Vertrauen ist das Herz jeder starken Partnerschaft. Im KlimaWald-Projekt baut genau dieses tiefe Vertrauen zwischen Nichtregierungsorganisationen und lokalen Teams Erfolge auf. Aus persönlichen Begegnungen wird so erfolgreiche Projektarbeit, die Wald schützt und Menschen begeistert.
23. Februar 2026 | von Kristina Jularic und Kristina Osen
Als Kristina Osen spätabends am Flughafen in der Dominikanischen Republik ankommt, wartet bereits ein vertrautes Gesicht auf sie: Toni von der Partnerorganisation ENDA Dominicana. Trotz später Stunde hat er frisches Obst mitgebracht. Eine kleine Geste, die viel über die Zusammenarbeit im KlimaWald-Projekt erzählt.
Ankommen, vertrauen, loslegen
Wenig später wird dieses Gefühl von Vertrautheit erneut spürbar. Nach ihrer Ankunft feiert Miledys, die bei ENDA Dominicana die Projektfinanzen betreut, Geburtstag. Ihre Kolleginnen und Kollegen haben ihr Büro liebevoll dekoriert und Kuchen mitgebracht. Solche Begegnungen – ob im Büro, bei gemeinsamen Feiern oder im Austausch mit den Partner*innen in Hondo Valle – zeigen, dass Projektarbeit hier weit mehr ist als fachlicher Austausch. Sie lebt von persönlichen Beziehungen und gegenseitigem Vertrauen.
Starke Beziehungen = starke Partner
Nach persönlichen Begegnungen und gemeinsamen Momenten vor Ort blickt das Team auf die großen Zusammenhänge: Das KlimaWald-Projekt verbindet Waldschutz, Klimaanpassung und die Lebensgrundlagen der Menschen im Karibischen Korridor. In einer Region, die stark vom Klimawandel, zunehmender Dürre und Extremwetter betroffen ist, setzt das Projekt auf ökosystembasierte Anpassung (EbA). Wälder und Agroforstsysteme werden gezielt geschützt und gestärkt, um Wasserressourcen zu sichern, die Biodiversität zu erhalten und Gemeinden widerstandsfähiger gegenüber Klimarisiken zu machen.
Gemeinsam mit, der Welthungerhilfe als Projektleitung sowie den lokalen Organisationen ENDA Dominicana, Centro Naturaleza, Bioeco, Concert-Action und CESAT, arbeiten die Projektteams länderübergreifend an praxistauglichen Lösungen für nachhaltige Landwirtschaft, Waldschutz und Klimaanpassung. Regelmäßige Besuche vor Ort sind dabei ein zentraler Bestandteil der Zusammenarbeit.

Die Projektreise in die Dominikanische Republik zu unseren Partnerinnen und Partnern fühlte sich nicht wie eine Dienstreise an, sondern wie ein vertrautes Wiedersehen.
Was Projektberichte oft nicht zeigen
Solche Reisen zeigen, was in Projektberichten oft unsichtbar bleibt: die Beziehungsarbeit hinter den Maßnahmen. Gemeinsames Lachen, Gespräche beim Essen, Zuhören und informeller Austausch stärken Vertrauen und Wertschätzung. Erfolgsgeschichten und Sorgen, die persönlich geteilt werden, bekommen eine andere Qualität. Dieses „Behind the scenes“ ist eine wichtige Grundlage dafür, dass Zusammenarbeit über große Distanzen funktioniert und damit auch für die Wirksamkeit des KlimaWald-Projekts.
Gemeinsam Erfolge feiern und Zukunft gestalten
Ziel der Reise war es, die Zusammenarbeit zu vertiefen und wichtige konzeptionelle Fragen zu klären. Besonders die Weiterentwicklung der Replikationsmodelle stand im Fokus. Sie sind ein Instrument, um erfolgreiche EbA-Ansätze künftig auch in anderen Regionen anzuwenden.
Vor Ort traf Kristina Vertreter*innen der Welthungerhilfe (WHH), ENDA Dominicana sowie Centro Naturaleza in der Dominikanischen Republik. WHH stellte die Räumlichkeiten in Santo Domingo zur Verfügung. Die kubanischen Partnerorganisationen Bioeco und CESAT konnten aufgrund fehlender Einreisedokumente leider nicht teilnehmen. Ihr Fehlen war spürbar, denn sie sind ein wichtiger Teil des gemeinsamen Projekts.
Viele Abstimmungen lassen sich nur im direkten Austausch effizient lösen. Unterschiedliche Auffassungen, die häufig durch Personalwechsel oder wechselnde Zuständigkeiten entstehen, konnten vor Ort geklärt werden. Besonders wertvoll war die Teilnahme der technischen Fachkräfte, die überwiegend im Feld arbeiten. Der direkte Austausch machte die Zusammenarbeit transparenter und effizienter.
Agroforstsysteme zeigen Wirkung – auch bei Extremwetter
Aktuelle Herausforderungen wie die Auswirkungen des Hurrikans „Melissa“ wurden ebenfalls besprochen. In der Projektregion blieben die Schäden gering. Hohe schattenspendende Bäume wie die einheimische Avocado Criollo wirkten als natürlicher Windschutz. In Kaffee- und Kakaoanbausystemen konnten sie starke Böen abfangen und Schäden reduzieren. So wird deutlich, wie naturnahe Agroforstsysteme zur ökosystembasierten Anpassung beitragen und die Widerstandsfähigkeit der Region stärken.
Anpassung bedeutet jedoch nicht nur stabile Anbausysteme. Sie betrifft auch die Verarbeitung und Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte. Atanacio, Techniker bei ENDA Dominicana, betreut eine Kaffeekirschenschälmaschine, die Produzentinnen und Produzenten aus der Region gemeinschaftlich nutzen können. Durch solche Angebote bleibt mehr Wertschöpfung in der Region, und die Betriebe gewinnen zusätzliche Sicherheit in unsicheren Zeiten.
Hier zeigt sich, wie eng Umwelt- und Einkommensfragen miteinander verbunden sind. Naturnahe Landwirtschaft schützt die Ressourcen. Gemeinsame Infrastruktur stärkt die Menschen, die von ihr leben.
Definition: Was bedeutet ökosystembasierte Anpassung?
Ökosystembasierte Anpassung (engl. Ecosystem-based Adaptation, kurz EbA) beschreibt Maßnahmen, die gezielt natürliche Ökosysteme nutzen, um die Folgen des Klimawandels abzumildern. Die Grundidee: Intakte Natur schützt uns. So dämpfen Mangrovenwälder gefährliche Sturmfluten, während Wälder und Feuchtgebiete Wasser speichern, Böden festigen und Überschwemmungen abfedern. Diese Lösungen verbinden Klimaanpassung, Naturschutz und nachhaltige Entwicklung. Dabei fließt auch das Wissen der lokalen Bevölkerung in die Planung und Umsetzung ein. EbA-Maßnahmen sind oft kostengünstiger und nachhaltiger als technische Alternativen – und können flexibel an regionale Gegebenheiten angepasst werden. Das macht sie besonders wertvoll für benachteiligte oder abgelegene Regionen.
Workshops: Lernen in beide Richtungen
Kristina konnte zudem an Workshops mit unterschiedlichen Zielgruppen teilnehmen. Neben konzeptionellen Arbeitstreffen fand beispielsweise ein Workshop mit Schülerinnen und Schülern statt, in dem organischer Dünger aus Alltagsresten hergestellt wurde.
Solche Formate verbinden Umweltbildung mit praktischen Lösungen zur Anpassung an den Klimawandel (EbA). Der Austausch ist keine Einbahnstraße: Die Erfahrungen und Fragen der Teilnehmenden fließen direkt in die Weiterentwicklung der Maßnahmen im KlimaWald-Projekt ein.
Waldschutz, Wasser und Lebensgrundlagen
Ein besonders eindrücklicher Besuch führte zu einem lokalen Wasserkomitee. Hier traf Kristina auf Zoyla und Chichi, Vorständin und Vorstand des Wasserkomitee. Die selbstorganisierte Gruppe sichert seit rund 25 Jahren die Wasserversorgung ihres Dorfes. Sie verwalten Anschlüsse, kümmern sich um Instandhaltung und planen neue Zisternen. Unterstützt werden sie von ENDA Dominicana, insbesondere beim Bau neuer Wasserspeicher.
Beeindruckend ist das Engagement der Gemeinschaft: Die Komiteemitglieder arbeiten ehrenamtlich, Haushalte leisten einen kleinen jährlichen Beitrag zur Instandhaltung. Planung und Organisation liegen in den Händen der Gemeinde. Das Wasserkomitee plant, sich in das EbA-Komitee des Munizips El Cercado einzubringen. Es wurde im Rahmen des KlimaWald-Projekts gegründet und ist eines von vier EbA-Komitees in der Region.
Das Beispiel zeigt deutlich: Wasserversorgung funktioniert nur, wenn die Wälder oberhalb der Quellen geschützt sind. Waldschutz ist hier direkte Lebensgrundlage. Er ist zugleich ein zentrales Ziel der ökosystembasierten Anpassung im KlimaWald-Projekt.
Beziehungen als Erfolgsfaktor internationaler Projektarbeit
Neben fachlichen Erfolgen nahm Kristina Osen viele persönliche Eindrücke mit. Auf solchen Reisen wird ihr immer klarer, wie sie und das KlimaWald-Team die Partnerorganisationen noch besser unterstützen können. Gemeinsame Erlebnisse – vom Begrüßen neugeborener Familienmitglieder bis zu sportlichen Aktivitäten – stärken das Gemeinschaftsgefühl. Ein persönliches Highlight war der 5-Kilometer-Lauf „Santiago Rodríguez Corre“, an dem Kristina gemeinsam mit den Athleten Javier (Centro Naturaleza) und Isael, dem Sohn des Mitarbeiters von Centro Naturaleza, Anthony, teilnahm. Neben seiner Arbeit bei Centro Naturaleza ist Javier ein leidenschaftlicher Läufer und hat bereits an vielen Wettkämpfen in der Dominikanischen Republik mit Bestzeiten teilgenommen. Letztes Jahr besuchte er uns in Bonn und erreichte dort sensationell den 5. Platz beim Bonner Halbmarathon (https://www.regenwald-schuetzen.org/presse/2025/javier-almonte-espinal-laeuft-auf-platz-5). Isael träumt davon, eines Tages genauso schnell zu laufen wie Javier.
„Du bist kein Gast, du bist eine von uns“, sagte Antonio Mateo von ENDA. Dieser Satz steht sinnbildlich für die Haltung im KlimaWald-Projekt. Er beschreibt eine gelebte Zusammenarbeit, die weit über formelle Projekttermine hinausgeht. Genau darin liegt ihre Stärke. Vertrauen, Zugehörigkeit und gegenseitige Motivation prägen die Zusammenarbeit und tragen wesentlich zum langfristigen Erfolg des Projekts bei.
Nach der Dienstreise ist vor der nächsten: Projektarbeit kennt keine Pause
Mit der Rückkehr nach Deutschland endet die Projektarbeit nicht – sie geht in die nächste Phase. 2026 steht die Fertigstellung und praktische Anwendung der Replikationsmodelle im Mittelpunkt. Ziel ist es, bewährte Ansätze der ökosystembasierten Anpassung weiterzugeben und langfristig im Karibischen Korridor zu verankern.
Projektreferentinnen und Projektreferenten von OroVerde besuchen die Partnerorganisationen zwei- bis dreimal jährlich vor Ort. Diese Treffen sind kein formeller Pflichttermin, sondern ein zentraler Bestandteil der Projektarbeit. Sie ermöglichen fachliche Abstimmungen, klären offene Fragen und stärken das Vertrauen zwischen den Teams. Der Reisebericht zeigt, warum genau dieser persönliche Austausch entscheidend für den Erfolg des KlimaWald-Projekts ist.
KlimaWald - Mit starken Ökosystemen gegen den Klimawandel
Die Karibik fasziniert mit weißen Stränden, türkisblauem Wasser und artenreichen Tropenwäldern. In Kuba, Haiti und der Dominikanischen Republik entwickeln die Welthungerhilfe, OroVerde und lokale Partner innovative Lösungen, um diese Lebensräume zu schützen, Ökosysteme zu stärken und die Bevölkerung bei der Anpassung an den Klimawandel zu unterstützen.
EbA - Natürliche Antworten auf die Folgen der Klimakrise
Gesunde Ökosysteme sind Grundlage für Ernährung, Klimaschutz und den Schutz vor Extremwetter. Ökosystembasierte Klimaanpassung (Ecosystem-based Adaptation, EbA) sichert diese Leistungen langfristig – trotz Klimawandel – und mildert dessen Folgen.
Das Projekt ist Teil der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI). Das Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) fördert die Initiative aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestags.
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Kristina Jularic
Pressearbeit
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Fotonachweise: ©OroVerde - K.Osen (alle Bilder)


