Wo staubige Erde auf neue Hoffnung trifft: In Haiti ist Klimaanpassung kein abstrakter Begriff, sondern ein lebenswichtiges Projekt. Hier verwandeln engagierte Frauen und Männer karges Land in eine Zukunft für ihre Familien.
17. April 2026 | Kristina Jularic
6.770 Setzlinge. Eine Zahl aus dem aktuellen Monatsbericht unseres Projektpartners Concert-Action. Doch vor Ort in Haiti steht sie für weit mehr: für Hänge, die wieder Halt finden, für Böden, die Wasser speichern, und für Menschen, die ihre Lebensgrundlagen sichern. Was auf den ersten Blick abstrakt wirkt, wird im Alltag lebendig – auf den Feldern, in Baumschulen und in den Gemeinden.
Setzlinge, die Zukunft tragen
Im Januar wurden 6.770 Obstsetzlinge über lokale Baumschulen an 52 Menschen, darunter 21 Frauen, verteilt.
Jeder dieser Setzlinge hat eine Aufgabe: Er wird an einem Ort gepflanzt, an dem er mitwirkt, dass Landwirtschaft auch in Zukunft noch möglich sein wird. Dazu gehören Hänge, an denen der Boden durch Regen leicht abgetragen wird, ebenso wie Flächen, die zunehmend unter Trockenheit leiden.
Dort beginnen die Pflanzen zu wachsen. Mit der Zeit stabilisieren ihre Wurzeln den Boden, verbessern die Wasserspeicherung und schaffen so die Grundlage für verlässlichere Ernten.
Aus den einzelnen Pflanzen entwickeln sich nach und nach Agroforstsysteme auf Kakao- und Kaffeeflächen. Diese tragen dazu bei, die landwirtschaftlichen Flächen langfristig widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels zu machen.
Was im Bericht zunächst wie eine Zahl erscheint, ist in der Praxis ein Prozess, der Zeit braucht und sich über Jahre hinweg entfaltet.
Die 6.770 Setzlinge sind nur ein Teil der Maßnahmen im KlimaWald-Projekt. In Haiti, der Dominikanischen Republik und auf Kuba werden vielfältige Ansätze zur Klimaanpassung erprobt, verstetigt und skaliert. Denn wir wissen: Wirksamer Waldschutz ist immer nur mit den Menschen vor Ort möglich. Mit Ihrer Unterstützung weiten wir diese lebensnotwendigen Maßnahmen aus und sichern die Zukunft von Tropenwald und Menschen im Karibischen Korridor. Spenden Sie jetzt für KlimaWald.
Frauen, die Verantwortung übernehmen
21 der Begünstigten, die Setzlinge erhalten haben, sind Frauen.
Auch in anderen Projektaktivitäten sind sie aktiv eingebunden. Sie errichten Kompostbehälter, arbeiten mit landwirtschaftlichen Werkzeugen und bewirtschaften ihre Flächen.
Diese Beteiligung ist von großer Bedeutung. In vielen Haushalten tragen Frauen die Verantwortung für die Ernährung und die landwirtschaftliche Produktion. Werden sie in Maßnahmen einbezogen, wirkt sich das direkt auf die Lebenssituation der Familien aus.
Auf diese Weise entsteht echte Mitgestaltung. Gleichzeitig entwickeln sich Strukturen, die über einzelne Maßnahmen hinaus Bestand haben und langfristig in den Gemeinden verankert bleiben.

Klimaanpassung funktioniert nur, wenn diejenigen mitentscheiden, die sie im Alltag umsetzen. Die aktive Rolle von Frauen ist dafür ein zentraler Faktor.
Wie sich die Flächen verbessern
Neben der Verteilung von Setzlingen wurden im Januar zahlreiche weitere Maßnahmen umgesetzt.
Dazu zählen 20 Erosionsschutz-Böschungen auf sechs Parzellen und 11 Kompostbehälter zur Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit. Zusätzlich wurden fünf Anbaustrukturen für Nutzpflanzen errichtet und landwirtschaftliche Werkzeuge an 34 Begünstigte, darunter 12 Frauen, verteilt.
Diese Maßnahmen greifen ineinander. Die Böschungen stabilisieren die Flächen, der Kompost verbessert die Bodenqualität und die Agroforstsysteme verbinden landwirtschaftliche Nutzung mit langfristiger Regeneration.
Auf den Flächen wird dadurch sichtbar, wie sich die Bedingungen verbessern. Die Böden bleiben stabiler, Pflanzen wachsen unter besseren Voraussetzungen und es werden erste Erträge möglich.
Was bedeutet Klimaanpassung konkret?
Gerade in Haiti sind die Folgen des Klimawandels in Form von unregelmäßigen Niederschlägen, längeren Trockenperioden und zunehmender Erosion deutlich spürbar. Maßnahmen wie Aufforstung, Agroforstwirtschaft und nachhaltige Landwirtschaft helfen, diesen Veränderungen zu begegnen.
Wie das konkret aussieht, zeigt sich auf den Feldern der Projektteilnehmenden. Dort wird mit ökosystembasierten Klimaanpassungen (EbA = engl. Ecosystem-based Adaptation) gearbeitet.
Durch verbesserte Bodenpflege und angepasste Bewirtschaftung werden stabile Ernten gesichert und das Einkommen verbessert.
So wird die Anpassung an den Klimawandel im Alltag sichtbar.
Ökosystembasierte Anpassung kurz erklärt
Im KlimaWald-Projekt arbeitet OroVerde gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen daran, Wälder wiederherzustellen und Gemeinden bei der Anpassung an den Klimawandel zu unterstützen. Im Mittelpunkt stehen Maßnahmen der ökosystembasierten Klimaanpassung wie Aufforstung, Agroforstsysteme und nachhaltige Landwirtschaft.
Bei der ökosystembasierten Anpassung (engl. Ecosystem-based Adaptation = EbA) werden gezielt natürliche Ökosysteme genutzt, um die Folgen des Klimawandels abzumildern. Die ökosystembasierte Klimaanpassung ist eine Form der naturbasierten Lösungen.
Die Grundidee ist einfach: Intakte Natur schützt uns. So können Mangrovenwälder Sturmfluten abschwächen und Wälder sowie Feuchtgebiete Wasser speichern, Böden stabilisieren und Überschwemmungen abfedern.
Solche Ansätze verbinden Klimaanpassung, Naturschutz und nachhaltige Entwicklung. Gleichzeitig fließt das Wissen der lokalen Bevölkerung in Planung und Umsetzung ein.
EbA-Maßnahmen sind häufig kostengünstiger und langfristig tragfähiger als rein technische Lösungen. Zudem lassen sie sich flexibel an unterschiedliche regionale Bedingungen anpassen. Das macht sie besonders wertvoll für benachteiligte oder abgelegene Regionen.
Die Inhalte dieses Artikels basieren auf dem Monatsbericht des haitianischen Projektpartners Concert-Action für Januar 2026.
Veränderung entsteht Schritt für Schritt
Die Aktivitäten im Januar zeigen, wie Klimaanpassung in die Praxis umgesetzt wird. Sie entsteht nicht durch einzelne Maßnahmen, sondern durch ihr Zusammenspiel.
Setzlinge wachsen heran, Menschen übernehmen Verantwortung und landwirtschaftliche Flächen regenerieren sich nach und nach.
So entwickelt sich vor Ort Schritt für Schritt Widerstandsfähigkeit gegenüber den Folgen des Klimawandels.
KlimaWald - Mit starken Ökosystemen gegen den Klimawandel
Die Karibik fasziniert mit weißen Stränden, türkisblauem Wasser und artenreichen Tropenwäldern. In Kuba, Haiti und der Dominikanischen Republik entwickeln die Welthungerhilfe, OroVerde und lokale Partner innovative Lösungen, um diese Lebensräume zu schützen, Ökosysteme zu stärken und die Bevölkerung bei der Anpassung an den Klimawandel zu unterstützen.
EbA - Natürliche Antworten auf die Folgen der Klimakrise
Gesunde Ökosysteme sind Grundlage für Ernährung, Klimaschutz und den Schutz vor Extremwetter. Ökosystembasierte Klimaanpassung (Ecosystem-based Adaptation, EbA) sichert diese Leistungen langfristig – trotz Klimawandel – und mildert dessen Folgen.
Das Projekt ist Teil der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI). Das Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) fördert die Initiative aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestags.
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Kristina Jularic
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