Die Dürre setzt den Menschen und der Landwirtschaft in Haiti zu. Doch aus unserem KlimaWald-Projekt erreichen uns auch Nachrichten, die Mut machen: Landwirtinnen und Landwirte lernen voneinander, tauschen Wissen und Erfahrungen aus und tragen erfolgreiche Ansätze der Klimaanpassung in andere Gemeinden weiter.
5. November 2026 | Kristina Jularic
Acht Landwirtinnen machen sich auf den Weg nach Borgne. Sie kommen aus Camp-Louise und wollen sehen, was andere Landwirt*innen gegen die Folgen von Dürre und Klimawandel tun. Sie besuchen Projektaktivitäten, tauschen Erfahrungen aus und nehmen neue Ideen mit zurück in ihre eigene Region. Gerade jetzt ist dieser Austausch besonders wichtig. Die anhaltende Trockenheit macht vielen Familien zu schaffen. El Niño verschärft die schwierigen Bedingungen zusätzlich.
Was hat El Niño mit der Dürre in Haiti zu tun?
El Niño ist ein natürliches Klimaphänomen im tropischen Pazifik, das Temperatur- und Niederschlagsmuster in vielen Regionen der Erde beeinflusst. Derzeit ist El Niño fest etabliert und dürfte sich nach Angaben der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) weiter verstärken.
Auch Haiti bekommt die Auswirkungen zu spüren. Seit Mai 2026 beobachtet die Welternährungsorganisation FAO El-Niño-bedingte Trockenheit mit unterdurchschnittlichen und unregelmäßig verteilten Niederschlägen sowie überdurchschnittlichen Temperaturen. Die dadurch entstehenden Feuchtigkeitsdefizite im Boden beeinträchtigen bereits die landwirtschaftliche Produktion.
Dabei ist wichtig: El Niño und Klimawandel sind nicht dasselbe. El Niño tritt als natürliches Klimaphänomen in unregelmäßigen Abständen auf. Es trifft heute jedoch auf ein bereits deutlich erwärmtes globales Klima. Wie stark sich ein El-Niño-Ereignis regional auswirkt, hängt zudem von weiteren Faktoren ab.
Für landwirtschaftliche Familien in Haiti zählt vor allem eines: Sie müssen sich auf zunehmend schwierige und schwer vorhersehbare Bedingungen einstellen.
Genau hier setzt ökosystembasierte Anpassung an. Agroforstwirtschaft, Bodenschutz, vielfältigere Produktionssysteme und zusätzliche Einkommensmöglichkeiten können dazu beitragen, Risiken besser zu verteilen. Und wenn Landwirt*innen ihre Erfahrungen miteinander teilen und erfolgreiche Ansätze weitertragen, kann die Wirkung weit über einzelne Projektgemeinden hinausreichen.
Lernen und Austausch als Ziel
Voneinander lernen und erfolgreiche Ansätze weitertragen: Genau das ist ein wichtiges Ziel unseres KlimaWald-Projekts. Denn Klimaanpassung wirkt besonders nachhaltig, wenn Wissen vor Ort weitergegeben wird und bewährte Maßnahmen auch in anderen Gemeinden Anwendung finden. In Haiti, der Dominikanischen Republik und auf Kuba arbeiten wir deshalb gemeinsam mit unseren Partnern und den Menschen vor Ort daran, erfolgreiche Ansätze zu verstetigen und zu verbreiten. Mit Ihrer Unterstützung können wir diese Arbeit weiterführen und Menschen dabei unterstützen, ihre Lebensgrundlagen und die Tropenwälder im Karibischen Korridor zu schützen. Spenden Sie jetzt für KlimaWald.
Lernen als Erfolg begreifen
Was nach einem einfachen Austauschbesuch klingt, ist für unser KlimaWald-Projekt ein wichtiger Erfolg: Wissen bleibt nicht an einem Ort. Maßnahmen der ökosystembasierten Anpassung (EbA), die als Pilotprojekte gemeinsam mit den Menschen vor Ort umgesetzt werden, finden ihren Weg in weitere Gemeinden.
Erste Organisationen berichten bereits, dass sie Ansätze wie Kompostierung oder den Anbau von Grenadinen in ihren eigenen Projektgebieten umgesetzt haben.
Was im Bericht zunächst wie eine Zahl erscheint, ist in der Praxis ein Prozess, der Zeit braucht und sich über Jahre hinweg entfaltet.
Im August kamen auch in Vallières Landwirtinnen und Landwirte zusammen, um voneinander zu lernen. Bei drei Austauschbesuchen informierten sich insgesamt 24 Teilnehmende aus Borgne, Port-Margot und Bas-Limbé über die dort umgesetzten EbA-Maßnahmen. Zehn von ihnen waren Frauen.
Solche Begegnungen sind ein wichtiger Teil des Projekts: Erfahrungen werden geteilt, Lösungen gemeinsam weiterentwickelt und erfolgreiche Ansätze über die eigentlichen Projektgemeinden hinausgetragen.

Klimaanpassung bedeutet für uns nicht nur, einzelne Maßnahmen umzusetzen. Entscheidend ist, dass die Menschen ihr Wissen weitergeben, voneinander lernen und erfolgreiche Ansätze auch in anderen Gemeinden anwenden.
Moderne Imkerei schafft neue Perspektiven
Gleichzeitig geht es darum, die landwirtschaftlichen Aktivitäten vielfältiger aufzustellen.
Im August nahmen 18 Projektteilnehmende, darunter drei Frauen, an einer achttägigen Schulung zur modernen Imkerei teil. Rund 80 Prozent der Ausbildung waren praktisch ausgerichtet.
Anschließend erhielten die Teilnehmenden die notwendige Ausrüstung sowie jeweils zwei komplette Bienenstöcke. In Borgne entstanden so fünf neue Bienenstände.
Fünf Bienenstände wurden eingerichtet. Die Imkerei ergänzt damit andere Aktivitäten wie Agroforstwirtschaft, Gemüseanbau und semi-intensive Ziegenhaltung.
Gerade angesichts der anhaltenden Dürre ist diese Vielfalt wichtig. Sie hilft landwirtschaftlichen Familien, nicht allein von einzelnen Kulturen abhängig zu sein und ihre Lebensgrundlagen breiter aufzustellen.
Ökosystembasierte Anpassung kurz erklärt
Im KlimaWald-Projekt arbeitet OroVerde gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen daran, Wälder wiederherzustellen und Gemeinden bei der Anpassung an den Klimawandel zu unterstützen. Im Mittelpunkt stehen Maßnahmen der ökosystembasierten Klimaanpassung wie Aufforstung, Agroforstsysteme und nachhaltige Landwirtschaft.
Bei der ökosystembasierten Anpassung (engl. Ecosystem-based Adaptation = EbA) werden gezielt natürliche Ökosysteme genutzt, um die Folgen des Klimawandels abzumildern. Die ökosystembasierte Klimaanpassung ist eine Form der naturbasierten Lösungen.
Die Grundidee ist einfach: Intakte Natur schützt uns. So können Mangrovenwälder Sturmfluten abschwächen und Wälder sowie Feuchtgebiete Wasser speichern, Böden stabilisieren und Überschwemmungen abfedern.
Solche Ansätze verbinden Klimaanpassung, Naturschutz und nachhaltige Entwicklung. Gleichzeitig fließt das Wissen der lokalen Bevölkerung in Planung und Umsetzung ein.
EbA-Maßnahmen sind häufig kostengünstiger und langfristig tragfähiger als rein technische Lösungen. Zudem lassen sie sich flexibel an unterschiedliche regionale Bedingungen anpassen. Das macht sie besonders wertvoll für benachteiligte oder abgelegene Regionen.
Die Inhalte dieses Artikels basieren auf dem Monatsbericht des haitianischen Projektpartners Concert-Action für Januar 2026.
Wissen wächst, wenn es geteilt wird
Die aktuellen Aktivitäten zeigen, wie wichtig Austausch für erfolgreiche Klimaanpassung ist. Denn es geht nicht nur darum, neue Ansätze zu erproben, sondern Wissen weiterzugeben und Erfahrungen miteinander zu teilen.
Landwirt*innen lernen voneinander, moderne Imkerei eröffnet zusätzliche Möglichkeiten und bewährte Maßnahmen werden von anderen Gemeinden aufgegriffen.
So kann Klimaanpassung Schritt für Schritt über die Projektregion hinaus Wirkung entfalten.
KlimaWald - Mit starken Ökosystemen gegen den Klimawandel
Die Karibik fasziniert mit weißen Stränden, türkisblauem Wasser und artenreichen Tropenwäldern. In Kuba, Haiti und der Dominikanischen Republik entwickeln die Welthungerhilfe, OroVerde und lokale Partner innovative Lösungen, um diese Lebensräume zu schützen, Ökosysteme zu stärken und die Bevölkerung bei der Anpassung an den Klimawandel zu unterstützen.
EbA - Natürliche Antworten auf die Folgen der Klimakrise
Gesunde Ökosysteme sind Grundlage für Ernährung, Klimaschutz und den Schutz vor Extremwetter. Ökosystembasierte Klimaanpassung (Ecosystem-based Adaptation, EbA) sichert diese Leistungen langfristig – trotz Klimawandel – und mildert dessen Folgen.
Das Projekt ist Teil der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI). Das Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) fördert die Initiative aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestags.
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Kristina Jularic
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Fotonachweise: © OroVerde - J. Baumann (alle Bilder)


