von Kohlenstoffdioxid und helfen so dabei, das Weltklima zu regulieren.

 

Häufige Fragen zu Kohlenstoffsenken:

Was sind natürliche Kohlenstoffsenken?

Natürliche Kohlenstoffsenken sind Ökosysteme, die mehr Kohlenstoff aus der Atmosphäre aufnehmen als sie abgeben. Diese Senken sind essenziell für den Klimaschutz.

Welche Kohlenstoffsenken gibt es?

Zu den wichtigsten zählen Wälder, Ozeane, Moore, Feuchtgebiete und Graslandschaften. Wälder und Graslandschaften binden CO2 in Pflanzen und Boden, Ozeane speichern große Mengen Kohlenstoff im Wasser, halten Kohlenstoff im Torf gebunden.

Was ist die größte Kohlenstoffsenke?

Die Ozeane sind die größte Kohlenstoffsenke der Erde. Sie nehmen etwa 30 Prozent des atmosphärischen CO2 auf, das im Meerwasser gelöst wird. Marine Ökosysteme wie Kelpwälder, Seegraswiesen und Mangroven binden Kohlenstoff besonders effektiv. So speichern sie CO2 in lebender Biomasse und Sedimenten.

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Fotonachweis: Unsplash Plus (Titelbild), Waldbrand (Sippakorn - Pexels), Infografik Kohlenstoffsenken (OroVerde - E. Bakker), Mann mit Mangrovensetzlingen (OroVerde - L. Krings). 

Hier geht es zu den vollständigen Quellen dieser Seite. 

Letzte Bearbeitung 27.02.2026

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