Noch vor wenigen Jahren hätte kaum jemand gedacht, dass Wendy Jáquez' Finca „Piso Verde“ in der Provinz Santiago Rodríguez in der Dominikanischen Republik einmal zu einem Vorbild für klimaresiliente Landwirtschaft werden würde.
4. August 2026 | Kristina Jularic
Heute wachsen hier Kakao, Kaffee, Avocados, Bananen und zahlreiche weitere Nutz- und Schattenbäume in einem vielfältigen Agroforstsystem. Zwischen den Pflanzen summen Bienen, die bereits den ersten Honig liefern. Aus einem Mammutprojekt auf 1,1 Hektar entwickelte Wendy eine Erfolgsgeschichte, die Nachahmer*innen findet.

Meine Nachbarn sagen heute, hätten sie damals gewusst, was daraus entstehen kann, hätten sie das Grundstück selbst gekauft.
„Ohne lebendige Böden gibt es keine Nachhaltigkeit“
Nach dem Tod ihres Vaters erbte Wendy das Land. Statt es aufzugeben, entschied sie sich, es selbst zu bewirtschaften. Gemeinsam mit den Fachkräften unserer Partnerorganisation Centro Naturaleza lernte sie Schritt für Schritt, wie sich das Gelände nach den Prinzipien der ökosystembasierten Anpassung wieder aufbauen lässt.
Heute sorgen biodiverse Agroforstsysteme dafür, dass Regenwasser länger im Boden gespeichert wird, die Bodenfruchtbarkeit steigt und die Pflanzen sich gegenseitig unterstützen. Lebende Barrieren aus Ananaspflanzen sowie natürliche Barrieren aus Ästen und Sträuchern bremsen den Wasserabfluss bei Starkregen und helfen dabei, wertvolle Feuchtigkeit im Boden zu halten. Gleichzeitig schützen Bäume die Kulturen vor intensiver Sonneneinstrahlung und verbessern das Mikroklima.
Héctor Almonte, Direktor von Centro Naturaleza, bringt die Bedeutung dieser Maßnahmen auf den Punkt: „Ohne lebendige Böden gibt es keine Nachhaltigkeit.“
Wissenschaft trifft Praxis
Auf der Finca „Piso Verde“ verbindet Landwirtin Wendy praktische Landwirtschaft direkt mit wissenschaftlicher Forschung. Gemeinsam mit den Fachkräften von Centro Naturaleza nutzt sie ihren Betrieb als Demonstrationsfläche für klimaresiliente Ansätze und untersucht die Flächen systematisch. Durch diese wissenschaftliche Begleitung belegt das Team die konkreten Wirkungen ökosystembasierter Anpassungsmaßnahmen (EbA) auf Wasserhaushalt und Bodenentwicklung und gewinnt wertvolle Erkenntnisse für weitere Projektregionen.
Die Maßnahmen und wissenschaftlichen Aktivitäten im Überblick:
- Messstationen installieren: Spezialisierte Messtechnik direkt auf den bereitgestellten Flächen der Finca aufbauen.
- Umweltdaten kontinuierlich erfassen: Niederschlagsmengen, Bodenfeuchte, Sedimentation und weitere Parameter laufend messen.
- Ergebnisse regelmäßig auswerten: Die erhobenen Daten alle zwei Wochen gemeinsam mit Fachleuten wie Leidy Fortuna digital analysieren.
- Veränderungen dokumentieren: Die konkreten Effekte auf Wasserrückhalt, Bodenerosion und langfristige Bodenqualität belegen.
- Praxisaustausch fördern: Exkursionen für Projektpartner veranstalten, um Wissen über Agroforstsysteme, Wassermanagement und Bodenschutz direkt vor Ort zu teilen.
- Erkenntnisse übertragen: Lokales Erfahrungswissen mit Messdaten kombinieren, um erfolgreiche EbA-Ansätze in andere Regionen zu skalieren.
Eine Erfolgsgeschichte, die Mut macht
Wie sehr sich Wendy's Finca verändert hat, zeigt auch der Blick ihrer Nachbarschaft auf das Grundstück.
Auf die Frage von OroVerde-Projektreferentin Dr. Kristina Osen, was ihre Nachbarn heute über „Piso Verde“ denken, antwortete Wendy schmunzelnd: „Sie sagen, hätten sie damals gewusst, was daraus entstehen kann, hätten sie das Grundstück selbst gekauft.“
Heute denkt Wendy bereits weiter. Sie möchte ihre Honig- und Kakaoproduktion ausbauen, ihre Produkte künftig selbst vermarkten und langfristig Besucherinnen und Besucher auf ihrer Finca willkommen heißen. Ein kleiner Hofladen und Ökotourismus gehören zu ihren Zukunftsplänen.
Während des Besuchs sagte Wendy, die Unterstützung durch Centro Naturaleza sei „das Beste gewesen, was ihr passieren konnte“. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: „Nein – Wendy war das Beste, was Centro Naturaleza passieren konnte.“ Für das Team der Partnerorganisation ist sie heute ein Vorbild für viele andere Kleinbäuerinnen und Kleinbauern. Oder wie eine Kollegin es treffend formulierte: „Wendy zeigt, wie Frauen Veränderung gestalten können.“
Wendy's Finca entdecken
Ökosystembasierte Anpassung kurz erklärt
Im KlimaWald-Projekt arbeitet OroVerde gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen daran, Wälder wiederherzustellen und Gemeinden bei der Anpassung an den Klimawandel zu unterstützen. Im Mittelpunkt stehen Maßnahmen der ökosystembasierten Klimaanpassung wie Aufforstung, Agroforstsysteme und nachhaltige Landwirtschaft.
Bei der ökosystembasierten Anpassung (engl. Ecosystem-based Adaptation = EbA) werden gezielt natürliche Ökosysteme genutzt, um die Folgen des Klimawandels abzumildern. Die ökosystembasierte Klimaanpassung ist eine Form der naturbasierten Lösungen.
Die Grundidee ist einfach: Intakte Natur schützt uns. So können Mangrovenwälder Sturmfluten abschwächen und Wälder sowie Feuchtgebiete Wasser speichern, Böden stabilisieren und Überschwemmungen abfedern.
Solche Ansätze verbinden Klimaanpassung, Naturschutz und nachhaltige Entwicklung. Gleichzeitig fließt das Wissen der lokalen Bevölkerung in Planung und Umsetzung ein.
EbA-Maßnahmen sind häufig kostengünstiger und langfristig tragfähiger als rein technische Lösungen. Zudem lassen sie sich flexibel an unterschiedliche regionale Bedingungen anpassen. Das macht sie besonders wertvoll für benachteiligte oder abgelegene Regionen.
Die Inhalte dieses Artikels basieren auf dem Monatsbericht des haitianischen Projektpartners Concert-Action für Januar 2026.
KlimaWald Jahrestreffen 2026: Gemeinsam Wirkung entfalten
Der Besuch auf Wendys Finca machte eindrucksvoll deutlich, worum es im Projekt KlimaWald geht: Erfolgreiche Klimaanpassung entsteht dort, wo Menschen ihr Wissen teilen, voneinander lernen und gemeinsam handeln. Genau dafür bietet das jährliche Partnertreffen den passenden Rahmen: Sechs Tage lang tauschten sich die Partnerorganisationen aus Haiti, Kuba und der Dominikanischen Republik über erfolgreiche Praxisbeispiele, Herausforderungen und neue Lösungsansätze aus. Im Mittelpunkt standen die Weiterentwicklung ökosystembasierter Anpassungsmaßnahmen (EbA), die Stärkung lokaler Governance sowie Strategien, um bewährte Ansätze langfristig zu verankern und ihre Wirkung in der Region zu vervielfachen. Mit vielen neuen Impulsen, gestärkten Partnerschaften und einem gemeinsamen Verständnis für die letzten Schritte geht das Projekt nun in seine abschließende Phase. Das Ziel ist, die Widerstandsfähigkeit von Gemeinden und Ökosystemen in der Karibik nachhaltig zu stärken.
Austausch, Zusammenarbeit und Zukunft gestalten
KlimaWald - Mit starken Ökosystemen gegen den Klimawandel
Die Karibik fasziniert mit weißen Stränden, türkisblauem Wasser und artenreichen Tropenwäldern. In Kuba, Haiti und der Dominikanischen Republik entwickeln die Welthungerhilfe, OroVerde und lokale Partner innovative Lösungen, um diese Lebensräume zu schützen, Ökosysteme zu stärken und die Bevölkerung bei der Anpassung an den Klimawandel zu unterstützen.
EbA - Natürliche Antworten auf die Folgen der Klimakrise
Gesunde Ökosysteme sind Grundlage für Ernährung, Klimaschutz und den Schutz vor Extremwetter. Ökosystembasierte Klimaanpassung (Ecosystem-based Adaptation, EbA) sichert diese Leistungen langfristig – trotz Klimawandel – und mildert dessen Folgen.
Das Projekt ist Teil der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI). Das Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) fördert die Initiative aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestags.
Ihr Pressekontakt

Kristina Jularic
Pressearbeit
+49 228 24290-33
kjularic[at]oroverde[dot]de
Fotonachweise: © OroVerde - K. Jularic, K. Osen, J. Horstmann


